von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 04.04.2017 | Blog
Bonjour und let op,
die letzte Woche verbrachte ich, gemeinsam mit den anderen FSJ-Plern, fernab des Büros in der zweisprachigen belgischen Hauptstadt und dem Quasi-Zentrum von Europa. Der weite Weg und die damit verbundene schier ewige Busfahrt konnte unser Vorhaben nicht verhindern. Inhaltlich komplexe und facettenreiche Tage standen auf dem Programm. Was, wie, wo, wann und mit wem- lest selbst.
Am 26. März startete, mit vielen Fragen zum Thema „Internationale Konflikte“ im Gepäck, die spannende Reise nach Brüssel. Bereits nach einem kurzen abendlichen Erkundungsstreifzug hatte uns die Stadt in ihrem Bann gezogen.
Tags darauf machte uns Malte Woydt mit den historisch- politischen Besonderheiten der Stadt bekannt und brachte uns somit den „Brüssel-Spirit“ näher. Dieser spannenden Einführung folgte ein Besuch in der Europäischen Kommission. Im Gespräch mit Sören Haar wurden neben Aufgaben der Institution und Fakten zu Außen- und Sicherheitspolitik auch viele kritische Fragen zur Effizienz und Handlungsfähigkeit geäußert. Schon da war klar: die VertreterInnen der Organisationen haben ein ausgesprochen kritisches und diskussionsfreudiges Publikum vor sich.

Das Parlamentarium
Wem dieser Input noch nicht reichte, hatte die Möglichkeit sich im Parlamentarium näher über die Funktionsweise und Geschichte von EU und allem was so dazu gehört zu informieren. Beendet wurde der offizielle Teil durch ein gemeinsames Abendessen mit Constanze Krehl (MdEP), die unser gesamtes Seminar mit förderte. Der Abend diente dem individuellen Gang durch das Pentagon (der spektakuläre Name für Brüssels Zentrum), Paparazzitouren zu den touristischen Highlights und Auswertung des Erlebten.
Einmal kurz die Augen zu und schon „feierten“ wir Bergfest. Im Fokus standen die Sachsen und besonders eine Sächsin im Brüssel. So zog es unsere Gruppe in das Europäische Parlament, wo wir nach einem Gespräch mit Frau Krehl von der SPD zu einem kurzen Abstecher in den Plenarsaal abbogen. Und ja: selbst auf der Besuchertribüne fühlte man sich schon ein bisschen wichtig.
Unvorstellbar, aber wahr: es gibt einen traditionellen erzgebirgischen Weihnachtsmarkt in der belgischen Hauptstadt. Veranstaltet wird dieser vom Verbindungsbüro Sachsen, welches den nächsten Punkt auf der Tagesordnung darstellte. Die Arbeit des Büros basiert auf den drei Grundpfeilern: Informieren, Vernetzen und Repräsentieren.
Spannende und kontroverse Gespräche
Frei nach dem Motto „ Das Beste kommt zum Schluss“ bildete eine spannende Diskussion mit EU- Korrespondent Ulrich Ladurner den Höhepunkt des Dienstags. Allgemeine Fragen zur Arbeit eines Journalisten von Die Zeit reihten sich neben Informationen über Aufgaben der Presse so wie innen- und außenpolitischen Krisen und Herausforderungen der EU ein.
NATO-SHAPE- ICRC- FRONTEX- der vermeintlich inhaltliche Hammertag wurde leider durch ein höchst unerfreuliches Ereignis verhindert. Ein nächtlicher Einbruch in unseren Bus machte die Fahrt zum 40 Kilometer entfernten Hauptquartier der NATO unmöglich. So bot sich uns stattdessen die Möglichkeit Caro, der Büroleiterin Krehls in Leipzig, noch jede Menge Fragen rund um die EU zu stellen. Nichtsdestotrotz konnten wir die anderen beiden Besuche am Nachmittag -der Fußläufigkeit Brüssles sei Dank- wahrnehmen.

Gruppenfoto mit Parlamentarierin
Im Gespräch mit Gilles Hansoul vom Internationalen Komitee des Rotes Kreuzes erfuhren wir viel über die Zusammenarbeit mit dem EU- Parlament, der NATO, Zuständigkeiten und die Schwierigkeiten im Bereich der humanitären Hilfe in Krisengebieten.
Für reichlich Diskussionsstoff sorgte der anschließende Besuch bei Frontex. Intensiv und kontrovers wurde zwei Stunden über Aufgaben, rechtliche Rahmen und Problem der europäischen Grenzschutzorganisiation gesprochen. Noch während des gemeinsamen Essens war dieser Besuch zentrales Thema der Unterhaltungen.
