When I started learning German, I had a vague dream of becoming fluent in a not so near future. I would read through my first texts trying to tell verbs from nouns and I would listen to helpful although not that informative recordings on how to say hello to strangers. That was more than six years ago, before I got to live in Leipzig for almost a year and made Berlin a sort of second home I always could come back to. I still have problems with some German words and I make tones of mistakes, but I would say I am nothing but proud of these misunderstandings and strange colocations: they mean that I can communicate in this beautiful yet challenging language.
There are a few language situations that make non-natives jump out of their skin and one of them is entering the unpredictable world of accents and dialects. Suddenly everything you though you knew about a language is not right anymore and you find yourself unable to tell the difference between simple words like yes or no. The comfort zone you carefully built around your abroad experience is shattered without a warning. This very safe space filled with common phrases and those idioms that took you so long to master does not seem to matter anymore.
Maybe I am getting a bit carried away by the language drama, but there is one universal truth to language learning: it is a process that involves vulnerability and being open to new things. I still remember my first conversation with a person who spoke Sächsisch, the traditional dialect of Saxony. I was two months’ shy from my intermediate German exam and I had trouble to understand what she shared with me about apple pie recipes and cold weather.
Since then I have encountered Sächsisch quite often, as I have almost only lived in Saxony: first two semesters in Leipzig, now my time as a volunteer in Dresden. I have even received a Sächsisch-Deutsch dictionary as a birthday present! Being the language nerd I am, it is no wonder that I decided to learn about the dialect in order to understand its particularities. Languages do not exist in a vacuum, they are an essential part of culture shaping and go beyond the narrow concept of speaking.
Saxony is located in the eastern part of Germany. In reality, that means a border with Poland and Czech Republic. For that reason, some words that exist in Sächsisch are actually closer to Czech and might be confusing for a non-native speaker like me. The first time I heard “nu” as a way to show agreement I thought that I had been caught in some intercultural lapse. It sounded like no, but it meant yes. Other singularities of Sächsisch have to do with phonetics, rendering conversations quite the challenge. I am fascinated by the transformation of voiceless consonants like K, T, P in voiced consonants like G, D, B.
Many questions I have about Sächsisch are somewhat related to the scientific and cultural difference between concepts like languages and dialects. There is no clear consensus on the topic, despite research and attempts to measure criteria like mutual intelligibility. Understanding languages and/or dialects as a phenomenon which deeply influences our perception of our social and cultural environment and our sense of self means adding another layer of complexity to the topic. I wonder how Sächsisch is seen in Saxony and in other German Bundesländer. I wonder why do people speak Sächsisch and how they feel about it.
I decide to leave my comfort zone of books about linguistics and to turn to the Internet. I have already asked German friends and colleagues about the perception of Sächsisch, as my interactions with people who actually speak the dialect are a bit limited. The answers are quite mixed, but they all point quite in the same direction: stereotypes and clichés about the dialect, German history and GDR times. In an article from Die Welt Fanny Jiménez writes about the cultural reasons behind the perception of Sächsisch and in Die Tageszeitung there is an interview with Annekatrin Michler about stereotypes around the dialect. She problematizes the differences between the two Germanys before the Einheit, explores the so-called Eastern Germany mentality and tries to find broader answers to these questions. She makes a point about German identity that should not go unnoticed. If we as a society are only able to perceive Eastern Germany as related to injustice, dictatorship, the Stasi (secret police during the GDR times), torture, violence and surveillance, we damage the concept of Eastern Germany and, by doing so, we also damage people´s identity. Another reason for this rejection of Sächsisch might have something to do with the bad experience many West Germans had when they visited the GDR, an image therefore imprinted on their minds.
Coming from Galicia, where both Galician and Spanish are spoken and there is still a lot of stigma around my mother tongue, I can not help but being very interested in these social topics. After exploring these bittersweet inputs, there is still room for something else. I would like to leave you with this interesting interview with the actor and cabaret artist Uwe Steimle, who shares some of his insights on the topic.
Der Europäische Freiwilligendienst wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.
Im Europaparlament wurde am Dienstag, den 23. Oktober 2018 über die Zukunft der Europäischen Union diskutiert. Mit dabei war der Präsident von Rumänien, der wie auch verschiedene andere europäische Regierungs- und Staatschefs sich mit dem Europäischen Parlament austauschte.
Wenn im Europäischen Parlament (EP) hoher Besuch erwartet wird, ist die Stimmung immer ein bisschen feierlicher als sonst. Einen dramatischen Tusch gibt es in der Regel zwar nicht, würde aber gut dazu passen, wie der Präsident Rumäniens neben dem Präsidenten des Parlaments gemessenen Schritts zu den Plätzen des Präsidium schreitet. Während er dort kurz an der Seite des Parlamentspräsidenten Platz nimmt, lässt er sich von ihm begrüßen und als „Hauptteilnehmer“ der Debatte ehren.
Ich habe diesmal die „Debatte mit dem rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis über die Zukunft Europas“ vom 23. Oktober 2018 verfolgt. Das Europäische Parlament lädt in guter Tradition regelmäßig die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten der EU ein, um sich mit ihnen über die Zukunft der EU auszutauschen. Die Mitgliedsstaaten sind sehr wichtig im Prozess der Gesetzgebung auf europäischer Ebene. Deshalb ist das Parlament darauf bedacht, sich mit ihnen auszutauschen.
Der Beitrag heute schließt an den Artikel an, den ich vor drei Wochen über eine Debatte im Deutschen Bundestag geschrieben habe. Ich möchte die Parlamentsarbeit auf kommunaler, förderaler, bundesweiter und auf europäischer Ebene beobachten und suche dafür noch Mitstreiter*innen! Wer diese Arbeit also auch spannend findet, kann sich gerne bei mir (Carl-Niklas Lempert, freiwillige@pjr-dresden.de) melden! Hier steht dazu noch mehr.
