Der erste Teil meines Freiwilligenjahres ist wie im Fluge vergangen und wie auch andere ESK-ler*innen erwartete mich ein Mid-Term-Seminar, von dem ich hier gerne berichte.
Das Seminar dauerte fünf Tage und fand in der Kleinstadt Einbeck (Niedersachsen) statt. Einbeck liegt im Herzen Südniedersachens. Ich war von seiner wundervollen Altstadt mit schönem authentischem Fachwerk und viel Grün begeistert.
Die Reise dorthin war ziemlich anstrengend, denn meine Züge hatten Verspätung, weshalb ich als Letzte ankam. Es gab insgesamt 18 Teilnehmende aus etwa 11 Ländern, die ihr ESK-Jahr in etwa 5 Städten Deutschlands machen. Das Programm des Seminars bestand aus spannenden Workshops über Konflikte und Kommunikation, Solidarität und YouthPass, aus Reflektion und Austausch über unseren bisherigen Aufenthalt in Deutschland. Außerdem erzählten alle Teilnehmer*innen über ihre Projekte und machten darüber kreative Plakate.
Was ist für euch Solidarität? Das Dramadreieck als Modell der menschlichen Interaktion
Doch der Programmpunkt, den ich besonders gut fand, war das sogenannte Future Project Management. Zusammen mit unseren Mentor*innen haben wir die zweite Hälfte unseres Freiwilligen Jahres geplant sowie über die weiteren Schritte nach dem ESK-Jahr nachgedacht, wobei wir eine sehr hilfreiche Methode für die Planung und Realisierung vom Gewünschten verwendeten.
Am vorletzten Tag des Seminars fand das sogenannte Open Space statt, bei dem die Mentor*innen sowie die Teilnehmer*innen eigene Workshops anbieten konnten. So besuchte ich einen Tanzunterricht, wo wir die Basics vom Lindy Hop lernten und spielte ein Kartenspiel mit, bei dem jede/r etwas über sich selbst erzählen sollte. Das war eine echt aufrichtige und manchmal berührende Runde.
Abends war das Programm sehr unterschiedlich. Der erste Abend zusammen war ziemlich entspannt, denn wir hatten uns näher kennengelernt und alle zusammen ein Guess-Spiel gespielt. Es gab nämlich zwei Mannschaften: „Pink Couscous“ und “Verrückte Schmetterlinge“. Ich war bei der letzteren Mannschaft dabei, doch leider haben wir das Spiel verloren. An einem anderen Tag gab es auch einen Film-Abend, wo wir uns eine Doku über die progressiv wirkenden Ideen und nachhaltige Entwicklung in der Zukunft angeschaut haben. Am letzten Abend fand eine Abschiedsparty statt, mit Snacks, Just-Dance-Videos, Bachata und Gitarrenspiel.
In unserer Freizeit machten wir kleine Spaziergänge in die Altstadt sowie in die Natur. Zwar war das Wetter nicht so freundlich. Dennoch war es immer noch sehr angenehm nach viel Sitzen ein bisschen frische Luft zu schnappen und sich mit anderen Freiwilligen zu unterhalten.
Insgesamt habe ich sehr positive Eindrücke von meinem Mid-Term-Meeting. Ich habe die Zeit genossen, ein wenig Ablenkung bekommen, interessante Menschen kennengelernt, über verschiede Sachen reflektiert und mir Inspiration für den Rest meines Freiwilligendienstes geholt.
Wünsche euch viele sonnige Tage! Genießt den Frühling!
Mein erstes aufregendes einwöchiges ESK-Seminar sollte Anfang November in einer kleinen Stadt außerhalb Berlins stattfinden. Es sollte viele andere Freiwillige aus verschiedenen Ländern und Kulturen und mit unterschiedlichen Hintergründen und Lebensweisen einbeziehen. Es sollte eine inspirierende Woche mit vielen anderen hoffnungsvollen Teilnehmer*innen sein, um Erfahrungen auszutauschen und einander kennen zu lernen. Es sollte ein sicherer Raum sein, in dem wir uns selbst, unsere Pläne, unsere Ideen, unsere Projekte vorstellen und miteinander in Verbindung treten können. Es sollte der Moment sein, eine Gemeinschaft zu entdecken und ein Teil davon zu sein.
