Von konservativer Umweltpolitik bis zu wachstumskritischen Wirtschaftstheorien

Von konservativer Umweltpolitik bis zu wachstumskritischen Wirtschaftstheorien

In der zweiten Juliwoche fand die vierte und letzte Seminarwoche des diesjährigen FSJ Politik-Jahrgangs statt. Diesmal ging es in den Osten Sachsens, in das Kloster St. Marienthal in Ostritz an der polnisch-deutschen Grenze. Entsprechend der idyllischen Umgebung mit Neiße und viel Natur war das Thema der Seminarfahrt „Klima und Nachhaltigkeit“. Außerdem hieß es auch schon langsam Abschied nehmen, da sich das FSJ dem Ende neigt.

Montag

Am 08.07. ging es los. Die gemeinsame Anreise mit dem Zug führte uns über Dresden, Bischofswerda und Görlitz zu einem Bahnhof mit dem klangvollen Namen Krzewina Zgorzelecka. Der Ostritzer Bahnhof liegt nämlich auf polnischer Seite, weshalb er auch den Namen des polnischen Nach­bar­dorfes trägt. Von dort ging es dann mit dem Bus weiter bis zum Kloster. Dort angekommen, gab es erst­mal Mittagessen, ehe es mit dem Seminar richtig losging. Dabei konnten wir uns als Gruppe und un­sere Unterkunft wahrnehmen. Für viele war es ungewöhnlich eine Woche in den Räumen eines Klos­ters zu leben, sodass das auch gleich für Gespräche gesorgt hat.

Nach dem Mittagessen ging es dann los. Um in das Thema einzusteigen, hatte das Orgateam einen Fra­gebogen mitgebracht, mit dem jede*r ihren oder seinen ökologischen Fußabdruck ermitteln konnte. Bei einigen sorgte das für Überraschungen, meistens, weil der Fußabdruck unerwartet groß war. Um aber noch tiefer in die Materie einsteigen zu können, haben wir uns in Gruppen mit verschiedenen Themen intensiver beschäftigt, z.B. Erneuerbare Energien, das Pariser Klimaabkommen und Fridays For Future. Gleich am Abend konnten wir dann unsere Fragen an die Politik loswerden, denn Matthias Reuter, Direktkandidat für die CDU in Ostritz bei der Landtagswahl, ist zu unserer Runde dazu gestoßen. Später am Abend konnten wir die laue Luft noch ein wenig an der Feuerschale genießen.

Dienstag

Am Dienstag ging es dann mit einem Blick auf die Landtagswahl unter dem Stichpunkt Klima und Nachhaltigkeit weiter. Welche Parteien welche Positionen beziehen, war die Frage. Danach gab es noch eine Klosterführung. Dabei konnten wir einiges über den Ort, an dem wir unser Seminar verbrachten, lernen. Zum Beispiel, dass die Nonnen, die in dem Kloster leben, sich demokratisch eine Äbtissin wählen, die dann aber weitgehend allein über viele wichtig Sachen zu entscheiden hat. Oder dass die Form, wie die Nonnen zusammen leben, Parallelen zum Kommunismus aufweist: Sie verpflichten sich keinen persönlichen Besitz zu haben, sodass alle Besitztümer, Geschenke, Einkommen etc. in dem Besitz des Klosters aufgehen.

Nach dem Mittagessen begann ein sehr spannender Teil des Seminars: Ein Workshop vom „Konzeptwerk Neue Ökonomie“ (KNÖ), ein Leipziger Verein, der sich damit auseinandersetzt, ob man nicht auch ohne Wirtschaftswachstum wirtschaften kann. Im Workshop hatten sie auch immer wieder spannende Methoden eingebaut, die spielerisch an das Thema heran­ge­führt haben. Am Nachmittag gab es dann noch eine Einführung in die Themen Wirtschaftswachstum, CO2-Emissionen und andere wichtige Theorien aus dem Bereich Postwachstum. Den Abend ließen wir mit einem der fast schon traditionellen Quiz ausklingen.

Mittwoch

Mittwochvormittag wurde der Workshop vom KNÖ unterbrochen, da wir wieder ein Gespräch mit einem CDU-Politiker hatten. Diesmal mit Sebastian Fischer, der bereits Mitglied des Sächsischen Landtags ist (und sich auch wieder bewirbt) und mit dem viele deutlich mehr inhaltliche Differenzen hatten. Bereits vorher hatten wir überlegt, wie wir das zweite Gespräch interaktiver gestalten könnten, sodass wir stärker unsere eigene Meinung deutlich machen können und es kein reines Frage-Antwort-Spiel bleibt. Ich würde sagen, das ist uns auch gelungen. Es war sehr spannend, mit Herrn Fischer zu diskutieren, da wir uns innerhalb der Seminargruppe oft in vielen Punkten einig sind und wir somit einmal aus der sogenannten Fliterblase rausgekommen sind.

