Deutsch-Russische-Ukrainische Begegnung „Wir müssen reden“

Deutsch-Russische-Ukrainische Begegnung „Wir müssen reden“

„Wir müssen reden!“ mit diesen Worten begann wohl schon das Ende so mancher Beziehung. Trotzdem steckt darin auch die Hoffnung, durch Reden noch etwas zu ändern, die andere Perspektive, wenn nicht zu übernehmen, dann zumindest nachvollziehen zu können. Aber wie kann dieses Reden aussehen, wenn äußere Umstände den persönlichen Dialog nahezu unmöglich machen?
Wir möchten ein Experiment wagen und junge Erwachsene aus der Ukraine, Deutschland und der Russischen Föderation dazu einladen sich auszutauschen. Wir schaffen einen sicheren Raum, in dem Fragen beantwortet, Ängste benannt und Visionen konkretisiert werden können. Wie erleben wir die aktuelle Situation? Wie können wir unsere Beziehungen erhalten, wie einander unterstützen?
Zehn Tage verbringen wir gemeinsam im „Gesprächslabor“ – wir lernen Dialogformate kennen, tauschen uns aus und verbringen Zeit miteinander. Unsere Gedanken, Erkenntnisse und Erlebnisse werden wir genau dokumentieren. Die Versuchsergebnisse sind ungewiss, aber wir haben die Aufgabe, einen Weg zu finden, denn wir wollen reden.
Unsere Unterkunft wird die ersten sieben Tage in einem Selbstverpfleger-Haus in Burglesau bei Bamberg sein. Dannach reisen wir gemeinsam nach Leipzig, wo die Unterbringung in Gastfamilien erfolgt. Es sind Ausflüge nach Nürnberg, Bamberg und Weimar sowie eine Wanderung und eine Stadtführung in Leipzig geplant. An- und Abreise nach Bamberg bzw. ab Leipzig erfolgen selbstorganisiert. Die Fahrtkosten werden bis zu einem Maximalbetrag erstattet.

Teilnahmevoraussetzungen
:
– du bist zwischen 18 und 30 Jahren alt
– du hast deinen permanenten Wohnsitz in Deutschland
– du bringst genügend Energie für zehn Tage voller neuer Erfahrungen, Informationen, Diskussionen und körperlichen Aktivitäten (wandern, Exkursionen) mit
– du kommst mit einfachen Bedingungen in unserer Selbstversorger-Unterkunft klar (wir haben ehrenamtliche Köche dabei!)
– du sprichst genügend Englisch, um dich zu verständigen. Keine Sorge – im Notfall helfen wir!
– du hast Interesse daran, über den Krieg in der Ukraine und andere „kontroverse Themen“ zu sprechen
– du bringst Empathie und Interesse für unterschiedliche Positionen mit
– du hast Lust auf 10 Tage in einer internationalen Gruppe

Kosten:
– Teilnahmebeitrag: 70€
– Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Anreise werden erstattet! Informationen dazu bekommst du beim Vorbereitungstreffen. Bitte buche noch keine Anreise.

Kontakt
:
Bei Fragen kannst du dich an Elena Rother wenden: elena-rother@wost.online

Anmeldung
Wenn du an der Jugendbegegnung teilnehmen möchtest, melde dich bitte über dieses Formular an.

Anmeldeschluss: 15.09.2022

Informationen über unsere Partnerorganisationen:
Politischer Jugendring Dresden https://pjr-dresden.de/?lang=en

Aus Sicherheitsgründen können wir angesichts der aktuellen Situation den Namen der russischen Partnerorganisation nicht bekanntgeben.

Das Projekt wird gefördert von Erasmus+ Jugend in Aktion.
Der russländische Angriffskrieg und die Jugendarbeit

Der russländische Angriffskrieg und die Jugendarbeit

Der russländische1 Angriffskrieg auf die Ukraine hat weltweit für Erschütterungen gesorgt. Auch wir vom PJR Dresden haben die Auswirkungen des Angriffskriegs in unserer täglichen Arbeit miterlebt, nicht nur weil unsere ehemalige ESKlerin Yuliia aus der Ukraine kommt, sondern auch weil wir uns die Frage stellen mussten, ob und wie wir in Zukunft mit russländischen Kooperationspartnern weiterarbeiten können und möchten, da unser Bildungsangebot auch internationale Jugendbegegungen mit und in der Russischen Förderation umfasst. Viele deutsche und ausländische Bildungsinstitutionen, Organisationen und Vereine haben ihre russländischen Kooperationen pausiert oder gar beendet. 

Auch wir vom PJR Dresden sind wütend und traurig darüber, dass der russländische Angriffskrieg auf die Ukraine nun fast zehn Monate andauert, Menschen- und Völkerrechtsverbrechen begangen werden und Ukrainer:innen aus ihrer Heimat fliehen mussten und immer noch müssen.
Gleichwohl haben wir uns dazu entschlossen über jedes Projekt im Einzelnen zu entscheiden und deshalb noch genauer bei unseren Kooperationsorganisationen hinzugucken.
Internationale Jugendarbeit heißt sich über verschiedene Themen aus verschiedenen Perspektiven auszutauschen, konkret sich über die Bedeutung von Zusammenhalt gegen den Krieg zu verständigen. Der Austausch mit regimekritischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Russischen Förderation trägt beidseitig dazu bei.

