Hier bin wieder ich. Lange habe ich mich bei euch nicht gemeldet. Hoffentlich seid ihr gut ins neue Jahr gestartet. Mir geht’s gut und ich habe euch viel Neues zu erzählen.
In der ersten Novemberwoche war ich beim On-Arrival-Training des Freiwilligendiensts im schönen, gemütlichen und kulturreichen Weimar. Da wurde viel reflektiert und über Begriffe wie „Kultur“, „Interkulturalität“ und „Transkulturalität“ gesprochen. Zusammen mit Freiwilligen aus verschiedenen Ländern erfuhr ich mehr über die Projekte vom Europäischen Solidaritätskorps und Erasmus+, plante mein freiwilliges Jahr und tauschte meine Erfahrungen aus. In der Freizeit besuchten wir das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald und bummelten in der gemütlichen und authentischen Altstadt. Das Treffen mit anderen Freiwilligen war für mich sehr inspirierend und ließ mich über verschiedene Sachen nachdenken.
Ein Ereignis im November war für mich besonders prägend. Ich bereitete eine Präsentation und einen Vortrag über mein Heimatland vor, die ich dann am digitalen Ukraine-Abend für meine deutschen Kolleg:innen präsentierte. Ich widmete dieser Aufgabe viel Zeit und Mühe, um für meine deutschen Kolleg:innen eine richtige und umfassende Vorstellung von der Ukraine zu schaffen. Ich beantwortete auch die von Teilnehmer:innen gestellten Fragen und bekam danach ein positives Feedback.
November war für mich ziemlich erlebnis- und reisereich. Eine Freundin von mir aus der Ukraine kam zu mir zu Besuch. Zusammen besuchten wir die Sächsische Schweiz, die Gegend beeindruckte mich sehr. Ein anderes Wochenende verbrachte ich in Leipzig, wo ich mich mit meinen Freundinnen traf, es war eine schöne Zeit zusammen.
Was meine freiwillige Arbeit betrifft, so versuchte ich in möglichst viele Prozesse in der Bildungsarbeit vom PJR zumindest ein bisschen einzutauchen, wie z.B. bei AG-Treffen dabei zu sein. Die bedeutendste Leistung war aber meiner Meinung nach, dass ich beim Workshop für die Jugendweihe eine Einheit über das Cybermobbing übernahm, beim GTA Schülerzeitung machte ich auch aktiv mit. Ich war in der ersten Zeit sehr aufgeregt, aber sich neuen Herausforderungen zu stellen ist immer spannend.
In der Zwischenzeit übte ich weiter fleißig meine Sprachkenntnisse, indem ich zu verschiedenen Themen recherchierte, Texte im Original las, auf Deutsch im Alltag kommunizierte. Auch mit einer weiteren Fremdsprache begann ich, und zwar besuche ich jetzt einen französischen Onlinekurs.
Langsam stand der erste Advent vor der Tür. Ich dekorierte mein Zimmer, kaufte mir einen Adventskalender mit kleinen Süßigkeiten, im Büro herrschte auch weihnachtliche Stimmung. Jeden Adventssonntag unternahm ich immer etwas Schönes. Einmal besuchte ich zum Beispiel Radebeul bei Dresden, wo Häuser mit Hirtensternen, Schwibbögen und Lichtketten weihnachtlich geschmückt waren. Am nächsten Sonntag war ich dann bei einer Kollegin zu Besuch, wo wir Kaffee tranken, Stollen und Plätzchen aßen und quatschten. Für eine richtige Weihnachtsstimmung fehlte es nur einen Weihnachtsmarkt und Schnee. Der Striezelmarkt in Dresden, der älteste und der prachtvollste Weihnachtsmarkt Deutschlands, wurde wegen der verschlimmerten Corona-Situation in Sachsen leider abgesagt. Es gelang mir aber ihn kurz zu sehen, bevor alles abgebaut wurde. So schön und stimmungsvoll sah alles aus.