Jean-Claude Juncker (l.) und Klaus Werner Iohannis (r.) begrüßen sich zu Beginn der Aussprache
Wie läuft die Debatte ab?
Nach der Begrüßung durch den Parlamentspräsidenten Antonio Tajani hält das rumänische Staatsoberhaupt eine recht ausführliche Rede. Darauf antwortet der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker, danach haben die Mitglieder des Parlaments die Möglichkeit, sich im Rahmen des sogenannten „Catch-the-Eye-Verfahrens“ zu Wort zu melden. Das „Catch-the-Eye-Verfahren“ ist ein Verfahren, welches regelt, in welcher Reihenfolge die Abgeordneten reden. Wenn ein Abgeordneter gerne etwas zum Thema sagen möchte, dann teilt er dies dem Präsidenten elektronisch durch einen Knopfdruck auf der Armatur des Abgeordnetenpultes mit. Der Präsident setzt ihn*sie dann auf die Redeliste, wobei er darauf achtet, dass die Verteilung der Redezeit nicht von einer bestimmten Fraktion ins Ungleichgewicht kommt. Bei diesem Verfahren gibt es also vermehrt spontane Wortmeldungen.
Die Debattenbeiträge sind hier in Originalsprache zu lesen, und hier kann man die gesamte Aussprache mit Simultanübersetzung zu Deutsch, in Originalsprache oder anderen Sprachen als Video anschauen. Wer sich einzelne Redebeiträge ansehen will, kann dies hier tun. Die hier erwähnten Redebeiträge sind zusätzlich noch im folgenden Text verlinkt.
Die Rede von Rumäniens Präsident
Nachdem er also vom Parlamentspräsidenten begrüßt wurde, nimmt sich Klaus Werner Iohannis (PNL; Rumänien), bevor er zu reden beginnt, noch die Zeit dem Kommissionspräsidenten die Hand zu schütteln. Dann erst geht er zum Rednerpult. Das Rednerpult im EP wird nur sehr selten genutzt. Normalerweise reden die Mitglieder des Parlaments von ihren Plätzen aus. Doch dies ist einer der seltenen Momente, in denen es verwendet wird.
Iohannis‘ Rede beginnt damit, dass er einige Krisen aufzählt, die die Zusammenarbeit in der EU in den letzten Jahren bestimmt haben. Durch Finanz- und Wirtschaftskrise, Migration und populistische Bewegungen wurde die Arbeit in der Union erschwert. Iohannis betont, dass Europa eine gemeinsame Vision entwickeln muss, die sich auf gemeinsame europäische Werte, Prinzipien und Interessen stützt. Er plädiert weiterhin auch dafür, dass niemand, also kein*e Bürger*in und kein Mitgliedsstaat, zurückgelassen werden darf. Das heißt, die Europäische Union soll einheitlich handeln, und ein Europa der „unterschiedlichen Geschwindigkeiten“ oder der „konzentrischen Kreise“ wäre keine Lösung. Er zitiert einen Ausspruch von Juncker, dass Europa neuen Schwung brauche, für den Europa mit beiden „Lungenflügeln“ Luft holen muss, mit dem westlichen und dem östlichen. Iohannis ergänzt aber, dass Europa ein gemeinsames Herz habe, welches für uns alle schlägt. Die Bürger*innen sollten sich als Europäer*innen verstehen. Für die Präsidentschaft Rumäniens im Rat der EU werde er sich dafür einsetzen, dass die Bürger*innen an der Gestaltung der Zukunft der EU beteiligt sind. Für die Zukunft ist ihm klar, dass es keine EU ohne den Binnenmarkt und seine vier Grundfreiheiten (Freier Warenverkehr, Personenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit, Freier Kapital- und Zahlungsverkehr) geben kann.
Ein Zukunftsthema für die EU sei die Digitalisierung. Die EU solle sich darum bemühen, dass Europa Vorreiter in der technologischen und digitalen Revolution werde. Gerade aus der rumänischen Perspektive ist das wichtig, denn im Bereich der Digitalisierung hat Rumänien einen sehr fortschrittlichen Sektor. Beim Thema Sicherheit und Migration muss die EU aber auch eine Strategie entwickeln. Für die Entwicklung der Union sei es wichtig, dass sie weiter an Mitgliedern wachse, denn je größer die EU sei, desto stärker sei sie. Die Erweiterung der Union muss Notwendigkeit bleiben, auch um die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung von Nachbarstaaten zu stärken. Dadurch kann Europa auch stärker als globaler Akteur auftreten.
Zum Schluss stellt sich Iohannis hinter den Grundsatz „in Vielfalt vereint“. Außerdem betont er: „Europa ist Rumänien und Rumänien ist Europa.“
Die Antwort der Kommission
Jean-Claude Juncker (CSV/PCS; Luxemburg) antwortet als Präsident der Kommission. Juncker betont zu Beginn sehr intensiv, dass er zum einen den rumänischen Präsidenten gut kennt und auch persönlich sehr mag, zum anderen, dass Rumänien ein sehr wichtiger Mitgliedsstaat ist. Die EU wäre ohne Rumänien nicht vollständig, zum Beispiel da Rumänien auf europäischer Ebene oft mutiger vorangeht als so manch anderer Mitgliedsstaat, der schon länger Mitglied der EU ist. Juncker plädiert dafür, dass Rumänien schnell Mitglied des Schengenraums werden soll, nämlich noch bevor Rumänien den Vorsitz des Rates übernimmt. Kritik äußert Juncker auch: Er drängt darauf, dass in Rumänien ein Konsens gegen Korruption und für Rechtsstaatlichkeit entsteht, vor allem in Regierung und Parlament. Wenn dies nicht passieren würde, würde es der Kommission schwerfallen, den Beitritt zum Schengenraum vorzuschlagen.
