von ESK-Freiwillige | 04.11.2022 | Blog
Chère Madame, cher Monsieur,
ich bin jetzt seit einem Monat in Dresden. Dresden ist sooooo schön (schöner als Berlin). Ich bin am ersten Wochenende in Oktober angekommen. Da der 3. Oktober ein Feiertag ist, hatte ich drei Tage um die Stadt zu besichtigen. Am Samstag 1. Oktober hatten Markus und Julia mich für eine Wanderung in die Sächsische Schweiz eingeladen. Das ist ein guter Weg, seinen ESK-Freiwilligendienst zu beginnen! Die Wandersaison ist leider vorbei, aber ich kann es kaum erwarten, im Frühling wieder anzufangen. Den Rest des Wochenendes und die folgenden Wochenenden habe ich Dresden besichtigt. Es gibt immer etwas neues zu sehen.
Der erste Monat in der Arbeit war sehr schwer. Ich muss immer alles ein- oder zweimal hören, um es zu verstehen (außer Tobias: ich verstehe nie was er sagt). Da ich mich die ganze Zeit konzentrieren muss, bin ich immer müde. Vor allem am Nachmittag. Darüber hinaus hatte ich so viel Stress seit Anfang Oktober, denn ich hatte keine WG gefunden. Ich glaube, dass ich nur drei Nächte voll geschlafen habe. Zum Glück gibt es eine Kaffeemaschine im Büro. Aber vor allem war alles leichter dank Franzi, die mich untergebracht hat und hat mir mit meinem Umzug geholfen hat. Nun habe ich ein Zimmer in einer WG! Ich bin noch etwas gehemmt und überrascht angesichts einiger kultureller Unterschiede. Deutschland ist doch ein bisschen anders, dass ich dachte. Aber das ist nicht schlimm. Ich bin noch nicht zur Arbeit total angepasst, aber ich kann das schaffen!
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,
Sarah
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 24.06.2020 | Blog
Mit Koffer, Motivation und Vorfreude kam ich am 01.09.19 nach Paris und bemerkte schnell, dass meine 4-Jahre Französischunterricht kaum etwas gebracht hatten. 🙂
Aber eins nach dem anderen, wie kam ich nach Paris?
Wie es bei vielen Abiturienten der Fall war, wusste auch ich nicht, welchen Weg ich nach meinem Abschluss schlagen sollte und entschied mich deswegen eine kleine „Pause“ zu nehmen. Durch Zufall las ich ich einem AOK-Magazin (ich weiß, richtig komisch eigentlich) etwas über Erasmus+ und wurde neugierig und fand dann auch schnell das ESC, European Solidarity Corps. Dies ist ein Programm, das jungen EU-Bürger/-innen die Möglichkeit gibt innerhalb der EU einen Freiwilligendienst zu machen. Das Projekt, das mich am meisten interessierte, liegt in der Nähe von Paris, (die Stadt der Liebe und des Lichts) und umfasst die Arbeit mit Kindern. Zwei Dinge, die ich unglaublich liebe! Die Bewerbung ging relativ schnell und einfach, ein Skype-Interview und nach zwei Wochen eine endgültige Zusage.
Meine Organisation heißt APJC (Association pour les jeunes et la culture) und bietet verschiedene Aktivitäten, Events und Programme für allerlei Altersgruppen an, hauptsächlich aber für Teenager und Kinder zwischen 8 bis 16 Jahren. Man arbeitet hier wie ein Vollzeitarbeiter, somit 35h/Woche und fünf mal die Woche.
Escape Rooms und Manga-Abende
Ich arbeitete ausschließlich mit Kindern und Teenagern. Wenn die Kinder Schule haben, arbeite ich von Dienstag bis Samstag. Da helfe ich drei mal die Woche bei den Hausaufgaben. Einmal die Woche gibt es Aktivitäten mit Kindern, da basteln wir zusammen z.B. für Halloween und Weihnachten oder entwerfen ein Stop-Motion Kurzfilm uvm.
An Samstagen gibt es Programme für Teenager, da gibt es unglaublich viele unterschiedliche Aktivitäten, wie z.B. Museumsbesuch, Kochen, Fahrradtour, Kinobesuch, uvm.
Wenn die Kinder aber Ferien haben, arbeite ich von Montag bis Freitag und hier gibt es ausschließlich nur Programme für Teenager, was auch ganz unglaublich vielfältig ist, wie z.B. Escape-Room, Manga-Abend, Open-Mic uvm.
Ich wohne in Rosny-sous-bois, ein „banlieu“ 20min von Paris entfernt, in einem voll ausgestattetem großen Haus (WiFi, zwei Badezimmer, zwei WC, Kochutensilien, in Prinzip alles was man fürs Leben braucht) und mit eigenem mobilisiertem Zimmer. Es leben hier noch 4 weitere Europäer/-innen und hier habe ich das Glück unglaublich sympathische Mitbewohner zu haben! Man bekommt auch monatlich genug Geld und die Reisetickets werden auch bezahlt!