Nun hat leider alles ein Ende, so auch unsere ausgesprochen spannende und lehrreiche Seminarwoche. Mit vielen Informationen, Antworten, wertvollen Gesprächen, unvergesslichen Erinnerungen und neuen Denkanstößen erreichten wir nach nervenstrapazierenden 15 Stunden Busfahrt am Donnerstagabend Dresden.
Ein großes Danke gilt es hierbei an die Organisatoren, besonders Projektleiterin Feli, und Unterstützende der Fahrt zu richten.
Viele Grüße,
Charlott
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 22.03.2017 | Blog
Wie auch schon die ersten drei Monate, vergingen die folgenden drei rasend schnell. Auf das Datum schauend stellte ich überrascht und mit Bedauern fest, dass bereits über die Hälfte meines Freiwilligen Sozialen Jahres hinter mir liegt.
Neben einigen konstanten Aufgaben, die sich vor allem auf Büroorganisation, Ablage und das Verfassen von Texten belaufen, variiert mein Tages- und Wochenablauf.
Das, seit Anbeginn des Schuljahr
es laufende, Sozialtraining an der 9. Oberschule schlossen wir mit einem Videoprojekt zum Halbjahr ab. Erfreulicher Weise kann das Projekt „ Junge Elbtalforscher“ bis zum Ende des Schuljahres durchgeführt werden. Die Arbeit mit der Gruppe, das Erstellen der Tablettouren und die Planung dessen bereitet mir weiterhin große Freude. Ergebnisse unserer kleinen Entdeckungstouren veröffentliche ich auf verschiedenen Plattformen.
Mein eigenes Projekt, die Erstellung einer Multimedia Stadtführung durch die Dresdner Geschichte, entwickelt sich gut. Nach einem prüfenden Blick des Vorstands haben wir uns entschieden, die Zeitspanne etwas zu verkürzen. Daher steh ich nun noch vor ein paar inhaltlichen Problemen, welche ich bis zur Testphase des Ganzen im April behoben haben will. Diese Zeitreise mit Tablet, wie sie im Ferienpass Dresdens genannt wird, findet unter freier Anmeldung in den Sommerferien statt.
In den letzten Monaten tauchten zwei neue Gesichter im Büro auf. Zum einen wollte sich Sebastian, ein amerikanischer Austauschstudent, gern politisch betätigen und zum anderen arbeitete Praktikant Elias für zwei Wochen bei uns. Begeistert nahmen zahlreiche Englischlehrer Sebastians Angebot eine Schulstunde zum Thema USA und Trump zu gestalten an. Daher begleitete ich ihn einige Male und genoss (ebenso, wie die SchülerInnen) diesen Insiderbeitrag des Muttersprach
lers.
Unser Praktikant Elias recherchierte nicht nur zu einem Projekttag, sondern berichtete im Rahmen eines Stammtisches über seine Flucht aus Afghanistan. Der, damals 16 jährige, macht sich alleine auf die lange und ausgesprochen gefährliche Reise nach Deutschland. Sein Bericht über Schmuggler, Zwischenmenschlichkeit und Innere Konflikte bewegte. Obwohl er durch ein Theaterprojekt das Glück hatte eine Pflegefamilie zu finden, ist sein Antrag auf Asyl noch nicht bewilligt. Wir stehen weiterhin mit Elias in Kontakt und planen mit ihm bereits den nächsten spannenden Abend. Dieses Mal sollen die politischen Begebenheiten Afghanistans im Fokus stehen.
Ein Highlight der letzten Wochen stellte die Teilnahme an der Verleihung des „Dresden Preis(es)“ dar. Bereits das achte Mal in Folge vergab der Friends of Dresden Deutschland e.V. diesen Preis an besonders engagierte Personen. Am 12. Februar erhielt Domenico Lucano, der Bürgermeister des italienischen Ortes Riace, diese Auszeichnung in der Semperoper. Diese Veranstaltung bewegte und löste Gedanken der Hoffnung und Bestürzung gleichermaßen aus.
In den nächsten Tagen und Wochen stehen unter anderem ein Projekttag zum Thema Populismus/ Extremismus, Actionboundtouren zur Friedlichen Revolution bzw. NS- Vergangenheit an. Ich freu mich sehr über die Möglichkeit an all diesen Projekten mitwirken zu können und so einen sehr abwechslungsriechen und spannenden Wochenablauf zu haben.
