Mein Freiwilligendienst in Polen

Mein Freiwilligendienst in Polen

Cześć, ich bin Luzie, 19 Jahre alt und mache meinen ESK-Freiwilligendienst in der wunderschönen Hafenstadt Gdańsk. Zusammen mit sechs weiteren Freiwilligen aus verschiedenen Ländern arbeite ich seit September 2022 in PSONI - einer Organisation mit verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen.

Für mich war schon lange klar, dass ich nach meinem Abitur erstmal ein Jahr Freiwilligendienst machen möchte und auch der Gedanke, einige Zeit ins Ausland zu gehen, hat mir echt gefallen. So war ich ziemlich glücklich, als ich auf der Suche nach den verschiedenen Möglichkeiten für freiwillige Tätigkeiten auf das Europäische Solidaritätskorps von Erasmus+ gestoßen bin und kann bis jetzt nur sagen, dass es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war, diesen Weg zu gehen.


Unser Leben in Gdańsk

Untergebracht sind wir Freiwilligen in 2er oder 3er WG's nahe dem Hauptsitz von PSONI und etwa eine halbe Stunde Straßenbahnfahrt vom wunderschönen Stadtzentrum entfernt. Ich teile mir eine Wohnung mit Tereza aus der Tschechischen Republik. Da wir nicht weit entfernt vom Strand wohnen, machen wir in unserer Freizeit richtig gerne Spaziergänge am Meer.

Generell gibt es hier wirklich viel zu sehen. Mit unserem Bahnticket, was wir von PSONI gestellt bekommen, können wir jederzeit in die Innenstadt fahren und den Flair der zahlreichen alten Gassen und Straßen genießen. Auch der, das Zentrum durchziehende Fluss Motława, die Kanäle und beeindruckende Architektur machen den Stadtteil (gerade auch für mich, als Fotografie Begeisterte) immer einen Besuch wert.

Zu meinen persönlichen Lieblingsorten zählen außerdem noch die ruhigen Wälder und Parks in unserer Umgebung oder die nahegelegene Boulderhalle, in der ich schon viele nette Menschen getroffen habe, die die gleiche Leidenschaft teilen, wie ich.

Die Arbeit in PSONI

Da PSONI so viele verschiedene Einrichtungen hat, durften wir in den ersten zwei Wochen nach unserer Ankunft erstmal einen Einblick in jeden der möglichen Arbeitsplätze gewinnen, bevor wir uns dann entschieden haben, wo wir eingesetzt werden wollen.

Unsere Arbeitswoche hier ist total abwechslungsreich, da man fast jeden Tag in einer anderen Einrichtung arbeitet. So arbeite ich beispielsweise in der Grundschule und der weiterführenden Schule mit Jugendlichen. Dort assistiere ich hauptsächlich den Lehrern, helfe bei kreativen Aktivitäten und habe auch schon meine eigenen Bastelprojekte geleitet.

Außerdem arbeite ich einen Tag pro Woche im Daily Center. Dort verbringen Menschen mit Behinderung ihren Tag mit verschiedenen Aktivitäten. Die Teilnehmer in dieser Einrichtung sind alle erwachsen und meine Aufgaben hier sind sehr vielseitig. Von Puzzeln, zusammen musizieren, gemeinsam die besten Partys feiern oder einfach Gesellschaft leisten, ist hier alles dabei. Mir gefällt es sehr gut, die Arbeit mit sowohl Jugendlichen, als auch Erwachsenen kennenzulernen und ich habe alle hier schon richtig lieb gewonnen.