Nach dem Gespräch ging es mit dem Workshop weiter, wobei wir uns mit verschiedenen sozialen Bewegungen beschäftigt haben. Außerdem ging es darum, wie man zufrieden oder glücklich sein kann ohne zu konsumieren. Welche anderen Zufriedenheitsquellen gibt es? Dazu gab es auch noch einige Übungen. Abends gab es die Möglichkeit, einen Film über die (Billig-)Produktion von Kleidung zu schauen.

Donnerstag

cc Erlebnisschule Sachsen, André Tjuljumbow Eine Gruppe bahnt sich blind und ohne zu reden den Weg durch das Kloster.

Der Donnerstag begann mit zwei Workshopmöglichkeiten: Erstens zu Ernährung, Tierhaltung und Klima und zweitens zu Minimalismus. Das Mittagessen haben wir an diesem Tag selbst gemacht. Es gab Wraps mit diversen Gemüsefüllungen und selbstgemachtem Hummus. Außerdem einen leckeren Erdbeer-Crumble zum Nachtisch. Nach dem Mittagessen ging es schon mit einer erlebnispädagogischen Freiwilligenjahr­auswertung weiter. Dabei gab es drei Stationen: Einmal den Rückblick auf Vergangenes, was wir mit Landart (Kunstform, bei der man ein „Bild“ mit Naturmaterialien malt) umsetzten. Außerdem der Ausblick auf unsere Ziele, dabei lernten wir ein wenig Bogenschießen. Und noch eine Selbstreflexion, bei der wir unsere Rolle im Team ausgewertet haben. Um das Ende noch richtig zu feiern, gab es eine „Dänce-Party“ am letzten Abend.

Freitag

Do widzenia, Krzewina Zgorzelecka!

Am Freitagvormittag ging es noch ein wenig weiter mit der Auswertung des FSJs. Dabei konnten wir uns untereinander noch ein wenig austauschen. Mittags ging es dann schon wieder nach Hause. Schnief.

Und insgesamt?

Rückblickend auf das gesamte Seminar kann ich sagen, dass ich viele neue spannende Gedanken in meinem Kopf habe. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, und war, wie jedes Mal, auch eine echt intensive Zeit. Was ich besonders spannend fand, war die Idee, bewusst keine Politiker*innen von linken/progressiven Parteien einzuladen. Die Idee dahinter war, dass wir uns mit denen wahrscheinlich sowieso ziemlich einig wären. Deshalb wollte das Orgateam noch ein bisschen Kontroverse schaffen, sodass wir zwei Gespräche mit zwei CDU-Politikern hatten und wir hatten die Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken. So kommt es also auch zu der Überschrift dieses Artikels: Von konservativer Umweltpolitik zu wachstumskritischen Wirtschaftstheorien.

Schade ist, dass es schon das letzte Seminar war, und auch, dass sich das FSJ schon dem Ende neigt. Aber man sieht sich immer zwei Mal im Leben – nicht wahr?

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Where do I belong? Internationale Begegnung in Dresden - Teil 1

Where do I belong? Internationale Begegnung in Dresden - Teil 1

Jedes Jahr organisiert der PJR Dresden e.V. eine internationale Jugendbegegnung in Kooperation mit anderen Partnerorganisationen, um europäische Werte und Demokratie in einem interkulturellen Kontext zu fördern. Ende März sind Jugendliche aus Deutschland, Spanien und Ukraine in Dresden zusammengekommen, um eine Woche im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung zusammen zu verbringen. Unter dem Motto „Where do I belong? Identities in today's world“ wurden unterschiedliche Veranstaltungen durchgeführt, wie zum Beispiel eine Stadtführung mit einem Einblick in die Situation von Geflüchteten in Dresden oder eine Auseinandersetzung mit der eigenen individuellen und kollektiven Identität durch partizipative Methoden.

