von Tobias | 20.09.2020 | Blog
Ab Ende September starten wir ein Ganztagsangebot (GTA) an der Universitätsschule Dresden. Mit interessierten Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 5 und 6 wollen wir das Kozept einer Schülerzeitung umsetzen, was vergangenes Schuljahr schon mit einer anderen Pädagogischen Fachkraft begonnen würde. Im vierzehntägigen Rhythmus werden wir dran arbeiten. Wir sind gespannt auf die Schülerinnen und Schülern und deren Beiträge für die Schülerzeitung der Schule.
von Tobias | 29.07.2020 | Blog
Ich habe gerade einen Platz für mein viel zu großes Gepäck gefunden, als sich die Räder langsam in Bewegung setzen und der Zug aus dem Bahnhof fährt. Ich ergattere einen Fensterplatz und sehe, dass draußen die Goldene Stunde läuft, wo der Himmel diese verblasste hellblaue Farbe bekommt. Wir sind schnell aus der Stadt raus, und hier öffnet sich die Landschaft mit bald erntereifen Feldern und kleinen Dörfern, worüber ab und zu Kirchtürme ragen. Im Westen nur abendgraue Wolken - kein orangeroter Sonnenuntergang, der das Bild vollendet hätte. Nach einem Jahr in Dresden als Freiwilliger beim PJR sitze ich jetzt in einem Zug Richtung Kopenhagen mit gemischter Laune. Der Zug gleitet durch die Landschaft in einen Wald hinein und die Welt draußen wird plötzlich von einem grünen Waldwirrwarr verschlungen.
Ich mag Zugfahrten. Für mich sind sie eine Art Unterbrechung des realen Lebens. Es herrscht eine gewisse Stimmung, die Freiraum schafft, Gedanken laufen zu lassen. Die Vorfreude erwartender Erlebnisse zu genießen oder in der Melancholie durchlebter Begegnungen zu schwelgen. Das sind Gefühle, die ich mit Zugfahrten verbinde. Ich spüre gerade beides. Es gibt viele Leute, auf deren Wiedersehen ich mich freue, gleichzeitig ist eine Zeit zu Ende gegangen, die ich sehr schätze, und ich verlasse Menschen und Gemeinschaften, die ich sehr gern mit mir nehmen würde.
Aber was bringe ich denn mit mir außer meinen überfüllten Rucksack? 
Na, ein Bilderbuch. Ein paar Pflänzchen. Und ein Füller ist auch dabei.
Das Bilderbuch habe ich vom PJR-Team bekommen. Es ist mit guten Erinnerungen von Workshops, Projekttagen und schöne Momenten vollgepackt. Insbesondere European Stories // Geschichten aus Europa war ein Projekt, von dem ich viel mitnehme, aber durch das Jahr habe ich bei vielseitigen Projekten tolle Erfahrungen gesammelt und viele liebe Leute kennengelernt.
Die Pflänzchen habe ich im Laufe des Jahres bekommen, und wenn ich sie gieße und nicht sterben lasse, dann werden sie in meinem Zimmer stehen und mich an wichtige Freundschaften erinnern, die ich bewahren will.
Den Füller habe ich von meiner WG als Abschiedsgeschenk bekommen, und mit ihm kann ich sehr viel anfangen. Ein Ziel fürs nächste Jahr ist meiner Lust zu Schreiben auch Zeit zu geben, und ich bin gespannt darauf, dieses Interesse mehr zu fördern. Meine Zeit im PJR hat aber in mir auch den Wunsch geweckt, mich weiterhin im Bereich politische und demokratische Bildung zu engagieren, und das werde ich auf jeden Fall auch verfolgen.
Draußen ist es hell geworden und der Zug kommt am Kopenhagen Hauptbahnhof an - ich gucke aus dem Fenster und... nee Quatsch. Das wäre viel zu harmonisch. Ein paar Tage sind vergangen, ich sitze an meinem Schreibtisch, schreibe fertig und lese Korrektur.
In den letzten Tagen ist mir aufgefallen wie komisch es ist, ein Jahr in einer Stadt zu sein, tolle Menschen kennenzulernen, sich in einem Verein zu engagieren und dann alles wieder zu verlassen.
Wer macht denn sowas freiwillig?
