Neues aus England: Stefan berichtet von seinem EFD

Neues aus England: Stefan berichtet von seinem EFD

Nach nun schon knapp einem halben Jahr auf der Insel, gibt es einiges Neues zu berichten. Besonders von den künstlerischen Projekten, welche das Orpheus Centre jeweils eine Woche vor den Ferien als: „Intensive Week“ durchführt. Vor den Herbstferien war das die sogenannte „Song Week“, in welcher die Schüler mit den Lehrern und professionellen Musikern von außen, über die ganze Woche hinweg in Kleingruppen eigene Songs schrieben, die dann am Freitag im „Barn Theatre“, präsentiert wurden. Ein in England recht bekannter und in der Musical Szene weltweit erfolgreicher Autor und Gründer vom Orpheus Centre, Sir Richard Stilgoe, entwickelte auch Songs mit den Schülern. Er schrieb beispielsweise die Lyrics zu den weltbekannten Musicals „Das Phantom der Oper“ und „Starlight Express“. Das Orpheus Centre war einst sein Zuhause, ehe er es dem Orpheus Trust übergab, in dem ich jetzt arbeite.

Das letzte große Projekt war wohl das Weihnachtsprogramm: „Around the World in 80 days“, nach dem Roman von Jules Verne, aus dem wir gemeinsam ein Musical entwickelten. Besonders in diesem Musical, konnte ich meine musikalischen Kompetenzen weiterentwickeln.  Ursprünglich war ich für die Schauspielgruppe eingeteilt, weil aber dann kurzfristig ein weiterer Mitarbeiter in Musik gebraucht wurde, bin ich dort hinein gewechselt. Anfangs war ich darüber nicht sehr begeistert, um ehrlich zu sein, denn im Schauspiel habe ich meine größeren Kompetenzen, jedoch konnte ich später feststellen, wie gut mir dieser Wechsel getan hatte und wie viele neue Dinge ich dazu lernen konnte.

Die wohl größte Herausforderung war, an den jeweils drei Showabenden jeweils vier Schüler gleichzeitig zu betreuen. Das bedeutete, ihnen während der Vorstellung ihre Instrumente zu reichen, richtige Einstellungen vorzunehmen und dann noch selbst ein Instrument zu spielen. Fehler sollte man sich dann möglichst nicht erlauben, weil es dann plötzlich still ist oder ein wichtiges Instrument an einer Stelle gefehlt hätte. Glücklicherweise waren es drei erfolgreiche Abende. Das wohl größte Kompliment kam von Steve, dem Musiklehrer, der bei der Abschlussfeier meinte: „I want you to be in Music next year!“.

Auch wenn es mir sehr viel Spaß gemacht hat, bin ich jetzt wieder in der Schauspielgruppe gelandet. Momentan stecken wir schon in den Vorbereitungen für die Sommer Show. Mein Kollege, der die Regie führen wird, hat sich dafür eine eher ungewöhnliche Mischung aus Science Fiction und Oper ausgedacht. Morgen geht es für mich vor den Winterferien übrigens erst einmal in eine neue „Intensive Week“ zum Thema „World Café“, wobei ich diesmal in Art & Design mitmischen darf.

Und das wohl spannendste und wahrscheinlich aufregendste Projekt, auf das ich mich jetzt schon am meisten freue, wird in London im März stattfinden. Gemeinsam mit Sir Richard Stilgoe, den Absolventen der Musical und Drama School in London, sowie fünf talentierten Orpheus Schülern und professionellen Musikern, werden wir Ende März eine Woche auf einer West- End Stage, dem „Other Palace Theatre“, ein Musical aufführen. Insgesamt werden wir drei intensive Wochen in London verbringen und die Möglichkeit haben, mit professionellen Leuten aus der Musical-Szene zusammenzuarbeiten. Richard Stilgoe schrieb das Musical und die Musik. Er kommt in letzter Zeit regelmäßig in das College, um bereits mit den Schülern die Songs zu üben.

