von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 27.02.2018 | Blog
Hola a todos,
nachdem für mich nun schon die Hälfte der Zeit auf Gran Canaria um ist, ist es Zeit, mal wieder etwas vom Leben auf der Insel zu berichten, denn seit meinem ersten Bericht von den ersten Wochen hat sich viel geändert. Sicher nicht an den Umständen hier, sondern an meiner Einstellung und ganz sicher auch an meiner Sicht auf manche Dinge. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um mich einzuleben, aber es hat sich gelohnt durchzuhalten. Auch wenn vieles nicht leicht war und immer noch vieles nicht so läuft wie es laufen könnte, kann ich doch zumindest sagen, dass ich an den Problemen gewachsen bin.
Das klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber so ist es. Ich würde mein Projekt sicher nicht weiterempfehlen. Das liegt auf keinen Fall an den Kindern; im Gegenteil: Sie sind der Grund, warum ich das Projekt nicht abgebrochen habe. Es ist nicht so leicht zu beschreiben und wahrscheinlich noch viel schwieriger, das nachzuvollziehen, wenn man es selbst nicht erlebt hat. Ich möchte mich deshalb darauf beschränken, von einigen Erlebnissen der letzten Monate zu berichten. 
Eines der größten Highlights war sicherlich das On-arrival-training, oder Spanisch „formación de llegada“. Meine beiden Mitbewohnerinnen (companeras de piso) und ich sind dafür für eine Woche nach La Palma geflogen, die westlichste der Kanarischen Inseln. Sie ist, glaube ich, den meisten unbekannt; wenn ich von La Palma erzählt habe, haben die meisten Leute an die Hauptstadt von Gran Canaria, Las Palmas, oder an Mallorca gedacht…
Dort haben wir die neun anderen Freiwilligen von den Kanarischen Inseln kennengelernt, von denen die meisten auf La Palma leben. Wir waren also eine sehr kleine Gruppe, allerdings mit Freiwilligen aus sieben verschiedenen Ländern (Frankreich, Italien, Griechenland, Serbien, Mazedonien, Polen und Deutschland).
Nachdem wir uns tagsüber mit Themen wie interkulturelles Lernen, Sprache, Krankenversicherung und mögliche Probleme beschäftigt haben, ging abends das interkulturelle Lernen erst richtig los. „Das ist ja ein Festival der Sprachen“, meinte eines Abends der Mann am Nebentisch, der uns zugehört hatte, wie wir uns in acht unterschiedlichen Sprachen unterhielten und, je nach Gegenüber, die Sprache wechselten.
Mir scheint es ein deutsches Ding zu sein, direkt nach der Schule ins Ausland zu gehen. Wir Deutschen waren nämlich mit Abstand die Jüngsten. Die meisten anderen haben schon fertig studiert und sind 23, 26, 27 Jahre alt.
Nichtsdestotrotz oder gerade wegen dieser Unterschiede hat mir diese Woche so unglaublich viel gebracht; weil man ein echtes Gefühl davon bekommen hat, was Europa eigentlich ist oder sein kann.
Zurück im Projekt
Die Rückkehr in unser Projekt war ehrlich gesagt etwas deprimierend, weil wir in dieser Woche mitbekommen hatten, wie gut die Projekte bei den anderen liefen. Wir haben immer auf die Wochenenden hingearbeitet, die dafür umso schöner waren. Wir haben viele Wanderungen gemacht, denn Gran Canaria ist ein wahres Wanderparadies (siehe Fotos)! Das Beeindruckende ist, dass auf der Insel so unterschiedliche Landschaften vereint sind. Bei einer Wanderung in der Mitte der Insel hatten wir einen Blick über die faltigen Gebirgszüge über den Strand sogar bis zum Teide, dem höchsten Berg Spaniens, der auf Teneriffa ist.
Apropos Teneriffa… Über ein langes Wochenende haben wir die Freiwillige auf Teneriffa besucht, mit dem Flugzeug ist man in einer knappen halben Stunde da. (Und weil wir für ein Jahr als „Residenten der Kanaren“ eingetragen sind, bezahlen wir, wenn es gut kommt, gerade mal 10 Euro!) Die Freiwilligen auf La Palma haben wir auch noch einmal besucht und Reisen auf die verbleibenden vier Inseln sind geplant.
In den letzten fünf Monaten bin ich so viel gereist wie noch nie, aber vielleicht ist es einfach das Wissen, dass man hier nur eine begrenzte Zeit hat, das meine Reiseplanungsfreude so überschäumen lässt (und natürlich die Tatsache, dass ich hier nicht in die Schule gehen muss).
Aber in der Woche gehe ich natürlich ganz normal arbeiten und zweimal pro Woche in die Sprachschule in Las Palmas. Mit den Kindern kann ich mich jetzt schon viel besser unterhalten, was die Arbeit um einiges erleichtert und wodurch es auch erst so richtig interessant wird. Manchmal frage ich mich, wie ich auf die Idee gekommen bin, mit kaum einem Wort Spanisch nach Spanien zu gehen. Sicherlich kann man sich auch mit Gesten verständigen, aber es ergeben sich auch sehr viele Möglichkeiten, in denen man sich missverstehen kann.
