Der Herbst ist hier - Neues aus dem Leben des Europäischen Freiwilligen

Der Herbst ist hier - Neues aus dem Leben des Europäischen Freiwilligen

Jetzt ist eine Weile vergangen, seit ich nach Dresden gezogen bin, und in der Zwischenzeit ist viel passiert. Als ich vor zwei Monate meinen ersten Blogbeitrag geschrieben habe, war es draußen grün und bunt. Jetzt hat der Herbst seine gelben und braunen Farben über Dresden gebreitet und der verlängerte Sommer, den ich hier in Dresden bekommen habe, ist vorbei – das Wetter wird zunehmend dänisch, und das ist kein Vorteil.

Tablettour zum Thema Nationalsozialismus in Südvorstadt/Plauen, Dresden mit Schülern von Gymnasium Bühlau

Nicht nur draußen ist viel passiert, sondern auch im Büro. Wir haben vor allem ein 7-tägiges Projekt zum Thema Bombardierung Dresdens mit einer Schulklasse aus Bühlau gehabt. Es nahm viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch und ist sehr gut gelungen. Leider konnte ich fast nur zur Vorbereitung dabei sein, da ich letzte Woche mein erstes EFD-Seminar hatte, das Einführungsseminar in Weimar. Eine Stadt, wie ich herausfand, mit unglaublich vielfältiger Geschichte und Kultur. Von Goethe über Bauhaus bis zum Nationalsozialismus – alle haben sie ihre Spuren in der idyllischen Stadt hinterlassen.

Zeit für ein Bild auf der Brücke vor dem Stadtschloss während unsere „Entdeckt Weimar“-Stadttour

Die Tage waren vollgepackt mit der Möglichkeit neue Leute kennenzulernen, an Workshops teilzunehmen, kulturellen Austausch zu erleben und noch vielem mehr. Wenn 20 Leute mit so vielen unterschiedlichen Fähigkeiten aus Ländern sowohl innerhalb als außerhalb Europas Grenzen zusammenkommen, ergibt sich eine tolle Chance sich selbst herausfordern zu lassen und Neues zu lernen. Es war eine intensive Woche, wo ich viel Inspiration aus anderen Projekten und von Freiwilligen kriegte, und wo neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit entstanden.

Jetzt bin ich wieder zurück in Dresden mit großer Motivation neue Projekte und Aufgaben anzugehen. Draußen verlieren die Bäume mehr und mehr ihr Laubkleid, während der Winter sich nähert.

Der Europäische Solidaritätskorps wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.

Rückblick auf ein Jahr EFD beim PJR – Teil 2

Rückblick auf ein Jahr EFD beim PJR – Teil 2

Das Jahr 2019 begann für mich in Dresden mit einem Blick auf die gesamte Stadt und die Feuerwerke. Im Büro standen Anfang Januar organisatorische Aufgaben für die Jugendbegegnung „Where do I belong“ an, eine trinationale Veranstaltung für Teilnehmende aus Ukraine, Deutschland und Spanien. Ich war von diesem Projekt sehr begeistert, da ich niemals eine riesige Begegnung von Anfang an mitorganisiert hatte, obwohl ich schon als Betreur und Workshop-Teamer in anderen Projekten mitgemacht hatte. Da ich bisher eher DIY- und kleine Veranstaltungen organisiert hatte, war dieses große europäische Projekt schon eine Lernerfahrung. Auch wenn es dabei viel neues für mich gab, habe ich mich niemals wirklich überfordet gefühlt, da wir immer im Team arbeiteten und ich die nötige Unterstützung hatte. Besonders cool war es, sich bestimmte Lernenziele selber zu setzen und sie zu erfüllen. Großes Beispiel: Finanzen sind eine von meinen Schwächen und ich hatte die Möglichkeit, mit Begleitung meines Tutors Finanzpläne zu erarbeiten oder ein Budget zu erstellen. Als Co-Betreurin kam Franca, an deren Auswahl ich beteiligt war, schon im Januar dazu und wir haben gemeinsam den Plan für den erste Teil in März gestaltet.