Hobbies im Ausland führen

Wenn in der Woche die Arbeit genau organisiert ist und wenig Freizeit bleibt, so ist es am Wochenende umso stiller in der Counrtryside. Dann gehe ich an den Sonntagen regelmäßig wandern, wo wiederum Zeit ist, die Gedanken schweifen zu lassen. Rückblickend wurden meine Erwartungen an mein Auslandsjahr bisher zum großen Teil erfüllt. Ich habe mir vor allem gewünscht, meine sprachlichen Kompetenzen zu erweitern und weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Deshalb bin ich Anfang Dezember zu einem Vorsprechen für ein Theaterstück nach Caterham gegangen, was für mich im Nachhinein erfolgreich ausging, weil ich die Hauptrolle bekommen hätte. Leider fielen die Proben unglücklicherweise in den selben Zeitraum wie die Proben zum Musical in London. So musste ich mich für eins von beidem entscheiden.

Mein Englisch hat sich seid meinem Aufenthalt schon sehr verbessert. Neben der künstlerischen Tätigkeit, die mir das College bietet, hat es mir vor allem eine Zukunftsperspektive geschaffen. Bevor ich nach England ging, gerade die Berufsschule verlassen, zum Staatlich anerkannten Erzieher ausgebildet mit dem Fachabitur in der Tasche, wusste ich nur eins: Noch nicht in das Berufsleben einzusteigen und dem Ziel zu folgen, nach meiner Wiederkehr an die Uni zu gehen. Im Nachhinein gibt es keine wirksamere Methode, um sich selbst kennenzulernen, Abstand zu gewinnen, den Blickwinkel zu erweitern und eine Perspektive für die Zukunft zu gewinnen, als die eigene Heimat zu verlassen. Die Neusortierung setzt neue Denkprozesse in den Gang, bis es vor Weihnachten auch bei mir geklickt hatte: Ich möchte Philosophie studieren.

Great Expectations?!

Eine Erwartung, die für mich von sehr hohem Wert ist und leider noch nicht erfüllt wurde, ist die, soziale Kontakte zu knüpfen, was sich, wenn man auf dem Land lebt, relativ schwierig gestaltet. Zu den Mitarbeitern im Orpheus Centre und meinen Mitbewohnern, besteht ein gutes Verhältnis. An manchen Wochenenden unternehmen wir gemeinsam etwas. Abgesehen davon, sind es jedoch schon immer die selben Menschen, mit denen man sich umgibt. Die Nähe zu London ist zwar sehr attraktiv, allerdings habe ich nicht selten die Erfahrung machen müssen, wie allein man sich in dieser riesigen Stadt fühlen kann. Letztens war ich auf einem Philosophie Festival. Und trotz, dass andere junge Menschen dort waren und wir kleinere Small Talks führten, bestand dennoch eine gewisse Oberflächlichkeit, die es schwer macht zu durchbrechen, um Freunde zu finden.

Heimatgefühle

Kurz bevor ich letztes Jahr für Weihnachten nach Hause geflogen bin, habe ich das Gefühl gehabt, mich an das Leben in England zu gewöhnen. Die zwei Wochen in Dresden widerspiegelten mir dann wieder deutlich, was ich zuhause alles für Vorzüge habe, die ich in Godstone „in the middle of nowhere“, leider nicht genießen kann. Plötzlich ist auch der Freundeskreis vorhanden. Man konnte einen Freund spontan anrufen, um sich abends im Pub zu treffen. Theater und Kino sind um die Ecke und die Stadt bietet alle Möglichkeiten. Kommt man dann wieder zurück, beginnt wieder die Umstellung, wobei ich damit gut klar gekommen bin. Trotzdem: Das Vermissen bleibt. So richtig heimisch kann ich mich in England nicht fühlen, denn Heimat besteht für mich da, wo meine Familie und Freunde sind.

