Europa vermitteln heute: einfach. neu. anders!?

Europa vermitteln heute: einfach. neu. anders!?

 
Europa
vermitteln heute: einfach. neu. anders!?
Politische
Bildung richtet seit einiger Zeit den Blick auf neue Ansätze in Hinsicht auf aktuelle
Problemlagen. In einem europäischen Raum, wo die Länder sich sehr eng verknüpft
haben und versuchen ihre Politik gemeinsam zu gestalten, sind wir alle
Europäer. Denn Europa wird immer mehr als eine Idee, es wird zu einem funktionierenden
Organismus, einer bestimmten Wertegemeinschaft. Wie können wir aber als Akteure
von Jugendarbeit in Deutschland, Europa bestmöglich angesichts der aktuellen
Herausforderungen vermitteln?
Das war
die Leitfrage bei dem Fachforum Europa in Dresden am 9. bis 10. März. An dem
Forum nahmen Fachkräfte der europabezogenen Jugendbildung aus formaler und
nicht formaler Bildung, aus Politik, Forschung und Medienbereich teil.
Das Forum bot
eine Plattform für verschiedene Fragen und Workshops. Wir hatten die
Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen von anderen Organisationen. Die
Veranstaltung schaffte viel Raum zur Vorstellung erfolgreicher nationaler und
europaweiter Projekte, sowie neuer Methoden und innovativer Bildungsangebote.
Das
Fachforum Europa wurde vom Direktor des Hygienemuseums Prof. Klaus Vogel
eröffnet. Er begrüßte alle Gäste und merkte an, dass europäische Werte der
Gesellschaft bewusst werden sollen und Xenophobie und Ausgrenzung auf keinem
Fall zu Dresden gehören!
Nach
seiner Begrüßungsrede hielt Prof. Dr. Oberle von der Universität Göttingen einen
Vortrag zum Thema „Didaktische Perspektiven einer europabezogenen Bildung“. Es
ging um einen Mangel an  Europabildung in
der Schule. Die europäische Ebene sei in der Schule wenig präsent – behauptete Prof.
Dr. Oberle. Die Jugendlichen sollen  europabezogene,
politische Kompetenzen entwickeln, um in einer europäischen Gesellschaft
teilzuhaben. Ebenso fehle meistens in der Jugendarbeit  der Begriff europäische Identität und europäisches
Bewusstsein. Die Träger der Jugendarbeit sollen bei den Jugendlichen Emotionen
für Europa zu wecken. Außerdem braucht man mehr Handlungsorientierung in der
Jugendarbeit. Als empfehlenswerte Methode wurden Planpolitik (Planspiele) und
Service Learning vorgeschlagen, sofern diese gewissen Maßstäben gerecht werden
Durch die Planspiele können die Jugendlichen nicht nur
ein „objektives“ europäisches Wissen erlernen, sondern auch ein „subjektives“
Wissen von der EU (ich kann mitreden, ich kann überzeugen) entwickeln. Das könnte
ein fließender Übergang zur Partizipation und europäischem Bewusstsein sein.
Nach dem
leckeres Mittagessen, das in der Sonne vor dem Hygienemuseum eingenommen werden
konnte, waren wir wieder bereit für die Workshops.
Bijou und
ich haben als ersten Workshop „Europa in der Schule“ ausgewählt. Die TN
betonten verschiedene Probleme bei der Europa-Arbeit in der Schule, z. B.
fehlende Fachkräfte in der Schule, die die Schüler für Europa begeistern
können. An dem Workshop hat mich der Erfahrungsbericht von Frau Ricarda
Geidelt, Grundschullehrerin an der Lessingschule in Leipzig, besonders
begeistert. Sie erzählte über den langen und schwierigen Weg der Lessingschule
zur Europaschule. Sie erklärte den Teilnehmern, welche Projekte die Schule organisiert
hat und wie ihre Schüler an europäischen Projekten und Wettbewerben teilnehmen,
z. B Schüleraustausche, Europa-AG, Skype-Konferenzen mit schwedischen Schülern.
Ganz tolle Projekte! Frau Geidelt stellte fest: wir müssten am besten schon im
Kindergarten mit Europabildung anfangen, weil gerade die Kinder noch keine
Grenzen im Kopf haben.
Nachmittags
bin ich zum 2. Workshop gegangen „Kritisch, aber pro Europa – eine
Ideenwerkstatt für Jugendbildung und Jugendarbeit“. Stephan Schwieren vom Haus
am Maiberg hat den Workshop moderiert. Ob europäische Jugendprojekte nicht oft
zu unkritisch seien – fragte er uns – wo stehen wir und wo wollen wir hin?
Seine Veranstaltung hat er mit solchen Fragen begonnen. Die Vertreter von den Organisationen
waren sich fast einig, dass wir uns mit Europa immer
kritisch auseinandersetzen müssen. Europa zu erklären sei ziemlich schwierig,
deswegen wurde uns vorgeschlagen in kleinen Gruppen Europa zu malen! Welche
Kunstwerke – Europabilder- haben wir geschafft, könnt ihr gleich hier sehen;))
Ganz
bemerkenswert war, dass die TN Europa heute nicht nur als EU definieren,
sondern auch noch Länder wie Belarus, Ukraine, Russland, Armenien, Türkei usw. einschließen.
Symbolisch haben fast alle die Friedenssicherung als selbstverständliche
Grundidee Europas ausgewählt. Andere positive Aspekte wie Freizügigkeit,
Mobilität, kulturelle Vielfalt waren ebenso

