Unser EFD Freiwilliger Sviatoslav!

Unser EFD Freiwilliger Sviatoslav!

Hallo!
Schon mehr als drei Monate meines Freiwilligendienstes sind vorbei
und ich wollte euch mitteilen, wie es mir geht.
Beim PJR bin ich seit dem 1. September und seit dieser Zeit ist
viel passiert: Als ich nach Dresden gekommen bin, war es für mich ein bisschen
schwer, mich an alles zu gewöhnen. Aber dabei habe ich gute Unterstützung von
meinen Kollegen im Büro bekommen. Daher denke ich, dass meine Integration in
die Gesellschaft sehr schnell vonstattengegangen ist.
Der Politische Jugendring arbeitet viel daran, um
politisches Engagement bei Jugendlichen zu stärken und Ende September hatte ich
die Möglichkeit, an einem interessanten Seminar in Berlin teilzunehmen. Im
Mittelpunkt des Seminars stand das Thema „Regierung und Volk“, dementsprechend
haben wir viel über Demokratie diskutiert. Das Seminar wurde in Kooperation mit
STUBE Sachsen organisiert und die Teilnehmer waren aus verschiedenen Ecken der
Welt. Dank dem Austausch konnte ich verschiedene Ansichten und Meinungen über
die Politik in verschiedenen Ländern hören.
Gleich nachdem ich nach Dresden zurückgekehrt bin, hatte ich
mein erstes EFD Seminar, das eine Woche gedauert hat. Da traf ich viele echt
coole Menschen aus ganz Europa. Mit einigen halte ich noch immer Kontakt.
Während des Seminars haben wir uns nicht nur mit den wichtigsten Schwerpunkten
des EFDs vertraut gemacht, sondern haben uns auch mit anderen verschieden
Aktivitäten beschäftigt wie Workshops, Diskussionen, Teambuilding usw.
Im Oktober hat meine Aufnahmeorganisation ein Nachtreffen
eines internationalen Projektes organisiert, wo die Betreuer aus Deutschland,
der Ukraine und Russland die Jugendbegegnung analysiert und bewertet haben, um
diese Erfahrung in den nächsten Jugendbegegnungen anzuwenden. Ich hatte die
Möglichkeit, dabei zu sein. Das war wichtig für mich, weil meine Organisation
2017 wieder eine Jugendbegegnung mit den Partnern aus der Ukraine und Polen
organisiert, wo ich einer der Betreuer bin.
 
Im November hatten wir eine sehr interessante multimediale
Stadterkundung mit Schülern. Es handelte sich um lokale Spuren des
Nationalsozialismus im Stadtteil Plauen. Die Schüler mussten bestimmte Orte mit
Hilfe von einer App auf ihren Tablets finden, dann haben sie interessante
Fakten zu diesen Orten bekommen und haben Fragen beantwortet.
 
Jetzt ist es schon kurze Zeit vor Weihnachten und ich warte
auf die Reise in die Ukraine, wo ich das Neujahresfest und Weihnachten verbringen werde.
 
Ich wünsche euch allen fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
 
Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.
 
 
Kontraste in Brüssel

Kontraste in Brüssel

Ende April war für unsere Seminargruppe eine Bildungsfahrt
nach Brüssel vorgesehen. Aufgrund der vergangenen Terroranschläge war es allen
Teilnehmenden freigestellt, ob sie mitfahren möchten. Schön war, dass alle
mitkamen.