Glücklicherweise wurden all diese Erwartungen erfüllt. Es waren all diese Dinge, und das Erstaunliche daran ist, dass all dies online geschah. Leider wurde der Vor-Ort-Teil des Seminars wegen der neuen November-Lockdown-Maßnahmen hier in Deutschland abgesagt, aber dennoch gelang es den Organisatoren dieser Veranstaltung, sie am Leben zu erhalten und in ein lustiges und wunderbares 6-Tage-Seminar zu verwandeln. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber wenn dieses Seminar online so unterhaltsam war, dann kann ich es kaum erwarten, zu einem Vor-Ort-Seminar zu gehen. Es war natürlich schwierig, über das Online-Format mit jedem persönlich in Kontakt zu treten, aber ich denke, das ist uns trotzdem gelungen.
Ich bin so dankbar, all diese wunderbaren Menschen getroffen zu haben und so viel über so viele verschiedene Länder und Kulturen gelernt zu haben: Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Ungarn, Polen, Belgien, Belarus... in nur wenigen Tagen. Nicht nur das, wir erhielten auch ein zusätzliches Training über interkulturelle Perspektiven, das Erstellen/Bewerten unserer eigenen Projekte (groß oder klein), Methoden und Tipps, um selbst Deutsch zu lernen, und freie Zeit für spontane Workshops wie grundlegende Fotografie-Tipps, Grüße und wichtige Ausdrücke aus verschiedenen Ländern, LGBT+-Diskussionen, die Bedeutung von Solidarität und einfach das Teilen unserer Lieblingslieder oder Unterhaltung. Nicht nur das Seminar, sondern alle Freiwilligen (einschließlich der Organisatoren und des Monitoring-Teams) haben meine Motivation hier so sehr verstärkt. Ich kann mit Freude sagen, dass ich mich als Teil einer neuen Gemeinschaft fühle, und ich hoffe, sie alle (persönlich) sehr bald kennen zu lernen.
Jetzt ist eine Weile vergangen, seit ich nach Dresden gezogen bin, und in der Zwischenzeit ist viel passiert. Als ich vor zwei Monate meinen ersten Blogbeitrag geschrieben habe, war es draußen grün und bunt. Jetzt hat der Herbst seine gelben und braunen Farben über Dresden gebreitet und der verlängerte Sommer, den ich hier in Dresden bekommen habe, ist vorbei – das Wetter wird zunehmend dänisch, und das ist kein Vorteil.
Tablettour zum Thema Nationalsozialismus in Südvorstadt/Plauen, Dresden mit Schülern von Gymnasium Bühlau
Nicht nur draußen ist viel passiert, sondern auch im Büro. Wir haben vor allem ein 7-tägiges Projekt zum Thema Bombardierung Dresdens mit einer Schulklasse aus Bühlau gehabt. Es nahm viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch und ist sehr gut gelungen. Leider konnte ich fast nur zur Vorbereitung dabei sein, da ich letzte Woche mein erstes EFD-Seminar hatte, das Einführungsseminar in Weimar. Eine Stadt, wie ich herausfand, mit unglaublich vielfältiger Geschichte und Kultur. Von Goethe über Bauhaus bis zum Nationalsozialismus – alle haben sie ihre Spuren in der idyllischen Stadt hinterlassen.
Zeit für ein Bild auf der Brücke vor dem Stadtschloss während unsere „Entdeckt Weimar“-Stadttour
Die Tage waren vollgepackt mit der Möglichkeit neue Leute kennenzulernen, an Workshops teilzunehmen, kulturellen Austausch zu erleben und noch vielem mehr. Wenn 20 Leute mit so vielen unterschiedlichen Fähigkeiten aus Ländern sowohl innerhalb als außerhalb Europas Grenzen zusammenkommen, ergibt sich eine tolle Chance sich selbst herausfordern zu lassen und Neues zu lernen. Es war eine intensive Woche, wo ich viel Inspiration aus anderen Projekten und von Freiwilligen kriegte, und wo neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit entstanden.
Jetzt bin ich wieder zurück in Dresden mit großer Motivation neue Projekte und Aufgaben anzugehen. Draußen verlieren die Bäume mehr und mehr ihr Laubkleid, während der Winter sich nähert.