„Ganz in weiß“… auf dem spanischen Karneval
Ein Grund für viele Touristen nach Gran Canaria zu kommen und eines der wichtigsten Feste für die Einheimischen, ist der Karneval, den wir in den letzten Wochen miterlebt haben und der noch bis in den März hinein gefeiert wird. Da ich nicht in Westdeutschland oder Rio de Janeiro aufgewachsen bin, war das ein Karneval, wie ich ihn noch nie erlebt habe. An einem Tag namens „Los Indianos“ kleiden sich die Leute komplett in Weiß und bewerfen sich auf der Straße mit Mehl und Babypuder. Natürlich wurde auch viel Musik gespielt und getanzt. In den Straßen war alles weiß, als hätte es geschneit und es hat ganz sauber und süß und nach Baby gerochen. Mit „Indianos“ waren früher die Auswanderer nach Amerika gemeint und mit diesem Fest wurde ihre Rückkehr gefeiert. Mit dem Puder wurde die Haut aufgehellt, warum, konnte mir keiner so richtig sagen. Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!! 
Am Samstag vor dem Rosenmontag wurde mit einem riesigen Umzug durch die ganze Stadt der Höhepunkt des Karneval gefeiert. Drei Stunden lang standen wir an einer Stelle und haben uns die vorbeiziehenden Trommler und mit riesigem Kopfschmuck geschmückten Tänzer angeschaut, wie auch auf den Fotos zu sehen ist. Als es dunkel wurde, haben sich die Leute in den Zug eingereiht und sind tanzend und mit viel Musik zu einem der größten Plätze in Las Palmas gezogen, auf dem bis in die Morgenstunden getanzt wurde. Es war ein unglaubliches Gefühl, mit so vielen Leuten mitten im Februar auf der Straße zu tanzen. Aber wenn es ums Feiern geht, sind die Kanarier immer dabei.
Auch im Kindergarten haben wir Fasching gefeiert. Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, aber die Kinder waren überglücklich und haben ihre Rollen voll ausgelebt. Und mir wurden mehrmals Handschellen angelegt.
Mid-term-Meeting
Im Januar sind wir zum Mid-term-training nach Málaga geflogen, um uns mit anderen Freiwilligen aus Spanien auszutauschen. In dem Training ging es vor allem darum, zu reflektieren, sich seines Ziels bewusstzuwerden und Ideen zu sammeln, wie man aus der verbleibenden Zeit das Bestmögliche herausholen könnte. Wie auch das On-arrival-Training war das eine sehr intensive Woche, die genau zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden hat. So sind wir mit viel Motivation und voller Ideen zurückgekehrt.
Außerdem war es (seltsamerweise) ein sehr schönes Gefühl, mal wieder auf dem Festland zu sein und anderthalb Stunden in EINE Richtung zu fahren.
In den nächsten Wochen bekommen wir viel Besuch von den Freiwilligen vom Festland. Alle wollen sie die mysteriöse Insel weit, weit draußen im Ozean besuchen… Wahrscheinlich liegt das unter anderem auch am Wetter… Am Wochenende war es schon so warm, dass man baden gehen konnte.
Wenn man sich den Bericht so anschaut, kann man leicht auf die Idee kommen, dass ich hier ein traumhaftes Leben wie im Urlaub führe. So ist es sicher nicht, aber die Erlebnisse, von denen ich berichtet habe, sind es, die die Zeit bis jetzt so wertvoll gemacht haben. Solche Erlebnisse lassen einen leichter über die Schwierigkeiten hinwegsehen und ich bin gespannt, was in den nächsten vier Monaten noch so kommt.
Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 07.02.2018 | Blog
Nach nun schon knapp einem halben Jahr auf der Insel, gibt es einiges Neues zu berichten. Besonders von den künstlerischen Projekten, welche das Orpheus Centre jeweils eine Woche vor den Ferien als: „Intensive Week“ durchführt. Vor den Herbstferien war das die sogenannte „Song Week“, in welcher die Schüler mit den Lehrern und professionellen Musikern von außen, über die ganze Woche hinweg in Kleingruppen eigene Songs schrieben, die dann am Freitag im „Barn Theatre“, präsentiert wurden. Ein in England recht bekannter und in der Musical Szene weltweit erfolgreicher Autor und Gründer vom Orpheus Centre, Sir Richard Stilgoe, entwickelte auch Songs mit den Schülern. Er schrieb beispielsweise die Lyrics zu den weltbekannten Musicals „Das Phantom der Oper“ und „Starlight Express“. Das Orpheus Centre war einst sein Zuhause, ehe er es dem Orpheus Trust übergab, in dem ich jetzt arbeite.
Das letzte große Projekt war wohl das Weihnachtsprogramm: „Around the World in 80 days“, nach dem Roman von Jules Verne, aus dem wir gemeinsam ein Musical entwickelten. Besonders in diesem Musical, konnte ich meine musikalischen Kompetenzen weiterentwickeln.
Ursprünglich war ich für die Schauspielgruppe eingeteilt, weil aber dann kurzfristig ein weiterer Mitarbeiter in Musik gebraucht wurde, bin ich dort hinein gewechselt. Anfangs war ich darüber nicht sehr begeistert, um ehrlich zu sein, denn im Schauspiel habe ich meine größeren Kompetenzen, jedoch konnte ich später feststellen, wie gut mir dieser Wechsel getan hatte und wie viele neue Dinge ich dazu lernen konnte.