Glücklicherweise bekommen wir als Freiwillige sehr gute Unterstützung von einer Koordinatorin, die für uns immer ein offenes Ohr hat. Als harte Zeit würde ich rückblickend den November beschreiben, wo es bereits um 16 Uhr stockdunkel war. Keine Straßenbeleuchtung. Hat es dazu noch geregnet, war nicht einmal daran zu denken, ins Dorf zu spazieren. Was ich bisher nur in Charles Dickens Romanen gelesenen hatte, konnte ich jetzt selbst erfahren. In der Zeit hat es mir am meisten geholfen, mit einer Freundin zu skypen, die nach Frankreich gegangen ist. Der Austausch über das Erleben im Ausland zu sein, hat unglaublich gut getan. Deshalb freue ich mich schon sehr auf den Frühling. Heute habe ich auf einem Spaziergang schon die ersten Frühblüher gesehen. 

Die EFD Seminare

Eine willkommene Abwechslung bieten die EFD Seminare. Mein letztes fand im November in London statt. Gemeinsam waren wir etwa dreißig Teilnehmer aus verschiedensten europäischen Ländern. In einer Einrichtung, direkt im Zentrum, haben wir ein dreitägiges, unterkulturelles Training durchgeführt. Neben Gruppenaufgaben mit kleinen Präsentationen, wo es unter anderem um die eignen Rechte und Aufgaben als EFDler ging, standen abwechslungsreiche Spiele und Ausflüge durch London auf dem Tagesplan. Wir waren in einem Hostel am Russel Square untergebracht. Mein nächstes EFD Camp wird wieder in London stattfinden. Vom 7. auf den 8. März. Da soll es vor allem um die Auswertung des letzten halben Jahres, sowie die Orientierung bis zum Sommer gehen.

Die Freizeit in der Countryside

In meiner Freizeit unternehme ich gern Ausflüge in die Natur. An manchen Wochenenden fahre ich nach London. Dann allerdings mit einem festen Plan in der Tasche, wie beispielsweise das Philosophie Festival. London bietet genauso wie Dresden eine wunderbare Theaterlandschaft. So bin ich Stammgast in Shakespeares „Globe Theatre“. Am letzten Wochenende war ich mit meinen beiden Mitbewohnern in Oxford. Ansonsten nutze ich meine Freizeit, um weiter an meiner Geschichte zu schreiben und zu lesen. Gelegentlich kommt es vor, dass das Orpheus Centre unsere Mitarbeit auch am Wochenende benötigt und wir dann bei Veranstaltungen aushelfen.

An die Zukunft

Für die zweite Hälfte meines Auslandsjahres nehme ich mir vor, die Wochenenden mehr an anderen Orten zu verbringen und herum zu reisen. Die schönsten Städte in England, befinden sich glücklicherweise in relativ nahem Umkreis. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, einen Flug mit einer Cessna vom nahe gelegenen Flugplatz in Redhill zu unternehmen. Außerdem möchte ich Ausflüge zu schönen Schlössern machen, da steht Hever Castle ganz oben auf der Liste. Ansonsten bin ich sehr gespannt und offen, was die Zeit hier mir noch so bringen mag 🙂

Unter diesem Link könnt ihr Stefans ersten Blog-Post lesen.

Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.

Europäischer Freiwilligendienst in England

Europäischer Freiwilligendienst in England

Stefan ist seit Anfang September Freiwilliger des EFD (Europäischer Freiwilligendienst) im Orpheus Centre, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Godstone / England. Hier erzählt er von seinen ersten Eindrücken. 

Mein EFD in England

Ich wohne und arbeite im Süden Londons in der kleinen Stadt Godstone, im Landkreis Surrey. Meine Arbeitsstelle ist das Orpheus Centre, eine Bildungseinrichtung für körperlich- und geistig behinderte junge Erwachsene, zwischen 18 und 25 Jahren. Das Orpheus Centre nutzt auf die Adressaten bezogene Bildungsprogramme, die hauptsächlich auf dem künstlerischen Bereich basierend, sie in ihrer Unabhängigkeit unterstützen sollen. Dafür wohnen etwa 20 Schüler dauerhaft in „Residential Homes“, in welchen sie lernen, auch für ihren eigenen Haushalt zu sorgen. Nebenbei besuchen täglich auch etwa 20 weitere Studenten das Orpheus Centre.