Wir hatten die ganze Woche bestes Aprilwetter, das heißt es war kalt, hat oft
geregnet, geschneit und gehagelt. Nur manchmal kam die Sonne raus.
Das Programm sah den Besuch verschiedener EU-Institutionen (Kommission,
Parlament, Parlamentarium) sowie der NGO ECRE vor, welche ein Dachverband für
Flüchtlingsarbeit auf EU-Ebene ist. Des Weiteren waren wir zu Besuch in einer
traditionellen Brauerei, waren Essen oder einfach in der Stadt unterwegs.
Inhaltlich war das Programm leider etwas durchwachsen, denn es war nicht
möglich mit den Vertretern der Kommission oder einer Abgeordneten des
Parlaments grundsätzliche politische Debatten zu führen. Es wurde stets auf die
Alternativlosigkeit der Situation, besonders in der Flüchtlingspolitik,
verwiesen.
Das Klima innerhalb der Gruppe ließ sich aber dadurch nicht
betrüben und ist weiterhin gut. Ich habe mich auch gefreut, ein paar Leute neu
kennenzulernen.
Geschlafen haben wir in einem Hostel an der Grenze des Stadtteils Molenbeek.
Hier haben auch viele andere Gäste verschiedener Länder übernachtet. Der
Besitzer selbst war Kolumbianer, wodurch man sich mit ihm auf Spanisch
unterhalten konnte. Es war sehr einfach ausgestattet, aber so muss das auf
einer Seminarfahrt eigentlich sein. Das gehört ein bisschen zum Wohlfühlcharakter.

 

Die ganze Woche hatten wir unseren Reisebus zur Verfügung,
mit dem standen wir aber im Berufsverkehr konsequent im Stau. Ich glaube man
kommt nur mit der Metro schnell durch die Stadt. Das Problem scheint darin zu
liegen, dass Brüssel 19 verschiedene Verwaltungsbezirke hat, wodurch eine
gesamtheitliche Stadt- und Verkehrsplanung schwer ist. Zudem wurde Brüssel
während der Weltkriege nicht zerstört, wodurch viele Straßen – vor allem in der
Innenstadt – einfach zu klein sind für den Verkehr. Dadurch staut es sich an
anderer Stelle.
Platz vor der Börse in Brüssel

Besonders beeindruckend sowie bedrückend war der Platz vor
der Börse. Hier lagen noch sehr viele Blumen, Kerzen, Teddys und andere Sachen
zur Erinnerung an die Opfer der Terroranschläge vom 22. März diesen Jahres.
Außerdem hingen Flaggen und Transparente und das ganze Gebäude war mit Kreide
beschrieben. Viele Schriftzüge forderten Friede & Liebe, gegenseitigen
Respekt und Anerkennung.
Ich hoffe, eine sehr multikulturelle und vielseitige Stadt wie Brüssel kann
nach einem solchen Ereignis enger zusammenrücken und gegenseitige Vorurteile
abbauen.

Es war auf jeden Fall eine schöne – wenn auch schlafarme – Woche
und ich würde mich freuen, wieder einmal nach Brüssel kommen zu können.
Liebe Grüße,
Robert

 

Wohnungslosigkeit im Fokus

Wohnungslosigkeit im Fokus

Deutsch-tschechischer Workshop der Brücke/Most-Stiftung

Mitte Mai fand der Workshop „Neue Perspektiven? Zurück in die
„wohnende Gesellschaft“ in benachbarten Ländern“ in Dresden statt.
Die Brücke/Most-Stiftung organisierte diese sechstägige internationale Begegnung
zwischen interessierten jungen Menschen aus Deutschland und Tschechien. Die
praktische Begegnung mit dem Thema Wohnungslosigkeit sollte helfen
Stereotypisierungen abzubauen und neue Wege zu finden, wie nachhaltiges
soziales Engagement im Bereich der Wohnungslosenhilfe möglich ist. Durch den
Vergleich zwischen den Hilfsangeboten in Tschechien und Deutschland wurde es
möglich vermeintlich Selbstverständliches zu hinterfragen und über manches aus
einem neuen Blickwinkel nachzudenken. Ich als Praktikantin des PJR war auch
dabei und werde euch hier einige Eindrücke dieser Woche schildern.

Unterwegs in Zižkov

Stolz zeigt uns Honza wie aus den Bücherresten, die er im Prager
Stadtteil Žižkov aus Mülltonnen fischt und von der Straße aufsammelt, neue
Notizhefte und Kalender gefertigt werden. Dass Honza wohnungslos ist sieht man
ihm nicht direkt an. Seine Kleidung ist sauber und er ist gepflegt. Honza ist
einer von acht Stadtführern, die über das Sozialunternehmen Pragulic eine
Arbeitsstelle gefunden haben. Wohnungslose werden hier als Stadtführer
angestellt und erhalten bis zu 400 Euro Gehalt im Monat.

