Where do I belong? Internationale Begegnung in Dresden – Teil 1

Where do I belong? Internationale Begegnung in Dresden – Teil 1

Jedes Jahr organisiert der PJR Dresden e.V. eine internationale Jugendbegegnung in Kooperation mit anderen Partnerorganisationen, um europäische Werte und Demokratie in einem interkulturellen Kontext zu fördern. Ende März sind Jugendliche aus Deutschland, Spanien und Ukraine in Dresden zusammengekommen, um eine Woche im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung zusammen zu verbringen. Unter dem Motto „Where do I belong? Identities in today's world“ wurden unterschiedliche Veranstaltungen durchgeführt, wie zum Beispiel eine Stadtführung mit einem Einblick in die Situation von Geflüchteten in Dresden oder eine Auseinandersetzung mit der eigenen individuellen und kollektiven Identität durch partizipative Methoden.

Die Woche hat mit einem unerwarteten Geschenk des deutschen Wetters angefangen. 23. März und der Frühling war schon in Dresden angekommen: angenehme Hitze, schöne Sonnenstrahlen und Blumen überall an der Elbe.  Nach einem Anreisetag voller Emotionen und ersten Kennenlernen haben die Teilnehmende zum offiziellen Anfang des Programmes den Sonntag im Stadtteilhaus verbracht. Dort haben sie an unterschiedlichen Spielen teilgenommen und es wurden die ersten Diskussionen über das Thema des Austausches durchgeführt. Das Ziel? Einen inhaltlichen Einstieg in die Frage „Where do I belong? Was für Identitäten habe ich?“ zu ermöglichen. Da die Teilnehmende aus sehr unterschiedlichen (inter)nationalen und kulturellen Kontexten kam, waren die Konversationen stets sehr fruchtbar.

Jeden Tag haben die Teilnehmende ein neues Thema in Bezug zu Vielfalt und Diskriminierung entdeckt: eine Stadttour von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung, ein Besuch im Gerede e.V. und ein Gespräch über LGBT* in Dresden und Umgebung, ein Workshop zum Thema kollektive Identität und Denkmäler mit Arbeit vor Ort im Heidefriedhof und eine Reflexion über die Bombardierung in Dresden… Die Fragen beziehungsweise Bereiche waren vielfältig und so war die Begegnung ein großes Mosaik von Momenten.

Besonders interessant war der Ausflug nach Bautzen, wo die Teilnehmende die Gelegenheit gehabt haben, im Kontakt mit der sorbischen Kultur zu kommen. Die Auseinandersetzung mit einer kulturellen Gruppe, die eine andere Sprache und Geschichte hat, war eine Überraschung für viele. Außerdem haben die Teilnehmenden aus der Ukraine und aus Spanien/Katalonien zwei Workshops zu der/den Kultur(en) ihres Landes gehalten. Alles mögliche ist in den Workshops passiert, von Fragen zu den berühmten Persönlichkeiten in der Ukraine bis zum Referendum des 1. Oktobers in Katalonien, von dem traditionellem Volkstanz der Ukraine bis dazu wie man in Katalonien Weihnachten feiern kann.

Während der Begegnung haben die Teilnehmende angefangen, einen Blog gemeinsam in kleinen Gruppen zu erstellen. Der Blog soll einen Raum für die Reflexion und Berichte über die Erfahrung werden und es wurde viel geschrieben, gemalt und gezeichnet. Die Gruppen waren gemischt und die Sprachvielfalt wurde gefeiert, da in der Gruppe Deutsch, Englisch, Spanisch, Ukrainisch, Russisch, Katalanisch, Persisch, Arabisch und noch mehr Sprachen gesprochen wurden.

Nach einer Woche voller neuen Erfahrungen kam der Moment des Abschieds. Obwohl aller Abschied fällt schwer, war er diesmal nur ein „Bis später!“, da der zweite Teil der Begegnung näher rückt. Mitte Juni werden die deutsche und ukrainische Delegation nach Katalonien fliegen. Uns erwartet eine gemeinsame Woche mit Blick auf die spanische Geschichte und ein audiovisuelles Projekt! Can´t wait!