Trotz alldem konnte ich den wahren Geist des Weihnachtens dank meinen Kolleg:innen spüren. Im Büro erlebte ich Traditionen und Eigenheiten von Weihachten in Deutschland: ein Räucherhäuschen, eine blühende Amaryllis und natürlich einen Adventskalender (zwei sogar; einer davon war digital, von unserem Vorstandsvorsitzenden Marcus gemacht).
Bei der weihnachtlichen Mahlzeit im Büro verkostete ich meine Kolleg:innen mit der ukrainischen Kutja, die sie ungewöhnlich, aber lecker fanden. Zusammen schauten wir uns auch einen Weihnachtsfilm an, um uns auf Weihnachten einzustimmen. Alle, die beim PJR mitmachen, bekamen eine Weihnachtskarte mit Weihnachts- und Neujahrswünschen von Kolleg:innen. Ich bekam auch meine Karte, und es freute mich, herzliche und nette Worte durchzulesen.
Zuletzt noch ein paar Worte über meine Winterfeiertage. Zu Weihnachten und Silvester blieb ich in Deutschland und konnte es mir dabei nicht erlauben, keinen Weihnachtsmarkt dieses Jahres zu sehen. Ich reiste zu Weihnachten nach Berlin und besuchte einen richtig schönen Weihnachtsmarkt mit Musik, Glühwein, Eislaufbahn und Weihnachtsbaum. Das war so toll!!!
Damit mache ich diesmal Schluss. Ich bin gesund und munter. Mal sehen, was das 2022 uns bietet.
So, der erste Monat meines Freiwilligendienstes beim PJR ist vorbei (wie schnell die Zeit vergeht!). Dieser Monat war reich an Ereignissen, Erfahrungen, Herausforderungen, neuen Bekanntschaften, aber auch ungewöhnlich, interessant, busy, manchmal auch stressig.
Am ersten Arbeitstag im Büro hatte ich ein Einführungsgespräch mit meinem Mentor Tobias, während dessen wir organisatorische Fragen geklärt haben und ich viel unterschreiben musste 😄.
Die ersten Wochen „im neuen Leben“ fielen mir nicht so leicht. Nach den Arbeitstagen fühlte ich mich total erschöpft von den vielen neuen Informationen, von der neuen Lebensphase und natürlich von der Konzentration, die ich brauchte, um Deutsch zu verstehen und zu sprechen. Doch mit jedem neuen Tag gewöhnte ich mich mehr und mehr an die neuen Aufgaben und die neue Lebensweise.
Diesen Monat habe ich bei der Einführung in den Klassenrat und beim GTA „Schülerzeitung“ an der Unischule hospitiert, was für mich neu und daher auch interessant war. Ich habe gesehen wie man mit Kindern umgeht, ihre Aufmerksamkeit gewinnt und interaktive Methoden verwendet, um ihnen etwas beizubringen. Was mich überrascht hat, ist, dass Kinder in dieser Schule ziemlich viel Freiheit haben, was Lernprozess angeht, sie können zum Beispiel aus einem bestimmten Angebot auswählen, was sie nachmittags tun wollen.
Viel Zeit habe ich bei Recherche zu verschiedenen Themen verbracht, die für meine Arbeit beim PJR von Bedeutung sind, und zwar: Extremismus, Verschwörungstheorien, Filterblasen und Echokammern, politische Parteien und Strömungen in Deutschland und viele andere. Ich war auch an der Vorbereitung von Materialien für Workshops und GTAs beteiligt und wurde dabei immer von meinen KollegInnen unterstützt.
Besonders interessant und nützlich fand ich die Arbeitsgespräche mit Jugendvereinen aus der Ukraine und Georgien sowie aus Armenien, mit denen PJR gemeinsame Projekte für das kommende Jahr plant. Ich freue mich sehr, dass ich die Vorbereitung von Projekten Schritt für Schritt erleben und daraus viel lernen kann.