Stimmen aus dem Parlament
Als erster Vertreter des Europäischen Parlaments spricht Manfred Weber (CSU; Deutschland) für die „Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) und europäischer Demokraten“ (PPE). Weber begrüßt die gute wirtschaftliche Entwicklung, die Rumänien in den letzten Jahren hatte. Trotzdem kann man, wenn man von Rumänien spricht, nicht von einer geeinten Europäischen Union sprechen, da die Lebensstandards zwischen Rumänien und zum Beispiel Luxemburg sehr unterschiedlich sind. Um Europa zu einen müssten die Lebensstandards angeglichen werden. Außerdem will er mehr in Osteuropa investieren, indem zum Beispiel große Forschungsprojekte in Osteuropa stattfinden. Studieren im Osten Europas müsste auch attraktiver werden. Weber unterstützt Iohannis, da dieser für ein modernes und demokratisches Rumänien ohne Korruption stehe.
Weber spricht auch die anstehenden Europawahlen an, die unter der Ratspräsidentschaft von Rumänien stattfinden werden. Weber wirbt dafür, dass die demokratischen Parteien stärker ihre Unterschiede deutlich machen, um Perspektiven für der EU aufzuzeigen.
Danach spricht der Vorsitzende der „Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa“ (ALDE), Guy Verhofstadt (Open Vld; Niederlande). Verhofstadt beschreibt, dass er in Sorge über den Zustand der rumänischen Demokratie ist. „Dubiose Reformen“ seien eine Gefahr für sie. Er ruft dazu auf, dass der Präsident mit der Regierung zusammenarbeitet, um ein Abdriften in eine illiberale Richtung zu verhindern. Rumänien spielt eine wichtige Rolle, um dies in ganz Europa zu verhindern.
Verhofstadt ruft dazu auf, dass Europa sich stark und selbstbewusst zeigt. So ist er unzufrieden, dass die europäischen Außenminister zum Fall Kashoggi bloß eine „weiche Erklärung“ verabschieden, anstatt eines europäischen Waffenembargos.
Nun spricht Ska Keller (B90/Grüne; Deutschland), eine der Fraktionsvorsitzenden der Fraktion „Die Grünen/Europäische Freie Allianz“ (Verts/ALE). Keller will ein Europa mit gemeinsamen Werten, Demokratie, Bürger*innenrechte und Freiheit und keines mit Nationalismus und Regierungen, die die europäische Demokratie gefährden. Sie kritisiert den Umgang der amtierenden rumänischen Regierung mit Demonstrierenden, die eben diese kritisiert haben. Sie appelliert an den rumänischen Präsidenten, dass er voran gehen und alle Parteien zum Handeln gegen Korruption etc. bewegen soll. Er muss als Vorbild fungieren, so Keller.
Tania González Peñas (Podemos; Spanien) von der „Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordischen Grünen Linken“ (GUE/NGL) redet nun. Peñas sagt, dass der Präsident im rumänischen Wahlkampf den Menschen versprochen hat, dass er gegen Korruption vorgehen werde. Sie fordert ihn dazu auf, sich stärker dafür zu engagieren und seine verfassungsgemäßen Aufgaben diesbezüglich zu nutzen. Es solle sich stärker für Demokratie positionieren und dagegen, dass Rumänien ähnlich wie Ungarn oder Polen in die Illiberalität abrutscht. Iohannis soll standhaft bleiben, indem er sich gegen undemokratische Tendenzen in der Regierung stellt.
Nach Peñas spricht Rosa D'Amato (M5S; Italien) für die Fraktion „Europa der Freiheit und der direkten Demokratie“ (EFDD). D’Amato führt aus, dass sie, wenn sie an Rumänien denkt, zuerst an die Rumän*innen in ihrem Land Italien denken muss. Danach denkt sie an die Probleme wie Korruption. Sie will nicht den Lehrmeister spielen, denn Korruption ist auch anderswo ein Problem. Korruption sei der schlimmste Diebstahl. D’Amato verteidigt ausführlich die Politik ihrer Partei in Rom, was jedoch nicht das Thema der Aussprache zu sein scheint, weshalb ich dies hier nicht darlege.
Antwort des Präsidenten
Nachdem noch einige andere Abgeordnete sprechen, hat Iohannis die Möglichkeit zu antworten. Vorher weist der Parlamentspräsident darauf hin, dass der Gegenstand der Debatte die Zukunft der EU sei, und nicht die Lage in Rumänien.
Der rumänische Präsident bedankt sich zunächst bei den Abgeordneten, die sich geäußert haben. Verschiedene Aspekte wurden angesprochen und ihm liege der Aspekt, wie die Lage in Rumänien aussieht, besonders am Herzen. Die Demokratie in seinem Land sei im Aufbau und im Wandel, seitdem es sich von der sozialistischen Diktatur befreit hat. Für ihn sei klar, dass Rumänien ein Rechtstaat, ein demokratischer Staat ist. Die Demokratie lebt, so Iohannis. Er ist fest entschlossen, die demokratischen und rechtstaatlichen Werte zu verteidigen. Ihm ist wichtig, dass der harte Kampf gegen Korruption weiter gekämpft werde. Er werde sich für ein demokratisches und europäisches Rumänien einsetzen.
Zur unmittelbaren Zukunft Europas äußert sich Iohannis zum Thema Brexit. Sein Ziel sei es eine Einigung mit Großbritannien zur erzielen und dann gut mit dem Inselstaat zusammenzuarbeiten. Bei den Verhandlungen habe er wahrgenommen, dass die übrigen Mitgliedsstaaten sehr geschlossen und einheitlich agierten. Deshalb sei die Einheit Europas kein Luftschloss, sondern in manchen Bereichen bereits gegeben. Für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR), dem Haushalt der EU, ist ihm wichtig, dass es zu einer Einigung zwischen Parlament, Rat und Kommission kommt. Er schließt sich der Position des Parlaments an, den Haushalt aufzustocken. Ein Thema, wofür eine europäische Lösung nötig ist, ist die Migrationspolitik. Die EU darf nicht mehr auf Krisen reagieren, sondern muss Krisen verhindern oder zumindest vorbeugen.
