Im mit etwa 50 Mann gefüllten Saal erlebten wir zwei Referentenvorträge von Jan Liebnitzky von der Amnesty International Hochschulgruppe und Malte Daniljuk von der Rosa-Luxemburg Stiftung. Beide waren bereits in Venezuela. Im Anschluss gab es eine offene Publikumsdiskussion.
Jan Liebnitzky stellte die aktuelle Situation anhand einer Power Point Präsentation dar. So wurde deutlich, dass zwar gute Ansätze wie kostenlose Bildungs- und Arzteinrichtungen vorhanden sind aber letztendlich große Probleme in Punkten Korruption und der Einhaltung der Menschenrechte bestehen. Hugo Chavez ist mittlerweile seit 14 Jahren an der Macht, die Spanne zwischen Arm und Reich ist in Form von Armenvierteln und abgeriegelten Wohngebieten klar erkennbar. Der Zusammenhang zwischen Todschlägen und Festnahmen klafft mittlerweile extrem weit auseinander. Immer seltener die Täter inhaftiert und die Kriminalitätsrate explodiert förmlich. Selbst die Polizei hat große Korruptionsprobleme. Wenn man es dort ins Gefängnis schafft erwartet einen die Hölle. Dort gibt es nicht nur Schlägereien, sondern schätzungsweise verfügt jeder zweite Häftling über eine Schusswaffe. Auch in den Armenvierteln herrscht blanke Anarchie und man müsse mit Überfällen rechnen. Aus diesen Gründen blieb Liebnitzky diesen Gegenden oft fern.
Die Meinungsfreiheit ist auch radikal eingeschränkt, da viele oppositionelle Medien nicht ausgestrahlt werden und sogar Gewaltübergriffe verübt wurden.
Malte Daniljuk kam auf die guten Ansätze zurück. Die Verfassung erlaubt theoretisch sogar direkte Demokratie nach dem schweizer-Modell, die mehrheitliche Bevölkerung steht überwiegend hinter Chaves und durch die verstaatlichten Betriebe sowie vielen Ansätzen in der kostenlosen Gesundheitspolitik gab es durchaus gute Ansätze. Malte Daniljuk betonte, dass sich die Menschenrechtssituation in Venezuela seit den 1990er deutlich verbessert hat und auch deutlich besser ist als in allen Nachbarländern, etwa in Kolumbien ist. Ungelöste Probleme sind die ausstehende Reform von Justiz und Strafvollzug, die mit verantwortlich für das hohe Maß an Straflosigkeit und damit die hohe Kriminalitätsrate sind. Insbesondere im Medienbereich hat sich die Situation in Venezuela dadurch verbessert, dass über 100 neue Radiofrequenzen an private Medien vergeben wurden und eine breite Bewegung von Freien bzw. Nachbarschaftsmedien entstanden ist.
In der darauf folgenden Diskussionsrunde wurde vieles nochmal ausführlich von den Referenten erklärt. So wurde auch über die Beziehung von Chavez zu Iran diskutiert, denn Mahmud Ahmadinejad wurde mehrmals herzlich von Chavez empfangen.
Abschließend wurden die Referentengeschenke verteilt und die weiteren Gespräche folgten im privateren Umfeld.
Letztendlich war der Stammtisch ein voller Erfolg und belichtete Venezuela in positiven und negativen Aspekten.
Hier findet Ihr noch einige Impressionen und Berichte über Venezuela