Ich bin sehr froh, dass ich ein Jahr in Dresden und im PJR erleben konnte. Jetzt wartet eine neue Stadt mit neuen Erlebnissen und Begegnungen auf mich. Tschüss Dresden, PJR und alle euch tolle Menschen - ich freue mich euch bald wieder zu besuchen.
von Tobias | 20.05.2020 | Blog
Die Einschränkungen durch das Corona-Virus haben sicherlich bei vielen die Urlaubspläne durcheinandergebracht. Damit nun keine Langeweile aufkommt, falls die Reise gen Süden ausfallen muss, wollen wir dieses Jahr einige Aktivitäten mehr für die Ferienzeit anbieten.
Bei Interesse meldet euch unter mail@pjr-dresden.de an, auf kleine Gruppen und eine Einhaltung der Hygienerichtlinien werden wir achten!
Comic Superheld
- Freitag 24.07. 10 bis 16 Uhr (Teil des Ferienpasses, Ort: Plauener Bahnhof)
- Dienstag 11.08. 10 bis 16 Uhr (Ort: Büro des PJR)
Wir werden gemeinsam ein digitales Comic zu einem von euch gewählten Thema erstellen. Empfohlenes Alter: 10 - 16 Jahre, mehr Infos findet ihr hier.
Mit Filmen bewegen
- Donnerstag 30.07. 10 bis 14 Uhr (Ort: Büro des PJR)
Du stellst dir manchmal die Frage, ob du etwas verändern kannst? Du hast keine Lust auf Vorurteile und bildest dir gern selbst eine Meinung? Du lernst gern neue Leute kennen und magst Filme zum Nachdenken? Dann lerne die Filmclubs kennen! Empfohlenes Alter: 14-15 Jahre.
Rathausrallye
- Mittwoch 19.08. 9:30 - 11:30 Uhr - fällt aus
- Donnerstag 27.08. 9:30 - 11:30 Uhr (Teil des Ferienpasses)
Treffpunkt der Erkundungsrallye ist das Rathaus, hier findet ihr eine kurze Beschreibung des Angebots. Empfohlenes Alter: 9 - 14 Jahre
Tablet-Tour Nationalsozialismus
- Mittwoch 29.07. 16 bis 18 Uhr
- Dienstag 04.08. 16 bis 18 Uhr
Treffpunkt der thematischen, multimedialen Tablet-Tour ist das PJR Büro in der Reckestraße 1, die Tour endet an der Gedenkstätte Münchner Platz. Hier findet ihr eine kurze Beschreibung der Tour. Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Tablet-Tour Friedliche Revolution
- Mittwoch 12.08. 16 bis 18 Uhr
- Dienstag 18.08. 16 bis 18 Uhr - fällt aus
Treffpunkt der thematischen, multimedialen Tablet-Tour ist der Eingang zum Burger King im Hauptbahnhof, die Tour endet am Altmarkt. Hier findet ihr eine kurze Beschreibung der Tour. Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Tablet-Tour Politische Beteiligung
- Donnerstag 20.08. 16 bis 18 Uhr - fällt aus
- Mittwoch 26.08. 16 bis 18 Uhr - fällt aus
Treffpunkt der thematischen, multimedialen Tablet-Tour ist die Panzerkette am Postplatz, die Tour endet am Palaisplatz auf der anderen Elbseite. Hier findet ihr eine kurze Beschreibung der Tour. Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
von Tobias | 06.05.2020 | Blog
Eine Ärztin wird durch die Infektion einer Arbeitskollegin ebenfalls positiv auf Corona getestet und gehörte zu den ersten Corona-Erkrankten. Wie ein Anruf durch das Gesundheitsamt das Leben unseres Autors und seiner kleinen Familie auf den Kopf stellt und wie sie die Isolation erlebt haben.
Die Nachricht des positiven Testergebnisses kam wie aus dem Nichts: häusliche Isolation für die gesamte Familie, Protokollierung des Gesundheitszustands und penible Auflistung aller Kontakte der letzten 14 Tage.
Im ersten Moment nahm ich den Anruf des Gesundheitsamtes noch sehr gelassen entgegen. „Damit sind wir wohl alle positiv“, merkte ich mit einem leicht ironischen Unterton an. Im nächsten Augenblick dämmerte mir, was häusliche Quarantäne in einer 2-Zimmer-Wohnung mit Kleinkind wohl bedeutet. Unzählige Fragen von der momentanen Ebbe im Kühlschrank, dem weiteren Vorgehen bis hin zur chronischen Bronchitis unseres Kindes und dem damit verbundenen erhöhten Risiko. „Wir melden uns wieder bei Ihnen!“ Diesen Satz sollten wir in den nächsten Tagen vom Gesundheitsamt noch öfters hören.