Hilfsangebote in Deutschland und Tschechien         

Pragulic ist ein Projekt, welches wir bei unserer eintägigen Exkursion
nach Prag kennen gelernt haben. Wir nahmen aber nicht nur an der Stadtführung
teil, sondern besuchten auch, wie bereits in Dresden, die dortige
Wohnungslosenhilfe der Heilsarmee. In Prag standen wir sozusagen auf einmal
mitten drin. Neben uns die Rezeption, ein Stück weiter die Essensausgabe und
die Schlafräume. Für etwa 1,50 Euro pro Nacht bekommt man hier einen
Schlafplatz. Wir durften uns einen Schlafraum anschauen. In dem Zimmer gab es
keine Schränke oder Tresore. Wir fragten, was die Wohnungslosen mit ihren
Wertsachen machen, wenn sie sich hier aufhalten bzw. schlafen. Unser Ansprechpartner
verwies darauf, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, und die Bewohner somit
auf ihre Sachen gut Acht geben müssen.

 

Mit diesen Eindrücken aus Tschechien konnten wir die in den
vorangegangen Tagen in Dresden gemachten Erfahrungen noch einmal Revue passieren
lassen. Auch hier haben wir Anlaufstellen, Träger und Hilfsangebote besucht und
anhand von Vorträgen und Diskussionen einiges über die Situation und Probleme
von Wohnungslosen erfahren. Neben der Heilsarmee gaben uns die Dresdener Tafel,
die Diakonie, die drObs die Treberhilfe, das Nachtcafe, sowie Mitarbeiterinnen
des Sozialamtes einen Einblick in ihre tägliche Arbeit. Besonders gefreut hat
uns, dass sich ein von Wohnungslosigkeit Betroffener bereit erklärte uns von
seinem Leben zu erzählen. Wir waren bemüht bei unserem Workshop niemanden zu
bedrängen, deshalb waren wir über diese Zusage sehr glücklich.
“Hang up
and help out”
Als Abschluss unserer Woche sollte im Alaunpark in der Dresdener
Neustadt der erste Street Store in Deutschland eröffnen. Entwickelt wurde dieses
Konzept 2014 in Kapstadt, Süd-Afrika wo Armut und Wohnungslosigkeit eine
weitaus größere Problematik darstellt als in Deutschland. Die Idee dahinter
ist, an einem öffentlichen Platz gesammelte Kleiderspenden auszulegen und an
Bedürftige, insbesondere Wohnungslose, zu verschenken.
Mittlerweile gibt es
über 100 Street Stores auf der ganzen Welt. Einer der Gründer aus Kapstadt, Max
Pazak, kam sogar am Freitag zu unserem Stand in den Alaunpark, was uns
natürlich sehr gefreut hat. Das Konzept des Street Stores ist schnell erklärt,
doch hat sich bei der weltweiten Verbreitung des Konzepts gezeigt, das auf die länderspezifische
Lage der Wohnungslosen konkret eingegangen werden muss. Auch bei unserem Street
Store lässt sich sicherlich noch einiges verbessern bzw. das Angebot erweitern.

 

Die Begegnungen, die wir diese Woche über gemacht haben, waren
bereichernd und gleichzeitig machen sie nachdenklich. Wohnungslosigkeit drängt
Betroffene weiterhin an den Rand der Gesellschaft. Mehr Verständnis und weniger
Vorurteile können erste Schritte sein, um dem großen Problem entgegenzutreten. Hierfür
war der Workshop ein erster guter Anfang.
Beste Grüße, Sarah
Links zum Thema: 
  • www.bmst.eu/index.php
  • www.diakonie-dresden.de
  • www.dresdner-tafel.de
  • www.drobs-strassenzeitung.de
  • www.heilsarmee.de/dresden/ueber-uns.html
  • www.pragulic.cz
  • www.thestreetstore.org
  • www.treberhilfe-dresden.de
Match it!

Match it!

Match it! 

Is apolitical adolescence in a democracy possible?

