Zwischen Freiheit und Zugehörigkeit

Zwischen Freiheit und Zugehörigkeit

Filmvorführung mit anschließender Diskussionsrunde

Ein junger Mann freut sich darauf, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis Zeit mit Freunden zu verbringen. Die Willkommensfeier eskaliert jedoch, und er landet erneut bei der Polizei. Schlimmer noch, aufgrund wiederholter Straftaten droht die Abschiebung in den Senegal, das Heimatland seiner Eltern. Da er dieses Land nicht kennt und in Deutschland bleiben möchte, bleibt ihm nur die Option, zu heiraten. Die Suche nach einer Frau gestaltet sich jedoch schwierig, also entscheidet er sich für Plan B: Er heiratet seinen besten Freund, der bald Vater wird.

Am 13. März um 19:30 Uhr wollen wir im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus in der Filmgalerie Dresden e.V. (Altenberger Str. 26, 01277 Dresden) einen Film zeigen, dessen erste Idee laut den Filmemachern während einem Kunst- und Theaterprojekt in der JVA Wiesbaden entstand. Einige der Jugendlichen dort sahen sich einem Abschiebungsverfahren ausgesetzt, obwohl sie in Deutschland geboren waren. Der Film von 2021 befasst sich mit dieser Ungerechtigkeit, aber auch damit, was es bedeutet B(I)PoC und Queer (in Deutschland) zu sein. Im Anschluss an die Vorführung wollen auch wir diese Themen aufgreifen und den Film diskutieren. 

„FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE“ Filmvorführung und Podiumsdiskussion

„FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE“ Filmvorführung und Podiumsdiskussion

Am 01. Februar haben wir den Film “FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE” in der Filmgalerie Dresden geschaut. Im Anschluss gab es eine moderierte Podiumsdiskussion. 

Der Film dokumentiert auf beeindruckende Weise nicht nur die Zerstörung der Umwelt, die der Kohleabbau in Europa mit sich bringt, sondern wirft vor allem einen Blick auf die Allianzen die zwischen Menschen entstehen, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten, aber ein gemeinsames Ziel haben: den Schutz der Natur.

Der Film spielt sich an zwei Orten ab. Zum einen in dem kleinen Ort High Stables in England und im Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen. 

Auf einem Treffen für Umweltschutz lernten sich Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst und High Stables kennen. Die Anwohner*innen des kleinen britischen Ortes wurden von der Firma “Banks Mining” unter Druck gesetzt, ihre Heimat zu verlassen, damit man die Kohle unter den Hügeln des sogenannten Pont Valley abbauen könne. Allerdings wollten sie diese Zerstörung nicht zulassen und wehrten sich. Ein jahrelanger Rechtsstreit entbrannte, bei dem sich die einfachen Bürger*innen von High Stables wie David gegen Goliath einer Armada von professionellen Anwälten des Kohle-Konzerns entgegen sahen. Als die Lage sich immer mehr zuspitzt, suchen sie Hilfe bei den erfahrenen Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst und erbauen das “Pont Valley Protection Camp”. Die Besetzung sollte zum einen die Bauarbeiten der Banks Group erschweren und verlangsamen, damit man mehr Zeit für den Rechtsstreit gewinnen konnte. Zum anderen begab man sich in Pont Valley auch auf die Suche nach einer bestimmten Molch-Art, um beweisen zu können, dass die Zerstörung der Landschaft ein schweres Verbrechen gegen den Artenschutz sei.

Dem Hambacher Forst drohte damals ein ähnliches Schicksal. 2018 wurde sogar der nahegelegene Ort Immerath dem Erdboden gleichgemacht und umgesiedelt. Doch schon seit mehreren Jahrzehnten tobte auch hier ein Rechtsstreit, bei dem sich Anwohner*innen für den Erhalt der Landschaft und Ortschaften einsetzen. Der Wald war mit Unterbrechungen insgesamt über 10 Jahre besetzt. Es entstand eine Gemeinschaft, ja sogar ein neues Zuhause für viele Menschen. Man baute zahlreiche Baumhäuser, Sanitäranlagen, Kochstellen und natürlich auch Barrikaden, um den Wald vor Räumungen zu schützen. Besonders spannend war der Einblick in die Tunnelsysteme unter dem Wald. Sie wurden von den Aktivits*innen angelegt und von einer Hand voll Personen besetzt, um es der Polizei nahezu unmöglich zu machen, den Wald zu räumen. Außerdem zeigte der Film mehrere Sitzblockaden, Aktivist*innen die sich mit Klettergurten in die Bäume hängten und andere, die sich mit sogenannten Lock-Ons in Baumhäusern fest ketteten.