Beginn der Quarantäne
Ganze 3 Tage später wurden uns telefonisch die Fristen der Quarantäne genannt, die sich bei mir und unserem Kind entsprechend verlängerten, da der letzte Kontakt zu meiner Frau ausschlaggebend war und somit offiziell erst mit diesem Telefonat die Quarantänezeit begann. Der Einwurf, dass wir ja zusammenwohnen und es demzufolge keinen letzten Kontakt gebe, ließ die Sachbearbeiterin über unterschiedliche Nutzungszeiten des Badezimmers und der Küche philosophieren, welche ich nur mit der erneuten Nachfrage nach einem zeitnahen Test für mich und unser Kind unterbrechen konnte. Der Hinweis, dass ich vor Kurzem auf Arbeit eine Veranstaltung mit 250 Personen besuchte, welche dann alle Kontaktpersonen wären, wurde über das erste Telefonat hinaus nochmals betont.
In der Zwischenzeit wurden wir durch Freunde mit Essen versorgt, anfallender Müll durfte nach 22 Uhr selbst entsorgt werden und die ersten Symptome machten sich breit. Eine unglaublich trockene Kehle forderte Unmengen an Wasser, Hals- und Gliederschmerzen kamen mit Eiszapfen an den Füßen hinzu. Zum jetzigen Zeitpunkt gesehen waren die Symptome alles andere als schlimm. Das eigentliche Problem ist die Psyche, die bei 24/7-Betrachtung des eigenen Körpers leicht durchdreht.
Testergebnis per Freisprecheinrichtung
Nach einer Woche standen die Tests immer noch aus, aber das hiesige Ordnungsamt schickte 2 Mitarbeiterinnen an einem Sonntag zu uns nachhause, um meiner Frau und allen auf den Balkonen sitzenden Nachbarn per Freisprecheinrichtung mitzuteilen, dass sie an Corona erkrankt sei und ob sie darüber denn schon Bescheid wisse. Ein Hoch auf die Verschwiegenheitspflicht sowie die Persönlichkeitsrechte.
Auch wurde uns zu dieser Zeit der schriftliche Bescheid über die häusliche Isolation zugestellt, der wieder ein anderes Quarantäne-Enddatum, nämlich um weitere 4 Tage verlängert, als ursprünglich mitgeteilt erhielt. Umgehend wurde versucht Kontakt mit der im Schreiben aufgeführten Ansprechpartnerin aufzunehmen, allerdings ohne jeglichen Erfolg. Nach unzähligen Telefonaten, Stunden in der Warteschleife und etlichen Rückrufen, konnte lediglich festgestellt werden, dass eine Person mit dem uns mitgeteilten Namen nicht vom Landratsamt beschäftigt wird und die dazugehörige Telefonnummer zur KFZ-Zulassungsstelle gehörte. Lediglich Yoga und die Verantwortung unserer Mitmenschen gegenüber konnten uns von einem persönlichen Besuch beim Gesundheitsamt abhalten.
Schlussendlich erhielt meine Frau ihr zweites Testergebnis, welches negativ sein sollte und auch war. Der erste Test von unserem Sohn und mir stand dagegen immer noch aus. Doch dann ging es plötzlich schneller als erwartet und wir wurden 2 Wochen nach den Symptomen innerhalb der nächsten 3 Tage zu 4 Tests durch 5 unterschiedliche Sachbearbeitende eingeladen. Vorort auf dem Testgelände, einem Container-Drive-In, wurden wir jedoch nie angemeldet. Nach dem zweiten negativen Test, Unverständnis und gleichzeitigem Gelächter des medizinischen Personals konnten wir auch das Gesundheitsamt mit viel Überzeugungsarbeit von weiteren Tests abbringen.
Schrecken ohne Ende?