mit Europa assoziiert. Trotzdem
waren die Europabilder mit einigen Hoffnungen und Zukunftsfragen bemalt: wie
können wir z. B eine gemeinsame Vorstellung von Europa haben? Oder: wie kann
man die europäische Werte in allen Länder akzeptieren und vorantreiben? Wie
erreichen wir Wohlstand für alle Europäer? Gibt’s es Sicherheitsgefahren für
Europa und die EU heute? Solche Fragen haben wir auch diskutiert und uns weiter
mit den Zielen, Inhalten und Methoden der Europa-Jugendpolitik beschäftigt. Um Interesse
an Europa zu schaffen, brauche es verstärkt Perspektivenwechsel und
Anknüpfungspunkte für Jugendliche aus dem Alltag, aber auch mehr
Europabewusstsein, Neugier und Emotionalität. Die reflektierte
Auseinandersetzung sei dabei eines der wichtigsten Ziele, einigte sich die
Gruppe.

 Zweiter
Tag
 
 Am zweiten Tag wurden uns
verschiedene europäische Projekte, Programme und Initiativen kurz präsentiert.
Wir, Tobias, Bijou und Alex haben uns nach verschiedenen Themen verteilt, um uns
so viel wie möglich anzuhören. Ganz interessant
fand ich die Organisation European Alternatives, die ihre Projekte in mehreren
Ländern Europas durchführt und Demokratieförderung mit verschiedenen Aktionen
unterstützt, z. B. „Transeuropa Caravans“.
Bijou hat
an dem Workshop „Young workers for europe“ des Xenos-Projekts teilgenommen. Das
Projekt richtete sich an junge Menschen in NRW, die sich in berufsvorbereitenden
Bildungsmaßnahmen und außerbetrieblichen Ausbildungen befinden. Ziel war handwerkliche
Qualifikation und soziales Lernen mit Auslandserfahrung zu verbinden und für
die Teilnehmenden die Vermittlung wertvoller Qualifikationen für die berufliche
Entwicklung. Ein konkretes Ergebnisbeispiel  dieses Projektes war  ein Kurzfilm über junge Azubis aus NRW, die
zwei Wochen lang an einer Renovierungsarbeit einer von Deutschland gebauten jüdischen
Gedenkstätte in einem kleinen Dorf in Griechenland teilgenommen haben. Eine
andere Gruppe hat auch mit ihrem Engagement (der Bau einer Müllabfuhr) in einem
Dorf in Rumänien gezeigt, wie gut es ist an andere Menschen zu denken und ihnen
etwas Gutes zu tun. Am Ende des Workshops gab es die Möglichkeit eine DVD über
verschiede Aktionen des „Young Workers for Europe“ zu bekommen. Danach ging es
weiter zum nächsten Workshop. Tobias und Bijou gingen noch zu dem Publixphere-Workshop.
Dort wurde erklärt wie junge Leute oder noch ältere über ein europabezogenes
Thema auf der Plattform diskutieren können. Das Ziel dieses Projektes ist eine
Diskussion über die aktuellen Themen und Problemen zu eröffnen, damit jeder
seine eigene Meinung dazu bringt. Und jede 3. Woche nach der Eröffnung der
Diskussion wird eine Zusammenfassung auf der Seite gepostet. Und dann geht’s
weiter mit dem nächsten Thema.
Wie kann
man sich mit Europa beschäftigen, um Populismus zu vermeiden? Mit dieser Frage
setzen wir uns bei der Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus Wien, Tschechien
und Deutschland auseinander. Was tun gegen Populismus? – 4 Experten versuchten
eine Antwort auf die Frage zu finden. Lida Rakušanová, die Vertreterin von
Radio Free Europe erzählte über populistische Bewegungen und Parteien in
Tschechien. Sie hatte die Einstellung, obwohl Jugendliche in Tschechien und
Deutschland ihre eigene, andere Wahrnehmung von Europa hätten, seien sie trotzdem
pro Europa und bereit sich an der EU-Prozessen zu beteiligen. Prof. Dr. Eckart
D. Stratenschulte aus der Europäische Akademie Berlin behauptete dass wir uns
zurück auf die Grundideen von Europa besinnen müssen, die Komplexität
reduzieren, um so Europa verständlich zu machen. Nur mit

