Wie fühlt es sich an, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, deren Familien Dresden aus Not verlassen mussten – und die heute als Gäste der Stadt zurückkehren?
Diese Frage stand im Mittelpunkt einer dreitägigen Veranstaltung, die am 7. Oktober in Dresden begann. Der zentrale Teil des Events fand in der Blauen Fabrik am Alten Leipziger Bahnhof statt. Dort sind junge Leute aus Dresden ins Gespräch mit den Menschen gekommen, deren Familiengeschichten einen tragischen Bezug zu der Stadt haben.
In den Jahren 1942/43 bildete der Bahnhof den Ausgangspunkt für zwei große Deportationstransporte von als Jüdinnen und Juden verfolgten Menschen aus Dresden und Ostsachsen.

Was bedeutet also Gedenken für die Angehörigen? Warum sind Gedenkstätten wichtig und wofür sollen sie heute vor allem stehen? Welche Rolle sollen dabei die Gegenwart und die Zukunft jüdischen Lebens spielen? Und wie stellen sie sich eine Gedenkstätte am Alten Leipziger Bahnhof vor?
Als Vorbereitung auf das Gespräch haben wir einen Workshop für die Jugendlichen gegeben. Dort ging es um die jüdische Kultur im Allgemeinen, aber natürlich auch um die drei jüdischen Gemeinden in Dresden und ihre Geschichte.
Am letzten Tag gab es die Möglichkeit, die jüdische Gemeinde in der Fiedlerstraße zu besuchen. Nach dem Rundgang durch den Friedhof waren wir eingeladen, am Gottesdienst teilzunehmen. Die Synagoge in der Fiedlerstraße ist auch ein besonderer Ort. Sie erinnert nämlich daran, unter welchen Bedingungen jüdisches Gemeindeleben nach der Shoah wieder aufgebaut wurde, bevor erst 2001 die Neue Synagoge am Hasenberg eingeweiht wurde.

