von ESK-Freiwillige | 05.05.2020 | Blog
Wie schon angekündigt, haben wir eine Serie angefangen, wo wir Online Bildungsspiele für euch ausprobieren und bewerten. Hier kommt die dritte Folge zum Spiel „Unionslabor“!
Was es ist:
„Unionslabor“ ist ein Onlinespiel für fünf Personen, in dem die Teilnehmenden in die Rolle eines*r Staatschefs*in eintauchen. Jede*r Spieler*in wird einem EU-Land zugeteilt und soll dieses Land durch die Geschichte der EU führen. Der/die Teilnehmende hat die Verantwortung die Lebensbedingungen in seinem*ihrem eigenen Land zu erhöhen – Wie werden die Länder zusammenarbeiten?
Wie es funktioniert:
Die Spieler*innen werden 50 Jahre zurückgeschickt – in die Zeit, als EU noch in ihren Kinderschuhen steckte. Das Ziel für die Teilnehmenden ist es, in den nächsten Jahrzehnten die Lebensbedingungen im eigenen Land innerhalb der drei Kategorien Wirtschaft, Zufriedenheit und Umwelt zu erhöhen. Um die Ziele zu erreichen treffen die Staatschef*innen politische Entscheidungen – allein auf der nationalen Ebene und gemeinsam auf EU-Ebene. Der/die einzelne Spieler*in kann selbst nationale Maßnahmen verabschieden, aber beim EU-Gipfel müssen sie mit den anderen Spieler*innen über Gesetze wie „freier Austausch von Waren“, „gemeinsame Währung“ und „starke Grenzkontrollen“ streiten. Nicht alle profitieren von jedem Gesetz. Die Spieler*innen müssen also zwischen den politischen Umständen der EU-Zusammenarbeit navigieren. Dabei treffen sie auch auf gemeinsame Herausforderungen wie Finanzkrisen und Klimakatastrophen.
Was wird vermittelt:
Bei „Unionslabor“ treffen die Spieler*innen auf Interessenskonflikten zwischen den einzelnen Akteuren. Um die Europäische Union zu entwickeln und aufrechterhalten, müssen gemeinsame Maßnahmen durchgeführt werden. Bei jeder Entscheidung gibt es aber Gewinner*innen und Verlierer*innen. Dadurch wird die Kompromissfähigkeit der Teilnehmenden auf die Probe gestellt. Das Spiel vermittelt weniger Wissen über politische Prozesse. Vielmehr fordert es von den Beteiligten demokratische Entscheidungen. Dennoch spiegeln die Interessenkonflikte im Spiel auch ganz gut die Konflikte zwischen den unterschiedlichen nationalen Interessen und dem gemeinsamen Projekt im EU-Zusammenhang wider.
„Unionslabor“ ist sehr leicht zugänglich. Die Anmeldung zum Spiel erfolgt durch einen Spielcode, den der/die Spielleiter*in erhaltet. Als Spielleiter kann man mehrere Spiele gleichzeitig initiieren, damit man es z.B. mit einer ganzen Klasse spielen kann.
Als Spieler*in durchspielt man zunächst eine lustige, spielvorbereitende Einführung, bevor das Spiel anfängt. Die Teilnehmenden werden im Laufe des Spiels gut durch das intuitive Spielfeld geleitet und man versteht schnell sowohl die möglichen Aktionen als auch die Ziele des Spiels.
Aufgrund des Spielaufbaus sind Interessenkonflikte zwischen den Teilnehmenden unumgänglich. Damit regt das Spiel zu Meinungsaustauschen an, die nur durch Kompromisse gelöst werden können. Deswegen ist das Spiel sehr gut geeignet, um demokratische Entscheidungsfähigkeit einzuüben.
Hier ein Link zum Spiel:
https://www.unionslabor.de/
Erscheinungsjahr: 2018
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 27.04.2020 | Blog
Spielrezension „New Shores“
Nachdem wir euch letztens das EDU-Game „Keep Cool“ vorgestellt haben, haben wir nun wieder ein Spiel getestet und möchten euch unsere Erfahrungen mitteilen. Diesmal handelt es sich um „New Shores – A Game for Democracy“.
