von Tobias | 13.02.2025 | Blog
Bonjou,
Ich bin Martha, 19 Jahre alt und verbringe seit August 2024 mein ESK-Freiwilligenjahr auf Malta.
Trotz dessen, das Malta sogar kleiner als Dresden ist gibt es viel zu entdecken. Von Meer, Klippen und heißer Sommersonne über volle, südliche Städte mit traditionellen bunten Booten mit Augen im Hafen bis zu fast täglichen Feuerwerken im Sommer, die über die ganze Insel hörbar sind. Und selbst jetzt nach 6 Monaten finde ich immer noch mehr neue schöne Orte.
Gemeinsam mit 11 weiteren Freiwilligen arbeite ich bei BirdLife Malta (BLM), einer Umwelt-NGO, die Teil des internationalen BirdLife-Netzwerks ist und sich mit Vogel- und Naturschutz in Malta beschäftigt. Mehrere Naturreservate werden von BLM gemanagt, sie sind jedoch alle recht klein. Außerdem arbeitet die Organisation ebenfalls gegen illegales Handeln während und auch außerhalb der Jagd- und Fangsaison, denn die Vogeljagd ist eine langjährige maltesische Tradition. In einem der Reservate gibt es auch ein Rehabilitationszentrum für verletzte Vögel.
In meiner dritten Woche auf Malta durfte ich dort bei der Freilassung eines Flamingos dabei sein, der zuvor aus nicht artgerechter Haltung gerettet wurde und für lange Zeit gesund gepflegt werden musste. Das ist auf jeden Fall immer noch eines meiner größten Highlights.
Da es auf Malta durch die Hitze und Urbanisierung wenig wilde Natur gibt, ist in der Gesellschaft nur ein geringes Verständnis von ihr oder eine Verbindung mit dieser vorhanden.
Deshalb hat BirdLife Malta ein Education Department, in welchem ich als Education Assistant arbeite. Das Ziel ist es, den Kindern bereits in Vorschulalter ein Umwelt- und Naturbewusstsein zu vermitteln, welches in den meisten Fällen weder durch die Schule noch die Eltern an die Kinder gegeben wird. Meine Aufgaben dabei sind ganz unterschiedlich. Einerseits arbeite ich im Büro und kümmere mich um die Buchungen von Schulbesuchen in unseren Reservaten. Andererseits leite ich selbst die Schulbesuche der aller jüngsten Schülerinnen und Schüler, leite mit meinen Kolleginnen gemeinsam Workshops in Schulen und betreue unsere Stände bei größeren Events oder Märkten. Für mich sind besonders die Schulbesuche am schönsten, was ich vorher nicht erwartet hätte. Aber wenn ich von einem Fünfjährigen beim Vogelbeobachten gesagt bekomme, dass er sogar Südamerika mit den Ferngläsern sehen könne, oder von einer Sechsjährigen von Pflanze zu Pflanze gezogen werde, um mir diese zu zeigen oder aufgeregt etwas zu fragen, bringt mir das einfach sehr viel Freude darüber wie begeistert die Kinder sind. 
Malta hat mich zwar im heißesten Monat willkommen geheißen, mich jedoch trotz der Hitze und Trockenheit sofort mit seinen süßen bunten Balkons und hellen Steingebäuden und Meeresblicken verzaubert. Es gibt viele wunderschöne Orte an Klippen oder Stränden um Sonnenuntergänge zu bewundern und an jeder Ecke stolpert man über eine Kirche oder eine Katze. Ich finde es außerdem so praktisch, dass man innerhalb von maximal 2,5 Stunden an jedem Ort im ganzen Land sein kann. Und das liegt auch nur daran, dass die Busse so gut wie immer zu spät sind und man leider oft genug Busse vorbeifahren lassen muss, weil sie zu voll sind. Wunderbar knusprige Teigteilchen „Pastizzi“ bekommt man hier überall für kleinen Preis und ich werde sie in einem halben Jahr wohl genauso vermissen wie das Bitterorangen-Kräutergetränk „Kinnie“, meine Freunde die ebenfalls Freiwillige bei BirdLife Malta sind und nach der Arbeit auf Manoel Island das Meer, die Sonne und den Blick auf die Hauptstadt Valletta zu genießen.
von ESK-Freiwillige | 07.02.2024 | Blog
Am 01. Februar haben wir den Film “FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE” in der Filmgalerie Dresden geschaut. Im Anschluss gab es eine moderierte Podiumsdiskussion.