Ende letzten Monats wurde in Dresden ein internationaler
Workshop für deutsche und tschechische NGOs, ein Austauschprogramm für
Fachkräfte der außerschulischen Jugendbildung, durchgeführt.  Natürlich waren wir vom PJR Dresden
auch mit dabei.  Der Workshop fokussierte auf die außerschulische und schulische politische Bildung und
Demokratieerziehung, und stellte sich wichtige Fragen: Was bedeutet Politik bei
den Jugendlichen und wie kann man die Jugendlichen für Demokratieentwicklung  und Beteiligung an sozial-politischen
Prozessen begeistern.
Die Veranstaltung war im schönen und sehr gemütlichen Haus
der Brücke – Most – Stiftung  in Dresden
Blasewitz, die zusammen mit der AdB und MKC Praha (Multicultural Center) für
die Maßnahme organisatorisch und inhaltlich verantwortlich war. Der Workshop
war theoretisch sowie praktisch sehr gut ausgestattet, und bot eine super
Möglichkeit, Kontakte mit tschechischen Organisationen aufzubauen.
Am ersten Tag haben wir uns kennengelernt, danach unsere Vorstellungen,
Wünsche geäußert und aktuelle Standpunkte in der Jugendbildung deutlich
gemacht. Frau Dr. Brigitte Fuhrmann von der Technischen Universität Dresden
hielt ihren Vortrag zum Thema „What is political / apolitical to youngsters
today?“. Es ging um eine Umfrage unter Jugendlichen, bei der sie auswählen
sollten was politisch und was nicht politisch in ihrem Leben heißt. Weiter stellte
Frau Dr. Fuhrmann einige Konzepte und Theorien zur politischen Bildung, neue
Wege der Politikvermittlung, vor.
Am Dienstag, unserem zweiten Workshoptag, besuchten wir Organisationen in Dresden, die
sich mit der politischen non-formalen Jugendbildung beschäftigen. So waren wir beispielsweise beim Fanprojekt von Dynamo Dresden. Das Fanprojekt strebt die
Entwicklung und Verstetigung einer sportlich fairen, toleranten Fankultur und
die Eindämmung von Gewalt an. Als ein interessantes Projekt stellte die Organisation ihr Lernzentrum „Denkanstoß“ vor, bei dem viele verschiedene
Bildungsmodule angeboten werden.
Als nächsten Punkt haben wir uns in Gruppen aufgeteilt. Jede
Gruppe sollte zwei weitere Organisationen besuchen und ihre praktischen
Erfahrungen aufnehmen. Unser Verein hatte auch die Ehre, sich vorzustellen und
unsere Projektarbeit zu präsentieren. Tobias und ich haben eine Präsentation
gemacht und, so glauben wir, einen guten Eindruck bei den Besuchern
hinterlassen.
Später am Abend haben die TN ihre eigene Organisationen in
der Form eines NGO-Marktes präsentiert. Für mich persönlich war es eine tolle
Methode, um uns besser kennenzulernen und unsere Bildungsfelder zu vergleichen.
Natürlich war das wichtigste Ziel, einen Partner für spätere gemeinsame
Projekte mit Tschechien zu finden. Es hat super geklappt. Wir haben nun echt
viele Kontakte und einige neue Ideen für einen Austausch mit Tschechien
aufgebaut.
Am nächsten Tag sprachen wir über einen gemeinsamen europäischen
Raum und was für uns Europa ist. Da versuchten wir aus einer Menge Begriffe ein
funktionierendes und attraktives Europa zu basteln. Als ein praxisorientierter
Teil des Austauschs lud die Brücke-Most-Stiftung die Berliner Organisation
„Gesicht zeigen!“ mit ihrem spannenden Projekt „7 x Jung“ ein. Die Ausstellung knüpft an
Erlebnisse der Jugendlichen in der NS-Zeit in 7 Lebensbereichen (Beruf,
Wohnung, Familie …) an, und transformiert ihre Erlebnisse künstlerisch in die
Gegenwart. Dazu gab es noch viele Bildungsangebote für Schüler, Jugendgruppen
aus Berlin, Deutschland und dem Ausland. Ja, eine riesige Arbeit und ganz beeindruckende
und außergewöhnliche Ideen.
Innerhalb dieser Tage sind mehrere Ideen für
deutsch-tschechische Kooperation und einen positiven Dialog entstanden. Die
tschechischen und die deutschen Organisationen möchten gern weiter
in Kontakt blebien und die demokratischen Prinzipien bei den Jugendlichen verbreiten. Der Workshop war ein sehr erfolgreiche Basis für den zweiten Teil des
Austauschprogramms in Tschechien: viele neue Begriffe, spezielles Lexikon, neue
Methoden, praktische Beispiele, Diskussionen und kultureller Austausch – das
alles haben wir in dem Workshop miterlebt und erfahren. Besonders wichtig waren
natürlich die freundliche Atmosphäre und neue zündende Ideen und Initiativen
der TN und Organisatoren.
Ich bin nun gespannt, was uns bei dem 2. Teil erwartet. Ich
hoffe es wird wieder sehr wertvoll  und
brisant sein. Ich bedanke mich sehr bei allen Organisatoren der Veranstaltung
und allen TN, die ihren Beitrag und ihre Erfahrungen beigetragen haben.
Liebe Grüße
Eure Alex ;))
 