Was es ist:
„New Shores“ ist ein Online-Spiel für mehrere Spieler*innen. Alle starten gemeinsam auf einer kleinen Insel, auf der sie verschiedene Rohstoffe finden. Jeder startet mit einem kleinen Haus, das zufällig auf der Insel platziert wird. Das Spiel ist rundenbasiert, d. h., ein/e Spieler*in hat eine bestimmte Anzahl an Aktionen pro Runde, und wenn alle Spieler*innen mit ihren Zügen fertig sind, gibt es eine kurze Auswertung der Runde und es startet die nächste. Ein vorgegebenes Spielziel gibt es nicht wirklich, es soll jedoch versucht werden, einen möglichst hohen Lebensstandard zu erreichen.
Wie es funktioniert:
Es gibt verschiedene Aktionen, die den Spieler*innen möglich sind. Sie können Bäume pflanzen, Früchte von Bäumen ernten, was ein wenig Geld gibt, sie können Bäume fällen, was schon mehr Geld bringt, oder sie können Kohle abbauen, was am meisten Geld einbringt, sich allerdings auch negativ auf die Umwelt auswirkt und dadurch das Risiko für Naturkatastrophen steigt. Mit dem Geld können dann Gebäude gebaut werden, entweder öffentliche, welche den Lebensstandard der gesamten Insel heben, oder private, welchen nur die eigene Lebensqualität steigern und einem mehr Aktionen für die nächste Runde bringen. Nach jeder Runde gibt es eine Auswertung, bei der man sehen kann, wie viel Geld die Spieler*innen für was ausgegeben haben, welche Naturkatastrophen die Insel heimgesucht haben und wie es um den Zustand der Wälder und des Klimas steht. Die Spieler*innen haben dann Zeit zu reflektieren und sich abzusprechen, bevor die nächste Runde startet.
Was wird vermittelt:
Das Spiel versucht nicht direkt etwas zu vermitteln. Vielmehr geht es darum, wie die Spieler*innen miteinander zusammenspielen. Am Anfang werden alle ihr eigenes Ding machen, viel abbauen, vielleicht mal ein wenig zum Gemeinschaftsprojekt beitragen. Nach ein paar Runden wird aber klar, dass man nicht dauernd nur abholzen und abbauen kann, sondern dass auch auf die Umwelt geachtet werden muss. Und wenn eine Naturkatastrophe das Krankenhaus zerstört, muss es wieder aufgebaut werden, also können nicht alle ihr Geld für Privates ausgeben. Es geht dann darum, untereinander zu kommunizieren (am besten per Headset bzw. im Gespräch) und Strategien und/oder Regeln auszumachen. Wie das allerdings geschieht, ist vom Spiel nicht vorgegeben. Dass müssen die Spieler*innen unter sich ausmachen.
Was unser Fazit ist:
Das Spiel zu starten ist sehr einfach. Der Administrator erstellt ein neues Spiel und schickt den Einladungslink und die Anmeldedaten per E-Mail an die Spieler*innen. Das Spiel ist ab einer Anzahl von 8 Spieler*innen empfohlen, allerdings hat es bei uns auch mit 4 Spieler*innen gut funktioniert. Der Administrator behält die Kontrolle über das Spiel, kann es pausieren und Runden vorzeitig beenden. Daher kann das Spiel gut von einer pädagogischen Fachkraft begleitet werden. Das würden wir auch empfehlen, da das Spiel von sich aus keine Hilfestellung gibt und der Lerneffekt sonst verloren gehen könnte. Doch mit der richtigen Begleitung kann eine ganze Menge über demokratisches Zusammenleben, Solidarität und Nachhaltigkeit vermittelt werden. Die Spieler*innen werden mit der Zeit mitbekommen, dass man miteinander kommunizieren muss, aber sie selbst entscheiden wie. Entscheiden alle gemeinsam, wird eine*r gewählt der bestimmen darf? Alles ist möglich. Es können auch Spieler*innen bestraft werden, die sich nicht an die Regeln halten, in dem man demjenigen/derjenigen Aktionspunkte wegnimmt. Somit ist die Gestaltung der Insel den Spieler*innen überlassen, aber es gilt auf die Umwelt zu achten, ansonsten werden Rohstoffe und damit Geld knapp. Daher ist es wichtig, die Auswertungen nach jeder Runde intensiv zu nutzen und sich abzusprechen.
Das Spiel ist allerdings durchaus zeitaufwändig und kann gerne mal zwei oder mehr Stunden dauern, vor allem, wenn man einen ersten Durchlauf durchführt, diesen dann reflektiert und danach noch einen zweiten durchzuführen möchte, um den Lerneffekt zu verstärken. Sollte der zeitliche Rahmen allerdings vorhanden sein, lohnt sich dieses Spiel auf jeden Fall zur Vermittlung basisdemokratischer Kompetenzen.