Beim EU-Sondergipfel in Sibiu (Hermannstadt), Rumänien möchte Iohannis Denkanstöße für die Zukunft der EU geben und damit nicht nur europäische Politiker*innen erreichen, sondern auch die Bürger*innen der Europäischen Union.
Fragen und Appelle aus dem Parlament
Im Folgenden melden sich viele Abgeordnete zu Wort, die entweder eine sehr konkrete Frage an den Präsidenten haben, oder ein kurzes Statement zu verschiedenen Themen abgeben. Die Redebeiträge sind eher kürzer. Zwei Redebeiträge möchte ich vorstellen.
Zunächst der Beitrag des Abgeordneten Marek Jurek (Prawica Rzeczypospolitej; Polen) der „Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer“ (ECR). Jurek betont, dass Rumänien wichtig für die Sicherheit der EU ist. Es sollte vermieden werden, dass man Sicherheitsstrukturen verdoppelt. Er widerspricht Verhofstadt, der meint, dass bei Ratsentscheidungen das Mehrheitsprinzip, nicht das Prinzip der Einstimmigkeit, gelten sollte. Jurek ist der Meinung, dass dann Entscheidungen zu Ungunsten von Staaten wie Rumänien getroffen werden, weil Rumänien östlicher als die meisten Länder der Union liegt. Die Region liege nicht im natürlichen Sicherheitsinteresse der westlich gelegenen Staaten.
Später redet die Abgeordnete Claudia Țarpadel (PSD; Rumänien) der „Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament“ (S&D). Sie fordert Iohannis dazu auf, sich proaktiv dafür einzusetzen, dass Rumänien in den Schengenraum aufgenommen wird, um damit eine „große Ungerechtigkeit“ zu beseitigen. Laut ihrer Meinung hat der Präsident heute konstruktive Botschaften gesendet, indem er sagte, dass er sich für Unschuldsvermutung, Grundrechte und anderes einsetzt. Dies soll er aber auch in Rumänien tun, und nicht nur vor dem Europäischen Parlament sagen.
Nach vielen weiteren Beiträgen bekommt Präsident Iohannis noch einmal das Wort. Er bedankt sich für Rumänien wertschätzende Worte und alle konstruktive Kritik. Eine andere Form von Kritik sei im Europäischen Parlament schwer vorstellbar, so Iohannis. Er ruft zu inhaltlichem intensivem Austausch auf. Auf die sehr detaillierten Fragen will er aber nicht in diesem Kontext antworten, verspricht dafür allen Abgeordneten, die eine Frage gestellt haben, eine schriftliche Antwort.
Er hat die Vision, dass die EU außenpolitisch ein stärkeres Gewicht bekommt, dabei soll sie sich einerseits für die Wahrung und Respektierung der Vielfalt einsetzen und andererseits geschlossen vorgehen. Er will mit den Bürger*innen Antworten auf die entscheidenden Fragen finden und damit der EU eine Zukunft geben.
Schluss der Debatte
Damit schließt die Aussprache über die Zukunft der Europäischen Union. Aus den Redebeiträgen lässt sich leider keine gemeinsame Position der Fraktionen herausfiltern. Das liegt daran, dass sich im Europäischen Parlament die Situation folgendermaßen gestaltet: Es gibt insgesamt acht Fraktionen und einige fraktionslose Abgeordnete. Die einzelnen Fraktionen bestehen aus den Abgeordneten der nationalen Parteien aus verschiedenen Mitgliedsstaaten. So kommt es, dass man zum Beispiel in der konservativen Fraktion „PPE“ die Abgeordneten der deutschen CDU findet, aber auch die der ungarischen Fidesz-Partei, also der nationalkonservativen rechtspopulistischen Partei Orbáns. Die Fraktionen sind also Sammelbecken von sehr unterschiedlichen Parteien, sodass es sehr schwierig ist, zu bestimmten Themen einheitliche Positionen der Fraktionen zu finden. Deshalb verzichte ich diesmal darauf zu versuchen, die Positionen der Fraktionen zusammenzufassen.
Die Aussprache fand, wie im Europäischen Parlament üblich, auf den 24 Amtssprachen der Europäischen Union statt. Um die Beiträge auf den mir nicht bekannten Sprachen mit einzubeziehen, habe ich den Verdolmetschungsdienst des Europäischen Parlaments benutzt, welcher keine authentische Aufzeichnung der Verhandlungen darstellt.
Ausblick
Das nächste Mal wird es um eine Debatte im Sächsischen Landtag gehen. Das Thema steht noch nicht fest. Wenn ihr Wünsche habt, dann lasst es mich wissen. Und wenn nicht, gilt: Lasst euch überraschen!
Letztes Wochenende habe ich an einer interessanten und beindruckenden Veranstaltung in Dresden teilgenommen. In Rahmen des Programms zum Thema politische Bildung vom Riesa Efau gab es in der Elbestadt eine Tagung, die sich mit Geschlechterdemokratie und Feminismus beschäftigt hat: Einmischen+Mitmischen.Querschnitt feministischer Perspektiven. Da ich mich für solchen Themen interessiere und dafür in Spanien viel engagiert habe, war die Entscheidung meinen Samstag dort zu verbringen einfach zu treffen. Außerdem denke ich, dass es wichtig ist, neue Ideen zu bekommen, seinen Horizont zu erweitern und die eigene demokratische Perspektive zu stärken.