Die Woche hat mit einem unerwarteten Geschenk des deutschen Wetters angefangen. 23. März und der Frühling war schon in Dresden angekommen: angenehme Hitze, schöne Sonnenstrahlen und Blumen überall an der Elbe.  Nach einem Anreisetag voller Emotionen und ersten Kennenlernen haben die Teilnehmende zum offiziellen Anfang des Programmes den Sonntag im Stadtteilhaus verbracht. Dort haben sie an unterschiedlichen Spielen teilgenommen und es wurden die ersten Diskussionen über das Thema des Austausches durchgeführt. Das Ziel? Einen inhaltlichen Einstieg in die Frage „Where do I belong? Was für Identitäten habe ich?“ zu ermöglichen. Da die Teilnehmende aus sehr unterschiedlichen (inter)nationalen und kulturellen Kontexten kam, waren die Konversationen stets sehr fruchtbar.

Jeden Tag haben die Teilnehmende ein neues Thema in Bezug zu Vielfalt und Diskriminierung entdeckt: eine Stadttour von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung, ein Besuch im Gerede e.V. und ein Gespräch über LGBT* in Dresden und Umgebung, ein Workshop zum Thema kollektive Identität und Denkmäler mit Arbeit vor Ort im Heidefriedhof und eine Reflexion über die Bombardierung in Dresden… Die Fragen beziehungsweise Bereiche waren vielfältig und so war die Begegnung ein großes Mosaik von Momenten.

Besonders interessant war der Ausflug nach Bautzen, wo die Teilnehmende die Gelegenheit gehabt haben, im Kontakt mit der sorbischen Kultur zu kommen. Die Auseinandersetzung mit einer kulturellen Gruppe, die eine andere Sprache und Geschichte hat, war eine Überraschung für viele. Außerdem haben die Teilnehmenden aus der Ukraine und aus Spanien/Katalonien zwei Workshops zu der/den Kultur(en) ihres Landes gehalten. Alles mögliche ist in den Workshops passiert, von Fragen zu den berühmten Persönlichkeiten in der Ukraine bis zum Referendum des 1. Oktobers in Katalonien, von dem traditionellem Volkstanz der Ukraine bis dazu wie man in Katalonien Weihnachten feiern kann.

Während der Begegnung haben die Teilnehmende angefangen, einen Blog gemeinsam in kleinen Gruppen zu erstellen. Der Blog soll einen Raum für die Reflexion und Berichte über die Erfahrung werden und es wurde viel geschrieben, gemalt und gezeichnet. Die Gruppen waren gemischt und die Sprachvielfalt wurde gefeiert, da in der Gruppe Deutsch, Englisch, Spanisch, Ukrainisch, Russisch, Katalanisch, Persisch, Arabisch und noch mehr Sprachen gesprochen wurden.

Nach einer Woche voller neuen Erfahrungen kam der Moment des Abschieds. Obwohl aller Abschied fällt schwer, war er diesmal nur ein „Bis später!“, da der zweite Teil der Begegnung näher rückt. Mitte Juni werden die deutsche und ukrainische Delegation nach Katalonien fliegen. Uns erwartet eine gemeinsame Woche mit Blick auf die spanische Geschichte und ein audiovisuelles Projekt! Can´t wait!

Diese Maßnahme wurde finanziert durch Mittel von Erasmus+, durch Fördermittel des Programms " Interregionale und grenzübergreifende Zusammenarbeit" des Freistaat Sachsens sowie von der Landeshauptstadt Dresden.

Ein Hauch von Europa – die EU bei der Arbeit

Ein Hauch von Europa – die EU bei der Arbeit

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/54/Brussels_Cinquantenaire_R03.jpg [12.04.2019]

Mitte März fand die inzwischen schon vorletzte Seminarfahrt der sächsischen FSJ-P-Seminargruppe statt. Unser FSJ-Pler Carl war mit dabei. Der PJR war Mitorganisator der Fahrt, wir haben dafür gesorgt, dass die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Die inhaltliche Ausgestaltung lag, wie bei den Seminaren üblich, bei den FSJ-Pler*innen. Die Fahrt stand unter dem Thema: „Vor der Europawahl: Nationalpopulisten im Aufwind?!“

Am Sonntag, dem 17. März, ging es los. Früh um acht Uhr trafen wir uns in Dresden, um mit dem Bus loszufahren. In Leipzig haben wir dann die restlichen FSJ-Pler*innen eingesammelt. Wir sind den ganzen Tag gefahren und kamen abends gegen 19 Uhr in Brüssel an. In unserem Hotel (ein Passivhaus !) konnten wir uns dann von der langen Fahrt ausruhen.