Der Europäische Solidaritätskorps wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.
Am 17.Juli fiel der Startschuss zu meiner letzten großen Reise innerhalb des FSJs. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen begab ich mich auf den Weg ins unweite Chemnitz. Unter dem Motto „Hetze und Vorurteile“ kamen wir zu unserem vierten und damit finalen Seminar zusammen.
Aber, was verbirgt sich nun eigentlich hinter diesem Thema? Genau das war die zentrale Frage während der Vorbereitungstreffen. Denn leider wird vielerorts vorschnell und ohne fundierte Fakten geurteilt. Zudem richtet sich Hetze gegen zahlreiche Bevölkerungsgruppen. Nach reiflichen Überlegungen wohin unsere Reise inhaltlich gehen soll, begann die Referent*innensuche sowie die Recherche und Vorbereitung der einzelnen Programmpunkte.
Angekommen in Chemnitz sensibilisierten wir uns Schritt für Schritt für die verschiedenen Formen von Diskriminierung und konnten unser Wissen über die Hintergründe bzw. Ausführungen dessen erweitern. Bewusst führten uns die Referent*innen vor Augen, dass sich gruppenbezogene Hetze nicht nur auf bestimmte Milieus der Bevölkerung reduzieren lässt. Innerhalb eines Workshops des Hatikva e.V. Dresdens schilderte eine jüdische Akademikerin eindrücklich ihre antisemitischen Erfahrungen innerhalb des Freundeskreises. Unter den höchst gebildeten Personen kursieren Verschwörungstheorien über die geheime jüdische Finanzmacht bis hin zu versteckten Goldbarren im Keller. Es sind die kleinen Spitzen, Kommentare und Gehässigkeiten, die sie und ihren Mann dazu bewogen sich von den nichtjüdischen Freunden zu distanzieren. Moderner Antisemitismus ist facettenreich und lässt sich hinter Schlussstrichforderungen, Israelkritik oder Holocaustrevisionismus finden. Da sich die antisemitische Grundlinie erst auf den zweiten Blick zeigt, ist es eine ausgesprochen salonfähige Form der Hetzte basierend auf Vorurteilen.
Gewusst wie- machen statt meckern mal anders!
Innerhalb des Projektes ging es nicht nur darum sich mit den verschiedenen Formen und Erscheinungen von Hetze zu befassen, sondern vielmehr um den Umgang damit. Denn Wissen allein bringt weder die Betroffenen noch uns als potenzielle Zeugen der Situation weiter. Argumentations- und Verhaltenstrainings waren daher einen zentralen Gegenstand der Woche.
Als besonders spannend stellte sich der Workshop des Netzwerks gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus Leipzig dar. Mit Hilfe des Religionswissenschaftlers erarbeiteten wir Argumentationsmuster, die selbst ohne ein Studium der Religion feindlichen Parolen den Wind aus den Segeln nehmen. Anschließend bot sich die Gelegenheit Hintergründe zu oft diskutierten Suren und Deutungen des Korans zu erlangen.
Des Weiteren schulte die Aktion Zivilcourage im Bereich Rassismus und couragierten Verhalten in der Öffentlichkeit. In mehreren Rollenspielen wurden kritische Situationen veranschaulicht und die Eigeninitiative der Teilnehmenden koordiniert.
Behandelt man das Thema Hetze und Vorurteile ist der Blick auf Extremismusformen unvermeidlich. Zunächst diskutierten wir etablierte Definitionen des Begriffs, warfen Fragen auf und bereiteten somit Gesprächspunkte für das Treffen mit Vertretern des Verfassungsschutzes vor. Dieser bot einen breiten Überblick der größten Extremismusformen in Deutschland und Sachsen. Zu linkem Gedankengut und Strukturen innerhalb der Szene referierte ein Mitarbeiter der Rosa Luxemburg Stiftung. Einen Tag lang befassten wir uns mit rechten Parteien innerhalb Europas, deren Vernetzung und der Rolles des Populismus in den Medien.