Der Film dokumentiert auf beeindruckende Weise nicht nur die Zerstörung der Umwelt, die der Kohleabbau in Europa mit sich bringt, sondern wirft vor allem einen Blick auf die Allianzen die zwischen Menschen entstehen, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten, aber ein gemeinsames Ziel haben: den Schutz der Natur.
Der Film spielt sich an zwei Orten ab. Zum einen in dem kleinen Ort High Stables in England und im Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen.
Auf einem Treffen für Umweltschutz lernten sich Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst und High Stables kennen. Die Anwohner*innen des kleinen britischen Ortes wurden von der Firma “Banks Mining” unter Druck gesetzt, ihre Heimat zu verlassen, damit man die Kohle unter den Hügeln des sogenannten Pont Valley abbauen könne. Allerdings wollten sie diese Zerstörung nicht zulassen und wehrten sich. Ein jahrelanger Rechtsstreit entbrannte, bei dem sich die einfachen Bürger*innen von High Stables wie David gegen Goliath einer Armada von professionellen Anwälten des Kohle-Konzerns entgegen sahen. Als die Lage sich immer mehr zuspitzt, suchen sie Hilfe bei den erfahrenen Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst und erbauen das “Pont Valley Protection Camp”. Die Besetzung sollte zum einen die Bauarbeiten der Banks Group erschweren und verlangsamen, damit man mehr Zeit für den Rechtsstreit gewinnen konnte. Zum anderen begab man sich in Pont Valley auch auf die Suche nach einer bestimmten Molch-Art, um beweisen zu können, dass die Zerstörung der Landschaft ein schweres Verbrechen gegen den Artenschutz sei.
Dem Hambacher Forst drohte damals ein ähnliches Schicksal. 2018 wurde sogar der nahegelegene Ort Immerath dem Erdboden gleichgemacht und umgesiedelt. Doch schon seit mehreren Jahrzehnten tobte auch hier ein Rechtsstreit, bei dem sich Anwohner*innen für den Erhalt der Landschaft und Ortschaften einsetzen. Der Wald war mit Unterbrechungen insgesamt über 10 Jahre besetzt. Es entstand eine Gemeinschaft, ja sogar ein neues Zuhause für viele Menschen. Man baute zahlreiche Baumhäuser, Sanitäranlagen, Kochstellen und natürlich auch Barrikaden, um den Wald vor Räumungen zu schützen. Besonders spannend war der Einblick in die Tunnelsysteme unter dem Wald. Sie wurden von den Aktivits*innen angelegt und von einer Hand voll Personen besetzt, um es der Polizei nahezu unmöglich zu machen, den Wald zu räumen. Außerdem zeigte der Film mehrere Sitzblockaden, Aktivist*innen die sich mit Klettergurten in die Bäume hängten und andere, die sich mit sogenannten Lock-Ons in Baumhäusern fest ketteten.
All diese Strategien und Fertigkeiten, gaben die Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst an die Menschen in Pont Valley weiter. Der Film zeigt besonders schön, wie durch ein gemeinsames Ziel – der Schutz der Umwelt – ein Netzwerk der Solidarität zwischen Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt entstehen kann und auch wie wichtig dieses ist. Denn wir durften durch “FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE” nicht nur einen Blick in die Besetzungen werfen, sondern wurden auch mit dem rabiaten Vorgehen von Polizei und Security konfrontiert. Und ich denke, wenn uns die Bilder der Gewalt durch die Polizei schon so sehr bewegen und mehrere Tage gedanklich begleiten, dann kann man sich vorstellen, dass die Menschen, die das hautnah erleben mussten, noch viel länger damit zu kämpfen haben werden.
Alles in allem waren wir uns aber einig, dass der Film zwar auf eine dramatische Art und Weise darstellt, wie wichtig der Kampf für den Schutz der Natur ist und welche Ohnmachtsgefühle der Kampf gegen große Konzerne wie RWE und Banks Mining hervorruft. Aber vor allem gibt er uns auch Hoffnung. Denn beide Orte, High Stables und der Hambacher Forst, konnten am Ende, durch die unermüdliche Arbeit der Aktivist*innen gerettet werden.
Im Anschluss an den Film haben wir eine kurze Pause gemacht, um das Gesehene bei Snacks und Getränken erst mal sacken zu lassen. Dann ging es aber auch schon weiter mit einer regen Diskussionsrunde.
