Vom 14. bis zum 19. Februar habe ich an einer Seminarfahrt nach Auschwitz teilgenommen, die von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung organisiert worden war.
Die Fahrt von Görlitz, wo unsere Fahrt begann, zur Jugendbegegnungsstätte IJBS Auschwitz dauerte etwa 6 Stunden. Nach der Ankunft haben wir gleich das notorische Kennenlernspielchen durchgeführt: Zu seinem Vornamen sollte sich jeder ein Adjektiv ausdenken, welches anschließend pantomimisch dargestellt werden musste. Diese Methode kam in der Gruppe nicht so gut an, weil die meisten Teilnehmer sich für diese Spielchenzu alte fühlten und sich dadurch in die Grundschulzeit zurückversetzt sahen. Danach gab es ein wenig Freizeit, in der wir uns kennenlernen und an die neue Umgebung gewöhnen konnten.
Am zweiten Tag ging es dann in die erste Gedenkstätte ins Stammlager Auschwitz I. Wir bekamen eine dreieinhalbstündige Führung, die die Teilnehmer unserer Gruppe sehr unterschiedlich verarbeitet haben. Eine Person konnte in manche Ausstellungsräume nicht hineingehen, eine andere wiederum musste ständig laut reden, um sich abzulenken. Es war sehr erdrückend an dem Ort des Geschehens „nur 65 Jahre später“ zu hören. Ganz besonders schlimm fand ich die sogenannten „Stehzellen“, in denen man, wie der Name schon sagt, nicht liegen konnte und daher physisch und psychisch gefoltert wurde. Außerdem war das Verhalten der Besucher teils sehr surreal, bspw. wenn sich Gruppen von 4, 5 Leuten vor dem Schriftzug „ Arbeit macht frei“ Arm in Arm fürs Familienalbum fotografieren ließen.
Da der Tag für mich schon schlimm genug war, wollte ich ursprünglich am nächten Tag gar nicht mitgehen, habe dies aber dann doch getan. Das eigentliche Vernichtungslager, das auf dem Programm stand, hat mich schließlich jedoch auch weit weniger berührt als das Stammlager vom Vortag. Nichts desto trotz war es ein enormes Erlebnis, allein die Größe des Lagers machte es unvorstellbar zu begreifen, wie Menschen zu so etwas fähig waren. Während der Führung gingen wir in zwei Baracken hinein. Dort konnten wir sehen wie schlecht die Betten konzipiert waren. Unvorstellbar, dass hier so viele Menschen auf so wenig Fläche leben mussten. Und immer war diese Kälte im Hintergrund, die die Atmosphäre noch erdrückender werden ließ. Nach drei Stunden Führung ging es zurück in unsere Herberge. Abends saßen wir noch ein wenig zusammen und haben über das Erlebte gesprochen.
Am Donnerstag ging es um „Kunst im Lager“, eine Einheit, die wieder im Stammlager Auschwitz I stattfand. Ich musste dort feststellen, dass ich das Lager bei meinem zweiten Besuch nicht mehr so erdrückend wahrnahm. Ich empfand es wie eine Kulisse in einem Film. Die Ausstellung war in einem recht kleinen Raum, an dessen Wänden Bilder hingen. Einige Bilder waren Auftragsarbeiten der SS, wodurch sich die Häftlinge Privilegien erkaufen konnten. Die zweite Sorte waren aus freien Stücken angefertigte Bilder. Man sah bei beiden Typen von Bildern einen enormen Unterschied. Auftragsarbeiten zeigten meistens friedliche Szenen wie bspw. wohlgenährte Zwangsarbeiter, die eine Fabrikhalle bauen und dabei von einem Wachmann beaufsichtigt werden. Es sind aber natürlich auch Bilder entstanden, die keine Auftragsarbeiten der SS waren und somit teilweise das richtige, unverfälschte Lagerleben widerspiegelten.
Später war noch ein wenig Zeit für die Länderausstellungen. Das sind solche, in denen speziell über die von Nazideutschland besetzten Länder informiert wird. Da an dem Tag leider nicht mehr so viel Zeit übrig blieb schaute ich mir nur noch die Österreich- und die Sinti und Roma-Ausstellung an. Österreich ist hierbei sehr merkwürdig vorgegangen. Die Präsentation war gut gemacht und dem Thema angemessen, jedoch kam für mich die Schuld Österreichs viel zu kurz. Es wurde stattdessen in Texttafeln etc. so hingestellt als wenn es in dem besetzten Land fast ausschließlich Widerstandskämpfer gegeben hätte, also ein Widerstand stattgefunden hätte.
Nach zwei Stunden ungefähr mussten wir weiter, denn wir hatten ja noch einen Termin mit einem Zeitzeugen. Je mehr die Zeit voranschreitet, desto weniger Zeitzeugen wird es geben, und aus diesem Grund hatten wir ein Mikrophon und eine Kamera dabei und haben so den Bericht des Zeitzeugen aufgezeichnet. Der Bericht des Zeitzeugen war sehr, sehr detailliert. Er schilderte uns, welch grässliche Tätigkeiten er machen musste. Er musste zum Beispiel Aufnahmen von Gefangenen machen, die von Krebs befallene Zellen implantiert bekommen hatten. Er war ein Funktionshäftling gewesen, was ihm einige Privilegien einbrachte, wie z.B. extra Essensportionen und eine bessere Unterkunft. Es war schon erstaunlich jemanden mit jemandem sprechen zu können, der diese ganzen Schrecken wirklich am eigenen Leib erlebt hat.
Am Donnerstagabend haben wir dann auch noch eine nette Gruppe aus Österreich kennengelernt, mit denen wir uns gut verstanden haben. Sie hatten den gleichen Programmablauf wie wir, und so konnten wir uns darüber austauschen.
Am letzten Tag hatten wir schließlich noch Erholung und Kultur auf dem Programm. Der Bus nach Krakau ging früh morgens los. Dort angekommen gab es für uns eine 2-3-stündige Stadtführung, die auf dem Wawelhügel endete, wo das Schloss Krakaus steht. Am Nachmittag ging es dann auf zum Salzbergwerk Wieliczka, welches das älteste Salzbergwerk der Welt ist und zu den UNESCO Weltkulturerben zählt. Abends gingen wir in einem jüdischem Restaurant essen, in dem wir koschere Speisen bekamen, welches sehr gut geschmeckt haben. Im Anschluss ans Essen bekamen wir noch ein Konzert von einer polnischen Band die für uns Klezmer spielte. Somit war dies ein gelungener Abschluss für unsere Seminarfahrt.
Moritz