Am Montag ging unser recht straffes Programm dann gleich los. Zu Beginn hatten wir eine sehr interessante historisch-politische Stadtführung. Wir konnten auf sehr lebhafte Art und Weise erfahren, wie sich die Stadt entwickelt hat und warum Brüssel heute so aussieht, wie es aussieht. Nach dem Mittag waren wir im Sächsischen Verbindungsbüro in Brüssel. Dort haben wir Christian Avenarius, den Leiter des Büros getroffen. Danach konnten wir den Raum dort nutzen, um selbst vorbereitete Workshops zum Thema Europäische Union, Populismus und Nationalismus durchzuführen. Nachdem wir also gebrieft waren, wie es in Brüssel abläuft, konnten wir wieder ins Hotel fahren und dort den Abend genießen.

Am nächsten Morgen mussten wir schon um 07:30 (!) vom Hotel losfahren, da wir in aller Frühe einen Termin mit dem Besuchsdienst im Europäischen Parlament hatten. Nachdem wir also den Plenarsaal gesehen haben, sind wir ins benachbarte Parlamentarium gegangen. Das Parlamentarium ist eine Ausstellung über die Europäische Union und deren Geschichte. Nachmittags konnten wir dann noch zwei Organisationen kennenlernen: Einmal die das Brüsseler Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung, eine Stiftung, die der SPD nahesteht und sozusagen sozialdemokratische Lobbyarbeit betreibt. Außerdem waren wir bei den „Jungen Europäischen Förderalisten“, eine proeuropäische Jugendorganisation, die Bildungsarbeit zum Thema EU macht und dabei für das europäische Projekt wirbt und andererseits eine Stärkung der demokratischen Strukturen in der EU fordert.

Am Mittwoch, unserem letzten Tag in Brüssel, hatten wir die Möglichkeit Constanze Krehl, eine SPD-Abgeordnete im Europäischen Parlament, kennenzulernen. Nachdem wir miteinander ein wenig diskutieren konnten, hatten wir den restlichen Vormittag Freizeit, um am Nachmittag eine selbstvorbereitete Lobbystadttour durchzuführen. Es war beeindruckend und auch ein wenig erschreckend, wie nah die einzelnen Akteure aneinander sitzen und welche hohe Dichte es an Lobbyakteuren gibt. Wir haben festgestellt, dass es natürlich wichtig ist, dass es Lobbyarbeit gibt, aber es wichtig ist, dass diese transparent abläuft, was man in Brüssel nicht schlussendlich behaupten kann. Danach konnten wir uns mit dem Journalisten Eric Bonse über seine journalistische Arbeit in Brüssel austauschen, was auch nochmal eine interessante Perspektive auf das Thema geworfen hat.

Am Donnerstag ging es dann auch schon wieder nach Hause. Nach dieser sehr intensiven Woche, in der wir viele verschiedene Akteure und Institutionen kennenlernen konnten, war es sehr schön, wieder nach Hause zu kommen, und erstmal die Ereignisse verarbeiten zu können. Die Europäische Union bleibt auf jeden Fall kompliziert, aber ist ein bisschen näher an unsere Lebenswelt herangerückt, womit das Ziel der Reise wohl erfüllt sein mag.

Mach(t)Wörter – Democracy Slam

Mach(t)Wörter – Democracy Slam

Am vergangenen Samstag ging es im Johannstädter Kulturtreff poetisch zu. Der „Democracy Slam“-Workshop, der von uns in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt wurde, fand mit insgesamt neun Teilnehmenden statt. Dominik Erhard, der als erfahrener Poetry Slammer den Workshop inhaltlich gefüllt hat, hat die Teilnehmenden behutsam und professionell an das Genre „Poetry Slam“ herangeführt und durch verschiedene Übungen konnten wir kreative Ressourcen freilegen. Insgesamt sind bei allen zwei Texte oder Textideen, die es mitunter echt in sich hatten. Da zum Poetry Slam auch der Vortrag gehört, haben wir unsere Texte uns gegenseitig präsentiert und bei einigen hat sich schon eine steile Slammer*innenkarriere abgezeichnet, wenn man die Qualität des Vortrags und des Texts selbst betrachtet.

An anderer Stelle konnten wir spannende politisch-gesellschaftliche Fragen (z.B. Funktioniert eine Gesellschaft mit Autoritäten? Wer verdient eigentlich Autorität und wodurch?) diskutieren, was wiederum als Anregung für die anschließende Schreibübung diente. Wir sind gespannt, ob eine*r „unserer“ Teilnehmenden auf dem Democracy Slam der Leipziger Buchmesse auftreten wird!

Wir wünschen den Teilnehmer*innen noch viele poetische Momente und wünschen ihnen immer einen guten Text, ob für das Ohr oder selbst vorgetragen! Und vielleicht gibt es ja eine Wiederholung dieses Workshops, seid gespannt…