Hier geht es zum Spiel:
https://newshores.socialsimulations.org
Erscheinungsjahr: 2017
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 30.03.2020 | Blog
Wir starten eine neue Serie: Wir wollen verschiedene Bildungsspiele für euch testen und ausprobieren. Als erstes haben wir uns das Onlinespiel „Keep Cool“ vorgenommen.
Was es ist:
„Keep Cool“ ist ein Onlinespiel für mehrere Spieler*innen. Jede:r wird Bürgermeister*in in einer von 50 großen Städten der Welt und muss einerseits die Wirtschaft ankurbeln, um Geld zu bekommen, gleichzeitig aber auch die Klimafreundlichkeit seiner Stadt im Auge haben und Bürger*innenanliegen wahrnehmen, um Siegpunkte zu erhalten, mit denen man am Ende gewinnt.
Wie es funktioniert:
Der/Die Bürgermeister*in hat nun die Wahl, ob er klimaschädliche oder klimafreundliche Fabriken baut. Die klimaschädlichen sind zwar deutlich profitabler, allerdings belasten diese auch das Weltklima und beeinflussen somit alle. Somit müssen die Bürgermeister*innen auf der einen Seite die Bürger*innen der eigenen Stadt zufriedenstellen, aber auch mit den anderen Spieler*innen zusammenarbeiten, um den Klimawandel zu stoppen. Dafür werden Klimakonferenzen einberufen, auf denen für ein Klimaschutzvorhaben abgestimmt werden kann. Alle müssen also kooperieren, denn sonst suchen immer häufiger Umweltkatastrophen die Städte der Welt heim und sorgen für riesigen wirtschaftlichen Schaden, was das verfügbare Spielgeld minimiert.
Was wird vermittelt:
Die Spieler*innen begreifen schnell, dass sich ein Spannungsfeld zwischen dem wirtschaftlichen Erfolg und dem Klimaschutz auftut. Klar wollen alle am Anfang klimafreundliche Fabriken bauen, allerdings merken sie auch schnell, dass diese sehr teuer sind und weniger Geld geben als die klimaschädlichen. Auch spielen die Spieler*innen zuerst meist auf den eigenen Sieg, ehe sie verstehen, dass sie nur zusammen weiterkommen. Sie werden also einerseits für die Probleme beim Klimaschutz sensibilisiert, gleichzeitig merken sie aber auch, dass alle zusammenarbeiten müssen, da sonst alle gemeinsam gegen den Klimawandel verlieren.
Was unser Fazit ist:
Das Spiel wird über den Browser gespielt und braucht somit keinen extra Download und bis auf den Admin, welcher das Spiel konfiguriert, benötigt auch keiner eine Anmeldung. Es muss einfach nur der Spielcode verteilt werden, welcher sich auf der Seite von „Keep Cool“ eingeben lässt.
Die Bedienung im Spiel ist auch ziemlich einfach und es gibt zum Spielstart auch eine kleine Einführung. Allerdings liegt das zum großen Teil daran, das sehr wenige Möglichkeiten für die Spieler*innen gibt, auf das Spielgeschehen Einfluss zu nehmen. Sie können lediglich schwarze (klimaschädliche) oder grüne (klimafreundliche) Fabriken bauen, Schutzmaßnahmen kaufen oder in Forschungen investieren, um schwarze oder grüne Fabriken billiger zu machen.
Die meiste Zeit sitzt man doch nur da und wartet darauf, bis man genug Geld hat, um eine neue Fabrik zu bauen. Dabei kann es auch passieren, dass man ab einer bestimmten Zeit komplett handlungsunfähig wird, weil die zufälligen Umweltkatastrophen zu große finanzielle Schäden anrichten. Das dämpft den Spielspaß dann doch erheblich.
Außerdem ist es bei kleinerer Spieler*innenzahl unmöglich, aktiv Klimaschutz zu betreiben und somit schlussendlich zu gewinnen, da die anderen Städte vom Computer verwalten werden und sich bspw. nicht an den Forschungsprojekten beteiligen. Wahrscheinlich ist dieses Spiel erst ab einer Spieler*innenzahl von 10 bis vielleicht sogar 20 sinnvoll, aber dann kann mit dem Spiel einiges über den Widerspruch zwischen wirtschaftlichen Wachstum und Klimaschutz sowie globale Kooperation vermittelt werden.
Hier geht es zum Spiel:
http://keep-cool-mobil.de
Erscheinungsjahr: 2017