[cmsms_heading type=“h4″ font_weight=“400″ font_style=“normal“ text_align=“default“ target=“self“ margin_top=“0″ margin_bottom=“20″ animation_delay=“0″]Mid-Term-Meeting & Planungen für die Jugendbegegnung[/cmsms_heading]

In Januar hatte ich auch mein Midterm-Treffen, ein zweites Seminar, das alle EFDler*innen mitmachen müssen. Ich bin aufgrund des Seminares eine Woche nach Hamburg gereist und die Eindrücke der Straßen voller Schnee, den roten Gebäuden, den Punk Shows und dem Hafen sind in meinen Kopf geblieben. Bei dem Seminar hatte ich auch die Möglichkeit, andere Freiwillige wieder zu sehen und Pläne für künftige Besuche zu basteln. Es war auch schön, eine Woche Dresden zu verlassen, ein change of scenery zu genießen.

Die nächste Monate hatten als Hauptpunkt die internationale Begegnung. Wir haben im Februar ein Vorbereitungstreffen mit den Betruer*innen der drei Länder organisiert und gemeinsam weiter an der Planung und Durchführung gearbeitet. Das Thema der Begegnung war Identität auf einer individuellen und kollektiven Ebene. In Dresden sollte es um eine praktische Einführung in das Thema gehen und auch um die Prägung, die Identität im Leben unterdrückter Menschen hatte. Eine große Rolle spielte auch die Auseinandersetzung mit Fragen der Identität in Bezug zu Nation, Zugehörigkeit, Staatsangehörigkeit und Kultur. Politische und gesellschaftige Konflikte, die mit Identität zu tun hatten - das wollten wir auch alles thematisieren! Ihr könnt mehr von der Begegnung „Where do I belong“ hier und hier erfahren.

[cmsms_heading type=“h4″ font_weight=“400″ font_style=“normal“ text_align=“default“ target=“self“ margin_top=“0″ margin_bottom=“20″ animation_delay=“0″]Besuch aus und in Spanien[/cmsms_heading]

Nach dem ersten Teil der Begegnung in Dresden habe ich eine Woche Urlaub genommen und einen schönen Besucht in Dresden begrüßt: meinen Vater! Zusammen haben wir gentrifizierte Kieze in Berlin entdeckt, viele Picknicks an der Elbe mit Fotoshooting unter Kirschbäumen spontan organisiert und viel Kaffee in Prag getrunken, vielleicht weil die Stadt zu schön war und eine Woche für drei Städte nicht so gut reicht, wenn man auch schlafen will. April war ich nicht so oft im Büro, da die Osterwoche kam und ich am Ende des Monats nach Spanien geflogen bin, um Freunde zu besuchen und an der spanischen Parlamentswahl teilzunehmen. Es war eine entscheidende Wahl für Spanien, mit interessanten Ergebnissen für ein Land, in dem Koallitionspolitik nicht so üblich ist. Die Sozialdemokraten PSOE haben eine gute Position bekommen, die konservative Rechtspartei PP hat das schlimmste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, die nationalpopulistische Partei Vox ist im Parlament vertreten… Auf jeden Fall eine interessante Zeit!

(Bilder von einem Wochenende in Polen: Veganes Frühstück in einer anarchistischen Bücherei und selbstorganisierter Kunst Workshop an der Universität Poznan)

Die Frühlingsmonate waren wärmer und die Tage länger, ein perfekter Moment, um in Dresden neue Wanderrouten in der Sächsischen Schweiz zu laufen und den Sonnenuntergang an der Elbe zu sehen, ein Mate in der Hand. Was für eine schönes Leben! Die Vorbereitung für den zweiten Tag der Begegnung ging los. Gleichzeitig habe ich eine Gedenkfahrt nach Lidice mitorganisiert und als Co-Teamer in Wahlworkshops mitgemacht. Dank dieser Workshops habe ich viel über Politik in Deutschland gelernt und das System besser verstanden. In Mai und Juni habe ich auch Besuche bekommen und alles, von einer CSD-Party bis zum einen Picknick in Breslau, war irgendwie voller Licht und Sommerfarben.