Auch das Orchester "Vita Activa" zählt zu meinen Arbeitsplätzen. Zusammen proben wir dreimal pro Woche in "Ecekon" - einer, sich im Zentrum der Stadt befindende Musikschule für Menschen mit Behinderung. Von dieser Einrichtung bin ich besonders begeistert und frage mich, warum es so etwas nicht viel häufiger gibt. Es ist echt toll zu sehen, was hier so auf die Beine gestellt wurde, mit wie viel Freude, Motivation und Ausdauer die Teilnehmer hier verschiedenste Instrumente lernen und was für eine tolle Gemeinschaft das Ganze ist. Teil davon ist eben auch das Orchester, welches aus Xylophonen, Vibraphonen, Glockenspielen und verschiedenen anderen Perkussionsinstrumenten besteht. Gemeinsam mit "Vita Activa" durfte ich Anfang dieses Jahres auch schon eine besonders tolle Erfahrung machen, als wir ein Neujahrskonzert in der baltischen Philharmonie in Gdańsk gespielt haben.

Foto von Leszek Błaszczyk

Neben unseren normalen Arbeitsstellen sind wir alle auch noch Teil des Programms "Best Buddies", bei dem jeder Freiwillige einmal pro Woche etwas mit einer Person mit Behinderung unternimmt. Mein Best Buddy heißt Amelia, wir lieben es gemeinsam Tee zu trinken, zu lachen, etwas essen zu gehen, gemeinsam zu kochen, und einfach eine schöne Zeit zu haben.

Obwohl wir uns hier hauptsächlich mit Englisch verständigen, bekommen wir ein bis zweimal die Woche gemeinsam Polnischunterricht, um uns hier in Polen und besonders auf der Arbeit einfach noch besser zurechtfinden zu können. Und auch wenn es schon nicht ganz einfach ist, ist es ein tolles Gefühl, zu merken, wie man von Woche zu Woche mehr versteht und sich immer ein bisschen besser ausdrücken kann.

Begegnungen

Bisher durfte ich schon viele schöne Erfahrungen machen, tolle Menschen treffen und wundervolle Orte kennenlernen.

Bei meinem On-Arrival Training in Warschau, habe ich sehr viele andere, nette internationale Freiwillige aus verschiedenen Teilen Polens kennengelernt. Dort haben wir eine Woche lang Tipps für unseren Aufenthalt in Polen und für unseren Freiwilligendienst bekommen, Dinge über das ESK gelernt und hatten ganz viel Zeit uns über verschiedene Themen auszutauschen. Wirklich eine Woche voller interessanter, neuer Eindrücke und Begegnungen.

Wir Freiwilligen in meiner Organisation in Gdańsk verstehen uns als Gruppe echt richtig gut und haben schon viele Sachen gemeinsam unternommen. Besonders gefällt mir aber auch, wie herzlich ich von den Mitarbeitern und Teilnehmern von PSONI empfangen wurde. Wenn ich auf Arbeit komme, begegne ich so vielen freudigen Gesichtern, ich fühle mich von den Menschen in den Einrichtungen hier so wertgeschätzt und willkommen, sodass ich ihnen genau dieses Gefühl nur zurückgeben möchte. Wir haben wirklich sehr viel Spaß zusammen und ich freue mich immer, wenn ich hier jemanden zum Lächeln bringen kann. Ich bin sehr glücklich, das erfahren zu dürfen und die Arbeit in diesem Bereich kennenzulernen.

Generell habe ich meine Zeit hier bisher wirklich genossen und freue mich auch in den nächsten Monaten noch mehr schöne Eindrücke zu gewinnen, die polnische und andere Kulturen noch näher kennenzulernen und jetzt nach den dunkleren Monaten (die natürlich nicht immer ganz so leicht waren), das Frühjahr und den Sommer bis Ende Juli hier an der Ostsee zu verbringen.

Unsere Jugendbegegnung mit Polen und der Ukraine

Unsere Jugendbegegnung mit Polen und der Ukraine

Liebe LeserInnen,

zwei Teile unserer Jugendbegegnung “In der Ferne- zu Hause? Minderheiten und Flüchtlinge in Europa” sind schon vorbei. Es nähert sich unser dritter Teil in Dresden und wir wollen euch mitteilen, wie unsere Jugendbegegnungen in Breslau und Lemberg liefen.  Zudem stellen wir euch  noch kurz unseren Plan  für Dresden vor.