Dass diese durchaus kontroverse Position in der Praxis auf Hindernisse stößt und auch Probleme bei ihrer Umsetzung erzeugen kann, haben wir bei der internationalen Jugendbegegung "We have to talk" beobachten und miterleben können. Ursprünglich war eine trinationale Jugendbegegnung zwischen Deutschland, der Ukraine und der Russischen Förderation geplant, die an zwei Orten in Deutschland stattfinden sollte. Das Format der Jugendbegegnung sollte gewissermaßen selbst zum Gegenstand gemacht werden, indem ein Raum für gegenseitige Unterstützung und Vernetzung mit Gleichgesinnten in Kriegszeiten geschaffen werden sollte. Internationale Jugendbegegnungen finden jedoch in keinem luftleeren Raum statt, sondern auf den digitalen Bühnen der Social Media Plattformen. Auf Facebook wurde in Folge eines Posts von einer ukrainischen Aktivistin ein Shitstorm ausgelöst der sowohl unsere deutsche Partnerorganisation als die ukrainische Partnerorganisation und die russländische Partnerorganisation traf. Der Shitstorm und der Druck der digitalen Öffentlichkeit führte dazu, dass sich die ukrainische Partnerorganisation zurückzog und ihre Teilnahme am Projekt beendete.

Einige der Äußerungen der Aktivistin sind nachvollziehbar und wir möchten mit diesem Kommentar keine Meinungen oder Gefühle delegitimieren, denn dies stünde uns hier als deutsche Organisation auch gar nicht zu. Wir stellen uns jedoch uneingeschränkt hinter unsere drei Partnerorganisationen. Die trinationale Jugendbegegnung sollte ein Angebot und ein Möglichkeitsraum für diejenigen sein, die reden und aktiv im Engagement gegen den Krieg sein wollen. Wir sagen nicht, dass alle das sollen. Wir können den Hinweis auf die Verarbeitung traumatischer Erlebnisse nachvollziehen, jedoch verläuft der Prozess der Traumaverarbeitung individuell und die Teilnahme an Projekten wie diese trinationale Jugendbegegnung kann gewiss dazu beitragen, sich wieder als handlungsfähiges Subjekt zu erfahren und darüber hinaus Gedanken, Emotionen und Erfahrungen nicht zu verdrängen, sondern auszudrücken und sich mit gleichaltrigen darüber auszutauschen.

Wir, der PJR Dresden, unterstützen unsere Projektpartner und möchten sie weiterhin dazu ermutigen trinationale Jugendbegegnungen durchzuführen und sich nicht von Kritiken einschüchtern zu lassen. 
In der internationalen Jugendarbeit sind wir auf konstruktive Kritiken angewiesen und nehmen diese dankend an. Wir hätten uns darüber gefreut, wenn die beteiligten Personen auf uns und unsere Partnerorganisationen zugegangen wären und die Kritiken mit uns geteilt hätten, bevor diese auf einer Plattform zu teilen, die dafür bekannt ist, ein Katalystor für Hatespeech zu sein.
​​​​​​​Projekte mit russländischen Partnerorganisationen sollten nicht tabuisiert werden, ebenso nicht das Reden und Diskutieren über Meinungsverschiedenheiten. Die von uns geteilte Prämisse lautet hierbei, dass keiner der Partnerorganisationen den russländischen Angriffskrieg auf die Ukraine unterstützt und wir einen pluralen demokratischen Wertekanon teilen. 

Obwohl die internationale Jugendbegegnung anders verlaufen ist als geplant, war sie dennoch ein Erfolg. Wir werden uns auch zukünftig mit der Frage der russländischen Kooperationen beschäftigen müssen, ebenso mit der Dynamik von digitalen Öffentlichkeiten im Internet. 

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1: Es heißt an dieser Stelle "russländisch" und nicht "russisch", weil das Russische eine Sprachfamilie bezeichnet und Russländisch hingegen einen staatlichen und ethnischen Zusammenhang.

Studieren in Russland in Zeiten des Krieges

Studieren in Russland in Zeiten des Krieges

Im Rahmen meines Masterstudiums an der TU-Darmstadt durfte unser Ehrenamtlicher Elmar ein Auslandssemester in St. Petersburg an der St. Petersburg State University of Economics verbringen. Dieser Aufenthalt wurde auch durch ein Erasmus+ Stipendium gefördert.

Elmar wollte diesen Auslandsaufenthalt nutzen, um die russische Kultur näher kennenzulernen und seine russischen Sprachkenntnisse zu erweitern. Da seine Eltern und er aus Kasachstan stammen hatte er auch bereits gute Kenntnisse in der Sprache.