(Blumen und Wanderroute in Katalonien)

(Sonnenuntergang am Spree in Berlin)

Während meines Freiwilligensjahres in Dresden habe ich auch über viele Fragen und Ideen für meine Zukunft nachgedacht. Sollte ich zurück nach Leipzig? Oder lieber doch in Dresden bleiben? Vielleicht ein neues Leben in Berlin starten, oder doch nach Hamburg umzuziehen… Am Ende war die Entscheidung ziemlich einfach: ich bin in Dresden geblieben! Da der PJR e.V. mir sehr am Herzen liegt, werde ich sicherlich ehrenahmtlich aktiv bleiben. Dann ist dieser Text keine Verabschiedung, sondern einfach ein kleines „Bis dann!“. „Decir adiós“, oder meine direkte wörtliche Übersetzung in Deutsch, „Tschüssi sagen“. Bis bald!

Der Europäische Freiwilligendienst wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.

Rückblick auf ein Jahr EFD beim PJR

Rückblick auf ein Jahr EFD beim PJR

Die (Freiwilligendients)zeit vergeht! Zwölf Monate in Dresden sind vorbei, ein Jahr voller neuer Erfahrungen, Menschen und Erlebnisse. Als ich mein Freiwilligenjahr angefangen hatte, hatte ich als Ziel, mindestens einmal pro Monat einen Beitrag für unseren Blog zu schreiben, von meinem Leben in Dresden zu berichten und neue Informationen mitzuteilen. Leider, oder vielleicht glücklicherweise, gab es soviele Projekte und interessante Veranstaltungen, dass Schreiben für den Blog nicht oben auf meiner Prioritätenliste landete. Schade, da ich das Schreiben liebe!

Jetzt sitze ich am Strand in meiner Heimatregion in Spanien, Galicien. Das Geräusch der Wellen, ein fernes Flüstern. Die Sonne und ihr Kampf mit den Wolken an diesem kühlen Sommertag. Die Menschen, die an meinem Café vorbeilaufen und das Lachen. Ich trinke einen Café con hielo, eine übliche Variante des Kaffees für den Sommer, starker Expresso mit Eiswürfeln. Ich denke darüber nach, wie ich vor einem Jahr Dresden kennengelernt habe und was für einen gemischten Eindruck ich von der Stadt hatte: die sehr grüne Lage und die Natur, die hohen Gebäude, die ruhigen Stadtteile mit unerwarteten Sehenwürdigkeiten (hallo Loschwitz!), die bunte Neustadt… Und die Menschen!

Die ersten Monate

Mein erster Monat in Dresden war schon voller beindruckende Veranstaltungen. Ich habe schon in der ersten Woche ein Ausreiseseminar mitgemacht, einen Tagesworkshop für künftige Freiwillige, die ins Ausland gehen. Für mich war es von Anfang schon klar und schön, dass ich meine Idee in das Team einbringen konnte und dass ich Zeit und Raum hatte, eigene Idee zu entwicklen und umzusetzen. Das war auch der Fall bei der internationalen Begegenung am Ende des Monats, die ich mitbetreut habe. Es ging um bürgerschaftliches Engagement und die Woche haben wir in Leipzig verbracht, wo ich schon ein Jahr gelebt hatte. Und ja, ich werde ziemlich regelmäßig gefragt, ob ich Dresden oder Leipzig am liebsten mag, aber man muss keine Entscheidung treffen und darf mehr als eine Liebe haben.

Während dern Herbst- und Wintermonate ging es weiter mit der Organisation und Durchführung von Bildungsveranstaltungen und die ersten Schritte zur Gestaltung einer neuen internationalen Begegnung wurden getan. Für mich bedeutete diese Zeit die Gelegenheit, mich in der Schule bei unterschiedlichen Projekttagen auszuprobieren, wie zum Beispiel bein Klassenrat oder zum Thema Social Media. Es waren Bildungsformate, die schon feststanden und es war sehr interessant für mich, neue Methode kennenzulernen, besonders beim Klassenrat. Lernen durch machen ist etwas, dass mir sehr gefällt, und das ist die Philosophie hinter einem Freiwilligendientsjahr oder EFD / ESK.