Der Bildungsschwerpunkt liegt in der täglichen Arbeit klar im künstlerischen Ausdrucksbereich, wofür alle Schüler insgesamt 4 Bereiche besuchen und sich auf ein Teilgebiet spezialisieren. Zu diesen „Sessions“ zählen: Art & Design, Drama, Music und Dance. Ich persönlich bin für Drama, also das Schauspiel zuständig. Dafür ist das Orpheus Centre bestens ausgestattet. Neben den eigentlichen Unterrichtsräumen gibt es ein Musikraum, ein Tonstudio und das Barn-Theatre (Scheunentheater), in dem ich jeden Donnerstag mehrere Stunden mit den Studenten verbringe. Mit 3 weiteren Kollegen proben wir an einem Stück für das Weihnachtsprogramm, basierend auf der Geschichte „In 80 Tagen um die Welt“, von Jules Verne.

Das besondere daran ist, dass alle Gruppen ihren Teilbeitrag für den großen Auftritt leisten. Dazu zählt die Gestaltung von Masken und Kulissen, Musik und Tanz. Ich habe das Gefühl, dass der künstlerische Ausdruck, egal in welcher Form, eine große Bereicherung für die Studenten ist. Für manche ist es ein bestärkender Ersatz sich auszudrücken, was ich besonders bei denen beobachten konnte, die aufgrund einer halbseitigen Lähmung im Rollstuhl sitzen und deren Sprachzentrum beeinträchtigt ist. Es ist dann eine große Freude zu sehen, wie glücklich sie auf Musik reagieren und mit welcher Begeisterung sie sie produzieren.

Auch zwischen den Kollegen besteht ein sehr gutes Verhältnis und ich habe als Freiwilliger keinesfalls das Gefühl, in irgendeiner Form untergestellt zu sein. Ich darf meine Ideen und Gedanken frei in die Arbeit einfließen lassen und befinde mich mit allen Mitarbeitern auf einer Ebene. Ich freue mich auch schon auf kommende Ausflüge. Neben Freizeiteinrichtungen, wie Kinos, Theater oder Ausstellungen, besucht das Orpheus Centre auch Institutionen, in welchen die Studenten ihre Arbeiten präsentieren können.

Hügelig und saftig grün

Obwohl das Orpheus Centre in der Kleinstadt Goldstone liegt, befindet es sich eher außerhalb, an einer Kleinstraße gelegen, die den Hügelkamm hinauf führt. Links und rechts liegen weite Felder wo die Schafe grasen und einen verwirrt anstarren, wenn man über einen der Wanderpfade Richtung Stadt läuft. Die Landschaft im Landkreis Surrey ist hügelig und saftig grün. Sie zählt zu einen der schönsten aber auch teuersten Gegenden Englands. Goldstone ist sehr klein. Besitzt einen winzigen Einkaufsladen, einen Fußballplatz, wo die Mitarbeiter jeden Mittwoch spielen (inklusive mir) und einen Arzt. Wer eher das Stadtleben bevorzugt, fühlt sich hier denke ich vielleicht eher gelangweilt. Allerdings ist London nur 30 km entfernt und mit dem Zug günstig zu erreichen.

Weil ich gerne wandern gehe, genieße ich die Pfade über die Hügel der malerischen Landschaft. In meiner Freizeit unternehme ich auch viel mit meinen beiden Mitbewohnern. Das sind Johanna aus Wien und Hariette aus Brighton. Ich bin froh auch mit einer Engländerin zusammenzuwohnen. Es bringt mich zum einen nochmal kulturell näher an das Land, zum anderen zwingt es mich Englisch zu sprechen. Wir verstehen uns alle drei sehr gut. Wir teilen uns gemeinsam eine Wohnung gegenüber vom Orpheus Centre, wobei mein Zimmer direkt im Orpheus Centre liegt. Die Wohnung haben wir uns schon für die kalte Jahreszeit mit ausreichend Kissen, Decken und Lichterketten gemütlich gemacht. Ab und zu wird eine britische Sendung oder Harry Potter geschaut- worauf die Briten hier sehr stolz sind, hab ich den Eindruck.