Links zum Thema:
 
Europa vermitteln heute: einfach. neu. anders!?

Europa vermitteln heute: einfach. neu. anders!?

 
Europa
vermitteln heute: einfach. neu. anders!?
Politische
Bildung richtet seit einiger Zeit den Blick auf neue Ansätze in Hinsicht auf aktuelle
Problemlagen. In einem europäischen Raum, wo die Länder sich sehr eng verknüpft
haben und versuchen ihre Politik gemeinsam zu gestalten, sind wir alle
Europäer. Denn Europa wird immer mehr als eine Idee, es wird zu einem funktionierenden
Organismus, einer bestimmten Wertegemeinschaft. Wie können wir aber als Akteure
von Jugendarbeit in Deutschland, Europa bestmöglich angesichts der aktuellen
Herausforderungen vermitteln?
Das war
die Leitfrage bei dem Fachforum Europa in Dresden am 9. bis 10. März. An dem
Forum nahmen Fachkräfte der europabezogenen Jugendbildung aus formaler und
nicht formaler Bildung, aus Politik, Forschung und Medienbereich teil.
Das Forum bot
eine Plattform für verschiedene Fragen und Workshops. Wir hatten die
Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen von anderen Organisationen. Die
Veranstaltung schaffte viel Raum zur Vorstellung erfolgreicher nationaler und
europaweiter Projekte, sowie neuer Methoden und innovativer Bildungsangebote.
Das
Fachforum Europa wurde vom Direktor des Hygienemuseums Prof. Klaus Vogel
eröffnet. Er begrüßte alle Gäste und merkte an, dass europäische Werte der
Gesellschaft bewusst werden sollen und Xenophobie und Ausgrenzung auf keinem
Fall zu Dresden gehören!
Nach
seiner Begrüßungsrede hielt Prof. Dr. Oberle von der Universität Göttingen einen
Vortrag zum Thema „Didaktische Perspektiven einer europabezogenen Bildung“. Es
ging um einen Mangel an  Europabildung in
der Schule. Die europäische Ebene sei in der Schule wenig präsent – behauptete Prof.
Dr. Oberle. Die Jugendlichen sollen  europabezogene,
politische Kompetenzen entwickeln, um in einer europäischen Gesellschaft
teilzuhaben. Ebenso fehle meistens in der Jugendarbeit  der Begriff europäische Identität und europäisches
Bewusstsein. Die Träger der Jugendarbeit sollen bei den Jugendlichen Emotionen
für Europa zu wecken. Außerdem braucht man mehr Handlungsorientierung in der
Jugendarbeit. Als empfehlenswerte Methode wurden Planpolitik (Planspiele) und
Service Learning vorgeschlagen, sofern diese gewissen Maßstäben gerecht werden
Durch die Planspiele können die Jugendlichen nicht nur
ein „objektives“ europäisches Wissen erlernen, sondern auch ein „subjektives“
Wissen von der EU (ich kann mitreden, ich kann überzeugen) entwickeln. Das könnte
ein fließender Übergang zur Partizipation und europäischem Bewusstsein sein.
Nach dem
leckeres Mittagessen, das in der Sonne vor dem Hygienemuseum eingenommen werden
konnte, waren wir wieder bereit für die Workshops.
Bijou und
ich haben als ersten Workshop „Europa in der Schule“ ausgewählt. Die TN
betonten verschiedene Probleme bei der Europa-Arbeit in der Schule, z. B.
fehlende Fachkräfte in der Schule, die die Schüler für Europa begeistern
können. An dem Workshop hat mich der Erfahrungsbericht von Frau Ricarda
Geidelt, Grundschullehrerin an der Lessingschule in Leipzig, besonders
begeistert. Sie erzählte über den langen und schwierigen Weg der Lessingschule
zur Europaschule. Sie erklärte den Teilnehmern, welche Projekte die Schule organisiert
hat und wie ihre Schüler an europäischen Projekten und Wettbewerben teilnehmen,
z. B Schüleraustausche, Europa-AG, Skype-Konferenzen mit schwedischen Schülern.
Ganz tolle Projekte! Frau Geidelt stellte fest: wir müssten am besten schon im
Kindergarten mit Europabildung anfangen, weil gerade die Kinder noch keine
Grenzen im Kopf haben.
Nachmittags
bin ich zum 2. Workshop gegangen „Kritisch, aber pro Europa – eine
Ideenwerkstatt für Jugendbildung und Jugendarbeit“. Stephan Schwieren vom Haus
am Maiberg hat den Workshop moderiert. Ob europäische Jugendprojekte nicht oft
zu unkritisch seien – fragte er uns – wo stehen wir und wo wollen wir hin?
Seine Veranstaltung hat er mit solchen Fragen begonnen. Die Vertreter von den Organisationen
waren sich fast einig, dass wir uns mit Europa immer
kritisch auseinandersetzen müssen. Europa zu erklären sei ziemlich schwierig,
deswegen wurde uns vorgeschlagen in kleinen Gruppen Europa zu malen! Welche
Kunstwerke – Europabilder- haben wir geschafft, könnt ihr gleich hier sehen;))
Ganz
bemerkenswert war, dass die TN Europa heute nicht nur als EU definieren,
sondern auch noch Länder wie Belarus, Ukraine, Russland, Armenien, Türkei usw. einschließen.
Symbolisch haben fast alle die Friedenssicherung als selbstverständliche
Grundidee Europas ausgewählt. Andere positive Aspekte wie Freizügigkeit,
Mobilität, kulturelle Vielfalt waren ebenso