Die wohl größte Herausforderung war, an den jeweils drei Showabenden jeweils vier Schüler gleichzeitig zu betreuen. Das bedeutete, ihnen während der Vorstellung ihre Instrumente zu reichen, richtige Einstellungen vorzunehmen und dann noch selbst ein Instrument zu spielen. Fehler sollte man sich dann möglichst nicht erlauben, weil es dann plötzlich still ist oder ein wichtiges Instrument an einer Stelle gefehlt hätte. Glücklicherweise waren es drei erfolgreiche Abende. Das wohl größte Kompliment kam von Steve, dem Musiklehrer, der bei der Abschlussfeier meinte: „I want you to be in Music next year!“.
Auch wenn es mir sehr viel Spaß gemacht hat, bin ich jetzt wieder in der Schauspielgruppe gelandet. Momentan stecken wir schon in den Vorbereitungen für die Sommer Show. Mein Kollege, der die Regie führen wird, hat sich dafür eine eher ungewöhnliche Mischung aus Science Fiction und Oper ausgedacht. Morgen geht es für mich vor den Winterferien übrigens erst einmal in eine neue „Intensive Week“ zum Thema „World Café“, wobei ich diesmal in Art & Design mitmischen darf.
Und das wohl spannendste und wahrscheinlich aufregendste Projekt, auf das ich mich jetzt schon am meisten freue, wird in London im März stattfinden. Gemeinsam mit Sir Richard Stilgoe, den Absolventen der Musical und Drama School in London, sowie fünf talentierten Orpheus Schülern und professionellen Musikern, werden wir Ende März eine Woche auf einer West- End Stage, dem „Other Palace Theatre“, ein Musical aufführen. Insgesamt werden wir drei intensive Wochen in London verbringen und die Möglichkeit haben, mit professionellen Leuten aus der Musical-Szene zusammenzuarbeiten. Richard Stilgoe schrieb das Musical und die Musik. Er kommt in letzter Zeit regelmäßig in das College, um bereits mit den Schülern die Songs zu üben.
Hobbies im Ausland führen
Wenn in der Woche die Arbeit genau organisiert ist und wenig Freizeit bleibt, so ist es am Wochenende umso stiller in der Counrtryside. Dann gehe ich an den Sonntagen regelmäßig wandern, wo wiederum Zeit ist, die Gedanken schweifen zu lassen.
Rückblickend wurden meine Erwartungen an mein Auslandsjahr bisher zum großen Teil erfüllt. Ich habe mir vor allem gewünscht, meine sprachlichen Kompetenzen zu erweitern und weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Deshalb bin ich Anfang Dezember zu einem Vorsprechen für ein Theaterstück nach Caterham gegangen, was für mich im Nachhinein erfolgreich ausging, weil ich die Hauptrolle bekommen hätte. Leider fielen die Proben unglücklicherweise in den selben Zeitraum wie die Proben zum Musical in London. So musste ich mich für eins von beidem entscheiden.
Mein Englisch hat sich seid meinem Aufenthalt schon sehr verbessert. Neben der künstlerischen Tätigkeit, die mir das College bietet, hat es mir vor allem eine Zukunftsperspektive geschaffen. Bevor ich nach England ging, gerade die Berufsschule verlassen, zum Staatlich anerkannten Erzieher ausgebildet mit dem Fachabitur in der Tasche, wusste ich nur eins: Noch nicht in das Berufsleben einzusteigen und dem Ziel zu folgen, nach meiner Wiederkehr an die Uni zu gehen. Im Nachhinein gibt es keine wirksamere Methode, um sich selbst kennenzulernen, Abstand zu gewinnen, den Blickwinkel zu erweitern und eine Perspektive für die Zukunft zu gewinnen, als die eigene Heimat zu verlassen. Die Neusortierung setzt neue Denkprozesse in den Gang, bis es vor Weihnachten auch bei mir geklickt hatte: Ich möchte Philosophie studieren.
Great Expectations?!
Eine Erwartung, die für mich von sehr hohem Wert ist und leider noch nicht erfüllt wurde, ist die, soziale Kontakte zu knüpfen, was sich, wenn man auf dem Land lebt, relativ schwierig gestaltet. Zu den Mitarbeitern im Orpheus Centre und meinen Mitbewohnern, besteht ein gutes Verhältnis. An manchen Wochenenden unternehmen wir gemeinsam etwas. Abgesehen davon, sind es jedoch schon immer die selben Menschen, mit denen man sich umgibt. Die Nähe zu London ist zwar sehr attraktiv, allerdings habe ich nicht selten die Erfahrung machen müssen, wie allein man sich in dieser riesigen Stadt fühlen kann. Letztens war ich auf einem Philosophie Festival. Und trotz, dass andere junge Menschen dort waren und wir kleinere Small Talks führten, bestand dennoch eine gewisse Oberflächlichkeit, die es schwer macht zu durchbrechen, um Freunde zu finden.
Heimatgefühle
Kurz bevor ich letztes Jahr für Weihnachten nach Hause geflogen bin, habe ich das Gefühl gehabt, mich an das Leben in England zu gewöhnen. Die zwei Wochen in Dresden widerspiegelten mir dann wieder deutlich, was ich zuhause alles für Vorzüge habe, die ich in Godstone „in the middle of nowhere“, leider nicht genießen kann. Plötzlich ist auch der Freundeskreis vorhanden. Man konnte einen Freund spontan anrufen, um sich abends im Pub zu treffen. Theater und Kino sind um die Ecke und die Stadt bietet alle Möglichkeiten. Kommt man dann wieder zurück, beginnt wieder die Umstellung, wobei ich damit gut klar gekommen bin. Trotzdem: Das Vermissen bleibt. So richtig heimisch kann ich mich in England nicht fühlen, denn Heimat besteht für mich da, wo meine Familie und Freunde sind.