kritischer Auseinandersetzung
mit Europa können wir uns gegen Populismus verteidigen. Dazu sei es wichtig
genau konstruktive Kritik zu äußern, und nicht fundamentale, die gegen Europa als
Ganzes orientiert sei. Die populistischen Bewegungen, wie z. B. die PEGIDA –
Bewegung, setzen immer auf Stereotype und Vorurteile, die Aufgabe von
Jugendorganisationen dabei sei es diese Stereotype abzubauen und ein rationales
Wissen zu vermitteln. Frau Diendorfer, die aus Österreich kam, hat die Meinung vertreten,
dass wir in den Jugendlichen ein Gefühl von „global citizen“ entwickeln sollen.
Das hieße, wer sich als global citizen verstehe, der habe keine Probleme mit
Zugehörigkeitsgefühl und die populistische sozial Bewegungen können damit
vermeidet werden.

„Europa
darf Spaß machen!“ so beendete Tobias Heinemann die Diskussion, ein sehr schöner
Ausdruck aus meiner Sicht.  Wie können
wir bei den Jugendlichen Interesse an Europa wecken, wie kann das Gefühl nach
europäischer Zusammengehörigkeit wachsen? Ich glaube dieses Forum hat
verschiedene Antworten auf diese Fragen gegeben. Um ein einheitliches Europa zu
entwickeln, das nach innen und außen handlungsfähig ist, müssen wir, die Träger
der Jugendpolitik, uns europaweit konsolidieren, um den Europagedanken weiter
zu verbreiten.
 Liebe Grüße,
Demokratie in China?

Demokratie in China?