Diese Maßnahme wurde finanziert durch Mittel von Erasmus+, durch Fördermittel des Programms " Interregionale und grenzübergreifende Zusammenarbeit" des Freistaat Sachsens sowie von der Landeshauptstadt Dresden.

Una isla bonita? Lea berichtet von ihrem EFD-Projekt auf Gran Canaria

Una isla bonita? Lea berichtet von ihrem EFD-Projekt auf Gran Canaria

Hola a todos,

nachdem für mich nun schon die Hälfte der Zeit auf Gran Canaria um ist, ist es Zeit, mal wieder etwas vom Leben auf der Insel zu berichten, denn seit meinem ersten Bericht von den ersten Wochen hat sich viel geändert. Sicher nicht an den Umständen hier, sondern an meiner Einstellung und ganz sicher auch an meiner Sicht auf manche Dinge. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um mich einzuleben, aber es hat sich gelohnt durchzuhalten. Auch wenn vieles nicht leicht war und immer noch vieles nicht so läuft wie es laufen könnte, kann ich doch zumindest sagen, dass ich an den Problemen gewachsen bin.

Das klingt vielleicht ein bisschen kitschig, aber so ist es. Ich würde mein Projekt sicher nicht weiterempfehlen. Das liegt auf keinen Fall an den Kindern; im Gegenteil: Sie sind der Grund, warum ich das Projekt nicht abgebrochen habe. Es ist nicht so leicht zu beschreiben und wahrscheinlich noch viel schwieriger, das nachzuvollziehen, wenn man es selbst nicht erlebt hat. Ich möchte mich deshalb darauf beschränken, von einigen Erlebnissen der letzten Monate zu berichten. 

Eines der größten Highlights war sicherlich das On-arrival-training, oder Spanisch „formación de llegada“. Meine beiden Mitbewohnerinnen (companeras de piso) und ich sind dafür für eine Woche nach La Palma geflogen, die westlichste der Kanarischen Inseln. Sie ist, glaube ich, den meisten unbekannt; wenn ich von La Palma erzählt habe, haben die meisten Leute an die Hauptstadt von Gran Canaria, Las Palmas, oder an Mallorca gedacht…

Dort haben wir die neun anderen Freiwilligen von den Kanarischen Inseln kennengelernt, von denen die meisten auf La Palma leben. Wir waren also eine sehr kleine Gruppe, allerdings mit Freiwilligen aus sieben verschiedenen Ländern (Frankreich, Italien, Griechenland, Serbien, Mazedonien, Polen und Deutschland).

Nachdem wir uns tagsüber mit Themen wie interkulturelles Lernen, Sprache, Krankenversicherung und mögliche Probleme beschäftigt haben, ging abends das interkulturelle Lernen erst richtig los. „Das ist ja ein Festival der Sprachen“, meinte eines Abends der Mann am Nebentisch, der uns zugehört hatte, wie wir uns in acht unterschiedlichen Sprachen unterhielten und, je nach Gegenüber, die Sprache wechselten.

Mir scheint es ein deutsches Ding zu sein, direkt nach der Schule ins Ausland zu gehen. Wir Deutschen waren nämlich mit Abstand die Jüngsten. Die meisten anderen haben schon fertig studiert und sind 23, 26, 27 Jahre alt.

Nichtsdestotrotz oder gerade wegen dieser Unterschiede hat mir diese Woche so unglaublich viel gebracht; weil man ein echtes Gefühl davon bekommen hat, was Europa eigentlich ist oder sein kann.

Zurück im Projekt

Die Rückkehr in unser Projekt war ehrlich gesagt etwas deprimierend, weil wir in dieser Woche mitbekommen hatten, wie gut die Projekte bei den anderen liefen. Wir haben immer auf die Wochenenden hingearbeitet, die dafür umso schöner waren. Wir haben viele Wanderungen gemacht, denn Gran Canaria ist ein wahres Wanderparadies (siehe Fotos)! Das Beeindruckende ist, dass auf der Insel so unterschiedliche Landschaften vereint sind. Bei einer Wanderung in der Mitte der Insel hatten wir einen Blick über die faltigen Gebirgszüge über den Strand sogar bis zum Teide, dem höchsten Berg Spaniens, der auf Teneriffa ist.