Glücklicherweise bekommen wir als Freiwillige sehr gute Unterstützung von einer Koordinatorin, die für uns immer ein offenes Ohr hat. Als harte Zeit würde ich rückblickend den November beschreiben, wo es bereits um 16 Uhr stockdunkel war. Keine Straßenbeleuchtung. Hat es dazu noch geregnet, war nicht einmal daran zu denken, ins Dorf zu spazieren. Was ich bisher nur in Charles Dickens Romanen gelesenen hatte, konnte ich jetzt selbst erfahren. In der Zeit hat es mir am meisten geholfen, mit einer Freundin zu skypen, die nach Frankreich gegangen ist. Der Austausch über das Erleben im Ausland zu sein, hat unglaublich gut getan. Deshalb freue ich mich schon sehr auf den Frühling. Heute habe ich auf einem Spaziergang schon die ersten Frühblüher gesehen. 
Die EFD Seminare
Eine willkommene Abwechslung bieten die EFD Seminare. Mein letztes fand im November in London statt. Gemeinsam waren wir etwa dreißig Teilnehmer aus verschiedensten europäischen Ländern. In einer Einrichtung, direkt im Zentrum, haben wir ein dreitägiges, unterkulturelles Training durchgeführt. Neben Gruppenaufgaben mit kleinen Präsentationen, wo es unter anderem um die eignen Rechte und Aufgaben als EFDler ging, standen abwechslungsreiche Spiele und Ausflüge durch London auf dem Tagesplan. Wir waren in einem Hostel am Russel Square untergebracht. Mein nächstes EFD Camp wird wieder in London stattfinden. Vom 7. auf den 8. März. Da soll es vor allem um die Auswertung des letzten halben Jahres, sowie die Orientierung bis zum Sommer gehen.
Die Freizeit in der Countryside
In meiner Freizeit unternehme ich gern Ausflüge in die Natur. An manchen Wochenenden fahre ich nach London. Dann allerdings mit einem festen Plan in der Tasche, wie beispielsweise das Philosophie Festival. London bietet genauso wie Dresden eine wunderbare Theaterlandschaft. So bin ich Stammgast in Shakespeares „Globe Theatre“. Am letzten Wochenende war ich mit meinen beiden Mitbewohnern in Oxford. Ansonsten nutze ich meine Freizeit, um weiter an meiner Geschichte zu schreiben und zu lesen. Gelegentlich kommt es vor, dass das Orpheus Centre unsere Mitarbeit auch am Wochenende benötigt und wir dann bei Veranstaltungen aushelfen.
An die Zukunft
Für die zweite Hälfte meines Auslandsjahres nehme ich mir vor, die Wochenenden mehr an anderen Orten zu verbringen und herum zu reisen. Die schönsten Städte in England, befinden sich glücklicherweise in relativ nahem Umkreis. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, einen Flug mit einer Cessna vom nahe gelegenen Flugplatz in Redhill zu unternehmen. Außerdem möchte ich Ausflüge zu schönen Schlössern machen, da steht Hever Castle ganz oben auf der Liste. Ansonsten bin ich sehr gespannt und offen, was die Zeit hier mir noch so bringen mag 🙂
Unter diesem Link könnt ihr Stefans ersten Blog-Post lesen.
Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 27.11.2017 | Blog
Hallo wieder!
Die erste drei Monate von meinem EFD-Projekt sind fast vorbei und mir ist so viel passiert, dass ich das unbedingt mit euch teilen will. 
Als erstes möchte ich sagen, dass ich unglaublich freundliche Mitarbeiter habe, die ich für alle meine Fragen konsultieren kann. Dank ihnen habe ich mich sehr schnell an mein Leben im Ausland gewohnt: mein Zimmer gestaltet und dekoriert, die Möglichkeit weiter Sport zu machen ausgesucht, neue Freunde gefunden und auch Freizeitaktivitäten entdeckt.
Bereits im September nach 2 Wochen in Deutschland hatte ich mein Ankunftstraining, das 7 Tage lang dauerte und in Weimar stattfand. Ich habe mit 19 anderen EFDlerinnen und EFDlern an verschiedenen Aktivitäten teilgenommen und auch viel über den europäischen Freiwilligendienst und die Stadt selbst erfahren. Ein Tag war Ausflugstag und ich habe das Buchenwald – Konzentrationslager, das in der Nähe von Weimar liegt, besucht. Diese Woche hat mir viel Spaß gemacht und auch eine Freiwillige habe ich danach im Oktober in Leipzig besucht.
Im unseren Büro gab´s auch viel zu tun. Im Oktober fand unsere Rathausrallye für Grundschule Kinder statt, dann eine Stolperstein-Tour für Achtklässler/innen und anschließend mein russischer Abend für PJR Ehrenamtliche und Mitarbeiter/innen. Die Rallye wurde in Zusammenarbeit von Franzi vom Büro und Matthias vom Jugendamt der Stadt Dresden vorbereitet und durchgeführt. Ich sollte nur Fotos machen und hatte die perfekte Möglichkeit, Neues von der Geschichte von Dresden zu erfahren.
Zur Stolperstein-Tour haben Tobias, unser FSJler Clemens und ich 7 Stolpersteine ausgewählt und den Jugendlichen die traurigen Biografien von verfolgten Juden/Jüdinnen erzählt. Ich hatte ein bisschen Angst vor der Veranstaltung gehabt, in der ich ja als eine Art Reiseführerin wirken musste, aber alles lief gut und hat mich sehr gefreut.