Ein Stereotyp von China ist seine Ablehnung
westlicher Werte. Beispielsweise habe es eine eigene Form der Demokratie, die
jedoch im Westen  als Diktatur betrachtet
wird.  Die chinesische Führung argumentiert,
dass China seine eigene Politik mit eigenen Normen haben müsse. Ein Blick in
die Geschichte zeigt allerdings, dass Demokratie und China nicht vereinbar zu
sein scheinen. Unter Sun Yatsen begannen zu Beginn des 20. Jahrhundert die
ersten Revolutionen für die chinesische Demokratie. Die von ihm gegründete
Republik China besteht auf Taiwan fort und hat sich in eine demokratische,
offene Gesellschaft weiterentwickelt.
Diskussion mit den drei taiwanischen Vertretern
So habe ich am 26.02.2015 an einem Vortrag über das Thema „ Chinesische
Demokratie“ teilgenommen. Das Seminar wurde von den JUSOS Leipzig angeboten,
dem der SPD nahestehenden Jugendverband. Eingeladen warenDr.
Klement Gu, stellvertretender Repräsentant
Taiwans, und Julie Chu, 1. Sekretärin der Taiwan Vertretung.  Sie haben uns die
taiwanische Demokratie näher vorgestellt und sind auf die zwei wichtigsten
Herausforderungen der taiwanischen Außenpolitik eingegangen. Diese bestehen
in den Beziehungen zu Festland-China und der Einbindung Taiwans ins
internationale System.
Dr. Klement hat die Beziehungen zwischen
Taiwan und Deutschland erklärt. Diese sind weniger diplomatischer denn wirtschaftlicher
Natur, denn Taiwan ist ja kein international anerkannter Staat.  Die deutschen Interessen werden durch
das Deutsche Institut Taipeh wahrgenommen, nicht durch eine offizielle
Botschaft. Es sind vor allem wirtschaftliche
Beziehungen. Taiwan gehört zu den vier Tigerstaaten Asiens und besitzt beispielsweise
große Hardwarefirmen mit bis zu einer Million Angestellter. Taiwan ist
nach Hongkong Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner in Asien (weltweit
außerhalb der EU Nr. 30), umgekehrt ist Deutschland für Taiwan der bedeutendste
Handelspartner in der EU. In fast allen Branchen sind deutsche Unternehmen in
Taiwan oft schon seit vielen Jahren aktiv und nicht selten haben diese
Geschäftsbeziehungen direkten Bezug zu China, wo Taiwan einer der wichtigsten
Auslandsinvestoren ist. Taiwan interessiert sich für Deutschlands
energiepolitische Entwicklungen und die damit einhergehende Entwicklung grüner
Technologien. Taiwan exportiert also in diesem Sinne
Computer und viele andere elektronische Produkte. Dafür bekommt Taiwan aber
auch Software und andere Produkte aus dem Westen, die es sonst auf seinem
Binnenmarkt nicht gäbe.

 

Uns wurde auch erzählt, dass die taiwanische
Bevölkerung statisch getrachtet relativ alt ist. Deswegen intensivieren sich im
Wissenschaftsbereich die deutsch-taiwanischen Kontakte zu Zukunftsthemen wie
Urbanisierung, alternde Gesellschaften, Umwelt und Energie. Taiwan ermöglicht auch Austauschprogramme und Stipendien
für Interessierte aus Deutschland und Taiwan. Das Ziel ist, dass diese jungen
Leute in der Zukunft zusammen arbeiten können.
Bijou
„Ein Jahr nach dem Maidan – Perspektiven der zwischengesellschaftlichen Zusammenarbeit mit der Ukraine und Russland“

„Ein Jahr nach dem Maidan – Perspektiven der zwischengesellschaftlichen Zusammenarbeit mit der Ukraine und Russland“

Am 5.02
wurde unsere Organisation zu einer Konferenz in das Außenministerium eingeladen
(Steffi und ich sind angereist). Diese Veranstaltung war den aktuellen
Ereignissen in der Ukraine gewidmet: Die Partnerschaft mit Russland und der
Ukraine und der zwischengesellschaftlichen Mitarbeit. Viele NGOs aus ganz
Deutschland, die mit diesen Ländern zusammenarbeiten, haben sich bei der
Konferenz angemeldet, ungefähr mehr als 200 NGOs waren präsent.

Dr. h.c. Gernot Erler, Koordinator für die
zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den
Länder der Östlichen Partnerschaft, eröffnete die Konferenz mit einem
Einführungsvortrag. Der Vortrag behandelte die aktuelle Situation in der
Ukraine, die Rolle der NGOs in Russland und der Ukraine sowie die Entwicklung der
Zivilgesellschaft in diesen Ländern. Dr. h.c. Erler hat die Bedeutung der
verschiedenen politischen Narrative seit dem Kalten Krieg als wichtige
Voraussetzung des Konflikts betont. Seiner Überzeugung nach haben Russland und der
Westen verschiedene Wahrnehmungen von z. B. der Nato-Erweiterung, der EU-Erweiterung
und den farbigen Revolutionen in den ehemaligen GUS-Staaten. Für Russland sieht
die derzeitige weltpolitische Lage wie eine Fortführung des Kalten Krieges aus,
wie ein Mittel der Machtpolitik gegen Russland, um das Land zu schwächen. Dabei
ist der alte Gegner wieder der neue, die USA. Eine ganz andere Position und
Wahrnehmung herrscht bei den Europäern: Das Ziel wird in der Entwicklung der
Demokratie und der Zivilgesellschaft, der Abschaffung von Korruption, der
Förderung der Menschenrechte und der Friedenssicherung usw. gesehen.