Auch nur positive Eindrücke habe ich von meinen Kollegen und Kolleginnen, die sehr freundlich sind und die sich gegenseitig unterstützen🤗. Mir gefallen auch Traditionen, die es im Büro gibt. Zum Mittagessen sammeln sich alle zusammen am Tisch, essen und quatschen über ganz verschiedene Themen. Manchmal kocht jemand für alle im Team, was ich auch sehr nett finde. Jede Woche gibt’s ein Teamtreffen, das immer mit einer Befindlichkeitsrunde anfängt und während dessen aktuelle Projekte besprochen werden.
Auch meine Begeisterung von Dresden darf nicht unerwähnt bleiben. Die Stadt hat ein großes historisches und kulturelles Erbe, die Architektur der Altstadt ist faszinierend, aber auch die Neustadt hat ihr besonderes Flair. Es gibt so viele Orte, die ich unbedingt besuchen möchte. Und natürlich die Elbe…😍 Ich habe immer davon geträumt in einer Stadt am Fluss zu leben. Und jetzt ging mein Traum in Erfüllung.
Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich mit dem ersten Monat meines Freiwilligendienstes sehr zufrieden bin und kann mir vorstellen, wie viel Schönes, Interessantes und Neues ich in elf verbliebenen Monaten noch erlebe.
P.S. Und jetzt geht’s los nach Weimar zum On-Arrival Training für ESK-lerInnen. Über meine Eindrücke darüber und über weiteres Aktuelles erzähle ich in meinen nächsten Blogbeiträgen.
Unser Freiwillige des Europäischen Solidaritätskorps Yuliia wird am Donnerstag 25.11. einen Abend über ihr Land gestalten: Neben Infos über Geschichte und aktuelle Politik wird auch der Gaumen verwöhnt werden! Wir treffen uns im PJR Büro auf der Reckestraße 1.
Wer dabei sein will, der/die melde sich bei uns. Wir weden die 2G+ – Regel an, das heißt die Veranstaltung ist nur offen für Geimpfte und Genesene, die ein negatives Testresultat vorweisen können. Selbsttests können wir zur Verfügung stellen, wir würden uns aber wünschen, dass ihr eine der kostenlosen öffentlichen Möglichkeiten in Anspruch nehmt.
Der “European Solidarity Corps” oder bis 2016 der “European Voluntary Service” wurde von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren die Möglichkeit zu geben, Europa kennenzulernen und ihren Teil zur Entwicklung einer für sie wünschenswerten Gesellschaft beizutragen. Nicht nur 27 politisch europäische Länder, sondern auch vier Nachbarländer auf dem europäischen Kontinent bieten ihrer und ausländischer Jugend aus Europa die Möglichkeit an, intereuropäische Erfahrungen im sozialen, ökologischen, kulturellem oder politischen Bereich zu sammeln.
Zu vergleichen sind diese Projekte mit dem “Freiwilligen sozialem/ kulturellem/ ökologischem Jahr”, der deutschlandweit von verschiedensten Institutionen angeboten wird, sowohl bezüglich der behandelnden Themen, als auch der Arbeitszeiten, Anforderungen, Dauer und finanziellen Entschädigung. Dagegen ist der “ESC” international von der EU unterstützt, das “FSJ” regional und überregional von Deutschland.
Ich bewarb mich 2021 nach meinem Abitur bei verschiedenen Angeboten auf der ESC- Webseite, vor allem bei sozialen und ökologischen Projekten in Ländern mit slavischer Sprache. Hauptgründe für diese Entscheidung waren vor allem das Interesse, neue Sprachen zu lernen und Kulturen zu erleben. Schnell baute sich der Kontakt zu mehreren Organisationen auf, unter anderem zu der NGO “Building a community” in Shipka, in der Mitte Bulgariens. Letzten Endes überzeugte mich bei beiden Skype-Vorstellungsgesprächen das Engagement und die Dynamik der kleinen Freiwilligengruppe und knapp einen Monat später fuhr ich nach Bulgarien.