Am kompliziertesten war für mich bisher der russische Abend. Dazu habe ich eine Präsentation von meiner Stadt gemacht und ein Video ausgesucht um das alles dem Team des PJR zu zeigen. Ich habe mir bei der Vorbereitung Mühe gegeben und alle Zuschauer waren danach zufrieden.
Im November habe ich an der Actionbound Führung der ehemaligen FSJlerin Charlott mit dem Thema „Dresdner Stadtgeschichte“ teilgenommen. Mit Tablets sind wir durch das Stadtzentrum gegangen, haben jede Menge neue Information bekommen und sollten auch Fragen dazu beantworten. Es war für mich sehr interessant, ich überlege mir auch so eine interaktive Tour mit der App herzustellen.
Und zu guter Letzt, mit Tobias sind wir zwei Monate lang fast jeden Donnerstag in die 6. Klasse eines Gymnasiums gegangen, um dort ein Sozialtraining zu machen und den Klassenrat einzuführen. Dabei konnten auch einige meiner Ideen von Sozialspielen durchgeführt werden und am Ende habe ich dazugelernt, was der Klassenrat überhaupt ist. In meiner Stadt habe ich noch nie von so was gehört, deswegen war das für mich besonders lehrreich.
Viele Grüße,
Marina
Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.
von Tobias | 02.10.2017 | Blog
Stefan ist seit Anfang September Freiwilliger des EFD (Europäischer Freiwilligendienst) im Orpheus Centre, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Godstone / England. Hier erzählt er von seinen ersten Eindrücken.
Mein EFD in England
Ich wohne und arbeite im Süden Londons in der kleinen Stadt Godstone, im Landkreis Surrey. Meine Arbeitsstelle ist das Orpheus Centre, eine Bildungseinrichtung für körperlich- und geistig behinderte junge Erwachsene, zwischen 18 und 25 Jahren. Das Orpheus Centre nutzt auf die Adressaten bezogene Bildungsprogramme, die hauptsächlich auf dem künstlerischen Bereich basierend, sie in ihrer Unabhängigkeit unterstützen sollen. Dafür wohnen etwa 20 Schüler dauerhaft in „Residential Homes“, in welchen sie lernen, auch für ihren eigenen Haushalt zu sorgen. Nebenbei besuchen täglich auch etwa 20 weitere Studenten das Orpheus Centre.
Der Bildungsschwerpunkt liegt in der täglichen Arbeit klar im künstlerischen Ausdrucksbereich, wofür alle Schüler insgesamt 4 Bereiche besuchen und sich auf ein Teilgebiet spezialisieren. Zu diesen „Sessions“ zählen: Art & Design, Drama, Music und Dance. Ich persönlich bin für Drama, also das Schauspiel zuständig. Dafür ist das Orpheus Centre bestens ausgestattet. Neben den eigentlichen Unterrichtsräumen gibt es ein Musikraum, ein Tonstudio und das Barn-Theatre (Scheunentheater), in dem ich jeden Donnerstag mehrere Stunden mit den Studenten verbringe. Mit 3 weiteren Kollegen proben wir an einem Stück für das Weihnachtsprogramm, basierend auf der Geschichte „In 80 Tagen um die Welt“, von Jules Verne.
Das besondere daran ist, dass alle Gruppen ihren Teilbeitrag für den großen Auftritt leisten. Dazu zählt die Gestaltung von Masken und Kulissen, Musik und Tanz. Ich habe das Gefühl, dass der künstlerische Ausdruck, egal in welcher Form, eine große Bereicherung für die Studenten ist. Für manche ist es ein bestärkender Ersatz sich auszudrücken, was ich besonders bei denen beobachten konnte, die aufgrund einer halbseitigen Lähmung im Rollstuhl sitzen und deren Sprachzentrum beeinträchtigt ist. Es ist dann eine große Freude zu sehen, wie glücklich sie auf Musik reagieren und mit welcher Begeisterung sie sie produzieren.
Auch zwischen den Kollegen besteht ein sehr gutes Verhältnis und ich habe als Freiwilliger keinesfalls das Gefühl, in irgendeiner Form untergestellt zu sein. Ich darf meine Ideen und Gedanken frei in die Arbeit einfließen lassen und befinde mich mit allen Mitarbeitern auf einer Ebene. Ich freue mich auch schon auf kommende Ausflüge. Neben Freizeiteinrichtungen, wie Kinos, Theater oder Ausstellungen, besucht das Orpheus Centre auch Institutionen, in welchen die Studenten ihre Arbeiten präsentieren können.
Hügelig und saftig grün
Obwohl das Orpheus Centre in der Kleinstadt Goldstone liegt, befindet es sich eher außerhalb, an einer Kleinstraße gelegen, die den Hügelkamm hinauf führt. Links und rechts liegen weite Felder wo die Schafe grasen und einen verwirrt anstarren, wenn man über einen der Wanderpfade Richtung Stadt läuft. Die Landschaft im Landkreis Surrey ist hügelig und saftig grün. Sie zählt zu einen der schönsten aber auch teuersten Gegenden Englands. Goldstone ist sehr klein. Besitzt einen winzigen Einkaufsladen, einen Fußballplatz, wo die Mitarbeiter jeden Mittwoch spielen (inklusive mir) und einen Arzt. Wer eher das Stadtleben bevorzugt, fühlt sich hier denke ich vielleicht eher gelangweilt. Allerdings ist London nur 30 km entfernt und mit dem Zug günstig zu erreichen.