Apropos Teneriffa… Über ein langes Wochenende haben wir die Freiwillige auf Teneriffa besucht, mit dem Flugzeug ist man in einer knappen halben Stunde da. (Und weil wir für ein Jahr als „Residenten der Kanaren“ eingetragen sind, bezahlen wir, wenn es gut kommt, gerade mal 10 Euro!) Die Freiwilligen auf La Palma haben wir auch noch einmal besucht und Reisen auf die verbleibenden vier Inseln sind geplant.

In den letzten fünf Monaten bin ich so viel gereist wie noch nie, aber vielleicht ist es einfach das Wissen, dass man hier nur eine begrenzte Zeit hat, das meine Reiseplanungsfreude so überschäumen lässt (und natürlich die Tatsache, dass ich hier nicht in die Schule gehen muss).

Aber in der Woche gehe ich natürlich ganz normal arbeiten und zweimal pro Woche in die Sprachschule in Las Palmas. Mit den Kindern kann ich mich jetzt schon viel besser unterhalten, was die Arbeit um einiges erleichtert und wodurch es auch erst so richtig interessant wird. Manchmal frage ich mich, wie ich auf die Idee gekommen bin, mit kaum einem Wort Spanisch nach Spanien zu gehen. Sicherlich kann man sich auch mit Gesten verständigen, aber es ergeben sich auch sehr viele Möglichkeiten, in denen man sich missverstehen kann.

„Ganz in weiß“… auf dem spanischen Karneval

Ein Grund für viele Touristen nach Gran Canaria zu kommen und eines der wichtigsten Feste für die Einheimischen, ist der Karneval, den wir in den letzten Wochen miterlebt haben und der noch bis in den März hinein gefeiert wird. Da ich nicht in Westdeutschland oder Rio de Janeiro aufgewachsen bin, war das ein Karneval, wie ich ihn noch nie erlebt habe. An einem Tag namens „Los Indianos“ kleiden sich die Leute komplett in Weiß und bewerfen sich auf der Straße mit Mehl und Babypuder. Natürlich wurde auch viel Musik gespielt und getanzt. In den Straßen war alles weiß, als hätte es geschneit und es hat ganz sauber und süß und nach Baby gerochen. Mit „Indianos“ waren früher die Auswanderer nach Amerika gemeint und mit diesem Fest wurde ihre Rückkehr gefeiert. Mit dem Puder wurde die Haut aufgehellt, warum, konnte mir keiner so richtig sagen. Aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!! 

Am Samstag vor dem Rosenmontag wurde mit einem riesigen Umzug durch die ganze Stadt der Höhepunkt des Karneval gefeiert. Drei Stunden lang standen wir an einer Stelle und haben uns die vorbeiziehenden Trommler und mit riesigem Kopfschmuck geschmückten Tänzer angeschaut, wie auch auf den Fotos zu sehen ist. Als es dunkel wurde, haben sich die Leute in den Zug eingereiht und sind tanzend und mit viel Musik zu einem der größten Plätze in Las Palmas gezogen, auf dem bis in die Morgenstunden getanzt wurde. Es war ein unglaubliches Gefühl, mit so vielen Leuten mitten im Februar auf der Straße zu tanzen. Aber wenn es ums Feiern geht, sind die Kanarier immer dabei.

Auch im Kindergarten haben wir Fasching gefeiert. Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, aber die Kinder waren überglücklich und haben ihre Rollen voll ausgelebt. Und mir wurden mehrmals Handschellen angelegt.

Mid-term-Meeting

Im Januar sind wir zum Mid-term-training nach Málaga geflogen, um uns mit anderen Freiwilligen aus Spanien auszutauschen. In dem Training ging es vor allem darum, zu reflektieren, sich seines Ziels bewusstzuwerden und Ideen zu sammeln, wie man aus der verbleibenden Zeit das Bestmögliche herausholen könnte. Wie auch das On-arrival-Training war das eine sehr intensive Woche, die genau zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden hat. So sind wir mit viel Motivation und voller Ideen zurückgekehrt.

