Mein ESK in Dänemark

Mein ESK in Dänemark

Hejsa alle zusammen!

Ich bin Lotta, 18 Jahre alt und arbeite nun schon seit Oktober 2021 als ESK-Freiwillige im Pflegeheim Solbjerg südlich von Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks. Genau in dieser Stadt wohne ich auch, gemeinsam mit einer weiteren Freiwilligen aus Portugal (siehe Foto) und fünf anderen als Nachbar*innen. Gemeinsam verbringen wir große Teile unserer Freizeit, z.B. bei gemeinsamen Picknicks im nahegelegenen Mindepark, dem Schlosspark des Marselis Slot, in dem die dänische Königsfamilie ihre Sommer verbringt.

Was tun im Pflegeheim?

Die meiste Zeit verbringe ich allerdings im Pflegeheim, bei der ich gemeinsam mit Stina, einer anderen deutschen Freiwilligen Aufgaben aller Art nachgehe. Zu Beginn mussten wir natürlich erst einmal die Bewohner*innen und Mitarbeitenden kennenlernen, was uns allerdings leicht fiel, da wir von allen Seiten direkt freundlich willkommen geheißen wurden. Mittlerweile wissen wir, mit welchen Bewohner*innen wir zwischendurch einen Spaziergang oder eine Tour auf dem E-Scooter machen können, wer immer bereit ist für eine Partie Mensch ärgere dich nicht, oder wo von Zeit zu Zeit einfach mal die Notwendigkeit für ein offenes Ohr besteht.

Ja, unsere „Oldies“ sind uns mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Die meiste Freude haben wir bei den verschiedenen wöchentlichen Arrangements wie z.B. der Stuhlgymnastik mittwochs oder montags und freitags, wenn eine Freiwillige der Kommune mit ihrer Gitarre vorbeikommt und dänische Lieder spielt. Hierdurch haben wir mittlerweile ein beträchtliches Repertoire an alten dänischen Volksliedern und Schlagern, ich glaube da kenne ich nun mehr als deutsche. Hier ist es unsere Aufgabe, die tanzfähigen Bewohner*innen zu einem Tänzchen aufzufordern und dann wird das Tanzbein geschwungen – und ach, wie erfüllend ist es, zu sehen wie die Augen um uns herum aufleuchten vor Freude. Das erreichen wir tatsächlich auch, wenn wir mittwochs und donnerstags gemeinsam während des Kaffeetrinkens musizieren, Stina an der Violine und ich am Klavier. Zu Beginn spielten wir hauptsächlich Stücke, die wir aus Deutschland mitgebracht hatten. Mittlerweile hatten wir aber auch die Gelegenheit, dänische Stücke zu erlernen. Das können Volkslieder sein, geschrieben von keinem geringeren als H.C. Andersen – dem bekanntesten Dänen, oder Titelmelodien bekannter Serien wie „Matador“, die auch die dementesten Bewohner*innen freudig wiedererkennen. Und mit einem Beatles-Stück hier und da erreicht man auch immer wieder frohe Mienen.

In der Weihnachtszeit haben wir dann abgesehen von dem Schmücken des gesamten Hauses und dem Backen von tonnenweise Plätzchen gemeinsam mit den Bewohner*innen auch zusammen mit der Freiwilligen der Kommune ein deutsch-dänisches Julekoncert (also Weihnachtskonzert) einstudiert, was wir am 22.12. nacheinander in allen vier Abteilungen des Hauses vorgespielt haben.

Abgesehen davon sind wir außerdem für den Blumenschmuck im Pflegeheim zuständig und helfen der Küche täglich beim Abwasch, sowie zweimal wöchentlich bei der Essensvorbereitung – wir backen Kuchen nach Kuchen, nach dänischen, deutschen und sonstigen Rezepten.

Leider wurden auch wir hier nicht von Corona verschont, was die Wintermonate etwas schwieriger gestaltete. Die meisten unserer Aufgaben zielen nämlich auf Gemeinschaft ab, die nicht wirklich funktionieren kann, wenn mehr als die Hälfte der Bewohner*innen sich in Isolation befindet. In dieser Zeit haben wir also hauptsächlich in der Küche Beschäftigung gesucht.