Ein Vormittag voller neuen Perspektiven
Der Vormittag hat mit einer herzlichen Begrüßung von Seiten der Organisator*innen angefangen. Gleich nach unserer Einführung wurde ein sehr gut vorbereiteter Vortrag von der Soziologin Julia Haas gehalten, die gerade in Köln forscht. Unter dem Titel Sexismuskritik von Rechts. Ein Blick auf die derzeitige Strategie ging es um neue rechte Akteurinnen und Aktivistinnen der Identitären Bewegung, beziehungsweise um die Art und Weise, in der diese Akteurinnen das Thema der Sexismuskritik aufgreifen und inwiefern es eine Veränderung der traditionellen Rollenbilder von Frauen in den Bewegungen der extremen Rechten gibt. Trotz der zahlreichen Forschungsarbeiten zum Thema Frauen und rechtsextremen Bewegungen war der Input und die Brücke zwischen früheren und heutigen Theorien deutlich erklärt. Persönlich interessant fand ich die Analyse von Äußerungen und Strategien in sozialen Netzwerken, eigentlich war dies ein Augenöffner. Infolgedessen hat sich eine ausgiebige Diskussion zum Thema entsponnen und dazu gab es einen lebhaften Austausch.
Nach der Kaffeepause kam die zweite Veranstaltung des Tages: ein Vortrag von Sabine Drewes aus der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Wie gestalten Frauen* ihre Städte? Das Genderranking im Praxis-Check war eine Einführung ins Thema Frauen und Kommunalpolitik durch die Vorstellung eines Rankings, das von der Stiftung erstellt und durchgeführt wurde. Schließlich hat die Moderatorin Karin Luttman zwei Stadträtinnen – Ines Kummer aus Freital und Gesine Märtens aus Leipzig – begrüßt und die darauffolgende Podiumsdiskussionsmoderiert. Das Publikum hat sich beteiligt, viel mitgemacht und neue Diskussionspunkte vorgeschlagen.
Zeit für Workshops!
Der Nachmittag war der schwierigste Teil der Tagung für mich, weil es parallele Veranstaltungen gab und das heißt, je mehr Angebote es gibt, desto mehr spannende Optionen existieren, die ich auf keinen Fall verpassen will. Am Ende habe ich ein Workshop zum Thema Trans*mysoginie mitgemacht. Die Veranstaltung wurde von einer aus Berlin gekommenen Referentin geleitet. Die Workshop-Leiterin, die Musikerin und Aktivistin FaulenzA, definierte den Begriff Trans*mysoginie als die systematische Diskriminierung gegen Transweiblichkeiten und die Intersektion von Transfeindlichkeit und Frauenfeindlichkeit oder Sexismus. Mit konkreten Beispielen hat sie das Thema veranschaulicht und eine angenehme Einführung ermöglicht. Sie hat nicht nur über die generelle Situation in unserer Gesellschaft geredet, sondern auch über die sogenannten „safe spaces“ und feministischen Räumen, in denen Trans*mysoginie erstaunlicherweise noch existiert. Es wurden auch konkrete Tipps und Unterstützungsmöglichkeiten gegeben und nach dem Workshop ergab sich eine inhaltsvolle Diskussion über Themen, die mit Transfeindlichkeit und Trans*mysoginie zu tun haben, wie zum Beispiel die Repräsentation von Trans* Menschen in Filmen oder die Situation von Trans* Menschen in Deutschland.
Als Zusammenfassung würde ich sagen, die Tagung hat mir neue Kenntnisse gebracht und spannende Bildungsperspektiven geöffnet. Ich freue mich darüber, dass ich einen deutlichen Einblick zu solchen Themen im deutschen Bildungskontext bekommen habe.
Hier gibt es noch einen Videostream der Konferenz, klickt rein!
Der Europäische Freiwilligendienst wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.
Aktuelle Stunde zu notwendigen Maßnahmen zur Einhaltung des 1,5-Grad-Klimaziels im Deutschen Bundestag
Liebe Leser*innen,
am Mittwoch, dem 10.10.2018 fand auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eine sehr engagierte Debatte zum Thema Klimawandel im Rahmen einer Aktuellen Stunde statt. Die Aktuelle Stunde ist ein Format im Bundestag, in dem über Themen von allgemeinem aktuellem Interesse diskutiert werden kann, ohne dass ein Beschluss oder ähnliches dabei entstehen soll. Der Titel der Aktuellen Stunde zielt auf den am 08. Oktober veröffentlichten Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) ab. Der Weltklimarat ist ein Unterorgan der Vereinten Nationen und hat das Ziel, die Regierungen über den neuesten Forschungsstand über den Klimarat zu informieren. Dabei soll er keine Handlungsempfehlungen abgeben. Zwei der medial stark beachteten Erkenntnisse des Berichts waren dabei erstens, dass es technisch möglich ist, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und zweitens, dass der Unterschied zwischen 1,5 Grad Erderwärmung und 2 Grad Erderwärmung signifikant wäre, da mit weit mehr Katastrophen wie Überschwemmungen, Unwettern etc. zu rechnen sei. Im Pariser Klimavertrag wurde eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf 2 Grad beschlossen. Doch nach dem Sonderbericht gibt es Debatten, dass man die Erderwärmung doch auf 1,5 Grad begrenzen sollte.
Ich werde von jeder Fraktion sowie von der zuständigen Ministerin je einen Redebeitrag kurz darlegen. Die Redebeiträge habe ich nach meinem Ermessen ausgewählt, welche ich am eindrücklichsten fand. Am Ende kommt noch eine kurze Zusammenfassung, wie die grobe Position der Parteien zum Thema ist. Wer sich die Debattenbeiträge selbst anschauen will, kann auf die Namen der Redner*innen klicken. Für die gesamte Aktuelle Stunde bitte hier klicken, für das Wortprotokoll hier klicken.