Dinge, auf die man sich beim ESC verlassen kann:
- Legitimierte Organisationen
- Finanzielle Unterstützung oder gesamte Übernahme aller Kosten
- Chancengleichheit für verschiedenste Nationalitäten, Geschlechter und Persönlichkeiten
Dinge, auf die man bei der Wahl des Projektes achten sollte:
- Persönliche Präferenzen und Ziele
- Zeitraum und Ort
- Gruppendynamik (Schließlich wird man die nächsten Monate dort arbeiten oder sogar wohnen)
Unterstützung in Vorbereitung und einen deutschen Ansprechpartner fand ich in der Organisation “PJR Dresden”, die schon öfter mit besagter Organisation zusammengearbeitet haben.
Als ich nach 27 Stunden Busfahrt in Sofia ankam, hatte ich erst einmal einen halben Nervenzusammenbruch, da es im gesamten Bahnhof kein Internet gab, niemand Englisch sprach und ich keine Ahnung hatte, wo und wann der nächste Zug nach Kazanlak abfahren würde, aber nach einer Pizza und dem gefundenen Bahnsteig (Sofias Hauptbahnhof hat nur ungefähr ein Dutzend Gleise, also war es nicht ganz so beängstigend wie zum Beispiel in Deutschland) war es wieder einigermaßen okay. Ich hatte mich bewusst für ein ökologischeres und längeres Transportmittel als den Bus entschieden, denn ich wollte mehr von Europa sehen, die Entfernung wertschätzen und umweltschonender Reisen.
Für die Hinfahrt:
- Welcher Zeitraum, welches Verkehrsmittel, welcher Preis? (Die Europäische Union übernimmt einen gewissen Teil bis zu einem bestimmten Betrag, ich musste aber dennoch draufzahlen)
- Womit wirst du die Reise im Land fortsetzen? Ich für meinen Teil würde im Nachhinein, wenn man die Sprache nicht spricht, empfehlen, sich vorher schlau zu machen oder einige Sätze aufzuschreiben, um meine Situation zu vermeiden
- Eventuell wäre es schlau, Geld in der jeweiligen Landeswährung mitzunehmen, wenn dieses nicht den Euro etabliert hat.
Meine persönliche Packliste (Im Nachhinein):
- Klamotten: Für ca. eine Woche an die jeweiligen Bedingungen angepasst, evtl. Sport-, Schlaf- und Ausgehsachen, allerdings muss es wirklich nicht mehr sein als ein Outfit pro Situation, 2 Handtücher und ein Set Bettwäsche
- Elektronik: Handy, Ladekabel, Kopfhörer, Laptop
- Bücher: Nein (Ich habe bis jetzt noch kein einziges von meinen gelesen)
- Hygiene: Ich benutzte hier nur Shampoo, Seife, Zahnpasta und – bürste, Haarbürste, Menstruationstasse und Deo. Also keine Schminke, Pflegeprodukte o.ä.
- Sonstiges: Keine Erinnerungen (schau ich mir eher nicht an), Wanderzeug (weil meine Mitvolunteers gerne wandern gehen und das für Festivals super praktisch ist)
- Gastgeschenke: VIEL (sagen meine Mitvolunteers), eine Süßigkeit pro Person + ein Gesellschaftsspiel (sage ich)
Reiserucksack mit Powerbank, Handy, Kopfhörer, Zahnbürste, Essen (hauptsächlich Schokolade) und Trinken
Zuerst empfand ich die ungewohnte Situation als erschreckend und einschüchternd. Es war Abend, als ich endlich in Schipka ankam und es war überwältigend komisch und neu, zum Beispiel gab es keine Heizung, alle aßen draußen und das Toilettenpapier wurde kompostiert statt ins Klo geschmissen (hört sich eklig an, geht aber voll klar). In diesem Projekt lebe ich mit der Leiterin Tanja, ihrer achtjährigen Tochter Boudicca, den Haustieren Sara, der Hündin und Monkey und Shara, den Katzen und den Volunteers Tami, Majá und Hugo in einem Haus. Aufgaben sind unter anderem, in Boudiccas Schule auszuhelfen, den Selbstversorgergarten zu betreuen und im Gemeindehaus und Museum in Shipka verschiedenste Arbeiten zu erledigen. Zusätzlich kümmern sich alle Bewohner des Hauses um die Tiere und um den Haushalt, gehen Einkaufen und Kochen abwechselnd. Nach etwa zwei Wochen fühlte ich mich einigermaßen angekommen und fing an, die Zeit richtig zu genießen.