Kurz nach der Ankunft in St. Petersburg begann der russische Angriffskrieg, in Russland die sog. „Spezialoperation“, auf die Ukraine. Sein Semester begann erst im Februar und so hatte er sich entschieden erstmal in Russland zu bleiben. So konnte Elmar viele verschiedene Eindrücke innerhalb Russlands sammeln.

Gern wird Elmar in seinem Vortrag einige Eindrücke teilen und erzählen wie er zu dieser Zeit in Russland gelebt hat.

 

Ihr erhaltet den Zugangscode nach Anmeldung unter mail@pjr-dresden.de

Treffpunkt für Geflüchtete

Treffpunkt für Geflüchtete

Bereits zum dritten Mal fand diese Woche unser "Treff für Geflüchtete" statt, der sich vor allem an Menschen aus der Ukraine richtet aber für alle offen ist.
Bei Tee und Keksen konnten sich alle, die gekommen sind, näher kennenlernen, ihre bisherigen Erfahrungen austauschen und gemeinsame eine schöne Zeit verbringen.
Wir nahmen am Gespräch auch teil und es herrschte eine nette und freundliche Stimmung.
Die bisherigen Treffen haben all unsere Erwartungen übertroffen und wir haben nur positives Feedback bekommen. Wir freuen uns auf die nächsten Treffen!

Übrigens falls ihr euch dabei auch einbringen wollt, meldet euch gerne bei uns!

 

Rückblick auf unsere deutsch-russische Jugendbegegnung

Rückblick auf unsere deutsch-russische Jugendbegegnung

In der letzten Juliwoche fand der zweite Teil unserer deutsch-russischen Jugendbegegnung “Ich bin die Zeit” statt. Wie der erste Projektteil im März 2021 wurde der Jugendaustausch auch wieder im Online-Format mit jungen Menschen aus Dresden und Sankt Petersburg durchgeführt.

Diesmal erweiterten wir unseren Blickwinkel zum Thema „Erinnerungskultur in Russland und Deutschland“ und tauschten uns über weitere Aspekte der Leningrader Blockade und der Friedlichen Revolution in Dresden aus. Wir versuchten, die beiden Themen besser miteinander zu verknüpfen und so auch greifbarer für alle Teilnehmenden zu machen. Nun lernten wir auch persönliche Geschichten von Leningrader Deutschen kennen, die die Blockadezeit in der belagerten Stadt verbrachten. Mithilfe von Tagebüchern und Aufzeichnungen von Leningrader Deutschen erstellte die Gruppe Steckbriefe. Ein Google-Maps-Quiz führt uns digital zu den Orten der Belagerung und Stationierung. Das Gespräch mit dem Blockadeüberlebenden Stanislaw Witaljewitsch Mikoni stellte einen Höhepunkt der Jugendbegegnung dar. Im Video-Interview mit dem Zeitzeugen hatten wir die Gelegenheit, eine Vorstellung der Evakuierung aus Leningrad mit den Augen eines damaligen Kindes zu bekommen. Mit Herrn Mikoni konnten wir uns auch über persönlichen Zukunftswünsche und -pläne unterhalten, was überaus bereichernd war!

Außerdem beschäftigten wir uns mit historischen Verbindungen zwischen Deutschland und Russland während der DDR-Zeit. Dabei kamen wir mit wichtigen Erinnerungsorten in Dresden und Umgebung in Berührung. Viele spannende Details konnten wir von der Dresdner Journalistin Jane Jannke erfahren, die sich bereits seit vielen Jahren mit der Geschichte der sowjetischen Soldaten beschäftigt, die auf dem Territorium der ehemaligen DDR stationiert waren. Am Beispiel des sowjetischen Garnisonsfriedhofs in Dresden stellte Jannke diesen Teil der (ost-)deutsch-sowjetischen bzw. russischen Geschichte sehr anschaulich dar.
Während der Austauschwoche erstellten die Teilnehmenden in internationalen Teams kreative Beiträge für eine virtuelle Ausstellung zum Thema „Erinnerungskultur in Deutschland und Russland”. Am Projekttag präsentierten die Gruppen ihre Ausstellungskonzepte. Themen waren dabei “Kinder im belagerten Leningrad” und ein Vergleich zum “Holocaust-Gedenken in Deutschland und Russland”.

Ein großes Dankeschön geht hiermit an alle Teilnehmenden, die sich trotz strahlenden Sonnenscheins vor den PC gehangen und mit größter Energie und Durchhaltevermögen am Online-Austausch teilgenommen haben! Ebenso möchten wir uns beim Deutsch-Russischen Begegnungszentrum Sankt Petersburg und der Humanitären Geste für die Zusammenarbeit bedanken. Die Auseinandersetzung mit solch wichtigen Themen zur gemeinsamen Geschichte hat uns die Möglichkeit gegeben, über Grenzen hinweg in Austausch zu treten, Kontakte zu knüpfen und andere Blickwinkel einzunehmen. Danke für euer Engagement, eure Gedanken, Anregungen und vielfältigen Ideen! Wir sind gespannt auf weitere Projekte und freuen uns auf ein Wiedersehen, hoffentlich bald vor Ort in Dresden oder St. Petersburg!

 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.