Dr. h.c. Erler sprach über die Unterentwicklung und das schwierige
Umfeld für die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland und in der
Ukraine. Das Misstrauen gegenüber der Zivilgesellschaft, Ausgrenzung und
Kriminalisierungsprozess sowie strenge Überwachung der NGOs in Russland – all
das behindere die Entwicklung der Zivilgesellschaft. Im Gegenteil zu Russland gäbe
es in der Ukraine eine aktive Zivilgesellschaft, die jedoch nun unter den
Bedingungen des Kries nicht weiter funktionieren könnte.

Nach seiner Rede, haben wir diese Themen im Plenum
diskutiert. Die Organisationen stellten ihre Fragen. Es ist erstaunlich, dass sich
sogar hier zwei Lager gebildet haben: eine Seite, die sich eher pro Russland
präsentierte, beschuldigten Deutschland und Europa als Urheber einer Vertrauenskrise
mit Russland, andere waren völlig mit der Politik der EU bei der Lösung dieses
Konflikts einverstanden.

 

Steinmeier
kommt
Nach dem Plenum wurden uns kurz die politischen
Bedingungen für Partnerschaften, Visafragen sowie ein kurzer historischer
Exkurs in die Entwicklung von NGOs in Russland und der Ukraine vorgestellt. Anschließend
haben einige Organisationen ihre Projekte und Erfahrung in Zusammenarbeit mit Russland
und Ukraine präsentiert, z. B solche Organisationen wie MitOst e.V., „DRJUG-Trilaterales
Jugendforum: Germany, Russia, Ukraine: A common future?“ und der Arbeiter-Samariter-Bund
Deutschland e.V..

Kurz vor dem Mittagessen besuchte der Bundesaußenminister
Dr. Frank-Walter Steinmeier die Konferenz. Mit seinem Grußwort wurde deutlich gemacht,
wie wichtig in dieser gespannten Zeit die Zusammenarbeit deutscher NGOs mit
Russland und Ukraine sein soll. Herr Dr. Steinmeier hat die Situation in der
Ukraine noch mal zusammengefasst. In seinem Vortrag setzte er einen besonderen Akzent
auf die Tatsache, dass es sich um die größte Gefahr für die europäische Friedensordnung
seit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien handle. Er akzentuierte die unstabile
Sicherheitslage, die von mehreren Konflikten und Krisen in der Welt bedroht sei.  Für ihn existiere nur die Möglichkeit einer diplomatischen
und friedlichen Lösung, Waffenlieferungen würden nur zu einer Eskalation des
Konfliktes führen. Dabei spielt die Vernetzung und friedliche Außenpolitik der
Gesellschaften eine wichtige Rolle. Wir NGOs aus Deutschland sollen diese
Außenpolitik vorantreiben und eine mögliche Unterstützung für unsere
Partnerorganisationen leisten.

Nach dem Mittagessen wurden parallele Themenforen
durchgeführt. Die Rede war vor allem von Unterstützungsinstrumenten der
Bundesregierung, wie  Finanzierungen für Projekten mit
Russland und Ukraine. Ich persönlich war bei den Menschenrechtsprojekten, die
durch das Referat VN06 finanziert werden können.  Außerdem stehen Mittel zur Förderung von
Projekten der zivilen Krisenprävention, Friedenskonsolidierung und
Demokratieförderung bereit. Das Auslandsamt fördert auch andere Projekten mit
Ländern der Östlichen Partnerschaft.