Lern- und Lehrdienst EFD

Außerdem habe ich weitere interessante Erlebnissen in diesem Monaten gesammelt. Ein Schulaustausch fand statt mit Schüler*innen aus Israel und Deutschland. Das war ziemlich neu für mich, da ich nicht so oft mit Schüler*innen in einem internationalen Kontext gearbeitet hatte. Es war aber eine perfekte Situation, um Methoden auf Englisch anzuwenden und ein bisschen Hebräisch zu lernen. Verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten habe ich auch mit Hilfe meiner Organisation besucht und ich bin unglaublich dankbar dafür. Es ging um Rassismus und Mehrfachdiskriminierung, Rechtextremismus, Feminismus und Trans*feminismus, Menschenrechtsbildung und konkrete Methoden der MRB, usw. Es waren Veranstaltungen, die meinen Horizont auf jeden Fall erweitert haben und die mir neue Kentnisse und Fähigkeiten beigebracht haben.

Herbst und Winter in Deutschland waren auch eine interessante Zeit für mich persönlich. Ich habe viele interessante Orte in Dresden entdeckt, mit meinem Lieblingssport weitergemacht, bei anderen Organisationen ehrenahmtlich mitgemacht und die nicht so vielen Lichtstunden irgendwie akzeptiert. Ich bin auch ein bisschen gereist. Ich habe eine Freundin in Rom besucht und das war ein schönes Wochenende mit viel Laufen, leckerem Essen und Acroyoga im Park. Breslau, Prag, Posen, Berlin, Leipzig… Das waren auch Zielorte für mich, da ich dort Menschen besucht habe. Ich muss trotzdem sagen, dass die Wochenende, die ich in Dresden geblieben bin, jeweils auch wie kleine Reisen waren: jedes Mal ein neuer Stadtteil, ein neues Cafe, ein neues Kino. Eine Stadt mit neugierigen Augen zu entdecken, was für ein Abenteuer!

Fortsetzung folgt…

Der Europäische Freiwilligendienst wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.

Die erste Zeit in Dresden

Die erste Zeit in Dresden

Mein Kollege Carl und ich beim U18-Wahllokal im Plauener Bahnhof

Hallo! Ich heiße Kristian, ich komme aus Dänemark und ich bin der neue ESK-Freiwillige beim PJR. Das nächste Jahr soll ich für den PJR arbeiten, das heißt, ich werde auch Blog-Einträge schreiben, und hier kommt der erste.

Nach einer 10-stündigen Zugfahrt landete ich am 1. August am Bahnhof Neustadt und zog danach in meinem WG-Zimmer ein. Die WG ist toll, und freundliche Leute wohnen da! Schon der nächste Tag, Freitag, wurde mein erster Arbeitstag. Er verlief gut. Erst gab es ein bisschen Einführung und Papierarbeiten, wobei ich die ersten Dokumente bekam - die Arbeit hat schon angefangen. Am Anfang wird es vor allem um Überlegungen zu Lernzielen und um eine Einführung in verschiedene Projekte gehen.

Nach dem Mittagsessen betreuten wir eine U18-Wahl-Kabine. Einige trotzten der entspannten Sommerurlaub-Stimmung und kamen um ihre demokratische „Pflicht“ auszuüben 🙂 – nach einem Wahl-O-Mat konnten sie ihre Stimme abgeben.

Als ich heute diesen Blog-Eintrag schreibe, habe ich gerade an einer Sitzung teilgenommen, bei der es um eine Jugendbegegnung zwischen deutsche und russische Jugendliche ging. Eigentlich habe ich nur zugehört – die Sprache ist immer noch eine Barriere, aber hoffentlich nicht bleibend. Ich freue mich darauf, noch mehrere deutsche Ausdrücke zu lernen.

Bis später,

Kristian

 

Der Europäische Freiwilligendienst wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.