Nach Ende meiner Kernarbeitszeit ziehen mich oftmals Podiumsdiskussionen oder etwaige interessante Veranstaltung an. Von einer Debatte über den Geheimheitsgrad der Geheimdienste, Pöbelnde Populisten oder einer Lesung aus der kritischen Edition von „Mein Kampf“ bis zu Putins Russland reicht das Themenspektrum. Über einige dieser Veranstaltungen, wie beispielsweise über den Kinodokumentarfilm „ Wir sind Juden aus Breslau“, berichte ich im Jugendblog oder auf unser Homepage.
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 08.02.2017 | Blog
Im Rahmen einer Fortbildung besuchten wir (das sind Svyatoslav und Charlott) letzte Woche den Kinofilm `Wir sind Juden aus Breslau` und wollen euch nun einige unserer Eindrücke schildern.
Wir w
erden die jüdische Rasse ausradieren!
Noch heute, über ein halbes Jahrhundert nach Hitlers Besuch in Breslau, hallen Nazi-Hassparolen in den Ohren Manfred Rotenbergs nach. Und damit ist er nicht allein. Karin Kaper und Dirk Szuszies Kinodokumentarfilm `Wir sind Juden aus Breslau` zeigt den Lebenslauf 14 jüdischer Jugendlicher auf der Flucht vor den Nazis auf.
2015 begegneten sich deutsch-polnische Jugendliche und die Protagonisten im Rahmen eines Projektes in Breslau. Eindrucksvoll wird jede der facettenreichen Lebensgeschichten beleuchtet. Trotz des gemeinsamen Schicksals Breslauer Jude im Dritten Reich zu sein, somit gleichermaßen unter Antisemitismus und Repressalien zu leiden, gleicht keine Biografie der anderen. Denn es führen nicht nur 1000 Wege nach Rom, sondern auch zahlreiche aus Breslau.
Genauso individuell, wie die Lebenswege der Akteure, gestaltete sich auch die Auswahl der mit den Jugendlichen besuchten Orte während der Dokumentation. Erinnerungen an plötzlich beendete Freundschaften, Gewaltübergriffe, Anfeindungen und schmerzliche Abschiede wurden geweckt. Einschneidend und alles verändernd: die Kristallnacht. Diesem Akt des blanken Hasses und der blindwütigen Zerstörung fiel unter anderem auch die Synagoge zum Opfer.
Deportationen und Verhaftungen dominierten nunmehr den Alltag der jüdischen Bevölkerung Breslaus. Wer fliehen konnte, floh. Über Umwege, zahlreiche Zwischenstationen und auf gefährlichen Fährten bahnten sich viel der Protagonisten den Weg nach Palästina. Doch nicht allen gelang die Flucht. Die Schwestern Anita und Renate Lasker wurden zunächst in das Konzentrationslager Auschwitz- Birkenau deportiert, wo die begnadete Cellistin Anita Teil des Frauenorchesters war. Dieser Umstand bewahrte Renate vor der Selektion und damit dem sicheren Tod. Späterhin brachte man die beiden nach Bergen-Belsen, wo sie im April 1945 die Befreiung erlebten. Jedoch endeten Gräuel und Schrecken des Krieges nicht am Tage der Kapitulation. Gerda Bikales Vater, der bereits vor dem Krieg in die USA floh, erwirkte 1946 für seine zurückgelassene Frau und Tochter Visa. Am fehlenden Verständnis und mangelnder Empathie gegenüber dem Erlebten der beiden zerbrach jedoch letztlich die Ehe.
Zerbrochen war zudem etwas viel größeres, unwiederbringliches- das Gefühl von Heimat in Breslau. Denn Heimat ist ein Ort der Sicher- und Geborgenheit impliziert. Diesem Anspruch wird Breslau in den Augen der Protagonisten durch entgegengebrachten Hass und Abneigung nicht gerecht. Somit haben die Nationalsozialisten neben Familie, Freunden, Freiheiten und Besitz auch die Heimat jener 14 ehemaligen Jugendlichen geraubt.
Die Aussagen der Zeugen über die damalige Zeit kann man mit keinem Buch oder anderen Quellen über das Leben der Juden im letzten Jahrhundert vergleichen. Was sie erzählen beeindruckt, bewegt und ängstig. Das Eingeständnis, dass Menschen anderen Menschen mutwillig derartiges Leid zufügen können, fällt schwer.
Viele Jahre sind vorbei und viel hat sich geändert. Was bleibt ist die Erinnerung. Die Erinnerung an längst Vergangenes, das jedoch stets präsent ist. Die wiederaufgebaute Synagoge symbolisiert zugleich Neuanfang und den Verlust einer großen, aktiven Glaubensgemeinschaft. Die damals 20.000 Personen umfassende Gemeinde zählte 2015 lediglich 350 Mitglieder. Bente Kahan, die Leiterin der gleichnamigen Stiftung, blickt stolz auf Geschafftes zurück und optimistisch in die Zukunft.