Über das Museum und das Gemeindehaus
Im Gemeindehaus und im Museum vollbringen wir hauptsächlich Renovierungsarbeiten, pflegen die angrenzenden Gärten oder helfen, Ausstellungen vorzubereiten. Letzens haben wir zusammen Seife gekocht und theoretisch gibt es neben dem Museum ein angrenzendes Café, was wir betreuen könnten, aber dafür gibt es momentan nicht genügend Volunteers. Manchmal gibt es wochenlang keine Arbeiten in den Institutionen und dann ist man eine oder zwei Wochen täglich dort, um Dinge zu erledigen. Erst letztens hatte das Gemeindehaus 160-jähriges Jubiläum und wir haben Wochen damit zugebracht, alles auf Vordermann zu bringen.
Über den Haushalt
Schwieriges Thema, gerade, weil wir mit der Betreuerin in einem Haus leben. Sie ist der Meinung, wir tun zu wenig, aber wir sind das nicht. Zwischen einem Volunteer und ihr gab es sogar mal eine richtige Fehde deswegen, aber das hat sich einigermaßen geklärt. Die Aufgaben sind eingeteilt in Badezimmer, Küche, Esszimmer und Wohnzimmer, weil wir eine relativ große Unterkunft haben, jeder hat sein eigenes Zimmer, das ist nicht zwangsläufig normal in anderen Projekten.
Über die Tiere
Wie gesagt hatten wir von Anfang an einen Hund und zwei Katzen, die eigentlich Tanjas Verantwortung waren, aber eigentlich macht jeder gleich viel für sie, weil sie als Koordinatorin meistens von morgens bis abends Termine hat. Wir füttern sie morgens und abends, mit dem Hund gehen wir zweimal pro Tag Gassi.
Weiteren Zuwachs bekamen wir schon in meiner zweiten Woche durch 10 Hühner, die allerdings jetzt nur noch sieben sind (das ist normal bei so kleinen Dingern aus eher semioptimaler Haltung [sagt Hugo]). Morgens um fünf müssen sie aus dem Stall und abends wieder rein, dazu zwei Fütterungen pro Tag.
In meiner fünften Woche fand ich einen Welpen auf der Straße und brachte ihn mit nach Hause. Für ihn sind es nochmal zwei Fütterungen pro Tag plus Spielzeit plus sehr viele Arztbesuche zur Behandlung von Krätze und den notwendigen Impfungen plus Suche nach einer neuen, beständigen Familie.
Ein paar Tage nach dem Welpen kam ein Kätzchen zu uns, das offenbar seine beste Freundin war und mit dem Welpen in seiner Hundehütte schläft. Füttern müssen wir sie trotzdem separat.
Dazu kommt das Kochen des Essens für Hunde und Katzen (wir geben ihnen abwechselnd Trockenfutter und gekochtes Huhn mit Reis) und die emotionale Aufmerksamkeit für alle Tiere.
Allein die Tiere können also schon einige Stunden in Anspruch nehmen.