Nach den Themenforen haben wir uns wieder im Weltsaal versammelt und die Ergebnisse
zusammengefasst. Als gemeinsame Ziele wurden festgehalten:

 

Ø  wir
müssen mit unseren Partner auf gleiche Augenhöhe arbeiten
Ø  Russland
ist ein Partner, den wir in der Friedensordnung und bei der Konfliktlösung
brauchen und wir dürfen auf die Kontakten mit Russland nicht verzichten
Ø  Die
gesellschaftlichen Aktivitäten müssen Priorität haben Wir müssen zusammen Partizipation
entwickeln
Ø  Die
Sprachlosigkeit muss aufgebrochen werden

Die Konferenz hat, meiner Meinung nach, einen Impuls zur weiteren Entwicklung der
Zusammenarbeit mit Russland und Ukraine gegeben. Derartige Konferenzen sollten
häufiger stattfinden. Dank dieses Treffen habe ich viele andere Organisationen
kennengelernt und Kontakte aufgebaut. Wir müssen den Dialog weiter führen und
unsere Zusammenarbeit auf der Ebene der Zivilgesellschaft verstärken. Ich
glaube, dass wir heute noch weiter gehen müssen und nicht aufgeben dürfen.
Unsere Kommunikation sollte nicht verloren gehen und die Ausgrenzung von ukrainischen
und russischen Partnern darf nicht zugelassen werden.  PJR Dresden hat schon eine dauerhafte
Partnerschaft mit Kaliningrad. Im Moment bringen wir uns aktiv in einem Projekt
mit mitost Hamburg und St. Petersburg ein und versuchen eine neue Partnerschaft
mit einer Organisation aus Lemberg / Ukraine zu entwickeln. Eine trilaterale
Begegnung Deutschland – Russland – Ukraine wäre eine Möglichkeit eine Friedenskooperation
anzuregen und Probleme und Anliegen mit den Jugendlichen zu besprechen.

Ich war von dieser Konferenz sehr beeindruckt und würde
mich freuen an solchen Veranstaltungen öfter teilzunehmen. So kommt man der
Realität näher und man fühlt sich in solche Prozessen stärker einbezogen.

Vielen Dank an PJR Dresden für eine grandiose Möglichkeit,
mein Verständnis über den Konflikt in der Ukraine zu vertiefen und an kleinen
Teil der Friedensförderung teilzunehmen 😉  !

Liebe Grüße,
eure Alex
Kooperation mit Hamburg und St. Petersburg

Kooperation mit Hamburg und St. Petersburg

Meine
Lieben,
von
26.11 bis 30.11, sind wir, Steffi und ich, nach St. Petersburg
geflogen. Da sollte das Vorbereitungstreffen zu einem
Jugendevent in Hamburg in 2015 mit
dem Arbeitstitel „Energize your city!“ stattfinden. Ganz am
Anfang hatten wir keine genaue Vorstellung von dem, was uns hier
erwarten würde. Wir wussten nur, dass es ein trilaterales Treffen
sein wird, um die verschiedenen Organisationen und Partnerstädte aus
Hamburg, Dresden, St. Petersburg im Rahmen eines Projektes zusammen
zu bringen.
Ziel
des Treffens war es, zum einen das Jugendevent in Hamburg im August
2015 zu planen und zweitens gemeinsam mit Partnern eine konkrete
Veranstaltung innerhalb des Events zu organisieren. Was das für ein
Projekt sein soll, konnten
wir frei
mit unseren Partnern erarbeiten.
Jede
Organisation
war an seinen Partner gebunden.
Unser Partner ist der „Deutsch
– Russischer
Austausch St. Petersburg“.Am
Ankunftstag haben wir uns kennengelernt und sind
gleich in
unsere Arbeit eingestiegen. Das Tagungsprogramm und unser Arbeitsplan
wurden uns von den Vertretern von MitOst Hamburg vorgestellt, die als
Cheforganisation für das Treffen verantwortlich
waren. Unsere
Sitzungen
fanden im
Deutsch-Russischen
Begegnungszentrum
bei
der großen lutherischen St.-Petri-Kirche statt.
Die St.-Petri-Kirche liegt im Herzen
des Newski
– Prospekt und nach unserem gemeinsamen Treffen hatten wir gute
Gelegenheiten, entlang
des Newski – Prospekt
spazieren zu gehen und
unsere
Bekanntschaft
in informellen Rahmen fortzusetzen.