Ein sehr empfehlenswerter und facettenreicher Kinodokumentarfilm, der die Einflüsse des Holocaust und 12jähriger Nazi-Herrschaft sowohl während als auch nach dem Krieg beleuchtet.
Also, schaut den Film und überzeugt euch selbst.
Liebe Grüße,
Svyatoslav & Charlott
von admin | 05.12.2016 | Blog
Montagabend in Dresden- was da abläuft ist doch klar, oder?
Ein zweiter Blick lohnt sich, denn parallel zu durch Straßen
ziehenden und Parolen brüllenden Menschenmassen lud das Militärhistorische
Museum im Rahmen der Sonderausstellung „Achtung Spione“ zu einer hochkarätig
besetzten Podiumsdiskussion ein.
Zum brisanten Thema „Unter Kontrolle? Wie geheim sollen
Geheimdienste sein?“ diskutierten die Bundestags- und NSA- Ausschlussmitglieder
Dr. Konstantin von Notz (Bündnis 90 / Die Grünen) und Prof. Dr. Patrick
Sensburg (CDU, Vorsitzender des Ausschusses) sowie der Journalist des
Deutschlandradios Falk Steiner. Durch Prof. Dr. Hansjörg Geiger, seinerseits
ehemaliger Präsident von BND und BfV, wurde die Gruppe der Debattierenden
vervollständigt. Nach einer einführenden Rede des Direktors Prof. Dr. Rogg
übernahm Geheimdienstexpertin Eva Jobs die Moderation der Veranstaltung.
Ein Skandal, der Fragen aufwirft
Edward Snowden, das Jahr 2013 und die damit verbundenen
Enthüllungen riefen nicht nur den NSA- Untersuchungsausschuss sondern zudem
zahlreiche Informationen über die Arbeit, aber auch die Defizite der
Geheimdienste an die Tagesordnung. Nun stellte sich die Frage, wie geheim diese
Dienste innerhalb eines demokratisches Rechtsstaats sein dürfen ohne, dass ihre
Arbeit darunter leidet.
Vollkomme Transparenz ermögliche nic
ht nur der Allgemeinheit
die Taten des BND zu verfolgen sondern auch jenen, die unter Beobachtung stehen,
aktiv auszuweichen stellte Prof. Dr. Geiger klar. Vor allem in Zeiten des
Terrors ist eine effektive und sicherheitsbringende Kontrolle ohne einen
gewissen Geheimheitsgrad nicht möglich. Aber wie weit geht „gewiss“?
Einerseits wird ein Gesetz zur längeren Speicherung der Metadaten,
also der Erfassung grundlegender Kommunikationsfakten, verabschiedet und damit
die Gesellschaftskontrolle erhöht, aber andererseits werden extra für den
Ausschuss verfasste Akten massiv mit dem Hinweis auf BND Methode gebläut (das
neue Schwärzen). Inwiefern das dem Sinn der Sache entspricht bleibt fraglich. Schließlich
obliegt diese Institution deutschem Recht und Gesetz dessen Einhaltung
zentraler Prüfungsgegenstand ist.
Eine Debatte über Freiheit und Überwachung ist ohne den
Einbezug der Entwicklung zum gläsernen Menschen undenkbar. Wie nahe wir dem sind
zeigt die Reaktion des Podiums auf eine vom Publikum gestellte Frage bezüglich
der Verschlüsselung beziehungsweise Kodierung von Nachrichten. Natürlich verschlüssele
man einen Großteil der Nachrichten, schließlich sollen potenzielle Hacker gleichermaßen
erschwert an codierte brisante oder eben auch wenig relevante Informationen
gelangen. Denn das Abhören unter Freunden sehr wohl geht und geschieht ist
wahrlich eins der schlecht behütetsten Geheimnisse. Prof. Dr. Geiger antwortete gelassen auf
Abhörparanoia und verwies auf den guten alten Briefwechsel.
Mit gemischten Gefühlen über mangelnde oder übertriebene
Kontrolle durch die Nachrichten- und Geheimdienste und deren
Informationshunger endete diese spannende Veranstaltung. Fakt ist, dass sowohl
zukünftig als auch rückblickend die Arbeit der Geheimdienste ein
fragenaufwerfendes Themengebiet darstellt.