Über den Garten:
Mindestens ein- bis zweimal die Woche müssen wir im Garten arbeiten, Unkraut jäten, Gemüse und Obst pflanzen, Mulch verteilen, Gießen, Kompost betreuen (vor allem den “Hot compost”), neue Beete aus Brennesselfeldern herausschlagen, Gemüse und Obst ernten und Beete nach Benutzung begrünen. Dabei lernen wir viel über das Gleichgewicht der Natur, Permakultur, die Essbarkeit und Bedürfnisse vieler verschiedener Pflanzen, die biochemischen Reaktionen der Umwelt und dass man immer eine Hose mit dreckigen Knien haben wird. Es ist vor allem mit der Sonne im Nacken keine sehr angenehme, aber dafür sehr ertragreiche Arbeit. Nicht nur sitzt man am Ende des Tages mitten in einem blühenden Paradies, man isst dabei auch noch frische Kirschen, Maulbeeren, verschiedenste Salate, Tomaten, Spargel, Möhren, Kartoffeln, Äpfel, Nüsse, Beeren, Gurken und vieles mehr frisch vom Baum/ Strauch/ Feld.
Über die Grundschule:
Als ich das erste Mal in die Schule kam, musste ich fast weinen, weil der Unterschied zwischen den “normalen Schulen” und dieser so gigantisch war: Es waren insgesamt zwölf Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren in einer großzügigen, offenen Wohnung mit einer Tafel im Esszimmer. Niemand musste fünf Stunden sitzen und der Unterricht war individuell und interaktiv. Trotzdem schafften alle Kinder dieses Jahr die Versetzungsprüfung, die durch den Staat Bulgarien angefordert wurde. Meistens kann man als Volunteer für anderthalb bis zwei Stunden in die Stadt, wenn nicht soviel los ist und beaufsichtigt die Kinder vor allem am Nachmittag, wenn alle zusammen rausgehen und im Park spielen. Da die Schule von acht bis halb sieben geöffnet ist, sind die Komm- und Gehzeiten sehr unterschiedlich. Wir nehmen meistens die Busse um 08:30, 09:30 oder 10:30 und kommen um 17:00 wieder zurück. Die Arbeit mit den Kindern ist anstrengend, auch wegen der fehlenden Autorität und Ordnung, aber am Ende des Tages findet man immer ruhige Minuten, in denen man sich auf seine eigenen Dinge konzentrieren oder einfach mal die Augen zumachen kann. Trotzdem bevorzugen die anderen Volunteers andere Arbeiten, auch, weil es nur geringfügig zum eigentlichen Projekt, dem Unterstützen der Gesellschaft Shipkas gehört.
Natürlich ist jedes Projekt dabei sehr unterschiedlich, aber in unserem Dorf gibt es beispielsweise noch eine andere Voluteeringstation, die ähnliche Teilbereiche betreuen. In anderen Projekten, beispielsweise einem Journalismusprojekt in Kazanlak, sehen die Aufgaben vollkommen anders aus.
Über ESC und die anderen Volunteers
Ein Highlight der ESC-Erfahrung ist definitv das „Arrival-Camp“, wo sich die Freiwilligen eines Landes zusammenfinden und eine Woche die Köpfe zusammenstecken.
Dieses Jahr waren wir untergebracht in dem „Balkan Hotel“ in Sofia, was eher nicht meiner Vorstellung einer Konferenzunterkunft entsprach: Es war eines der prestigeträchtigsten Hotels in ganz Bulgarien. Zwar kann man diesen Luxus nicht unbedingt erwarten – Laut meiner Betreuerin war es das erste Mal, dass die Volunteers so untergebracht wurden- aber es ist doch schön, das mal erwähnt zu haben.
Wir haben von 9:30 bis 18:00 über allerlei Dinge gesprochen, Spiele gespielt und uns miteinander bekannt gemacht. Ein großes Netzwerk aus internationalen, aufgeschlossenen Leuten zu kreieren ist definitiv eine Hoffnung von Vielen, denn es bedeutet nicht nur neue Freunde und viel Spaß, sondern auch die Möglichkeit, zu Reisen und viel über fremde Kulturen zu erfahren. Dafür haben uns vor allem die Nächte gedient, sodass wir im Endeffekt alle nicht viel geschlafen haben.