Jugendbegegnung „Where do I belong“ – auf den Spuren des spanischen Bürgerkriegs

Jugendbegegnung „Where do I belong“ – auf den Spuren des spanischen Bürgerkriegs

Mit dem Juni kommt der Anfang des Sommers, die große Hitze, die erste Ferienwochen… und der zweite Teil der internationalen Jugendbegegnung „Where do I belong“. Die Gruppe von dreißig Jugendliche, die sich schon eine Woche im März mit Fragen der eigenen und kollektiven Identität auseinandergesetzt hatte, ist am 8. Juni nach Terrasa gefahren. Der zweite Ort des Projektes, in unmittelbarer Nähe von Barcelona, ist die viertgrößte industrielle Stadt in Katalonien und hat eine bunte Geschichte. Das Ziel der Woche war hauptsächlich die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Identität durch neue Fragen im Bezug zum kollektivem Gedächtnis. Aber wie? Die Teilnehmende erwarteten unterschiedliche Workshops, Ausflüge und Aktivitäten.

Buddies und partizipative Methoden

Am ersten Tag, den Sonntag, hatten wir als Ziel gesetzt, uns besser kennenzulernen und einen theoretischen Sprung in das Thema zu machen. Mithilfe unterschiedlicher partizipativer Methoden wurden die Teilnehmenden motiviert, mitteinander ins Gespräch zu kommen. Es wurde anhand von verschiedenen Methoden über die Eigenschaften der eigenen Persönlichkeit geredet. La Vibria Internacional, die Organisation, die uns empfangen hat, moderierte diese Einheiten. Zum Beispiel wurde am Nachmittag die Themen eigene Identität und Wirkung der Staatsangehorigkeit in der Lebensgeschichte diskutiert, aber nicht in Plenum oder in einer frontalen Bühne, sondern durch eine Methode, die „Fishbowl“ heißt und die den Teilnehmenden die Gelegenheit gegeben hat, Rollen ständig zu wechseln.

Auch wurde das organisatorisch am ersten Tag kommuniziert und die Teilnehmende haben selbst an die gemeinsamen Regeln für unsere Begegnungswoche gebastelt. Dadurch konnten die Teilnehmende klar machen, welche Bedürfnisse für sie wichtig waren und ein schönes Miteinander zusammen gestalten. Auch wurde ein sogenannte „Buddy-System“ organisiert. Das heißt, jede*r Teilnehmeri*in hatte einen Buddy, eine Person die für sie sorgte und sich um einander kümmern sollte. Das galt für wichtige Kleinigkeiten (pünktlich zu sein!) und für generelles Wohlgefühl.

Ausflüge in die Geschichte

Am Montag sind alle Teilnehmende mit einem Ausflug an drei wichtige Orte in der spanischen und katalanischen Geschichte gereist. Zuerst haben wir das Museum für Exilium besucht, eine Initiative in La Jonquera (Spanien). In dem Museum kann man erfahren, wie die spanische beziehungsweise katalanische Geflüchtete vor dem spanischen Bürgerkrieg fliehen mussten. Mit einer Führerin hatten wir die Gelegenheit, viele Daten zu der Geschichte des spanischen Bürgerkriegs zu erfahren, wie beispielseweise Details zur katalanischen Republik, zum Anfang des Krieges durch einen Staatsstreich, über die Lager in denen die Geflüchteten untergebracht waren, über die gefährlichen Routen durch die Pyrenäen und die besondere Rolle, die das Nazi-Regime in der Ermordung von spanischen beziehungsweise katalanischen Wiederständler/innen nach dem spanischen Bürgerkrieg und in der Zeit des Franco-Regimes spielten. Danach sind wir über die Grenze nach Frankreich gefahren und haben zwei Gedenkstätte zum selben Thema besucht. Unsere Begleiterin hat den ganze Tag mit uns verbracht und alle mögliche Fragen beantwortet.