mit Europa assoziiert. Trotzdem
waren die Europabilder mit einigen Hoffnungen und Zukunftsfragen bemalt: wie
können wir z. B eine gemeinsame Vorstellung von Europa haben? Oder: wie kann
man die europäische Werte in allen Länder akzeptieren und vorantreiben? Wie
erreichen wir Wohlstand für alle Europäer? Gibt’s es Sicherheitsgefahren für
Europa und die EU heute? Solche Fragen haben wir auch diskutiert und uns weiter
mit den Zielen, Inhalten und Methoden der Europa-Jugendpolitik beschäftigt. Um Interesse
an Europa zu schaffen, brauche es verstärkt Perspektivenwechsel und
Anknüpfungspunkte für Jugendliche aus dem Alltag, aber auch mehr
Europabewusstsein, Neugier und Emotionalität. Die reflektierte
Auseinandersetzung sei dabei eines der wichtigsten Ziele, einigte sich die
Gruppe.

 Zweiter
Tag
 
 Am zweiten Tag wurden uns
verschiedene europäische Projekte, Programme und Initiativen kurz präsentiert.
Wir, Tobias, Bijou und Alex haben uns nach verschiedenen Themen verteilt, um uns
so viel wie möglich anzuhören. Ganz interessant
fand ich die Organisation European Alternatives, die ihre Projekte in mehreren
Ländern Europas durchführt und Demokratieförderung mit verschiedenen Aktionen
unterstützt, z. B. „Transeuropa Caravans“.
Bijou hat
an dem Workshop „Young workers for europe“ des Xenos-Projekts teilgenommen. Das
Projekt richtete sich an junge Menschen in NRW, die sich in berufsvorbereitenden
Bildungsmaßnahmen und außerbetrieblichen Ausbildungen befinden. Ziel war handwerkliche
Qualifikation und soziales Lernen mit Auslandserfahrung zu verbinden und für
die Teilnehmenden die Vermittlung wertvoller Qualifikationen für die berufliche
Entwicklung. Ein konkretes Ergebnisbeispiel  dieses Projektes war  ein Kurzfilm über junge Azubis aus NRW, die
zwei Wochen lang an einer Renovierungsarbeit einer von Deutschland gebauten jüdischen
Gedenkstätte in einem kleinen Dorf in Griechenland teilgenommen haben. Eine
andere Gruppe hat auch mit ihrem Engagement (der Bau einer Müllabfuhr) in einem
Dorf in Rumänien gezeigt, wie gut es ist an andere Menschen zu denken und ihnen
etwas Gutes zu tun. Am Ende des Workshops gab es die Möglichkeit eine DVD über
verschiede Aktionen des „Young Workers for Europe“ zu bekommen. Danach ging es
weiter zum nächsten Workshop. Tobias und Bijou gingen noch zu dem Publixphere-Workshop.
Dort wurde erklärt wie junge Leute oder noch ältere über ein europabezogenes
Thema auf der Plattform diskutieren können. Das Ziel dieses Projektes ist eine
Diskussion über die aktuellen Themen und Problemen zu eröffnen, damit jeder
seine eigene Meinung dazu bringt. Und jede 3. Woche nach der Eröffnung der
Diskussion wird eine Zusammenfassung auf der Seite gepostet. Und dann geht’s
weiter mit dem nächsten Thema.
Wie kann
man sich mit Europa beschäftigen, um Populismus zu vermeiden? Mit dieser Frage
setzen wir uns bei der Podiumsdiskussion mit Fachleuten aus Wien, Tschechien
und Deutschland auseinander. Was tun gegen Populismus? – 4 Experten versuchten
eine Antwort auf die Frage zu finden. Lida Rakušanová, die Vertreterin von
Radio Free Europe erzählte über populistische Bewegungen und Parteien in
Tschechien. Sie hatte die Einstellung, obwohl Jugendliche in Tschechien und
Deutschland ihre eigene, andere Wahrnehmung von Europa hätten, seien sie trotzdem
pro Europa und bereit sich an der EU-Prozessen zu beteiligen. Prof. Dr. Eckart
D. Stratenschulte aus der Europäische Akademie Berlin behauptete dass wir uns
zurück auf die Grundideen von Europa besinnen müssen, die Komplexität
reduzieren, um so Europa verständlich zu machen. Nur mit

kritischer Auseinandersetzung
mit Europa können wir uns gegen Populismus verteidigen. Dazu sei es wichtig
genau konstruktive Kritik zu äußern, und nicht fundamentale, die gegen Europa als
Ganzes orientiert sei. Die populistischen Bewegungen, wie z. B. die PEGIDA –
Bewegung, setzen immer auf Stereotype und Vorurteile, die Aufgabe von
Jugendorganisationen dabei sei es diese Stereotype abzubauen und ein rationales
Wissen zu vermitteln. Frau Diendorfer, die aus Österreich kam, hat die Meinung vertreten,
dass wir in den Jugendlichen ein Gefühl von „global citizen“ entwickeln sollen.
Das hieße, wer sich als global citizen verstehe, der habe keine Probleme mit
Zugehörigkeitsgefühl und die populistische sozial Bewegungen können damit
vermeidet werden.

„Europa
darf Spaß machen!“ so beendete Tobias Heinemann die Diskussion, ein sehr schöner
Ausdruck aus meiner Sicht.  Wie können
wir bei den Jugendlichen Interesse an Europa wecken, wie kann das Gefühl nach
europäischer Zusammengehörigkeit wachsen? Ich glaube dieses Forum hat
verschiedene Antworten auf diese Fragen gegeben. Um ein einheitliches Europa zu
entwickeln, das nach innen und außen handlungsfähig ist, müssen wir, die Träger
der Jugendpolitik, uns europaweit konsolidieren, um den Europagedanken weiter
zu verbreiten.
 Liebe Grüße,