Zuerst stellten sich die Diskutant*innen vor: Christian Bläul von der Letzten Generation und Extinction Rebellion, Louise Hummel-Schröter vom BUND Dresden und Johannes Lichdi, Anwalt und Stadtrat in der Dissidenten Fraktion. Die Moderation führte David Luys. Der Soziologie-Student war früher bei Ende Gelände tätig und hat sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit intensiv mit der Letzten Generation auseinandergesetzt.
Nach einer Einstiegsrunde, bei der die Referent*innen Fragen beantworteten, die wir uns im Voraus überlegt hatten, wurde der Raum für Fragen aus dem etwa 30-köpfigen Publikum geöffnet. Nach dem üblichen anfänglichen Zögern, wer nun die erste Frage stellen solle, kam es zu einem angeregten Austausch. Wir sprachen über darüber, wann ziviler Ungehorsam legitim, ja vielleicht sogar nötig sei und wie weit er gehen darf. Auch das Thema Polizeigewalt regte die Gemüter an. Allerdings verlief der Meinungsaustausch immer in geordneten Bahnen, was vermutlich auch den ähnlichen Standpunkten der Diskutant*innen zu verdanken ist. Schließlich ging es nicht darum, ob man überhaupt etwas für den Umweltschutz tun sollte, sondern eher auf welche Art und Weise. So war es weniger eine hitzige kontroverse Diskussion, als vielmehr ein Austausch über Standpunkte und persönliche Betroffenheit.
Nachdem wir auch darüber sprachen, wie man sich als Umweltschützer*in am besten auf das Superwahljahr 2024 vorbereiten kann, blieb mir eine Frage aus dem Publikum besonders im Gedächtnis: Wie gehe ich mit dem Gefühl von Ohnmacht am besten um?
Das Gefühl, mit den eigenen Taten nichts ausrichten zu können, während man aus den Nachrichten von einer Katastrophe nach der anderen erfährt und beispielsweise der Kohleausstieg Deutschlands noch in weiter Ferne liegt (2038), kann sehr lähmend sein.
Die Diskutant*innen waren sich einig: Von Tag zu Tag denken und Aufgaben nach und nach erledigen. Aber auch mal eine Pause zu machen, sei wichtig. Sich um sich selbst zu kümmern und sich auf Freunde und Familie zu konzentrieren. Dazu gehört auch, immer mal wieder Abstand von den sozialen Medien zu nehmen oder sich auf besonders vertrauenswürdige Kanäle zur Informationsbeschaffung zu beschränken.
Schließlich ging es auch darum ob die Umweltaktivist*innen überhaupt noch Hoffnung haben oder ob das Gefühl der Ohnmacht überwiegt. Kurzum: Es besteht noch Hoffnung. Jede*r von uns kann einen Teil gegen den Klimawandel leisten und gleichzeitig dürfen wir nicht aufhören, unsere Forderungen an Regierung und Konzerne zu richten. Ich möchte allerdings noch das Zitat eines Aktivisten aus dem Film ins Gedächtnis rufen: “Ich tue es weiterhin, nicht weil ich Hoffnung habe, sondern weil ich das Gefühl habe, dass es das Richtige ist.”
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 04.03.2020 | Blog
Streiks, Blockaden, Besetzungen … Wie weit darf Aktivismus im Namen des Klimaschutzes gehen? Diese Frage stellten wir uns bei unserem offenen Filmabend zum Thema „Klimaaktivismus“, welcher am 26. Februar 2020 in der Filmgalerie Dresden stattfand. Eingeladen war ein Aktivist der Umweltbewegung „Extinction Rebellion“ (XR). Gemeinsam schauten wir uns die Dokumentation „Extinction Rebellion – Notwendiger Klimaschutz oder Ökoterrorismus?“ des Senders arte an. Danach folgte ein Gespräch mit dem Gastreferenten. Er erzählte erstmal ein wenig über sich und seinem Weg zu Extinction Rebellion, bevor er sich den Fragen der Zuschauer stellte. So entstand ein reger Austausch über die Ziele von XR und deren Einfluss auf die Gesellschaft.
Vielen Dank an die Filmgalerie Dresden e.V. für Bereitstellung ihrer Räumlichkeiten und die Unterstützung bei der Vorbereitung des Events. Besonderen Dank auch an unseren Referenten Arthur und an alle, die beim Filmabend dabei waren und interessiert Fragen gestellt haben. Ohne euch wäre die Veranstaltung nicht so ein großer Erfolg gewesen!