All diese Strategien und Fertigkeiten, gaben die Aktivist*innen aus dem Hambacher Forst an die Menschen in Pont Valley weiter. Der Film zeigt besonders schön, wie durch ein gemeinsames Ziel – der Schutz der Umwelt – ein Netzwerk der Solidarität zwischen Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt entstehen kann und auch wie wichtig dieses ist. Denn wir durften durch “FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE” nicht nur einen Blick in die Besetzungen werfen, sondern wurden auch mit dem rabiaten Vorgehen von Polizei und Security konfrontiert. Und ich denke, wenn uns die Bilder der Gewalt durch die Polizei schon so sehr bewegen und mehrere Tage gedanklich begleiten, dann kann man sich vorstellen, dass die Menschen, die das hautnah erleben mussten, noch viel länger damit zu kämpfen haben werden.

Alles in allem waren wir uns aber einig, dass der Film zwar auf eine dramatische Art und Weise darstellt, wie wichtig der Kampf für den Schutz der Natur ist und welche Ohnmachtsgefühle der Kampf gegen große Konzerne wie RWE und Banks Mining hervorruft. Aber vor allem gibt er uns auch Hoffnung. Denn beide Orte, High Stables und der Hambacher Forst, konnten am Ende, durch die unermüdliche Arbeit der Aktivist*innen gerettet werden.

Im Anschluss an den Film haben wir eine kurze Pause gemacht, um das Gesehene bei Snacks und Getränken erst mal sacken zu lassen. Dann ging es aber auch schon weiter mit einer regen Diskussionsrunde. 

Zuerst stellten sich die Diskutant*innen vor: Christian Bläul von der Letzten Generation und Extinction Rebellion, Louise Hummel-Schröter vom BUND Dresden und Johannes Lichdi, Anwalt und Stadtrat in der Dissidenten Fraktion. Die Moderation führte David Luys. Der Soziologie-Student war früher bei Ende Gelände tätig und hat sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit intensiv mit der Letzten Generation auseinandergesetzt.

Nach einer Einstiegsrunde, bei der die Referent*innen Fragen beantworteten, die wir uns im Voraus überlegt hatten, wurde der Raum für Fragen aus dem etwa 30-köpfigen Publikum geöffnet. Nach dem üblichen anfänglichen Zögern, wer nun die erste Frage stellen solle, kam es zu einem angeregten Austausch. Wir sprachen über darüber, wann ziviler Ungehorsam legitim, ja vielleicht sogar nötig sei und wie weit er gehen darf. Auch das Thema Polizeigewalt regte die Gemüter an. Allerdings verlief der Meinungsaustausch immer in geordneten Bahnen, was vermutlich auch den ähnlichen Standpunkten der Diskutant*innen zu verdanken ist. Schließlich ging es nicht darum, ob man überhaupt etwas für den Umweltschutz tun sollte, sondern eher auf welche Art und Weise. So war es weniger eine hitzige kontroverse Diskussion, als vielmehr ein Austausch über Standpunkte und persönliche Betroffenheit.  

Nachdem wir auch darüber sprachen, wie man sich als Umweltschützer*in am besten auf das Superwahljahr 2024 vorbereiten kann, blieb mir eine Frage aus dem Publikum besonders im Gedächtnis: Wie gehe ich mit dem Gefühl von Ohnmacht am besten um?

Das Gefühl, mit den eigenen Taten nichts ausrichten zu können, während man aus den Nachrichten von einer Katastrophe nach der anderen erfährt und beispielsweise der Kohleausstieg Deutschlands noch in weiter Ferne liegt (2038), kann sehr lähmend sein. 

Die Diskutant*innen waren sich einig: Von Tag zu Tag denken und Aufgaben nach und nach erledigen. Aber auch mal eine Pause zu machen, sei wichtig. Sich um sich selbst zu kümmern und sich auf Freunde und Familie zu konzentrieren. Dazu gehört auch, immer mal wieder Abstand von den sozialen Medien zu nehmen oder sich auf besonders vertrauenswürdige Kanäle zur Informationsbeschaffung zu beschränken. 