Über Aarhus‘ Grenzen hinaus

Zum ESK gehören allerdings auch zwei Camps, organisiert von der National Agency, bei denen wir mit einem großen Teil der restlichen Freiwilligen in Dänemark zusammentreffen. Beim On-Arrival Training im November mitten im Nirgendwo auf Fyn lag der Fokus vor allem auf dem Kennenlernen der Anderen und Workshops zum Kennenlernen der dänischen Kultur. Außerdem besprachen wir das Phänomen des Kulturschocks, der ein paar Monate später tatsächlich auch einige von uns ereilte – ich blieb davon allerdings verschont. Für die gesamte Woche, die das Camp andauerte wohnten wir gemeinsam mit ungefähr gleichaltrigen Dän*innen in einer Højskole, welche eine Internatsschule für die weiterführende Ausbildung nach dem Gymnasium ist, bei der man viel experimentieren und erforschen kann, was man sich für seinen weiteren Bildungsweg vorstellt. Das war für uns genauso spannend wie für die Schüler*innen.

Das Midtermtraining im März führte uns dann in die wunderschöne dänische Hauptstadt: Kopenhagen. Und ach, war das schön! Nicht nur konnten wir die anderen Freiwilligen wiedersehen – denn bis auf meine direkten Nachbar*innen und diejenigen, die in der Nähe von Aarhus wohnen, hatte ich die anderen seit Monaten nicht gesehen – sondern bekamen auch einen Einblick in die Stadt selbst, mit einem langen Spaziergang über Nørrebro nach Vesterbro und nach Christianshavn und einem Abstecher nach Christiania (so toll, wenn man die Dresdner Neustadt genauso liebt wie ich!). Hier lag der Fokus der Workshops mehr auf dem Youthpass und etwaigen Problemen, die aufgetreten waren, sowie einem Ausblick in unsere persönliche Zukunft. Vor allem gab es aber Zeit und Raum, um Zeit miteinander zu verbringen, was wir definitiv genossen haben. Ein großer Vorteil dahingehend ist nun außerdem, dass wir hiermit Kontakte überall in Dänemark haben, also egal wo wir hinreisen möchten für die Zeit unserer Freiwilligendienste Unterkunft und lokal kundige Guides haben. Gerade für Städte wie Kopenhagen und Aalborg ist das klasse. Und auch wir in Aarhus haben schon ab und zu andere Freiwillige für ein Wochenende bei uns aufgenommen und ihnen die Stadt zeigen können 🙂

Ein Ausblick

Jetzt geht mein Freiwilligendienst tatsächlich schon auf die letzten paar Monate zu und ich werde bei dem Gedanken, dass das alles hier auch ein Ende hat, ganz traurig. Neben unseren „oldies“ werde ich vor allem die anderen Freiwilligen vermissen, auch wenn sie mich sicherlich häufig hier in Aarhus besuchen kommen werden. Denn ja, ich habe mich entschieden, hier wohnen zu bleiben und wenn ich meine abschließende Dänischprüfung im November bestehe, nächstes Jahr dann auf der Aarhus Universitet mein Studium anzufangen. Vielleicht werde ich mich für das Jahr dazwischen auf eine Stelle als unfachgelehrte Hilfskraft in meinem Pflegeheim bewerben. Doch auch wenn ich woanders arbeiten werde – sicher ist, dass ich Solbjerg Plejehjem häufig besuchen kommen werde. Und auch wenn ich die anderen Freiwilligen nicht mehr jeden Tag zu sehen bekomme – in Kontakt bleiben werden wir hoffentlich unser Leben lang.

PJR goes Telegram

PJR goes Telegram

Uns könnt ihr nun auch auf Telegram finden. Keine Angst, in unserem Kanal sollen keine Verschwörungserzählungen ausgetauscht werden, wie es sonst so bei diesem Messenger üblich ist. Vielmehr wollen wir über die Kommentar- und Chatfunktion die Vernetzung unserer Ehrenamtlichen und Interessent*innen erleichtern. Und natürlich wollen wir so auch zeitgemäß über unsere Projekte informieren. Hier ist der Beitrittslink.

Bildungsangebot zum Russland-Ukraine-Krieg

Bildungsangebot zum Russland-Ukraine-Krieg

Der russische Angriff auf die Ukraine lässt viele von uns fassungslos zurück. Es ist wieder Krieg und das in unmittelbarer Nähe.