Weil ich gerne wandern gehe, genieße ich die Pfade über die Hügel der malerischen Landschaft. In meiner Freizeit unternehme ich auch viel mit meinen beiden Mitbewohnern. Das sind Johanna aus Wien und Hariette aus Brighton. Ich bin froh auch mit einer Engländerin zusammenzuwohnen. Es bringt mich zum einen nochmal kulturell näher an das Land, zum anderen zwingt es mich Englisch zu sprechen. Wir verstehen uns alle drei sehr gut. Wir teilen uns gemeinsam eine Wohnung gegenüber vom Orpheus Centre, wobei mein Zimmer direkt im Orpheus Centre liegt. Die Wohnung haben wir uns schon für die kalte Jahreszeit mit ausreichend Kissen, Decken und Lichterketten gemütlich gemacht. Ab und zu wird eine britische Sendung oder Harry Potter geschaut- worauf die Briten hier sehr stolz sind, hab ich den Eindruck.
Same same – but different?
Große Unterschiede in der Mentalität zwischen Briten und Deutschen konnte ich nicht feststellen. Das Auffälligste ist wohl das obligatorische „How are you?“, dazu die selbstverständliche Antwort: „I am good“ oder „I `m fine“, egal wie es dir auch gehen mag. Bist du an einem Tag mit dem falschen Bein aufgestanden wirst du trotzdem mit:“ I `m good“ antworten. Sonst würdest du wahrscheinlich einen verwirrten Blick ernten. Anfangs hat mich das ständige: „Are you alright?“, etwas verwirrt. Mittlerweile habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich auch andere schon mit dieser Frage grüße. Bisher habe ich nur freundliche und hilfsbereite Briten kennengelernt. Aber etwas ist schon dran an der Teekultur. Seid ich in Großbritannien bin, hat sich mein Teekonsum verdreifacht. Allerdings ist die sogenannte „Teatime“ in meinen Augen totaler Blödsinn. Die Briten trinken ihren Tee wann sie wollen, aber doch bitte Schwarzen mit Milch und Zucker. Dazu noch ein Biskuit und die Pause ist perfekt.
Macht ein Brite böse Witze über dich, dann bist du bereits mit ihm auf einer kumpelhaften Ebene. Das sollte man auf keinen Fall persönlich nehmen. Der britische Humor zeichnet sich durch viel Sarkasmus aus. Mein persönlicher Tutor hat schon so manchen „bösen“ Satz über mich gesagt, dass die Arbeit mit mir eine Zumutung wäre. Dann lachen alle laut und man sollte wissen, wie es gemeint ist. Wer dort keinen Spaß versteht, hat ein Problem. Probleme hatte ich bisher keine.
Herausforderungen
Allerdings bietet eine fremde Umgebung und eine neue Arbeitsstelle jede Menge Herausforderungen. Meine waren weniger auf die Arbeit bezogen, sondern vielmehr auf die Orientierung in der neuen Umgebung und die Umgewöhnung auf eine fremde Sprache. Die ersten beiden Wochen war ich dauermüde, vielen neuen Eindrücken und Informationen ausgesetzt. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und bin angekommen. Die Herausforderung in der Arbeit bestand darin, zu erkennen was meine Aufgaben sind. Wie ich es schon in meinem ersten Praktikum im Ausland erlebt habe sollte man nicht erwarten, eine persönliche Anleitung von seinem Tutor zu bekommen, was die Aufgabenbereiche im Arbeitsfeld betrifft. Die Aufgabe besteht vielmehr darin, die Arbeit zu erkennen. Anfangs habe ich deshalb meine Kollegen viel beobachtet, um dann die Studenten adäquat in ihren Sessions unterstützen zu können.
Anfangs wusste ich beispielsweise nicht, wie ich einen jungen Mann in meiner Klasse behandeln sollte, der halbseitig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Durch Spasmen ist er motorisch beeinträchtigt. Sein Sprachzentrum ist geschädigt. Meist verständigt er sich durch Laute, die für mich unverständlich waren. Mein Tutor verlangte von mir, dass ich ihn in einer Gruppenaufgabe unterstützen sollte. Immer wenn er etwas sagen wollte, verstand ich nichts und fühlte mich schlecht, weil ich in seinen Augen sehen konnte, wie sehr es ihm daran lag, mir das mitzuteilen. Ich holte mir Unterstützung und kann ihn mittlerweile teilweise sogar schon verstehen. Die Freude die ich hatte, als ich ihm die Rückfrage stellte, was er gesagt haben soll und er mir diese bestätigte, war wunderbar. Die Arbeit mit behinderten Menschen zeigt mir wieder einmal, wie talentiert diese Menschen auch sind und welche Fähigkeiten sie in die Gesellschaft einbringen. Das Problem liegt nicht unbedingt an der Behinderung selbst sondern vielmehr daran, wie schlecht unsere Gesellschaft angepasst ist.
Ich bin sehr gespannt auf noch kommende Erlebnisse.

Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 26.09.2017 | Blog
Lea leistet seit Anfang September einen einjährigen europäischen Freiwilligendienst (EFD) auf Gran Canaria. Hier ist ihr erster Bericht.