Um eine Vorstellung von dem Projekt zu bekommen, habe ich mich entschieden, einen kleinen repräsentativen Arbeitsablauf zu schreiben:
- Ich stehe morgens um etwa sieben oder acht auf, je nachdem, ob ich an diesem Tag in die Schule gehe oder wann ich am Abend davor eingeschlafen bin
- Ich lerne Bulgarisch oder mache etwas Kreatives, bevor der Tag losgeht, zum Beispiel Zeichnen oder Schreiben
- Ich mache mir eine To-Do-Liste für den Tag, da wir im Grunde selber entscheiden, wie er aussehen soll. Meistens arbeiten wir aber an einem Tag nur in einem Teilbereich, zum Beispiel dem Garten, dem Museum oder dem Gemeindezentrum.
- Ich gehe mit dem Hund spazieren, füttere Hühner, den Welpen oder alle Katzen oder auch nicht, je nachdem, ob die anderen schneller waren als ich
- Ich frühstücke selbstgemachtes Müsli mit selbstgemachtem Kefir oder Joghurt und selbst eingemachten Kirschen oder selbstgebackenes Brot mit Butter oder Käse
- Um 8:30 beginnt die Schule, um 10:00 der normale Arbeitstag
- Ich arbeite drei bis vier Stunden meine jeweilige To-Do-Liste ab oder erledige Arbeiten, die mir aufgetragen werden
- ich esse zusammen mit den anderen Volunteers und manchmal auch Tanja und Boudicca ein leichtes Mittagessen, zum Beispiel Brot und Butter, Salat aus dem Garten und Reste vom letzten Abendessen
- Ich spiele mit den Tieren oder habe etwas Zeit für mich alleine
- Nach etwa drei Uhr arbeiten wir nochmal bis fünf oder sechs, bevor wir Feierabend machen
- Zwischen fünf und acht male ich, schreibe, lerne bulgarisch, konsumiere leichte Unterhaltung (aka Youtube und Insta), mache evtl. Abendessen, füttere die Tiere oder putze, wenn ich an der Reihe bin oder mache etwas mit den anderen Volunteers.
- Um Acht gibt es Abendessen und danach meistens ein Zusammensitzen bis ca. 11 oder 12 Uhr, manchmal auch mit Gästen. Wir spielen Gesellschaftsspiele, Reden, schauen Filme oder Diskutieren einfach nur. Manchmal haben wir auch Videocalls mit unseren Familien oder anderen Organisationen.
In den 1,5 Monaten, die ich bis jetzt hier war, habe ich mich sehr gut einleben können und beinahe jeden Tag neue Erfahrungen gemacht, die mir geholfen haben, mich besser kennenzulernen. Gerade, dass man hier ohne Eltern lebt und durch ältere Volunteers zwar nicht vollkommen ins kalte Wasser geschmissen, aber dennoch viel von einem abverlangt wird, ist eine einzigartige Erfahrung und ich bin froh, sie noch vor meinem Studium machen zu können. Ich habe das Gefühl, dass die europäische Union mit ESC die Selbstständigkeit und das Gemeinschaftsgefühl in jungen EU-Bürgern fördert und damit zur Erhaltung eines starken und geeinten Europas maßgeblich beiträgt.
Zugegeben, es ist nicht das beste Jahr, um einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen. Man kann weniger rausgehen, weniger reisen, weniger Leute treffen. Dennoch habe ich trotz der Pandemie gerade die beste Zeit meines Lebens.
Ich heiße Hannah, bin 18 Jahre alt und verbringe zurzeit mein ESK in Portugal. Hier arbeite ich im Reitsportzentrum Cavalo Amigo und helfe überall mit, wo ein paar extra Hände gebraucht werden. Meine Aufgaben umfassen dabei nicht nur das Ausmisten der Ställe und die Fütterung der Tiere, sondern auch die Vorbereitung der Pferde für die Reitstunden. Außerdem werde ich bei der Bewegung und dem Training der Pferde abseits der Reitschule mit einbezogen, sodass ich beispielsweise kostenlosen Reitunterricht bekomme und mit den Pferden individuell arbeiten kann. Als langjähriges Pferdemädchen lebe ich quasi meinen Traum und entwickle meine Fähigkeiten unglaublich schnell weiter.