Zwischen all dem Input verlebten wir eine sehr schöne Woche, werteten das FSJ aus und stellen innerhalb des erlebnispädagogischen Waldspaziergangs unsere Entwicklung mit Hilfe der Land Art dar. Land Art umschreibt eine Form der bildenden Künste, die eine geographische Umgebung zu einem Kunstwerk umwandelt. Entstanden ist die Kunstform in den 1960er Jahren in den USA. So nutzten wir Naturmaterialien, um unser FSJ mit all seinen Erlebnissen, Erfahrungen und Herausforderungen darzustellen.
Wie so oft im FSJ- P war der Freitag schneller erreicht, als es einem lieb war. Mit diesem vierten und damit letzten Seminar endet unser spannendes gemeinsames Jahr. Dementsprechend schwer fiel der Abschied am Bahnhof. Ein großes Dankeschön gilt es hier noch einmal an unsere Projektleiterin Felicitas Koch zu richten, die uns während der gesamten Zeit betreute, unterstütze und beriet.
dies wird nun mein letzter Blogeintrag sein. Mein FSJ ist ab
Anfang August vorbei und genau genommen schreibe ich gerade aus dem Urlaub.
Die letzten Wochen waren etwas ruhiger, denn in den Sommerferien
ist immer etwas weniger los, trotz Ferienangeboten wie „Essen“ und „Rathaus
Rallye“. Somit blieb Zeit, neben der Abrechnung meines Projektes „Fokus
Rechtsrock“, ein paar neue Konzepte zu entwerfen oder Dinge zu überarbeiten.
Zudem fand letzte Woche die letzte Seminarfahrt statt,
welche einfach großartig war. Unter dem Titel „Her mit dem schönen Leben“ haben
wir uns mit verschiedenen Schwerpunkten zu den Fragen „Wie funktioniert
Wirtschaft und wie wollen wir wirtschaften?“ beschäftigt. Besonders
inspirierend fand ich hier den Lesekreis zu Marx und Smith, an welchen wir uns
teilweise die Zähne ausbissen, sowie die Theorien zum Postwachstum. Insgesamt
war das Seminar inhaltlich anspruchsvoll, jedoch nicht überladen. Vielen Dank
noch einmal an das Vorbereitungsteam, falls ihr das lest.
Der Lesekreis
Am Donnerstag fand nach einem kurzen Badetrip eine
erlebnispädagogische Auswertung unseres Jahres statt. Hier haben wir an drei
Stationen auf das Jahr zurück- oder auf die kommende Zeit hinausgeblickt. Dazu
hatten wir die Möglichkeit im Wald eine „Landart“ zu entwerfen. Dabei sind sehr
tolle Sachen herausgekommen. Mein persönliches Highlight war jedoch das
Bogenschießen, was eine Leidenschaft ist, die ich immer wieder neu entdecke.
Das Beste am Seminar war jedoch Zeit mit den anderen
Freiwilligen zu verbringen. Im Laufe des Jahres hatte ich die Möglichkeit viele
neue Leute kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. Ich hoffe ich
sehe einige aus diesem Jahrgang wieder.
Der Abschied von Ihnen sowie der im Büro war schwer, jedoch
freue ich mich auch sehr auf die kommende Zeit und den jetzigen Urlaub.
Obwohl ich später in das FSJ eingestiegen bin und etwas eher
wieder aufgehört habe, hat mir dieses Jahr doch viel gebracht. Ich konnte ohne
entsprechende Ausbildung im Bereich der politischen Jugendbildung arbeiten und
hier Verantwortung übernehmen. Ich habe meine Kolleg_innen im PJR bei ihren
Projekten unterstützt und erhielt dieselbe Hilfe als ich eigenverantwortlich
zwei Projekte beziehungsweise Workshops entworfen habe. Ich konnte vieles neues
lernen und freue mich, dass ich auch weiterhin im Verein aktiv sein kann.
Im Büro laufen jetzt die Vorbereitungen für September, denn
dann erwartet den Verein frischer Wind. Es kommen ein EFD´ler sowie eine neue
FSJ-lerin. Ich bin gespannt wie es ihnen gefällt und wünsche allen eine gute
Zusammenarbeit. Sicher werdet ihr von den beiden bald hier im Blog lesen.
Tut es mir bis dahin gleich und genießt den Sommer!