 

Der
zweite Tag war für Steffi und mich
sehr wichtig. Zuerst mussten wir eine Energierunde initiieren. Nach
dem „Energize your bodys“ (ein paar Methoden um uns wach zu
machen) mussten wir unsere Ziele und die Motivation für die
Teilnahme an dem Jugendevent formulieren. Nachmittags sammelten wir
unsere schönen abwechslungsreichen Ideen, was unsere zukünftige
Programmgestaltung angeht. Es war nicht leicht, da die russische
Seite gleich mit konkreten Fragen anfangen wollte, wie z.B.
Finanzierung, Projekttitel, Altersgrenze der Teilnehmer,
Teilnahmekriterien. Dem gegenüber interessierte sich die deutsche
Seite eher für „globale Sachen“ – unsere Philosophie und Ziele
und erst später sollten konkrete Sachen besprochen werden. Na ja, es
war schon klar, dass wir verschiedene
Vorstellungen haben. Trotzdem haben wir eine „gemeinsame Sprache“
gefunden und konnten weiter produktiv arbeiten. Unsere Ziele und
Motivation wurden
letztendlich bestimmt und in Gruppenarbeit weiterentwickelt: das
Projekt sollte zentrale Zukunftsfragen enthalten; die jungen Menschen
sollen zu Partizipation ermutigt werden und mit Hilfe unseres
Projekts interkulturelle Schlüsselkompetenzen erwerben; alle
Partnerorganisationen sollen sich in eine gemeinsame Aktion
einbringen usw.
Der
dritte Tag war fast ausschließlich der
Entwicklung des Hamburger
Events vorbehalten. Wir wussten bereits, dass wir ein Jugendlager in
Hamburg für 10 Tage mit 300 Teilnehmer vorbereiten sollen. Sooo
riesig! Wir haben den „roten Faden„ des Projekts gesucht und
gefunden und konnten so Schritt für Schritt planen. In Gruppen
arbeiteten wir an der Programmentwicklung, technischen Ausstattung
und der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Der PJR hat sich bei der
Programmentwicklung gemeldet, die größte Gruppe an dem Tag.
Zusammen haben wir einen Überblick und ein Programm für jeden Tag
geplant. Aufgrund der vielen Ideen und Vorschlägen von den
verschiedenen Organisationen konnten wir uns nicht gleich einigen. Es
war harte Arbeit. Aber wir haben es geschafft und unser Programmnetz
war am nächsten Tag fertiggestellt.
Unsere
Abendessen müssten wir zusammen mit unserer Partnerorganisation
organisieren, um an unserem eigenen Partner-Workshop zu arbeiten.
Maria Fetisova vom Deutsch- Russischen Austausch, Steffi und ich
wurden schnell Freunde. Und zusammen haben wir auf Russisch und
Deutsch ein paar Ideen entwickelt. Wir freuen uns auf unsere
Partnerschaft und haben schon weitgehende Pläne für unsere
Zusammenarbeit in der Zukunft. ;))
Während
des Treffens hat PJR nicht nur mit unserer Partnerorganisation
Kontakten geknüpft, sondern auch noch weitere Partner gefunden. Es
gab noch zwei Organisationen
die bereit sind,
aktiv
mit dem
PJR
zusammenzuarbeiten.
Wir haben nicht erwartet,
dass unsere Organisation so viel Interesse weckt. Es
war sehr angenehm für uns.
Am
letzten Tag war ich sehr traurig. Wir haben so viel Zeit miteinander
verbracht, sind zu einem tollen Ergebnis zusammen gekommen, und wir
waren alle froh, mit den Organisationen aus St. Petersburg
kooperieren zu können. Infolge dessen haben wir ein riesiges und
attraktives Projekt auf die Beine gestellt. Es blieb noch einige
Zeit, um das künftige Zeitmanagement zu organisieren und die
nachfolgenden Aufgaben zwischen den Organisationen zu verteilen.
Natürlich
waren wir
nicht nur mit unserem
zukünftigen Projekt
ganztägig
beschäftigt.
Vielen Dank an die
Organisatoren der
russischen Seite, dem Deutsch –
Russischen
Begegnungszentrum.
Wir wurden in
die russische Kultur
eingeführt,
haben die russische Küche
ausprobiert, mmm… lecker. Natürlich
hatten wir nicht
so viel Zeit
für Stadtführungen, aber
ein bisschen konnten wir diese
wunderschöne Stadt doch
kennenlernen.
Neue
Freunde, Partnerschaften, nette Atmosphäre, produktive und
interessante Arbeit – ich glaube niemand ist ungerührt geblieben.
Ich möchte ein großen Dank auch an die Organisatoren von deutscher
Seite zum Ausdruck bringen, dem MitOst Hamburg e. V., und natürlich
dem Politischen Jugendring Dresden e. V. für diese wunderbare
Gelegenheit!
Liebe
Grüße,