Kindern und Jugendlichen sollte vor diesem Hintergrund die Möglichkeit gegeben werden die Geschehnisse zu erfassen und zu verarbeiten, Ängste zu äußern und Antworten zu bekommen. Gerne steht der Politische Jugendring Dresden e.V. Ihnen dabei zur Seite, um diese Ereignisse – bspw. im Rahmen einer Schulstunde - zu thematisieren.

Melden Sie sich bei Tobias Wallusch unter 0351-4706476 oder mail@pjr-dresden.de

Mein erster Monat als ESK-lerin

Mein erster Monat als ESK-lerin

Привіт! Hallo!

So, der erste Monat meines Freiwilligendienstes beim PJR ist vorbei (wie schnell die Zeit vergeht!). Dieser Monat war reich an Ereignissen, Erfahrungen, Herausforderungen, neuen Bekanntschaften, aber auch ungewöhnlich, interessant, busy, manchmal auch stressig.

Am ersten Arbeitstag im Büro hatte ich ein Einführungsgespräch mit meinem Mentor Tobias, während dessen wir organisatorische Fragen geklärt haben und ich viel unterschreiben musste 😄.

Die ersten Wochen „im neuen Leben“ fielen mir nicht so leicht. Nach den Arbeitstagen fühlte ich mich total erschöpft von den vielen neuen Informationen, von der neuen Lebensphase und natürlich von der Konzentration, die ich brauchte, um Deutsch zu verstehen und zu sprechen. Doch mit jedem neuen Tag gewöhnte ich mich mehr und mehr an die neuen Aufgaben und die neue Lebensweise.

Diesen Monat habe ich bei der Einführung in den Klassenrat und beim GTA „Schülerzeitung“ an der Unischule hospitiert, was für mich neu und daher auch interessant war. Ich habe gesehen wie man mit Kindern umgeht, ihre Aufmerksamkeit gewinnt und interaktive Methoden verwendet, um ihnen etwas beizubringen. Was mich überrascht hat, ist, dass Kinder in dieser Schule ziemlich viel Freiheit haben, was Lernprozess angeht, sie können zum Beispiel aus einem bestimmten Angebot auswählen, was sie nachmittags tun wollen.

Viel Zeit habe ich bei Recherche zu verschiedenen Themen verbracht, die für meine Arbeit beim PJR von Bedeutung sind, und zwar: Extremismus, Verschwörungstheorien, Filterblasen und Echokammern, politische Parteien und Strömungen in Deutschland und viele andere. Ich war auch an der Vorbereitung von Materialien für Workshops und GTAs beteiligt und wurde dabei immer von meinen KollegInnen unterstützt.

Besonders interessant und nützlich fand ich die Arbeitsgespräche mit Jugendvereinen aus der Ukraine und Georgien sowie aus Armenien, mit denen PJR gemeinsame Projekte für das kommende Jahr plant. Ich freue mich sehr, dass ich die Vorbereitung von Projekten Schritt für Schritt erleben und daraus viel lernen kann.

Auch nur positive Eindrücke habe ich von meinen Kollegen und Kolleginnen, die  sehr freundlich sind und die sich gegenseitig unterstützen🤗. Mir gefallen auch Traditionen, die es im Büro gibt. Zum Mittagessen sammeln sich alle zusammen am Tisch, essen und quatschen über ganz verschiedene Themen. Manchmal kocht jemand für alle im Team, was ich auch sehr nett finde. Jede Woche gibt’s ein Teamtreffen, das immer mit einer Befindlichkeitsrunde anfängt und während dessen aktuelle Projekte besprochen werden.

Auch meine Begeisterung von Dresden darf nicht unerwähnt bleiben. Die Stadt hat ein großes historisches und kulturelles Erbe, die Architektur der Altstadt ist faszinierend, aber auch die Neustadt hat ihr besonderes Flair. Es gibt so viele Orte, die ich unbedingt besuchen möchte. Und natürlich die Elbe…😍 Ich habe immer davon geträumt in einer Stadt am Fluss zu leben. Und jetzt ging mein Traum in Erfüllung.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich mit dem ersten Monat meines Freiwilligendienstes sehr zufrieden bin und kann mir vorstellen, wie viel Schönes, Interessantes und Neues ich in elf verbliebenen Monaten noch erlebe.