Hallo zusammen,
vor drei Wochen landete mein Flugzeug hier auf Gran Canaria, der Kanarischen Insel im Atlantik, auf der ich die kommenden zehn Monate meinen EFD verbringen werde. Ich habe mich entschieden, nach der Schule einen Europäischen Freiwilligendienst zu machen, um einmal etwas ganz Neues auszuprobieren, in einer neuen Umgebung, mit neuen Leuten und einer anderen Sprache.
Vom Flughafen holte mich eine der Erzieherinnen der „Casa del Sol“ ab, dem Waldorfkindergarten, in dem ich unter der Woche arbeiten werde. Sie spricht nur Spanisch, was schon die erste Herausforderung darstellte, da ich so gut wie kein Spanisch spreche, es nur ein bisschen verstehe. Irgendwie haben wir uns aber doch verständigt. In solchen Situationen merkt man immer, wie wenig man eigentlich über die Sprache kommuniziert.
Die WG, die ich mir mit einer Deutschen und einer Französin teile, liegt in Arucas, einer Stadt westlich der Hauptstadt Las Palmas. Es ist eine sehr kleine Stadt mit gut 37 000 Einwohnern, es ist aber gleichzeitig auch eine der größten Städte auf Gran Canaria. Bei den Inselbewohnern ist Arucas bekannt für seine Rumbrennerei und die Iglesia San Juan Bautista, die aus Vulkangestein gebaut ist. Unser „Stadtrundgang“ durch Arucas hat eine gute halbe Stunde gedauert. Nur so zur Vorstellung…
Die WG selbst besteht aus je einem Schlafzimmer für jede Freiwillige, einem großen und einem kleinen Bad, einer Küche und einem Wohnzimmer. Eine tolle Zugabe ist auch eine große Dachterrasse, die sich alle Mieter teilen und von der aus man über ganz Arucas blicken kann.
Der Kindergarten liegt eine Viertelstunde Fußweg von unserer WG entfernt, der Weg führt an Bananenplantagen entlang. Bananen werden hier überall angebaut und sind im Supermarkt deshalb auch schon für 80 Cent pro Kilo zu haben.
Küsschen, mañana und ein rosa Kindergarten
Wie auch in Frankreich wird man hier mit Küsschen begrüßt. Allerdings nur mit zwei statt drei. Am Anfang habe ich mich etwas gewundert, da mich ja alle noch nicht kannten, mir wurde dann aber schnell klar, dass die Begrüßung insgesamt herzlicher ist als in Deutschland, mit überschwänglicher Freude werden nicht nur gute Freunde und Familie, sondern auch Arbeitskollegen und Bekannte geküsst. Auch Duzen ist üblich, gesiezt werden eigentlich nur deutlich ältere Leute und der Chef.
Die erste große Überraschung erlebten wir drei, als wir am Montagmorgen in den Kindergarten kamen. Die Erzieherin, die mich abgeholt hatte, begrüßte mich freudig und führte mich durch die Zimmer, die alle komplett rosa gestrichen waren. Eigentlich knallrosa. Sie bat mich, ihr beim Streichen der Schränke zu helfen, die auch alle rosa werden sollten. Als ich dann eine halbe Stunde gemalt hatte, fragte ich sie, wo denn die Kinder blieben… naja, wie sich herausstellte, hatten die Kinder noch bis Montag Ferien und wir verbrachten unsere Zeit bis dahin mit dem Waschen von Spielzeug und viel rosa Farbe.
In dieser ersten Woche mussten wir uns auch um viel Papierkram kümmern. Ich war davon ausgegangen, dass das Beantragen eines Bustickets, eines „Aufenthaltszertifikats“ und das Einschreiben in der Sprachschule einen Nachmittag, vielleicht auch zwei, in Anspruch nehmen würde. Da hatte ich mich geirrt. Beim Busbahnhof waren wir mittlerweile schon zum dritten Mal, weil immer irgendein Dokument fehlte, welches der Beamte vom Vortag leider nicht erwähnt hatte und in der Sprachschule standen wir auch schon mehrere Stunden in der Schlange, weil unsere Koordinatorin, die uns begleitete, uns auf „mañana“ (morgen) vertröstete, als wir erst die Hälfte der Papiere ausgefüllt hatten, weil sie keine Lust mehr hatte. Am nächsten Tag war die Schlange leider doppelt so lang.
Am Donnerstagmorgen wurde ich nicht wie üblich von meinem Wecker, sondern stattdessen von meinen Mitbewohnerinnen geweckt. Ich war schlagartig wach, als meine Füße plötzlich im Wasser standen. Über Nacht war Wasser aus dem Thermostat ausgelaufen, über dessen marodes Aussehen wir uns schon am Vortag Sorgen gemacht hatten. Das Wasser hatte das gesamte Bad, den Flur und zwei unserer Schlafzimmer, darunter auch meins, geflutet und es floss immer weiter. Zuerst wussten wir nicht, was wir machen sollten und haben unsere Notfallnummer, die Koordinatorin, angerufen, die aber leider nicht zu erreichen war. Wir beschlossen dann, bei den Nachbarn zu klingeln, um einen Schlüssel für den Keller zu bekommen, wo wir das Wasser abstellen konnten. Das hat leider eine Weile gedauert, weil zwanzig nach sieben noch niemand aufgestanden war… Nachdem dann endlich kein Wasser mehr floss, haben wir anderthalb Stunden gewischt, wobei uns aufgefallen ist, dass die Wohnung vor uns wohl nicht sauber gemacht wurde… Einer Cucaracha (Kakerlake, 4 cm) sind wir bei der Gelegenheit auch begegnet, daran müssen wir uns noch ein bisschen gewöhnen.