Same same – but different?

Große Unterschiede in der Mentalität zwischen Briten und Deutschen konnte ich nicht feststellen. Das Auffälligste ist wohl das obligatorische „How are you?“, dazu die selbstverständliche Antwort: „I am good“ oder „I `m fine“, egal wie es dir auch gehen mag. Bist du an einem Tag mit dem falschen Bein aufgestanden wirst du trotzdem mit:“ I `m good“ antworten. Sonst würdest du wahrscheinlich einen verwirrten Blick ernten. Anfangs hat mich das ständige: „Are you alright?“, etwas verwirrt. Mittlerweile habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich auch andere schon mit dieser Frage grüße. Bisher habe ich nur freundliche und hilfsbereite Briten kennengelernt. Aber etwas ist schon dran an der Teekultur. Seid ich in Großbritannien bin, hat sich mein Teekonsum verdreifacht. Allerdings ist die sogenannte „Teatime“ in meinen Augen totaler Blödsinn. Die Briten trinken ihren Tee wann sie wollen, aber doch bitte Schwarzen mit Milch und Zucker. Dazu noch ein Biskuit und die Pause ist perfekt.

Macht ein Brite böse Witze über dich, dann bist du bereits mit ihm auf einer kumpelhaften Ebene. Das sollte man auf keinen Fall persönlich nehmen. Der britische Humor zeichnet sich durch viel Sarkasmus aus. Mein persönlicher Tutor hat schon so manchen „bösen“ Satz über mich gesagt, dass die Arbeit mit mir eine Zumutung wäre. Dann lachen alle laut und man sollte wissen, wie es gemeint ist. Wer dort keinen Spaß versteht, hat ein Problem. Probleme hatte ich bisher keine.

Herausforderungen

Allerdings bietet eine fremde Umgebung und eine neue Arbeitsstelle jede Menge Herausforderungen. Meine waren weniger auf die Arbeit bezogen, sondern vielmehr auf die Orientierung in der neuen Umgebung und die Umgewöhnung auf eine fremde Sprache. Die ersten beiden Wochen war ich dauermüde, vielen neuen Eindrücken und Informationen ausgesetzt. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und bin angekommen. Die Herausforderung in der Arbeit bestand darin, zu erkennen was meine Aufgaben sind. Wie ich es schon in meinem ersten Praktikum im Ausland erlebt habe sollte man nicht erwarten, eine persönliche Anleitung von seinem Tutor zu bekommen, was die Aufgabenbereiche im Arbeitsfeld betrifft. Die Aufgabe besteht vielmehr darin, die Arbeit zu erkennen. Anfangs habe ich deshalb meine Kollegen viel beobachtet, um dann die Studenten adäquat in ihren Sessions unterstützen zu können.

Anfangs wusste ich beispielsweise nicht, wie ich einen jungen Mann in meiner Klasse behandeln sollte, der halbseitig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Durch Spasmen ist er motorisch beeinträchtigt. Sein Sprachzentrum ist geschädigt. Meist verständigt er sich durch Laute, die für mich unverständlich waren. Mein Tutor verlangte von mir, dass ich ihn in einer Gruppenaufgabe unterstützen sollte. Immer wenn er etwas sagen wollte, verstand ich nichts und fühlte mich schlecht, weil ich in seinen Augen sehen konnte, wie sehr es ihm daran lag, mir das mitzuteilen. Ich holte mir Unterstützung und kann ihn mittlerweile teilweise sogar schon verstehen. Die Freude die ich hatte, als ich ihm die Rückfrage stellte, was er gesagt haben soll und er mir diese bestätigte, war wunderbar. Die Arbeit mit behinderten Menschen zeigt mir wieder einmal, wie talentiert diese Menschen auch sind und welche Fähigkeiten sie in die Gesellschaft einbringen. Das Problem liegt nicht unbedingt an der Behinderung selbst sondern vielmehr daran, wie schlecht unsere Gesellschaft angepasst ist.

Ich bin sehr gespannt auf noch kommende Erlebnisse.

Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.