Von Kindern lernen
Ich habe Frankreich ausgesucht, um mein Französisch zu verbessern und ich dachte mir, die beste Methode die Sprache zu lernen, ist sicherlich dort zu leben. Am allerbesten ist es, wie ich schnell herausfand, mit Kindern! Denn ihnen ist es komplett egal wie schlecht du die Sprache sprichst und helfen dir gerne! Das Schulfranzösisch hat mir persönlich nicht viel geholfen, deswegen war es gelegentlich sehr frustrierend nicht in der Lage zu sein, sich richtig auszudrücken. Dennoch ist es unglaublich vorteilhaft Vorkenntnisse zu besitzen, damit du dich nicht komplett „verloren“ fühlst.
Das Solidaritätskorps erfordert Kontaktfreudigkeit, Offenheit für Neues und man muss in der Lage sein Eigeninitiative zu ergreifen, denn deine Einsatzstelle wird dich nicht immer beschäftigen oder Aufgaben geben können. Im Gegenzug lernst du Verantwortung zu übernehmen, dein eigenes Geld zu verwalten und dich um dich selbst zu kümmern. Natürlich bekommst man ausreichend Möglichkeit sein Französisch zu verbessern und die französische Kultur zu entdecken.
Vor einer Woche bin ich jetzt von Deutschland wieder nach Frankreich zurück gekommen, wegen der Coronakrise war ich für einige Zeit wieder bei mir zuhause. Mir bleiben nun zwei Monate bis zum Ende meines Freiwilligendiensts und ich bereue rückblickend gewiss nicht, dass ich mich hier beworben habe.
Ich konnte hier unglaubliche Leute kennenlernen, zu denen ich auch nach dem Programm Kontakt halten möchte. Das Alleineleben, das erste Mal weg von den Eltern, erlaubte es mir noch autonomer und selbständiger zu sein. Die Arbeiten mit Kinder, war ebenso lehrreich, sie können gelegentlich nervig und frech sein, aber tief drinnen sind das wohl die unschuldigsten Wesen auf Erden.
Ich möchte auch betonen, dass wir als EU-Bürger/-innen die Möglichkeit haben, dank ESC kostenlos für ein Jahr in einem anderen EU-Land zu leben, das findet man nirgendwo sonst auf dieser Welt.
Ich hoffe, dass ich euer Interesse wecken und einen grober Einblick geben konnte, wie euer Freiwilligendienst im ESC aussehen könnte! Ich bedanke mich auch hier beim Politischen Jugendring Dresden, der dieses tolle Programme unterstützt und mich hier entsandt hat! Sie waren für mich immer bei Fragen da gewesen und leisten eine unglaublich gute Arbeit. Vielen Dank!
Lam Thao Nguyen
von Freiwillige/r im Sozialen Jahr Politik | 31.01.2019 | Blog
Ein Jahr im Ausland zu verbringen nach meinem Abitur war schon immer mein Plan. Die große weite Welt erkunden, frei sein, die Möglichkeiten nutzen, die man heutzutage hat. Andere Länder kennen zu lernen, eine neue Sprache erlernen und Freunde aus aller Welt zu finden gehört zu den Dingen, die für ältere Generationen leider größtenteils nicht möglich waren. Doch durch die vielen Möglichkeiten heutzutage war es nicht leicht zu entscheiden, welchen Weg ins Ausland ich nehmen sollte. Entweder auf eigene Faust Work&Travel machen in Australien oder Neuseeland, erstmal arbeiten gehen und dann die Welt bereisen oder eines der vielen Freiwilligenprogramme im Ausland wählen? Durch einen Bekannten stieß ich auf das Programm Erasmus+ der Europäischen Union. Europa hat mich schon immer begeistert. Ein Friedensprojekt seit über 70 Jahren auf einem Kontinent voller historischen Kulturen und vielen Sprachen. Ein Kontinent, der seit Jahrzehnten immer enger zusammenwächst, sodass Europa ein starkes Bündnis in Wirtschaft, Kultur, Bildung usw. geworden ist.
Der Europäische Freiwilligendienst (EFD) ist ein Teil des Programms Erasmus+ und bietet jungen Erwachsenen meiner Meinung nach das beste Freiwilligenprogramm, um ein anderes Land in Europa zu erkunden und gleichzeitg „Entwicklungshilfe“ zu leisten. Mein Wunsch war unser Nachbarland Frankreich, welches mich durch Sprache, Kultur und Landschaft begeistert. Mit dem PJR als Entsendeorganisation habe ich mich auf die Suche nach passenden Projekten in Frankreich gemacht. Es vergingen mehrere Monate und meine vielen Bewerbungen blieben meist ohne Antwort, bis es eines Tages doch mit einer Zusage klappte – und zwar für ein Projekt im Banlieue von Paris.