Die Aktuelle Stunde
Eröffnet wurde die Aktuelle Stunde durch die antragsstellende Fraktion, also B90/Die Grünen, die durch Oliver Krischer vertreten war. Krischer prangerte an, dass die Bundes- und die NRW-Landesregierung nicht im Interesse der Wähler*innen handeln würde. Laut ihm würden verschiedene Umfragen darauf hindeuten, dass drei Viertel der Bevölkerung für einen schnellen Kohleausstieg wären, aber in den Parlamenten säße ein „fossiles Einheitskartell“ aus CDU, SPD und FDP, das den Kohleausstieg blockiert. Er wirft ihnen vor, im Interesse von Konzernen wie RWE zu handeln. Eine deutsche Bundesregierung müsse den Schutz des Klimas ins Zentrum ihres Handelns rücken, schon allein aus Eigeninteresse, weil durch den Klimawandel zum Beispiel Küstenstädte, aber auch die Landwirtschaft durch Dürreperioden bedroht sind. Weiterhin solidarisierte er sich mit den Demonstrierenden im Hambacher Wald. Er sagte außerdem, dass die Regierung nicht nur beim Kohleausstieg versage, sondern genauso auch in anderen Bereichen. Für ihn sei es unhaltbar, dass Deutschland zusammen mit den rechtspopulistischen Regierungen in Polen und Ungarn verhindere, dass die EU ambitionierte CO2-Grenzwerte für Autos beschließe. Er endet mit dem Aufruf, dass man auch handeln und nicht nur „Sonntagsreden“ schwingen solle.
Nach der anschließenden Rede einer CDU-Abgeordneten und eines AfD-Abgeordneten folgt die Rede der zuständigen Bundesministerin für Umwelt, Svenja Schulze (SPD). Frau Schulze stellte heraus, dass der Bericht des IPPC einerseits ein „Weckruf“ sei, andererseits aber auch Mut mache, weil es noch nicht zu spät zum Handeln, sondern noch zu schaffen sei. Dazu habe auch Deutschland seinen Beitrag geleistet, weil in Deutschland bisher innovative Umweltpolitik betrieben wurde, sodass hier viele Innovationen entstehen konnten. Auch sie betonte die Verantwortung zum Handeln, die jetzt gegeben sei. Für sie sei klar, dass sie die Klimapolitik verbindlicher werden müsse. In der Causa Hambacher Forst äußerte Frau Schulze klare Kritik an der schwarz-gelben Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Diese hätte eine Eskalation verhindern müssen. Sie wollte, dass die Rodung des Walds gestoppt wird, solange in der Kohlekommission über den Kohleausstieg beraten wird. Doch die Landesregierung hätte darauf keine Rücksicht genommen. Sie kritisierte auch den Koalitionspartner, da sie sich wegen ihres Widerstands in den Verhandlungen in Luxemburg über die CO2-Grenzwerte für keine ambitionierteren Ziele einsetzen durfte. Gleichzeitig seien die beschlossenen 35 % Verminderung der Emissionen auch ein Fortschritt, da vielleicht keine bessere Einigung mit Regierungen wie in Polen und Ungarn möglich gewesen wäre. Sie rief dazu auf, dass Deutschland in Zukunft in Umwelt- und Klimafragen international wieder vorangehen solle und zum Beispiel ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz beschließe.
Gleich darauf antwortete Dr. Lukas Köhler für die FDP-Fraktion. Er kritisierte die Ministerin, dass sie hier ihre persönliche Meinung darlegte, aber keine gemeinsame Strategie der Bundesregierung zu bieten hätte. Für ihn ist es auch nicht verständlich, wie bisher gegen den Klimawandel vorgegangen wurde. Ihm sei zum Beispiel nicht klar, was die Grenzwerte gegen den Klimawandel genau gebracht hätten. Es sei möglich, dass 2027 genau die gleiche Debatte stattfinden würde, weil wieder ein „Rebound-Effekt“ eintreten könnte. Er hält das „Geschacher“ um CO2-Grenzwerte für „totalen Nonsens“. Köhlers Vorschlag zur Begrenzung der Erderwärmung ist ein globaler Emissionshandel. Laut ihm lebt bereits ein Drittel der Weltbevölkerung in Ländern, die Emissionshandel betreiben. Ihm sei klar, dass es schwierig ist, einen globalen Emissionshandel zu etablieren, aber es sei genauso unrealistisch, dass die Menschen ihr Verhalten plötzlich radikal ändern würden beziehungsweise, dass sie die radikalen Veränderungen hinnehmen würden.
Darauf antwortet der Abgeordnete der Fraktion Die Linke Lorenz Gösta Beutin. Ihn als Kieler betrifft der Bericht persönlich, da laut dem Bericht drei Millionen Menschen an Nord- und Ostsee in ihrer Lebensgrundlage bedroht sind. Deshalb ist er den Menschen, die sich seit Jahren gegen RWE und die Kohlepolitik im rheinischen Revier einsetzen, dankbar. Außerdem betont er, dass die aktuell ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen würden, um die Erderwärmung überhaupt auf zwei Grad zu begrenzen. Für ihn ist es sehr ungerecht, dass in globaler Sicht diejenigen, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, am meisten darunter leiden. Er denkt, dass man den Klimawandel nur stoppen kann, wenn sich auch die Art des Wirtschaftens ändert. Das Konsumverhalten müsse sich ändern, was nur durch eine solidarische und gerechte Wirtschaftsordnung möglich sei.