 

eure
Alexandra;))
Gekommen um zu le(h)r(n)en

Gekommen um zu le(h)r(n)en

Hallo meine Lieben! :))
Ich bin Alexandra. Ich komme aus einem ziemlich weit
entferntem Land, Kasachstan, und bin aber inzwischen schon 4,5 Jahre in  Deutschland. Ich bin erst in Regensburg
gelandet, wo ich als Stipendiatin des DAAD mein Masterstudium mit dem
Schwerpunkt Osteuropa (Politik, Geschichte, kultureller Raum) absolviert habe.
Um einen tollen Job nach seinem Studium zu kriegen, muss man auch tolle
Erfahrungen gesammelt haben. Deswegen habe ich mich entschieden erst ein
Praktikum zu finden, wo ich meine Kenntnisse anwenden kann. Bei der Suche bin
ich schnell auf ein Praktikum bei dem Politischen Jugendring Dresden e. V.
gestoßen, wo ich nun seit einem Monat dabei bin. Hier macht man echt sehr
schöne Sachen und ich kann hierbei auch meine eigenen „kleinen“ Wünsche
erfüllen.
An Tätigkeiten helfe ich so beispielsweise bei den
Sozialtrainings in der Schule mit. Ich bin wirklich manchmal überrascht wie
kleine Kinder sich ihre eigene Welt vorstellen und wie dies nach außen wirken
kann. Bei den Trainings geht es über Gefühle und Friedliches Miteinander. Wir
versuchten damit  die sozialen Kompetenzen
der Kinder aufzuwecken und ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.
In der ersten Woche meines Praktikums haben wir eine sehr
spannende Jugendbegegnung mit Kaliningrader Gäste gehabt. Dabei habe ich meine
Dolmetscherfähigkeiten trainiert und viele neue Kontakte geknüpft. Ich finde es
echt toll, solche interkulturellen Jugendbegegnungen zu organisieren und ein
Interesse an verschiedenen Kulturen in den Jugendlichen zu wecken. Deswegen will
ich nun auch einen Austausch mit ukrainischen Jugendlichen zu organisieren, ja,
Ukraine ist ein sehr  aktuelles und
kontroverses Thema heute. Ich möchte gerne deutsche Jugendliche ein bisschen
näher an das Identitätsproblem der Ukraine heranbringen und mit ihnen über die Zusammenarbeit
Ukraine-Deutschland, Ukraine-Europa diskutieren. Naja, das sind noch keine
große Pläne, aber wir haben schon den Partner in Lemberg. Darüber freue ich
mich sehr.
Außerdem macht der Verein
sehr tolle Projekte hier in Dresden, z. B ein Videoprojekt zu den Stolpersteinen
oder den Social Media Tag mit
Jugendlichen. Ich persönlich finde an dem Verein besonders attraktiv, dass man
hier soziales Engagement, Toleranz und Interesse an den politischen Prozessen
bei den Jugendlichen  zu fördern
versucht.
Ich mag sehr die Atmosphäre und das Team des PJR Dresden.
Sehr freundlich, angenehm, freundschaftlich und was auch wichtig ist, man lernt
hier sehr viel über die Methoden der politischen Bildung, die Geschichte
Deutschlands, Dresdens und über Projektmanagement.
Ich freue mich sehr, dass ich so eine Möglichkeit habe bei
PJR ein Teilchen des Vereins zu sein und meinen kleinen Beitrag in diesem ganz
wichtigem Bereich einzubringen. Ich würde mich gerne weiter in der politischen
internationalen Bildung engagieren und meine Erfahrungen beim PJR für meinen
zukünftigen Berufsweg nutzen.
Viele Grüße
eure Alexandra