Später kam dann unsere Koordinatorin vorbei, die uns erklärte, warum neben der Herdplatte, dem Licht in einigen Zimmern und dem Ofen auch die Klospülung nicht funktionierte. Die hatte sie abgestellt, um die Wasserrechnung gering zu halten. (Wir haben aber zum Glück zwei Klos.)
Spanische Lebensfreude und Marienverehrung
Am Donnerstagabend fuhren wir mit dem Bus nach Teror, dem Städtchen, das als das kanarischste aller Städte auf Gran Canaria gilt. Am Freitag war der wohl wichtigste Feiertag für die Kanarischen Inseln: Nuestra Señora del pino (Unsere Jungfrau von der Kiefer). In Teror soll im 15. Jahrhundert einigen Hirtenjungen die Jungfrau Maria in den Ästen einer Kiefer erschienen sein, weshalb Teror als das Lourdes der Kanarischen Inseln gilt und eine Marienfigur jedes Jahr an diesem Tag in einer Prozession durch die Straßen der Stadt getragen wird. Das Busunternehmen stellte sich dafür auf über 68 000 Besucher, auch von den umliegenden Inseln, ein. Auch am Vorabend dieses Festes wurde schon ausgiebig gefeiert: Mit Gitarren, Trommeln und Tamburinen wurden in den mit tausenden Menschen gefüllten Gassen laut Volkslieder und auch neuere Lieder gesungen, die in Trachten gekleideten Einheimischen klatschten und tanzten und pfiffen. So eine Lebensfreude und so ein Gefühl von Zusammengehörigkeit habe ich selten erlebt.
Teror ist ja, wie schon erwähnt, ein Ziel für Pilger, und ganz besonders ist es die Marienstatue. Diese war am Festtag umzäunt, aber nachdem die Statue von der Polizei „freigegeben“ wurde, sprangen die Leute an der Abgrenzung hoch, um einmal den Mantel der Maria zu berühren.
Damit hat der Tag dann doch noch sehr schön geendet.
Nach einer etwas holprigen ersten Woche waren wir dann am Montagmorgen alle ganz gespannt, weil wir ja zum ersten Mal die Kinder sehen würden. In der „Casa del Sol“ gibt es drei Gruppen und in jeder Gruppe hilft eine Freiwillige mit. Ich wurde der „großen“ Gruppe zugeteilt, in der alle 5jährigen sind. Mittlerweile bin ich sehr froh darüber, weil die Größeren im Gegensatz zu den Dreijährigen fast ununterbrochen mit einem reden, sodass ich Spanisch jetzt schon viel besser verstehe. Den Kindern scheint es auch kaum etwas auszumachen, dass ich manchmal nur nicke oder eben auch nichts verstehe.
Wir Freiwilligen sind immer die Ersten, die im Kindergarten sind, damit wir genügend Zeit haben, um Stühle zu stellen, Wassergläser zu füllen, frische Handtücher hinzuhängen… was ein Freiwilliger eben so macht. Wenn die Kinder kommen, wird es oft ganz schön chaotisch, dann helfen wir beim Anziehen, Klettern, Burgenbauen, Kaufmannsladenspielen, Essenmachen, Händewaschen und Trösten. Die Abstimmung mit den Erzieherinnen, oder profesoras, ist wegen der Sprache manchmal noch etwas kompliziert, aber sie haben zum Glück sehr viel Geduld mit uns.
Zum desayuno, dem Essen am Vormittag, gibt es im Kindergarten jeden Montag Reis, dienstags Obstsalat, mittwochs Couscous, donnerstags Brot und freitags Reismilch mit Gofio (Maismehl). Reis, Couscous und Brot werden mit Olivenöl, Salz und Rosinen gegessen, was für mich neu war, aber sehr sehr gut schmeckt.
An den Nachmittagen schaffen wir drei oft nicht mehr, als noch das Wichtigste einzukaufen, weil man doch ziemlich geschlaucht ist von all den neuen Eindrücken und vor allem dadurch, dass man sich die ganze Zeit konzentriert, um möglichst viel zu verstehen.
Am Wochenende ging es dann nach Maspalomas im Süden der Insel, dem Ort, der den meisten Deutschen einfällt, wenn sie an Gran Canaria denken, weil es eine Touristenhochburg ist. Dort ist, im Gegensatz zu Arucas und dem Norden Gran Canarias insgesamt, immer Badewetter. Bekannt sind auch die Dünen, die sich direkt an das Meer anschließen. Gleich am frühen Morgen haben wir eine Wanderung durch diese „Dunas de Maspalomas“ gemacht, weil es dort sehr schnell sehr heiß wird. Nicht nur deshalb kommt man sich ein bisschen wie in er Sahara vor.
Montags und mittwochs soll ich eigentlich zur Sprachschule gehen, aber bis jetzt hat sich leider noch kein Lehrer gefunden, weshalb unser Kurs seit drei Wochen einfach ausfällt. Das finde ich sehr schade, weil ich ein bisschen Spanischunterricht gerade jetzt sehr gut gebrauchen könnte…
Für die kommenden Wochen haben wir einige Ausflüge auch auf die anderen Kanarischen Inseln wie Teneriffa, Fuerteventura und La Palma geplant, es gibt noch so viel zu entdecken!
Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.
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