Außerdem war es (seltsamerweise) ein sehr schönes Gefühl, mal wieder auf dem Festland zu sein und anderthalb Stunden in EINE Richtung zu fahren.

In den nächsten Wochen bekommen wir viel Besuch von den Freiwilligen vom Festland. Alle wollen sie die mysteriöse Insel weit, weit draußen im Ozean besuchen… Wahrscheinlich liegt das unter anderem auch am Wetter… Am Wochenende war es schon so warm, dass man baden gehen konnte.

Wenn man sich den Bericht so anschaut, kann man leicht auf die Idee kommen, dass ich hier ein traumhaftes Leben wie im Urlaub führe. So ist es sicher nicht, aber die Erlebnisse, von denen ich berichtet habe, sind es, die die Zeit bis jetzt so wertvoll gemacht haben. Solche Erlebnisse lassen einen leichter über die Schwierigkeiten hinwegsehen und ich bin gespannt, was in den nächsten vier Monaten noch so kommt.

Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.

Ein EFD in Gran Canaria

Ein EFD in Gran Canaria

Lea leistet seit Anfang September einen einjährigen europäischen Freiwilligendienst (EFD) auf Gran Canaria. Hier ist ihr erster Bericht.

Hallo zusammen,

vor drei Wochen landete mein Flugzeug hier auf Gran Canaria, der Kanarischen Insel im Atlantik, auf der ich die kommenden zehn Monate meinen EFD verbringen werde. Ich habe mich entschieden, nach der Schule einen Europäischen Freiwilligendienst zu machen, um einmal etwas ganz Neues auszuprobieren, in einer neuen Umgebung, mit neuen Leuten und einer anderen Sprache.

Vom Flughafen holte mich eine der Erzieherinnen der „Casa del Sol“ ab, dem Waldorfkindergarten, in dem ich unter der Woche arbeiten werde. Sie spricht nur Spanisch, was schon die erste Herausforderung darstellte, da ich so gut wie kein Spanisch spreche, es nur ein bisschen verstehe. Irgendwie haben wir uns aber doch verständigt. In solchen Situationen merkt man immer, wie wenig man eigentlich über die Sprache kommuniziert.

Die WG, die ich mir mit einer Deutschen und einer Französin teile, liegt in Arucas, einer Stadt westlich der Hauptstadt Las Palmas. Es ist eine sehr kleine Stadt mit gut 37 000 Einwohnern, es ist aber gleichzeitig auch eine der größten Städte auf Gran Canaria. Bei den Inselbewohnern ist Arucas bekannt für seine Rumbrennerei und die Iglesia San Juan Bautista, die aus Vulkangestein gebaut ist. Unser „Stadtrundgang“ durch Arucas hat eine gute halbe Stunde gedauert. Nur so zur Vorstellung…

Die WG selbst besteht aus je einem Schlafzimmer für jede Freiwillige, einem großen und einem kleinen Bad, einer Küche und einem Wohnzimmer. Eine tolle Zugabe ist auch eine große Dachterrasse, die sich alle Mieter teilen und von der aus man über ganz Arucas blicken kann.

Der Kindergarten liegt eine Viertelstunde Fußweg von unserer WG entfernt, der Weg führt an Bananenplantagen entlang. Bananen werden hier überall angebaut und sind im Supermarkt deshalb auch schon für 80 Cent pro Kilo zu haben.

Küsschen, mañana und ein rosa Kindergarten

Wie auch in Frankreich wird man hier mit Küsschen begrüßt. Allerdings nur mit zwei statt drei. Am Anfang habe ich mich etwas gewundert, da mich ja alle noch nicht kannten, mir wurde dann aber schnell klar, dass die Begrüßung insgesamt herzlicher ist als in Deutschland, mit überschwänglicher Freude werden nicht nur gute Freunde und Familie, sondern auch Arbeitskollegen und Bekannte geküsst. Auch Duzen ist üblich, gesiezt werden eigentlich nur deutlich ältere Leute und der Chef.