Beste Grüße,
Charlott
von admin | 21.10.2016 | Blog
Hallo,
hier ein kurzer Rückblick auf eine spannende Veranstaltung, die Tobias, Svyatoslav und mich am 19.Oktober in den Landtag führte.
Unruhe auf den Straßen, provokante Banner, Parolen schallen
über Plätze, ein Aufschrei in den Medien- bei manchen werden da Erinnerungen an
die deutsche Geschichte wach: ist Pegida die APO von rechts?
Genau dieser Fragestellung: dem Zusammenhang zwischen
Demonstrationen und zunehmender Gewaltbereitschaft widmete sich das Kulturbüro
Sachsen e.V. beauftragt durch die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag
seit 2014. Gestern wurden die Ergebnisse ihrer Arbeit „APO von rechts – Von der
Asylfrage zur Ablehnung der Republik“ erstmals im Beisein von Dr. Tino Heim
(Technische Universität Dresden, Lehrstuhl für Soziologie), Valentin Lippmann,
MdL (Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Julia Schuster und Danilo Starosta
(Kulturbüro Sachsen e.V.) vorgestellt.
Von asylfeindlichen Demonstrationen der verschiedenen XX- gida
Gruppierungen und Parteien ging es zur Untersuchung der Forderungspapiere
Pegidas und ihrer Relevanz für die Realpolitik bis zu den befördernden
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen jener.

Trauriger Spitzenreiter
Im Jahr 2015 setzte sich Sachsen mit über 700
asylfeindlichen Veranstaltungen und 30 der insgesamt 138 Brandanschläge leider
an die bundesweite Tabellenspitze dieser Gewaltakte. Vor
allem die Versammlungstätigkeit der Bürgerinitiativen nahm seit 2014 zu. Mehr
als 200 Veranstaltungen wurden von organisierten Neonazis angemeldet und
durchgeführt. Allerdings zeichnet sich keine flächendeckende Kooperation dieser
Initiativen und den rechten Parteien ab. Bei einer genauen Analyse stellte sich
heraus, dass nicht nur in den alten „NPD- Hochburgen“, wie dem Landkreis
Sächsische Schweiz- Osterzgebirge oder im Landkreis Leipziger Land verstärkt
Veranstaltungen gegen die Asylpolitik stattfanden. Im gesamten Bundesland gab
es einen traurigen Aufwärtstrend von asylfeindlichen Demonstrationen. Damit
einhergehend stieg auch die Zahl der gewaltsamen Übergriffe. Viele Anmelder
nehmen Bezug auf XX-gida-Formate und sehen diese als notwendigen bürgerlichen
Widerstand gegen die etablierte Politik an.
Konkret heißt das:
Inhalte und Forderungen dieser Initiativen sind breit
gefächert. Neben Gesetzesänderungen im Bereich Einwanderung und Asyl streben
sie nach Entrechtung gesellschaftlicher Minderheiten. Betrachtet man die
Asylrechtsverschärfung der letzten beiden Jahre mit den Pegida
Forderungspapieren zeigen diese deutlich Parallelen. Inwiefern nun einen
gegenseitige Beeinflussung stattfand ist fraglich. Insgesamt sind ihre
angestrebten Ziele an einen Staat mit eingeschränkten Menschenrechten und einer
nationalistischen Führungsidee verbunden. Ihre gewünschte Veränderung der
Machtverhältnisse fordert letztlich eine Überwindung der momentanen Demokratie
und eine radikale Umgestaltung. Somit hat sich aus der anfänglichen
Asylproblematik eine offene Ablehnung der Berliner Republik kristallisiert.
Pegida hat eine bedenklich hohe Zustimmung in den Köpfen
vieler BürgerInnen gewonnen, deren Folgen heute nur schwer abschätzbar sind.
Weitere Informationen über dieses brisante Thema sind über
das Kulturbüro Sachsen e.V. sowie im erst kürzlich veröffentlichten Buch von
Dr. Tino Heim („Pegida als Spiegel und Projektionsfläche“) zu finden.
In nur 90 Minuten wurde ein unglaublich vielseitiger Input
gegeben, der die Komplexität der Sachlage veranschaulichte. Auch die angeschlossene
Diskussion bot Raum für Fragen und wies auf neue Aspekte hin. Grundlegende
Inhalte, wie die Verstärkung oder Modellierung der politischen Bildung,
Medienvielfalt und das Partienweisen wurden angesprochen. Eine rundum gelungene
Veranstaltung, die neben ausgezeichnetem Input durch hohe Beteiligung junger
Menschen für Begeisterung und neue Denkanstöße sorgte.
Liebe Grüße,
Charlott