Einführung in das Thema „Oral History“

Am nächsten Tag hatten wir Besuch einer wissenschaftlichen Referentin, Roser Grau von der CERCA Organisation, die einen Workshop zum Thema mündliche Quellen / Oral History gehalten hat. Sie hat mitgeteilt, wie man Interviews mit Zeitzeug*innen durchführen kann und was man dabei beachten muss. Der Workshop war zwar etwas theorethisch und manchmal schwierig zu folgen, da eine große Sprachenvielfalt in der Gruppe existierte. Die Referentin und spontane Dolmetscher*innen haben sich Mühe gegeben und am Ende des Tages haben wir sogar eine Probe für ein Gespräch gemacht. Ziel des Tages war eine Vorbereitung für die kommende Veranstaltungen: wir würden unsere eigene Interviews durchführen und aufnehmen, da wir alle Zeitzeugn*innen unserer Zeit und besonderen Ereignissen sind.

Die drei Delegationen – die deutsche, die ukrainische und die katalanische - hatten während der Gruppenarbeit Zeit sich mit einem selbst gewählten Thema zu beschäftigen. Das Thema sollte für den Kontext des eigenes Landes relevant sein; beispielsweise das Referendum für die Unabhängigkeit Kataloniens am 1. Oktober 2017 oder die Situation mit Rechtextremismus in Deutschland. Nach viel Arbeit kam der Spaß: der ukrainische Abend, wo die ukrainische Gruppe sich viel Mühe gegeben hat, einen wundervollen kulturellen Abend zu gestalten.

Am Mittwoch hatten wir noch einen zweiten Workshop zu mündlichen Quellen, diesmal zu den technischen Aspekten hinter eines Interviews. Unser Referent hat uns gezeigt, wie man ein Gespräch mit der Kamera gestalten kann und was für ein gutes und hilfreiches Ergebnis wichtig ist. Danach hatten wir Zeit für die Aufnahme unsere eingene Videos. Wir haben uns in Gruppen von drei Personen geteilt und ständig die Rollen gewechselt: die Person, die Fragen stellt. Die Person, die Fragen beantwortet. Die Person, die mit der Kamera aufnimmt. Am Nachmittag haben wir Feedback für unsere Projekte von Roser bekommen und der Tag kam zu seinem Ende mit dem deutschen Abend, der auch eine besondere Erfahrung war.

Film mit Besuch des Regisseurs

Für den Donnerstagvormittag war die Vorstellung eines Filmes geplant, der „El retratista“ heißt und der die Geschichte eines Lehrers in einem kleinen Dorf in Spanien erzählt. Der Lehrer war ein progressiver Pädagoge, der sich mit neuen Tendenzen beschäftig hat und aufgrund seinen Ideen von den Falangistas (ein Art des Faschismus in Spanien) zu Beginn des Krieges ermodert wurde. Der Regisseur kam zu unserer Veranstaltung und hat den Film kurz vorgestellt, aber leider gab es keine Zeit für das Gespräch, das folgte. Dennoch haben die Teilnehmende eine interessante Diskussion zu Themen wie Demokratie, Bürgerbeteiligung, Unterschiede zwischen osteuropäischen Demokratien und die Wahrnehmung von Demokratie in Ländern wie Deutschland usw.

Am Nachmittag hatte La Vibria Internacional einen Workshop zu katalanischen Traditionen und auch freie Zeit für die Teilnehmende geplant, aber von der Gruppe kam drn Wunsch, nach Barcelona zu fahren, da die Stadt wirklich in der Nähe von Terrassa liegt. Mithilfe des Orga-Teams haben sie einen Ausflug organisiert und einen Nachmittag lang die freie Zeit in der Stadt genossen.

Am Freitag hatten wir genüge Zeit für eine Auswertung, die uns die Möglichkeit gegeben hat, Feedback zu der gemeinsamen Woche zu geben und das Erfahrene und Erlebte auszutauschen. Auch war Zeit für die Projektschmiede, innerhalb derer die Teilnehmenden in kleinen Gruppen Ideen für künftige Projekte entwickelt haben. Dabei entstanden auch Ideen für Folgeprojekte, an denen nun in den nächsten Woche weiter gebastelt wird. Ebenso werden wir noch unseren Blog online stellen, der Eindrücke unserer gemeinsamen Zeit versammelt!

Dank geht an das Programm Erasmus+ der Europäischen Union das Programm der interregionalen Zusammenarbeit des Landes Sachsen sowie das Jugendamt der Stadt Dresden, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre!