51 Workshops später…

Veröffentlicht am 17/07/2026

Von ESK-Freiwillige

Nun ist es also tatsächlich schon so weit, mein FSJ ist fast zu Ende. Natürlich weiß man schon vorher, wie kurz ein Jahr ist, aber dass es dann doch so schnell vorübergeht, hätte ich nicht erwartet. Viel ist in diesem Jahr passiert, und ich möchte mir noch einmal Zeit für einen kleinen Rückblick nehmen. Zu oft stellt man sich die Frage „Wo stehe ich in fünf Jahren?“. Viel wichtiger finde ich eine andere: „Wie werde ich mich in fünf Jahren an die Zeit heute erinnern?“

Woran ich in fünf Jahren wahrscheinlich als erstes denke, wenn ich das Wort „FSJ“ höre, sind die vielen und vielseitigen Bildungsprojekte. Ich war bei ziemlich genau 51 Workshops in Realschulen, Gymnasien und Berufsschulen dabei (ja, das habe ich wirklich nachgezählt) und dabei schätzungsweise 1.000–1.500 unterschiedlichen Menschen ins Gesicht geschaut (ja, das habe ich wirklich ausgerechnet). Thematisch war von Kommunalpolitik über Social Media bis hin zu Nationalsozialismus alles dabei. Hinzu kamen mindestens fünf Tablet-Touren, zwei Filmabende und eine Gedenkstättenfahrt. Das ist eine erlebnisreiche Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Besonders spannend fand ich dabei abseits vom eigentlichen Inhalt der Workshops die Schulen, die wir besucht haben. Was diese ausmacht und wie sie sich unterscheiden, sei es von den Gebäuden, den Lehrern, oder der Einstellung der Schüler, fand ich schon sehr interessant. So einen breit gefächerten Einblick erhält man wohl kaum irgendwo anders und er würde sicherlich auch dem ein oder anderen Politiker guttun. Ansonsten hat es mir – als Kleinstädter – auch generell gefallen, so viel in Dresden unterwegs zu sein, die Stadt etwas besser kennenzulernen und nicht jeden Tag denselben Arbeitsweg zu haben.

Aber ich werde mich in fünf Jahren sicherlich auch an die vielen Tage im Büro zwischen den Workshops erinnern. Falls ich später wieder mal in einem Büro lande, wird mein FSJ die Zeit gewesen sein, in der ich das erste Mal erfahren konnte, wie es ist, einen festen Arbeitsort mit eigenem Schreibtisch und Computer außerhalb der eigenen vier Wände zu haben. Von Arbeitszeiterfassung bis Pausenraum wird mir bestimmt einiges im späteren Beruf wieder über den Weg laufen – was ich nicht gehabt hätte, wenn ich direkt nach der Schule studiert hätte. Hier habe ich auch dazugelernt, wie man gerade an Tagen ohne festes Programm die vielfältigen Aufgaben geordnet und selbstständig bearbeitet. Und auch Tage mit wenig Arbeit musste ich hin und wieder meistern. Das hätte ich mir anders gewünscht, jedoch ist das teils auch selbst verschuldet, weil ich mich bewusst gegen ein eigenes Projekt entschieden habe. Das würde ich inzwischen anders machen. Genau dieselbe Situation wird es zwar wahrscheinlich nicht mehr geben, aber ich denke, ich lerne daraus trotzdem viel für die Zukunft.

Apropos Studium: In fünf Jahren werde ich, wenn alles glatt läuft, wohl am Ende meiner Uni-Zeit stehen. Dann werde ich mich bestimmt an jetzt erinnern, an die Zeit, in der ich mir so viele Gedanken über diese Entscheidung gemacht habe. Das Thema „Was kommt danach?“ schwebte natürlich wie kaum ein anderes über dem gesamten Jahr. Und das FSJ war die richtige Entscheidung, denn ich konnte hier so viel über mich selbst lernen, dass es an dieser Stelle vollständig aufzuführen kaum möglich ist. Ich weiß jetzt besser, was ich kann, was ich will und was mich motiviert. Insbesondere der letzte Punkt ist entscheidend für meinen Entschluss, nach diesem Jahr nun doch in die eher technische Richtung zu gehen. Ich habe in diesem Jahr gelernt, wie wichtig Geistes-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften sind, aber auch, dass Ergebnisse in dieser Arbeit immer eher abstrakt bleiben. Dafür muss man wahrscheinlich der Typ sein. Und ich denke, dass ich eher rein psychologisch glücklicher werde mit einer Arbeit, die ein festeres, direkteres Ergebnis liefert. Das ist eine Beobachtung, die maßgeblich zu dieser Entscheidung beigetragen hat. Und, man kann es kaum glauben, aber über ein Jahr nach meinem Abitur vermisse ich tatsächlich ein wenig Mathe. 😉

Ansonsten erinnere ich mich in fünf Jahren wohl am meisten an die vielen coolen Bekannt- und Freundschaften während meines FSJs, mit denen ich dann hoffentlich noch Kontakt habe. Eliseo als ESKler hat den Alltag in meiner Einsatzstelle bereichert und auch all die anderen FSJler*innen, die ich auf den Bildungstagen und -fahrten kennenlernen durfte, waren mit einer der größten Gründe, weshalb ich dieses FSJ weiterempfehlen würde.

Ich glaube, Fragen wie „Was hat dir dieses Jahr gebracht?“ kann man so ganz endgültig erst in fünf Jahren beantworten. Aber ich bin mir sicher, dass ich dann auf ein ganz besonderes Jahr zurückblicken werde. Ein Jahr des Umbruchs und des Übergangs, ein Jahr des Ausprobierens. Ein Jahr, in dem ich so viele Menschen kennengelernt habe wie vielleicht nie wieder, in dem ich in einem völlig neuen Bereich arbeiten durfte, in dem ich so vielfältige Tagesabläufe hatte wie noch nie zuvor. Ein Jahr, in dem ich mich im FSJ, aber auch außerhalb, weiterentwickelt habe, und viel für die Zukunft lernen konnte. Und ein Jahr voller schöner Erinnerungen, die mich auch in fünf Jahren noch prägen werden.

Vielen Dank für dieses tolle Jahr!
Florian