Doch wer denkt, dass damit zumindest ein Spaziergang wieder möglich gewesen wäre, irrt. Es war chancenlos den schriftlich ausgestellten Quarantänebescheid zu korrigieren und die offensichtlich falsch berechnete Isolationszeit zu verkürzen. Vielmehr wurden, je nach Gesprächspartner, 4 weitere Fristen genannt. Von sofortiger Quarantänebeendung, über der Benötigung eines weiteren negativen Ergebnisses bis hin zur Strafandrohung bei Missachtung des Infektionsschutzgesetzes war alles dabei. Besonders skurril wurde es dann noch, als wir erfuhren, dass mit den durch meine Frau angegebenen Kontaktpersonen auch sehr unterschiedlich verfahren wurde. Beispielsweise durfte eine Verkäuferin im Einzelhandel sowie Mitarbeiterin einer Arztpraxis ohne Einschränkung weiterarbeiten.
Nach 21 Tagen häuslicher Isolation waren wir definitiv um einige Erfahrungen (und Kilos) reicher. Heute bringen uns diese Erinnerungen lediglich noch zum Lachen und machen uns dankbar, dass wir nur einen leichten Verlauf hatten und nun wieder völlig genesen sind. Das Gefühl mit etwas Glück über ein paar Monate hinweg immun zu sein, gibt uns zumindest nun im Alltag die Sicherheit und Freiheit, auf die wir längere Zeit verzichten mussten und wir können wieder im Kampf gegen Covid-19 anpacken. #staysafe
von Tobias | 20.03.2020 | Blog
Eigentlich wollte ich nur Schönes berichten von meinem Freiwilligendienst, den ich seit Anfang Februar und bis Mitte Mai in der kleinen Stadt Dolný Kubín in der Slowakei verrichten sollte. Gern wollte ich von der schönen Natur berichten, den netten Menschen in der Schule, an der ich arbeitete und von dem Zusammenleben in einem Haus mit den anderen Freiwilligen aus Italien, Frankreich und Rumänien.
Doch dann kam, zunächst eher unerwartet, das Corona Virus dazwischen. Erst einmal beunruhigte mich das nicht und auch die anderen sahen keinen Grund zur Aufregung. Bis es plötzlich Anfang März hieß die Schulen werden geschlossen und die Slowakei will sich abschotten und ihre Grenzen schließen. Dies führte dann schließlich doch zu steigender Besorgnis und vielen Fragen. Wie lange wird das anhalten? Wird alles nach zwei Wochen vorbei sein und werden die Grenzen wieder öffnen? Sind wir jetzt in der Slowakei eingesperrt? Was wird jetzt mit meinem Projekt, wenn meine Schule geschlossen ist und wir keine Events mehr planen können? Soll ich hierbleiben und womöglich bis auf ungewisse Zeit oder bis zum Ende meines Projektes im Haus festsitzen?
Bleiben oder gehen?
Es folgten zahlreiche Gespräche und Diskussionen unter uns Freiwilligen, mit anderen Leuten und dem Chef meiner koordinierenden Organisation, Ondrej Mäsiar. Er unterstützte uns dabei zu gehen, wenn wir könnten. Für Tommaso aus Italien war es unmöglich, als er die Botschaft anrief sagten sie ihm nur, dass er das Land in zwanzig Minuten verlassen muss oder sonst nicht mehr nachhause kommt. Auch Thais aus Frankreich konnte wegen der Schließung des Flughafens in Bratislava nicht zurück. Ich selbst war also hin und hergerissen. Mit den anderen hatte ich mich gut angefreundet und so schlimm wäre es auch nicht alles in der Slowakei auszusitzen. Dennoch sah ich noch Möglichkeiten nachhause zu kommen und ich entschied mich dazu lieber bei meiner Familie zu sein. Auch deshalb, weil mein Projekt so kurz war und die Möglichkeit bestehen könnte, dass noch bis April und Mai Grenzschließungen anhalten könnten. Also wenn nicht jetzt, wann dann?
Erster Anlauf über Tschechien
Meinen ersten Versuch nachhause zukommen unternahm ich vergangenen Freitag. Mit dem Zug über Tschechien müsste es doch noch funktionieren, oder? Über Prag nach Dresden ist es ja auch nicht weit. Doch meine Reise endete schnell, als ich nach kurzer Busfahrt von Dolný Kubín in der nahgelegenen Stadt Ružomberok am Bahnhof stand. Theoretisch sollte von dort der Zug direkt nach Prag fahren, doch nun hieß es die Grenze ist zu, keine Züge fahren ins Ausland. Also kehrte ich niedergeschlagen zurück, um meine Kräfte zu sammeln und mich langsam damit abzufinden, doch meine Zeit weiter in der Slowakei zu verbringen. Doch so schnell wollte ich mich auch nicht geschlagen geben.