Schließlich ging es auch darum ob die Umweltaktivist*innen überhaupt noch Hoffnung haben oder ob das Gefühl der Ohnmacht überwiegt. Kurzum: Es besteht noch Hoffnung. Jede*r von uns kann einen Teil gegen den Klimawandel leisten und gleichzeitig dürfen wir nicht aufhören, unsere Forderungen an Regierung und Konzerne zu richten. Ich möchte allerdings noch das Zitat eines Aktivisten aus dem Film ins Gedächtnis rufen: “Ich tue es weiterhin, nicht weil ich Hoffnung habe, sondern weil ich das Gefühl habe, dass es das Richtige ist.”

„FINITE – The Climate of Change“ – Filmvorführung und Podiumsdiskussion

„FINITE – The Climate of Change“ – Filmvorführung und Podiumsdiskussion

„In Hambach in NRW setzen sich besorgte Bürger*innen für die Rettung eines uralten Waldes vor einem der größten Kohlebergwerke Europas ein. Sie gehen eine unwahrscheinliche Allianz mit einer frustrierten Gemeinde im ländlichen England ein, die gezwungen ist, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Häuser vor einem neuen Tagebau-Kohlebergwerk zu schützen. „FINITE – THE CLIMATE OF CHANGE “ ist ein Insiderblick auf die Welt des direkten Handelns; ein roher, authentischer und emotionaler Einblick in den ungleichen Kampf zwischen Frontlinien, Aktivisten und Unternehmen für fossile Brennstoffe.“

Am 1. Februar um 19:30 Uhr wollen wir in der Filmgalerie Dresden e.V. (Altenberger Str. 26, 01277 Dresden) den Film „FINITE– The Climate of Change“ zeigen. Wir werden den Film im Originalton (Deutsch/Englisch) mit deutschen Untertiteln ansehen. Im Anschluss daran wollen wir im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit euch über den Film sprechen und diskutieren, wie weit man gehen muss, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und welche persönlichen und rechtlichen Grenzen Aktivisti*innen haben. Auf dem Podium werden uns Umweltschützer*innen aus Dresden sowie der Stadtrat und Anwalt Johannes Lichdi (Dissidenten) Rede und Antwort stehen. Wir freuen uns dabei auch über Fragen und Anregungen aus dem Publikum.

Wir bitten um eine kurze Anmeldung per Mail an mail@pjr-dresden.de , da es nur eine begrenzte Anzahl an Sitzplätzen gibt.

 

Französischer Filmabend zu Segregation und Diskriminierung

Französischer Filmabend zu Segregation und Diskriminierung

In Kooperation mit der Filmgalerie laden wir euch zum Filmabend am Mittwoch 23.03. ein! Es wird ein französischer Film von 1995 zum Thema Segregation, Gewalt und Diskriminierung in präkarisierten Stadtteilen geschaut. Anschließend gehen wir in ein Filmgespräch und eine Diskussion mit dem Sozialarbeiter Sören Bär, der aus der Praxis erzählen wird.

Wann ?
Donnerstag 23.03.23 – 19:00

Wo ?
Filmgalerie
Altenberger Straße 26, 01277 Dresden

Anmeldung
mail@pjr-dresden.de

Streiks, Blockaden, Besetzungen

Streiks, Blockaden, Besetzungen

Streiks, Blockaden, Besetzungen … Wie weit darf Aktivismus im Namen des Klimaschutzes gehen? Diese Frage stellten wir uns bei unserem offenen Filmabend zum Thema „Klimaaktivismus“, welcher am 26. Februar 2020 in der Filmgalerie Dresden stattfand. Eingeladen war ein Aktivist der Umweltbewegung „Extinction Rebellion“ (XR). Gemeinsam schauten wir uns die Dokumentation „Extinction Rebellion – Notwendiger Klimaschutz oder Ökoterrorismus?“ des Senders arte an. Danach folgte ein Gespräch mit dem Gastreferenten. Er erzählte erstmal ein wenig über sich und seinem Weg zu Extinction Rebellion, bevor er sich den Fragen der Zuschauer stellte. So entstand ein reger Austausch über die Ziele von XR und deren Einfluss auf die Gesellschaft.

Vielen Dank an die Filmgalerie Dresden e.V. für Bereitstellung ihrer Räumlichkeiten und die Unterstützung bei der Vorbereitung des Events. Besonderen Dank auch an unseren Referenten Arthur und an alle, die beim Filmabend dabei waren und interessiert Fragen gestellt haben. Ohne euch wäre die Veranstaltung nicht so ein großer Erfolg gewesen!