Die erste große Überraschung erlebten wir drei, als wir am Montagmorgen in den Kindergarten kamen. Die Erzieherin, die mich abgeholt hatte, begrüßte mich freudig und führte mich durch die Zimmer, die alle komplett rosa gestrichen waren. Eigentlich knallrosa. Sie bat mich, ihr beim Streichen der Schränke zu helfen, die auch alle rosa werden sollten. Als ich dann eine halbe Stunde gemalt hatte, fragte ich sie, wo denn die Kinder blieben… naja, wie sich herausstellte, hatten die Kinder noch bis Montag Ferien und wir verbrachten unsere Zeit bis dahin mit dem Waschen von Spielzeug und viel rosa Farbe.

In dieser ersten Woche mussten wir uns auch um viel Papierkram kümmern. Ich war davon ausgegangen, dass das Beantragen eines Bustickets, eines „Aufenthaltszertifikats“ und das Einschreiben in der Sprachschule einen Nachmittag, vielleicht auch zwei, in Anspruch nehmen würde. Da hatte ich mich geirrt. Beim Busbahnhof waren wir mittlerweile schon zum dritten Mal, weil immer irgendein Dokument fehlte, welches der Beamte vom Vortag leider nicht erwähnt hatte und in der Sprachschule standen wir auch schon mehrere Stunden in der Schlange, weil unsere Koordinatorin, die uns begleitete, uns auf „mañana“  (morgen) vertröstete, als wir erst die Hälfte der Papiere ausgefüllt hatten, weil sie keine Lust mehr hatte. Am nächsten Tag war die Schlange leider doppelt so lang.

Am Donnerstagmorgen wurde ich nicht wie üblich von meinem Wecker, sondern stattdessen von meinen Mitbewohnerinnen geweckt. Ich war schlagartig wach, als meine Füße plötzlich im Wasser standen. Über Nacht war Wasser aus dem Thermostat ausgelaufen, über dessen marodes Aussehen wir uns schon am Vortag Sorgen gemacht hatten. Das Wasser hatte das gesamte Bad, den Flur und zwei unserer Schlafzimmer, darunter auch meins, geflutet und es floss immer weiter. Zuerst wussten wir nicht, was wir machen sollten und haben unsere Notfallnummer, die Koordinatorin, angerufen, die aber leider nicht zu erreichen war. Wir beschlossen dann, bei den Nachbarn zu klingeln, um einen Schlüssel für den Keller zu bekommen, wo wir das Wasser abstellen konnten. Das hat leider eine Weile gedauert, weil zwanzig nach sieben noch niemand aufgestanden war… Nachdem dann endlich kein Wasser mehr floss, haben wir anderthalb Stunden gewischt, wobei uns aufgefallen ist, dass die Wohnung vor uns wohl nicht sauber gemacht wurde… Einer Cucaracha (Kakerlake, 4 cm) sind wir bei der Gelegenheit auch begegnet, daran müssen wir uns noch ein bisschen gewöhnen.

Später kam dann unsere Koordinatorin vorbei, die uns erklärte, warum neben der Herdplatte, dem Licht in einigen Zimmern und dem Ofen auch die Klospülung nicht funktionierte. Die hatte sie abgestellt, um die Wasserrechnung gering zu halten. (Wir haben aber zum Glück zwei Klos.)

Spanische Lebensfreude und Marienverehrung

Am Donnerstagabend fuhren wir mit dem Bus nach Teror, dem Städtchen, das als das kanarischste aller Städte auf Gran Canaria gilt. Am Freitag war der wohl wichtigste Feiertag für die Kanarischen Inseln: Nuestra Señora del pino (Unsere Jungfrau von der Kiefer). In Teror soll im 15. Jahrhundert einigen Hirtenjungen die Jungfrau Maria in den Ästen einer Kiefer erschienen sein, weshalb Teror als das Lourdes der Kanarischen Inseln gilt und eine Marienfigur jedes Jahr an diesem Tag in einer Prozession durch die Straßen der Stadt getragen wird. Das Busunternehmen stellte sich dafür auf über 68 000 Besucher, auch von den umliegenden Inseln, ein. Auch am Vorabend dieses Festes wurde schon ausgiebig gefeiert: Mit Gitarren, Trommeln und Tamburinen wurden in den mit tausenden Menschen gefüllten Gassen laut Volkslieder und auch neuere Lieder gesungen, die in Trachten gekleideten Einheimischen klatschten und tanzten und pfiffen. So eine Lebensfreude und so ein Gefühl von Zusammengehörigkeit habe ich selten erlebt.