Seit 5 Monaten lebe ich nun in Rosny-sous-Bois, einem Vorort 20 Minuten vor Paris und mein Leben hier kann ich grob in zwei Teile gliedern. Zum einen ist es meine Arbeit in einem Jugendzentrum, welche mich so gut wie jeden Tag begleitet und mich so in einer neuen Kultur leben lässt. Auch die Freizeit gehört zu diesem Teil dazu, wenn ich am Wochenende Paris mit all seinem Flair erkunde.
Der andere Teil ist der internationale Teil eines Freiwilligendienstes. Ich lebe in einem Haus mit 4 anderen Freiwilligen aus Spanien und Polen, wodurch man jeden Tag Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdeckt. Auch ein Teil meiner Arbeit beschäftigt sich mit der europäischen Mobilität und dem Austausch mit anderen Freiwilligen, da meine Organisation koordinierende Organisation im EFD ist und andere Jugendliche zu diesem Thema beratet. Desweiteren treffe ich mich regelmäßig mit den europäischen Freiwilligen, die hier in der Region ihren Dienst leisten, wir tauschen uns aus oder unternehmen etwas zusammen. Gemeinsam sind wir dafür verantwortlich, den europäischen Gedanken als auch Informationen über die Möglichkeiten eines Freiwilligendienstes in Europa zu fördern und an die Bevölkerung zu bringen. Dafür haben wir zum Beispiel die Möglichkeit, 1-2 Wochen durch Frankreich zu reisen und verschiedene Events zu diesen Themen zu veranstalten. Durch Seminare oder andere Freiwillige baut man somit ein Netzwerk aus Freiwilligen auf, die zurzeit in Frankreich sind. Man besucht sich gegenseitig in anderen Städten und hat damit einen großen Vorteil.
Ich lerne so viel neues dazu und reife enorm durch die vielen Erfahrungen, womit man vorher kaum rechnen kann. Es ist schwierig, Außenstehenden zu erklären, was ein internationaler Freiwilligendienst bedeutet und was er alles mit sich bringt, denn man muss es einfach selber erleben. Intensiver Kulturaustausch, Sprachenvielfalt, Einblick in ein neues Land und in ein neues Arbeitsfeld erweitern den Horizont und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit habe. Ich merke zudem, dass es eher die Gemeinsamkeiten sind, die überwiegen, wenn man lokale Pariser trifft oder sich mit den Freiwilligen aus Griechenland, Spanien, Portugal usw. austauscht. Trotzdessen sind es auch die vielen kleinen Unterschiede, die solch einen Austausch so interessant und spannend machen.
Ich möchte jedoch auch anfügen, dass es nicht immer leicht ist und ich auch mit einigen Problemen konfrontiert werde. Die sehr hohe Kriminalität hier im Banlieue von Paris bekam auch ich zu spüren, nachdem mir im November mein Portemonnaie geklaut wurde und ich diesen Monat am Bahnhof von drei Männern eher unfreundlich empfangen wurde, die mir mein Handy entnahmen. Ganz zu schweigen von den bürokratischen Pflichten, die ich bis jetzt schon durchleben musste, und mich teilweise sehr wütend machten. Desweiteren ist auch das Leben in einer Wohngemeinschaft nicht immer harmonisch, da jeder unter uns manchmal andere Vorstellungen und Angewohnheiten hat. Auch auf Arbeit läuft nicht immer alles rund, und mich stören gewisse Dinge, die ich gerne ändern würde. Jedoch ergänzt sich größtenteils der deutsche und französische Arbeitstil und es ist gut, ein bisschen was von beidem zu haben.

Letztendlich denke ich, dass ich durch die Probleme oder Fehler viel lerne und das es auch alles neue Erfahrungen sind, durch die ich reifen kann. Es ist bei mir auf jedenfall nicht langweilig und ich führe alles andere als ein eintöniges Leben und das war genau das, was ich wollte. Ich empfehle jedem jungen Menschen eine solche Chance zu nutzen, sei es ein europäischer Freiwilligendienst oder etwas ähnliches. Lasst euch lieber ein bisschen mehr Zeit mit eurer Berufs- oder Studienwahl und geht auf Erkundungstour. Ihr werdet euch besser kennenlernen und findet heraus, was für euch wirklich wichtig ist. Der Weg ist das Ziel, traut euch, seid mobil! Macht das, was ihr wollt und ihr werdet es nicht bereuen. Ich freue mich auf meine weitere Zeit hier und ich hoffe, dass meine Erkundungstour genau so aufregend weitergeht. Au revoir et à bientôt!
Der Europäische Freiwilligendienst wird durch Mittel von Erasmus+ finanziert.