P.S. Und jetzt geht’s los nach Weimar zum On-Arrival Training für ESK-lerInnen. Über meine Eindrücke darüber und über weiteres Aktuelles erzähle ich in meinen nächsten Blogbeiträgen.

Liebe Grüße aus Dresden☀️

Yuliia

Rückblick auf unsere deutsch-russische Jugendbegegnung

Rückblick auf unsere deutsch-russische Jugendbegegnung

In der letzten Juliwoche fand der zweite Teil unserer deutsch-russischen Jugendbegegnung “Ich bin die Zeit” statt. Wie der erste Projektteil im März 2021 wurde der Jugendaustausch auch wieder im Online-Format mit jungen Menschen aus Dresden und Sankt Petersburg durchgeführt.

Diesmal erweiterten wir unseren Blickwinkel zum Thema „Erinnerungskultur in Russland und Deutschland“ und tauschten uns über weitere Aspekte der Leningrader Blockade und der Friedlichen Revolution in Dresden aus. Wir versuchten, die beiden Themen besser miteinander zu verknüpfen und so auch greifbarer für alle Teilnehmenden zu machen. Nun lernten wir auch persönliche Geschichten von Leningrader Deutschen kennen, die die Blockadezeit in der belagerten Stadt verbrachten. Mithilfe von Tagebüchern und Aufzeichnungen von Leningrader Deutschen erstellte die Gruppe Steckbriefe. Ein Google-Maps-Quiz führt uns digital zu den Orten der Belagerung und Stationierung. Das Gespräch mit dem Blockadeüberlebenden Stanislaw Witaljewitsch Mikoni stellte einen Höhepunkt der Jugendbegegnung dar. Im Video-Interview mit dem Zeitzeugen hatten wir die Gelegenheit, eine Vorstellung der Evakuierung aus Leningrad mit den Augen eines damaligen Kindes zu bekommen. Mit Herrn Mikoni konnten wir uns auch über persönlichen Zukunftswünsche und -pläne unterhalten, was überaus bereichernd war!

Außerdem beschäftigten wir uns mit historischen Verbindungen zwischen Deutschland und Russland während der DDR-Zeit. Dabei kamen wir mit wichtigen Erinnerungsorten in Dresden und Umgebung in Berührung. Viele spannende Details konnten wir von der Dresdner Journalistin Jane Jannke erfahren, die sich bereits seit vielen Jahren mit der Geschichte der sowjetischen Soldaten beschäftigt, die auf dem Territorium der ehemaligen DDR stationiert waren. Am Beispiel des sowjetischen Garnisonsfriedhofs in Dresden stellte Jannke diesen Teil der (ost-)deutsch-sowjetischen bzw. russischen Geschichte sehr anschaulich dar.
Während der Austauschwoche erstellten die Teilnehmenden in internationalen Teams kreative Beiträge für eine virtuelle Ausstellung zum Thema „Erinnerungskultur in Deutschland und Russland”. Am Projekttag präsentierten die Gruppen ihre Ausstellungskonzepte. Themen waren dabei “Kinder im belagerten Leningrad” und ein Vergleich zum “Holocaust-Gedenken in Deutschland und Russland”.

Ein großes Dankeschön geht hiermit an alle Teilnehmenden, die sich trotz strahlenden Sonnenscheins vor den PC gehangen und mit größter Energie und Durchhaltevermögen am Online-Austausch teilgenommen haben! Ebenso möchten wir uns beim Deutsch-Russischen Begegnungszentrum Sankt Petersburg und der Humanitären Geste für die Zusammenarbeit bedanken. Die Auseinandersetzung mit solch wichtigen Themen zur gemeinsamen Geschichte hat uns die Möglichkeit gegeben, über Grenzen hinweg in Austausch zu treten, Kontakte zu knüpfen und andere Blickwinkel einzunehmen. Danke für euer Engagement, eure Gedanken, Anregungen und vielfältigen Ideen! Wir sind gespannt auf weitere Projekte und freuen uns auf ein Wiedersehen, hoffentlich bald vor Ort in Dresden oder St. Petersburg!

 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.