Also rief ich am nächsten Tag, nach langem Überlegen, die deutsche Botschaft in Bratislava an. Nie hätte ich gedacht mich jemals an eine deutsche Botschaft wenden zu müssen. Doch es war nicht umsonst. Entgegen meiner Erwartungen hatten sie noch eine Idee, um mir zu helfen. Sie rieten mir nach Bratislava zu fahren und dann weiter mit einem Taxi bis an oder über die österreichische Grenze.

Zweiter Versuch über Österreich
Und so begann am nächsten Tag meine abenteuerliche Reis
e zurück nachhause. Früh am Morgen setzte ich mich in den Zug nach Bratislava. Fast menschenleer war der Zug und die Zugbegleiterin war mit Mundschutz und Gummihandschuhen ausgerüstet, was schon ein etwas mulmiges Gefühl verursachte. Doch nach drei Stunden erreichte ich schließlich die slowakische Hauptstadt.
Mein nächstes Problem war es ein Taxi zu finden, doch keines wollte über die Grenze fahren – verständlicherweise. Schließlich fand ich jedoch einen netten Taxifahrer, der mich zumindest nah an die Grenze bringen konnte. Soweit so gut. Kurz vor dem Punkt, bei dem er mich absetzen wollte, fanden wir jedoch einige Polizisten vor, die ihn aufhielten. Doch zum Glück erlaubten sie mir zu Fuß weitergehen zu dürfen. Nun fand ich mich also irgendwo im Nirgendwo wieder, mit schwerem Rucksack und einem großen Koffer bepackt, dazu noch warmer Sonnenschein und Winterjacke. Drei Kilometer bis zur Grenze und noch vierzig Minuten bis der Zug fährt – das schaffe ich.
Zu Fuß über die Grenze
Also machte ich mich auf den Weg über die Landstraße und erreichte so schließlich Kittsee, ein kleines österreichisches Dorf an der Grenze, wo auch direkt der Zug nach Wien auf mich warten sollte. Doch zunächst musste ich noch den Grenzposten passieren, was aber nur ein Problem gewesen wäre, wenn ich von Österreich in die Slowakei gelaufen wäre. Den Gesichtern der österreichischen Beamten zu urteilen, hatte ich auch ein so seltsames Bild abgegeben, dass sie mich nur mit leichtem Grinsen und ohne weitere Kommentare passieren ließen. Somit hatte ich es also geschafft, naja zumindest fast, und war auf dem Weg nach Wien – jetzt konnte nichts mehr schief gehen.

Und tatsächlich war ich sehr überrascht. Die Züge waren leerer, aber immer noch gut gefüllt. Die Mitarbeiter trugen keine Masken und Handschuhe. Und noch seltsamer war – die Zügen fuhren alle pünktlich! Im Zug las ich dann auch, dass am nächsten Tag Deutschland seine Grenzen zu machen sollte, also war ich mehr als froh es noch geschafft zu haben.
Um Mitternacht in Dresden
Dann schließlich endete meine Reise kurz vor Mitternacht desselben Tages zurück in Dresden. Es ist für mich immer noch unfassbar, was sich alles durch diesen Virus verändert. Es gibt immer noch so viele Menschen, die irgendwo festsitzen und es nicht geschafft haben nachhause zu kommen, oder es noch versuchen müssen. Auch interessant war, wie schnell sich meine Gleichgültigkeit und meine Gedanken an übertriebene Panikmache veränderten. Zwar denke ich immer noch, dass viele Menschen übertreiben und sich unnötig von Panik anstecken lassen, dennoch ist es nun umso wichtiger das alle zusammenhalten und möglichst zuhause zu bleiben, damit die Krise sich nicht noch über Monate hinzieht und auch alle Menschen wieder zurück nachhause kommen können.
Ich denke wir können viel aus dieser unberechenbaren und neuen, sich jeden Tag verändernden, Situation lernen und sollten das auch nutzen um darüber nachzudenken, dass vieles was wir für selbstverständlich hielten, nicht immer so ist.