Unser erster Begegnungsteil hat  in der polnischen Stadt Breslau stattgefunden. Wir haben ihn zusammen mit unserem Kooperationspartner “BJDM – Bund der Jugend der Deutschen Minderheit” aus der Stadt Opole organisiert.

Bei dieser Jugendbegegnung haben die TeilnehmerInnen vor allem sehr viel zur deutschen Minderheit in Polen, die momentan die größte im Land ist, erfahren. Außerdem waren die TeilnehmerInnen in der Stadt Opole, wo es zahlreiche deutsche Organisationen gibt, viele von diesen haben wir  besucht und dort Gespräche geführt.

Ein wichtiges Thema des Austauschs war “Minderheiten und Stereotypen”, mit dem die TeilnehmerInnen sich auch beschäftigten.

Wir hatten auch die gute Möglichkeit  das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Breslau zu besuchen. Die Vize-Generalkonsulin Frau Christiane Botschen gewährte uns einen Einblick in den Tätigkeitsbereich des Generalkonsulats.

 

 

Unser zweiter Begegnungsteil hat  in der ukrainischen Stadt Lemberg (ukr. Lwiw) stattgefunden, den wir zusammen mit der “Deutschen Jugend in der Ukraine“ organisiert haben.

Während des Begegnungsteils in Lwiw haben wir viel über das Leben der Binnenvertriebenen in der Ukraine und ihrer heutigen Situation erfahren. Viel Information bekamen wir auch zur Minderheitenpolitik in der Ukraine.

Im Rahmen des Programms hatten die TeilnehmerInnen ein Treffen mit der  Gesellschaft der polnischen Kultur, wobei wir erfahren haben, wie die polnische Minderheit in erster Linie im Gebiet Lwiw verbreitet ist und wie das Leben dieser Minderheit ist.

Besonders hat allen TeilnehmerInnen das Treffen mit den Krimtataren gefallen, wo sie für uns einen Workshop organisierten. Wir hörten viel über  die Geschichte dieses Volkes,  das Leben der Krimtataren in Lwiw und die Situation auf der Halbinsel Krim. Außerdem hat man uns die nationale Krimtatarische Henna Technik vorgestellt, die man bei wichtigen Festen verwendet.

Wichtig war auch das Treffen mit den Binnenvertriebenen aus dem Osten der Ukraine. Das waren die Menschen, die dort wegen der Eskalationen nicht mehr bleiben konnten und so gezwungen waren ihr Haus zu verlassen. Wir haben gehört, dass das Leben der Binnenvertriebene nicht leicht ist. Besonders liegt dieses Problem an den Unterkünften. Der Staat kann für diese Menschen die Unterkünfte nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Aber die finanzielle Hilfe des Staates ist zu niedrig, um die Miete zu zahlen. Sie sagen, dass sie mehr Hilfe von NGOs und voneinander bekommen. Zu diesem komplizierten Thema hatten wir auch ein Gespräch mit einem Vertreter der Gebietsverwaltung Lwiw, der uns  über die Zusammenarbeit der Behörden und der  Binnenvertriebenen berichtete.

Frau Lesja Kornat hat den TeilnehmerInnen die Minderheiten in der Ukraine präsentiert und hat über die Rechte und Herausforderungen der nationalen Minderheiten gesprochen.

Durch die zahlreichen Führungen lernten wir die Stadt mit ihren vielen Facetten gut kennen.

Viel mehr Informationen könnt ihr im unseren Projektblog unter https://dup2017.wordpress.com/ finden.

In weniger als einen Monat haben wir unseren letzten Teil des Projektes in Dresden, wo die TeilnehmerInnen aus den drei beteiligten Projektländern viel über Flüchtlingspolitik in Deutschland erfahren und sich über das Leben der autochthonen Minderheiten erkundigen.