Dr. Anja Weisberger (CSU) betont wiederum, dass bereits viele Maßnahmen durchgeführt sind, und auch weiterhin auf dem Weg sind. Sie wirft den Grünen vor, dass sie Unwahrheiten verbreiteten, indem sie behaupteten, dass nichts gemacht werden würde. Die Maßnahmenpläne in den zuständigen Ministerien seien in Arbeit, so wie das Klimaschutzgesetz. Ihre Idee zum Klimaschutz ist es auch, weniger auf Verbote sondern mehr auf Anreize zu setzen, weil man so die Menschen besser mit ins Boot holen könne. Für sie sei der „Schulterschluss zwischen Staat, Wirtschaft, Umweltverbänden und Zivilgesellschaft“ essentiell für das „Gelingen des nationalen Klimaschutzes“. Dies gelte auch im Bereich Kohle, wo sie für einen sanften Übergang plädiert, um die Energieversorgung nicht zu gefährden und um Strukturbrüche zu vermeiden. Ähnlich führt sie es beim Thema Verkehr und CO2-Grenzwerte für Autos aus.
Darauf kommt die Rede des AfD-Abgeordneten Dr. Rainer Kraft. Er sieht eine Diskrepanz zwischen den Reden der Grünen und dem Handeln der ehemaligen rot-grünen Landesregierung. Diese hatte nämlich in ihrer Amtszeit die Gebiete der Tagebaue festgelegt, wo auch der Hambacher Forst dazu gehört. Kraft kritisiert auch, dass die Naturschutzorganisation BUND für den Hambacher Forst für Gericht zieht, jedoch wenn Wald für Windkrafträder abgeholzt wird, würde dies nicht von Interesse sein. Weiterhin behauptet er, dass die Windenergie in deutschen Wäldern insgesamt weit unter der Stromproduktion des rheinischen Kraftwerks Niederaußem zurückliegt. (Mir liegen andere Daten vor, deshalb empfehle ich, diese Aussage mit Vorsicht zu genießen.) Kraft berichtet im Gegensatz zu seinen Vorredner*innen weniger über die Aussagen des Weltklimarats zum Thema Klima, dafür aber ausführlich darüber, dass der IPCC sich intern auch mit Themen wie Geschlechtergerechtigkeit beschäftigt. Damit sollte sich das Gremium nicht beschäftigen, meint Kraft. Weiterhin wundert er sich, dass Stickoxiden in der Forschung zwar eine wichtige Rolle zugeschrieben wird, die Reduktion an Stickoxiden sei aber nicht in den Klimastatistiken zu finden. Kraft spricht von Ökopopulismus, Klimavoodoo und Erlösersekten. Ihm liegen keine Daten vor, dass bisherige Klimapolitik schon direkte Auswirkungen auf die Temperatur gehabt haben, sodass er diese für nicht sinnvoll hält.
Danach kommen Beiträge von Abgeordneten der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU, worauf die Rede von Dr. Nina Scheer (SPD) folgt. Scheer arbeitet sich sehr an der Rede von Herrn Köhler von der FDP ab. Zuvor spricht sie aber davon, was die Folgen wären, wenn man jetzt nicht konsequent das Klima schützt, zum Beispiel die Problematik Klimaflucht. Sie versucht, das Argument, dass bei einem zu schnellen Kohleausstieg Arbeitsplätze gefährdet sind, zu entkräften, indem sie darauf verweist, dass bisher 320 000 Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren entstanden sind, denen 30 000 Arbeitsplätze in der Braunkohle gegenüber stehen. Im Zwischenruf aus der FDP wird Scheer vorgeworfen, mit falschen Zahlen zu arbeiten, was sie abstreitet. Sie sieht auch wirtschaftlich im Klimaschutz eine große Perspektive.
Danach kommen noch zwei Reden von Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD, woraufhin die Aktuelle Stunde beendet wird.
Zusammenfassung
Die Reden sind insgesamt recht engagiert, auch emotional und teilweise polarisierend. Herr Krischer (B90/Die Grünen) hat zu Beginn sehr engagiert geredet, und, wie man es vielleicht auch von den Grünen erwartet, die Bundesregierung kritisiert, dass sie nicht genug macht. Das Gegenstück zu Krischer scheint Köhler (FDP) zu sein. Dieser hat mindestens ebenso leidenschaftlich geredet, jedoch möchte er vermeiden, dass Deutschland allein handeln muss, er ist nur bereit global mit einem Emissionshandel zu agieren. Die Linke hat sich in der Nähe der Grünen positioniert, wobei sie einen anderen Aspekt mit hereingebracht haben: Sie plädieren dafür, das Wirtschaftssystem zu ändern, sodass weniger auf Konsum abgezielt wird. Die AfD versucht in der Debatte zu polarisieren, indem sie mit Begriffen wie „Klimavoodoo“ arbeitet. Der Schutz des Klimas steht dabei offensichtlich weniger im Mittelpunkt. Die CDU/CSU ist sich sicher, dass bereits viel getan wird und dass man sich nicht zu viele Sorgen machen muss, weil auch viele weitere Maßnahmen auf dem Weg sind. Und zuletzt die SPD: Sie will eigentlich jetzt, gerade nach dem Klimabericht, mehr für das Klima tun. Doch sie befindet sich in der misslichen Lage, einen Koalitionspartner zu haben, der da anderer Meinung ist. So wirkt die SPD ein wenig unsicher, und Ministerin Schulze muss zu einem Treffen der europäischen Umweltminister*innen fahren, um dort eine Position zu vertreten, die sie nicht teilt. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht in der nächsten Regierungskrise endet.