Cavalo Amigo ist ein recht kleines, aber dafür sehr familiäres Reitzentrum. Hier wird nicht nur Reitunterricht und Vorbereitung und Ausbildung für Turniere angeboten, sondern normalerweise auch Ferienangebote für Kinder und Pferdetherapie für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Sowohl durch ihre starke Körpersprache und sanfte, vorsichtige Art, als auch durch die Bewegungsabläufe beim Reiten, eignen Pferde sich nämlich sehr gut als Therapiepartner. Doch leider finden seit Beginn der Pandemie kaum noch Therapiestunden statt, sodass ich noch nicht die Möglichkeit hatte, dabei zu assistieren.
Zwischen und während der Reitstunden wird immer mit den Reitschülern und deren Eltern gequatscht, viele Kinder helfen tatkräftig bei der Versorgung der Pferde mit und irgendwer hat immer Kuchen dabei. Neben den beiden Reitlehrern arbeitet noch fast die ganze Gründerfamilie des Hofes mit, sowie eine angestellte Stallhilfe und eine zweite Freiwillige, die auch meine einzige Mitbewohnerin ist. Tetiana kommt aus der Ukraine, ist ein paar Jahre älter als ich und in den letzten Monaten eine sehr gute Freundin geworden. Wir machen fast alles zusammen, von der Arbeit über Ausflüge in der Umgebung von Figueira da Foz bis zum Baden im Atlantik, der nur eine Viertelstunde zu Fuß von unserer Wohnung entfernt ist. Es gibt eine riesige Strandfläche und eine Strandpromenade, wo sich Sternehotels, Restaurants und Bars aneinander reihen, und in der Sommersaison wird ein auch Rummelplatz aufgebaut. Da Figueira da Foz allerdings hauptsächlich vom saisonalen Tourismus lebt, ist es im Winter eher still und leer.
Erneuter Lockdown
Im Moment gäbe es aber sowieso nicht viele Gründe um rauszugehen, da Portugal sich nun auch wieder im Lockdown befindet. Die Regeln und Beschränkungen ändern sich gefühlt jeden Tag, vor allem seit nach den Feiertagen die Infektionszahlen besorgniserregend gestiegen sind. Zunächst hatte die Pandemie mein Projekt glücklicherweise eher weniger betroffen, schließlich müssen die Pferde immer versorgt werden und Bewegung bekommen. An die Maskenplicht im Stall habe ich mich schon lange gewöhnt, außerdem ist der Reitsport ein Individualsport, sodass auch lange noch Reitstunden stattfinden konnten. Nachdem nun aber auch die Schulen und Unis dichtmachen, schließt letztendlich auch die Reitschule und es gibt sehr strenge Beschränkungen, wie viele Leute sich gleichzeitig im Stall aufhalten dürfen. Daher sitzen wir zurzeit viel in der Wohnung, was sehr frustrierend sein kann.
Nicht nur das Projekt selbst leidet unter Corona, sondern auch viele Pläne, die ich für das Jahr hatte, müssen nun erstmal verschoben werden. Reisen ist erstmal unmöglich, weshalb ich leider erst sehr wenig von Portugal gesehen habe. Auch mein On Arrival-Training im November fand nur online über Zoom statt. Es war zwar trotzdem unterhaltsam und informativ, aber den direkten Kontakt zu anderen Freiwilligen, mit denen ich normalerweise eine Woche zusammen verbracht hätte, konnte es nicht ersetzen. Generell ist es sehr schwierig, neue Kontakte außerhalb der Organisation zu knüpfen.
Nichtsdestotrotz mache ich das Beste aus meiner Zeit hier: ich bin in einem wunderschönen Land, bei einem Projekt, das mir unglaublich viel Spaß macht, und darauf kommt es schließlich an.
Das Europäische Solidaritätskorps wird kofinanziert durch das Erasmus+ Programm der Europäischen Union.