Teror ist ja, wie schon erwähnt, ein Ziel für Pilger, und ganz besonders ist es die Marienstatue. Diese war am Festtag umzäunt, aber nachdem die Statue von der Polizei „freigegeben“ wurde, sprangen die Leute an der Abgrenzung hoch, um einmal den Mantel der Maria zu berühren.

Damit hat der Tag dann doch noch sehr schön geendet.

Nach einer etwas holprigen ersten Woche waren wir dann am Montagmorgen alle ganz gespannt, weil wir ja zum ersten Mal die Kinder sehen würden. In der „Casa del Sol“ gibt es drei Gruppen und in jeder Gruppe hilft eine Freiwillige mit. Ich wurde der „großen“ Gruppe zugeteilt, in der alle 5jährigen sind. Mittlerweile bin ich sehr froh darüber, weil die Größeren im Gegensatz zu den Dreijährigen fast ununterbrochen mit einem reden, sodass ich Spanisch jetzt schon viel besser verstehe. Den Kindern scheint es auch kaum etwas auszumachen, dass ich manchmal nur nicke oder eben auch nichts verstehe.

Wir Freiwilligen sind immer die Ersten, die im Kindergarten sind, damit wir genügend Zeit haben, um Stühle zu stellen, Wassergläser zu füllen, frische Handtücher hinzuhängen… was ein Freiwilliger eben so macht. Wenn die Kinder kommen, wird es oft ganz schön chaotisch, dann helfen wir beim Anziehen, Klettern, Burgenbauen, Kaufmannsladenspielen, Essenmachen, Händewaschen und Trösten. Die Abstimmung mit den Erzieherinnen, oder profesoras, ist wegen der Sprache manchmal noch etwas kompliziert, aber sie haben zum Glück sehr viel Geduld mit uns.

Zum desayuno, dem Essen am Vormittag, gibt es im Kindergarten jeden Montag Reis, dienstags Obstsalat, mittwochs Couscous, donnerstags Brot und freitags Reismilch mit Gofio (Maismehl). Reis, Couscous und Brot werden mit Olivenöl, Salz und Rosinen gegessen, was für mich neu war, aber sehr sehr gut schmeckt.

An den Nachmittagen schaffen wir drei oft nicht mehr, als noch das Wichtigste einzukaufen, weil man doch ziemlich geschlaucht ist von all den neuen Eindrücken und vor allem dadurch, dass man sich die ganze Zeit konzentriert, um möglichst viel zu verstehen.

Am Wochenende ging es dann nach Maspalomas im Süden der Insel, dem Ort, der den meisten Deutschen einfällt, wenn sie an Gran Canaria denken, weil es eine Touristenhochburg ist. Dort ist, im Gegensatz zu Arucas und dem Norden Gran Canarias insgesamt, immer Badewetter. Bekannt sind auch die Dünen, die sich direkt an das Meer anschließen. Gleich am frühen Morgen haben wir eine Wanderung durch diese „Dunas de Maspalomas“ gemacht, weil es dort sehr schnell sehr heiß wird. Nicht nur deshalb kommt man sich ein bisschen wie in er Sahara vor.

Montags und mittwochs soll ich eigentlich zur Sprachschule gehen, aber bis jetzt hat sich leider noch kein Lehrer gefunden, weshalb unser Kurs seit drei Wochen einfach ausfällt. Das finde ich sehr schade, weil ich ein bisschen Spanischunterricht gerade jetzt sehr gut gebrauchen könnte…

Für die kommenden Wochen haben wir einige Ausflüge auch auf die anderen Kanarischen Inseln wie Teneriffa, Fuerteventura und La Palma geplant, es gibt noch so viel zu entdecken!

Der Europäische Freiwilligendienst wird gefördert von ERASMUS+ mit Mitteln der Europäischen Union.

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