Nach vielen Monaten der Planung mit der Stadt Dresden und fünf Dresdner Gymnasien waren vom Sonntag, dem 23. September, bis zu Dienstag, 02. Oktober, 21 Schüler*innen aus der Stadt Tel Mond im Norden Israels in Dresden zu Gast. Sie waren untergebracht bei 20 Dresdner Schüler*innen, die von fünf verschiedenen Schulen kommen: vom St.-Benno-Gymnasium, Berthold-Brecht-Gymnasium, Romain-Rolland-Gymnasium, Vitzthum-Gymnasium sowie vom Kreuzgymnasium. Nachdem nun das Programm in Dresden geschafft ist, steht im Februar 2019 der Gegenaustausch in Israel an. Doch von Anfang an:
Am Sonntagmittag kamen die Israelis mit dem Bus vom Prager Flughafen an. Bei 7 Grad Celsius kam bei allen gleich eine richtige Herbststimmung auf. Die Israelis hatten für den Nachmittag noch Zeit sich von der Reise auszuruhen und in den Gastfamilien anzukommen.
Am Montag ging das Programm dann los. In aller Frühe sind wir von den Schulen aus mit den Gastschüler*innen zum Theaterplatz gelaufen beziehungsweise gefahren, um von dort mit einer kleinen Stadtrundfahrt zu beginnen. Nachmittags hatte die Gruppe dann viel Zeit und Raum sich gegenseitig kennenzulernen. Es gab ein paar Kennlernspiele, Organisatorisches und – das wichtigste überhaupt – Kekse.
Dienstag lief ähnlich ab, auch hier waren wir vormittags nur mit den Israelis unterwegs, um nachmittags noch einen gemeinsamen Workshop zu haben. Wir sind nach Moritzburg gefahren, um mit der Lößnitzgrundbahn wieder zurückzufahren. Der Workshop am Nachmittag war von den Dresdner Schüler*innen vorbereitet und drehte sich um das Sächsische Schulsystem. Außerdem ging es um die Geschichte der DDR und um die Wiedervereinigung.
Am Mittwoch schließlich durften die Israelis die Deutschen in die Schule begleiten. Dort haben sie auch Israel als Land vorgestellt. Nachmittags haben wir, als Ergänzung zum Workshop vom Vortag, die Gedenkstätte Bautzner Straße besucht, wo die Stasi in der SED-Diktatur ihre politischen Feinde festhielt und drangsalierte. Um nach den bedrückenden Erfahrungen in der Gedenkstätte noch etwas gemeinsam zu machen, gab es dann noch ein Pizzapicknick an der Elbe.
Während des nächsten Tages konnten sich die Dresdener Schüler*innen wieder stark einbringen. Wir haben in drei Gruppen drei Stationen in Dresden aufgesucht, wofür die Deutschen jeweils einen kurzen Vortrag vorbereitet hatten. Zuerst waren wir im Unigebäude am Weberplatz 5, wo wir einiges über Victor Klemperer erfahren haben, der in der Weimarer Republik Professor an der TU Dresden war und auch unter dem Nazi-Regime leiden musste, weil er Jude war. Die zweite Station war die Neue Synagoge an der Carolabrücke. Hier ging es unter anderem um die Geschichte der alten Sempersynagoge und wie das Gemeindeleben in der Neuen Synagoge funktioniert. Die letzte Station war schließlich das ehemalige Judenlager Hellerberg sowie das Zentralwerk an der Zeithainer Straße. Hier mussten Juden Zwangsarbeit verrichten. Inzwischen ist an dem Ort die Zentralwerk Kultur- und Wohngenossenschaft Dresden eG ansässig, welche unter anderem mit einem Kulturverein den Gebäuden eine neue Bedeutung geben möchte.
Für den Freitag war ein kleiner Höhepunkt geplant: Wir durften eine Veranstaltung der Stadt Dresden besuchen, zu der ehemalige Dresdner*innen oder deren Nachfahren eingeladen waren, die aufgrund des Holocausts aus Dresden fliehen mussten. Die Menschen kamen teilweise von sehr weit her und es war sehr interessant sich mit ihnen auszutauschen. Danach haben wir Peter Stein getroffen. Sein Vater war Fotograf und musst vor dem Nazi-Regime fliehen. Wir haben mit Peter Stein eine Ausstellung im Stadtmuseum besucht, wo Fotos seines Vaters ausgestellt waren. Abends haben wir den jüdischen Gottesdienst in der neuen Synagoge besucht, wo auch viele von den Menschen vom Vormittag dabei waren. Anschließend hat die Jüdische Gemeinde zum Kiddusch geladen, wo auch der Oberbürgermeister mit dabei war. Beim Kiddusch gab es sehr leckeres Essen und die Möglichkeit Mitglieder der Gemeinde kennenzulernen.
Das Wochenende stand den Gastfamilien mit ihren Gästen frei zur Verfügung, sodass sie dies individuell nutzen konnten. Am Montag war schließlich schon unser letzter gemeinsamer Tag. Hier gab es noch einen Workshop zum Thema Populismus, wo die Schüler*innen sehr kontrovers diskutierten. Danach konnten die Schüler*innen das Nachhaltigkeitsprojekt Konglomerat e.V. in Dresden kennenlernen. Abends war schließlich noch der Abschiedsabend im Kinder- und Jugendhaus „Schieferburg“. Hier gab es lecker Suppe und jede Menge gute Stimmung. Außerdem hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich gegenseitig eine Postkarte zu schreiben, sodass am Ende für alle eine Postkarte geschrieben wurde. Die Postkarten haben wir mit ins Büro genommen und an die jeweilige Person verschickt.
Schließlich war es am Dienstagmorgen schon wieder so weit, dass wir uns von unseren israelischen Gästen verabschieden mussten. Die Israelis sind mit dem Bus nach Prag gefahren, um dann am Abend zurück nach Israel zu fliegen. Jetzt zählen Israelis und Deutsche schon die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis sie sich in Tel Mond im Februar wiedersehen!
Das war’s auch schon mit dem Bericht vom ersten Teil der Begegnung. Wer aber noch ein paar hübsche Bilder vom Austausch sehen möchte, kann auf unseren Instagram-Account schauen!